Aus Linux-Magazin 11/2024

Mit Tvheadend und DVB-S Sat-TV streamen

© Serhii Hryshchyshen / 123RF.com

Streaming hin oder her: Lineares Fernsehen hat noch immer Anhänger, zumal es nahezu ohne Zeitverzögerung und Bandbreitenprobleme auskommt. Wie Sie mit Tvheadend und dem SAT-over-IP-Standard ihr eigener Streaming-Dienstleister werden, verraten wir in einer zweiteiligen Artikelserie.

Glaubt man den einschlägigen Berichten diverser Onlineforen, sieht das klassische, lineare Fernsehen praktisch niemand mehr. Stattdessen stehen Netflix, Disney+, Amazons Prime Video und zahllose andere Streaming-Anbieter vermeintlich hoch in der Gunst der Zuschauer. So ganz kann das aber nicht stimmen: Streaming-Anbieter, die lineares Fernsehen streamen und sich so als Alternative zu Kabel-TV oder Satelliten-TV etablieren, existieren nämlich mittlerweile in großer Zahl. Das legt nahe, dass die Kunden am klassischen Fernsehen durchaus interessiert sind.

Wer beim Empfang auf einen Kabelanschluss oder – noch besser – auf eine SAT-Schüssel setzt, ist verglichen mit den Streaming-Angeboten zudem klar im Vorteil, wie sich kürzlich während der Fußball-EM 2024 zeigte: Einerseits fallen die klassischen Wege des TV-Empfangs nicht aus, wenn viele Leute gleichzeitig zuschauen wollen (Abbildung 1). Anders als etwa Magenta, das bei manchen Spielen kurzerhand auf Youtube setzen musste, um die Übertragung zu gewährleisten. Andererseits empfängt man Fernsehen über die konventionellen Wege praktisch ohne Latenz. Während Ihr Nachbar also noch die Szenen von vor 30 Sekunden sieht, jubeln Sie im Zweifelsfall schon über ein Tor der deutschen Nationalmannschaft.

Abbildung 1: Allerdings nein: Wenn der Streaming-Anbieter wie hier Magenta zu Hochlastzeiten nicht hinterher kommt, guckt der Zuschauer in die buchstäbliche Röhre. SAT- oder Kabelfernsehen haben diese Probleme nicht. Quelle: Twitter / xTheSolutionNOT

Abbildung 1: Allerdings nein: Wenn der Streaming-Anbieter wie hier Magenta zu Hochlastzeiten nicht hinterher kommt, guckt der Zuschauer in die buchstäbliche Röhre. SAT- oder Kabelfernsehen haben diese Probleme nicht. Quelle: Twitter / xTheSolutionNOT

Zugegeben, linearer Fernsehempfang hat auch Nachteile. Digitaler Kabelempfang per DVB-C funktioniert nur, wenn das Haus an das Kabelnetz angeschlossen ist. Analog dazu kommt ein DVB-S-Signal ausschließlich an, wenn die entsprechende Schüssel auf dem Dach steht. Obendrein braucht es in beiden Fällen eine entsprechende Verkabelung im Haus, was zahlreiche potenzielle Anwender abschreckt. Wer einen Fernseher im Schlafzimmer haben möchte, kommt dort nicht ohne ein passendes Koaxkabel aus, das sich gerade in älteren Gebäuden nicht unbedingt einfach verlegen lässt.

Genau das ist der Grund dafür, dass Waipu, Zattoo & Co. so beliebt sind: Dafür genügt es, den Fernseher im Schlafzimmer aufzubauen und den Client des Streaming-Dienstleisters zu konfigurieren. Viele Hersteller haben ihn oft sogar schon auf ihren Smart-TVs vorinstalliert. Hinsichtlich Installationskomfort können da weder SAT- noch Kabelanschlüsse mithalten.

Selbst Streamen

Wenn Sie mehrere Räume im Haus mit TV-Empfang ausstatten wollen, müssen Sie heute die eigenen vier Wände nicht mehr zwangsläufig in einen Schweizer Käse verwandeln. Dafür existiert der SAT-over-IP-Standard: Er definiert, wie sich die – ohnehin in Form digitaler Pakete vorliegenden – Signale einer SAT-Schüssel weiterleiten lassen, sodass sie beliebige Endgeräte mit passendem Client empfangen können. Mit der richtigen Hardware und ein wenig Planung werden Sie so quasi zu Ihrem eigenen Streaming-Dienstleister. Von der SAT-Schüssel geht das Signal dafür zunächst in einen Verteiler, der es per Sat-over-IP weitergibt. Anschließend gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann das Sat-over-IP-Signal entweder direkt mit einem geeigneten Gerät abfangen, beispielsweise einer Set-Top-Box. Einige Fernseher haben ebenfalls einen Client für Sat-over-IP an Bord.

Die bessere Alternative ist jedoch, sich in Sachen Empfang von Linux unter die Arme greifen zu lassen. Hier kommt das Programm Tvheadend [1] ins Spiel. Die Software nimmt das Sat-over-IP-Signal entgegen und übersetzt es so, dass es sich von praktisch jedem Videostream-Client empfangen lässt. Dadurch verlängert sich die Liste der möglichen Endgeräte erheblich: Für Apples TV-Appliance generiert es ebenso passende Ausgaben wie für Android oder iOS. Auch dem Fernsehempfang mit dem Smartphone oder Tablet steht mit Tvheadend nichts mehr im Weg.

Das Ganze funktioniert bei brauchbarer Anbindung sogar durch ein VPN hindurch – wer zum Beispiel AppleTV so einrichtet, dass es sich per IPsec oder Tailscale mit dem heimischen Setup verbindet, kann auf diese Weise aus weiter Ferne im Urlaub zumindest deutsche Nachrichtensendungen mittels der heimischen SAT-Schüssel ansehen. Dieser Artikel verrät, welche Vorbereitungen in Sachen Hardware und Software zu treffen sind, und wie Sie das Setup einrichten müssen, um tatsächlich Ihr eigener Streaming-Anbieter zu werden.

Einkaufsliste

Mehr als die halbe Miete für das beschriebene Setup ist es, die passende Hardware zu beschaffen und aufzubauen. Sat-over-IP heißt so, weil der Standard grundsätzlich den Empfang der Fernsehdaten per Satellit vorsieht. Zwar gibt es mittlerweile auch Kabel-Implementierungen des Prinzips, diese Artikelserie konzentriert sich aber auf den Empfang per Satellit. Dabei sollten Sie finanziell Vorsicht walten lassen: SAT-Anlagen lassen sich mit nahezu beliebigem Aufwand betreiben, produzieren aber eben entsprechende Kosten.

Der Autor dieses Artikels wohnt in der Grenzregion von Deutschland und den Niederlanden, also ganz tief im Westen Deutschlands. Während man mit erträglich großen SAT-Schüsseln in den meisten Regionen Deutschlands lediglich den Standardsatelliten Astra 19.2 Grad Ost sowie Hotbird auf 13 Grad Ost empfangen kann, gibt es so weit westlich mehr Möglichkeiten. In Reichweite liegen dort zum Beispiel ebenso Astra 23.5 Grad Ost, auf dem besonders viele niederländische Sender vertreten sind, aber auch einige aus Osteuropa. Obendrein erwischt man gerade so den UK-Beam von Astra 28.2 Grad Ost, bekommt also bei nicht ganz katastrophalem Wetter die BBC-Sender und etliche andere englische Kanäle.

Dafür benötigen Sie allerdings entsprechendes Equipment: Die Skytenne von Technisat zum Beispiel bietet vier Empfangsteile (LNC) samt einer passenden Halterung zur optimalen Ausrichtung. Der Parabolspiegel kommt jedoch ohne Verteilerschalter (Multiswitch) daher. Wer ein solches Setup neu baut, entscheidet sich idealerweise gleich für eine Unicable-Lösung auf Grundlage von Unicable II. Geräte von Jultec nehmen die insgesamt 16 abgehenden Kabel der LNCs auf und verteilen sie beispielsweise beim Jultec JPS1704-4M auf vier Ausgänge mit jeweils vier möglichen Clients pro Kabel. Dabei führen Unicable-Verteiler eine Art Frequenzverschiebung durch: Auf der Grundfrequenz 1280 MHz liegt etwa das Signal für einen Receiver, auf der Frequenz 1382 das Signal für den zweiten Receiver und so weiter.

Lösungen auf Unicable-Basis erfreuen sich insofern großer Beliebtheit, weil sie dabei helfen, den von einer Schüssel üblicherweise ausgehenden Kabelwust klein zu halten. In einer passenden Box lässt sich ein Multischalter von Jultec problemlos im Außenbereich betreiben, sodass Sie nur hinreichend viele Kabel für die benötigte Anzahl der Clients ins Haus führen müssen. Wenn Sie in Summe acht Empfänger benötigen, genügt dafür beim Jultec JPS1404-8X sogar ein einzelnes Kabel, das sich – wie früher oft üblich – in einer Kreisverkabelung installieren lässt.

Doch Achtung: Das beschriebene Setup des Autors zählt als nicht ganz billige High-End-Ausführung. Wer beispielsweise lediglich einen Satelliten durchschleifen möchte – wie hierzulande üblich – greift stattdessen zu einer Standardschüssel aus dem Baumarkt mit im LNC integriertem Multiswitch. Das ergibt zumindest dann Sinn, wenn neben dem SAT-over-IP-Setup auch normaler DVB-S2-Empfang möglich sein soll. Die von der Schüssel abgehenden Kabel müssen etwaige Receiver und der SAT-over-IP-Verteiler sich dann jedoch teilen. Entsprechend reduziert sich die Anzahl der Streams, die der Umwandler gleichzeitig ins Netz schicken kann.

Wer auf den konventionellen DVB-S2-Empfang vollständig verzichten kann, besorgt sich stattdessen lieber eine klassische SAT-Schüssel mit normalem LNC ohne integrierten Multiswitch und verbindet die vier ausgehenden Kabel (Hi-Band/Low-Band für Vertikal/Horizontal) direkt mit dem SAT-over-IP-Konverter. Dann stehen vier parallele Streams zur Verfügung, aber keine freie Buchse mehr für den Anschluss eines konventionellen Empfängers wie einer Set-Top-Box.

DVB-S zu IP

In jedem Fall erforderlich ist zusätzlich zur eigentlichen SAT-Anlage ein Übersetzer von DVB-S2 auf IP. Praktisch existieren bloß zwei in Deutschland erhältliche Geräte dafür: Die Geniatech EyeTV Netstream 4Sat für knapp 200 Euro sowie Kathreins EXIP 418 (Abbildung 3) für knapp 300 Euro. Die Marke EyeTV mag manchem noch bekannt vorkommen; bevor Elgato sich auf Produkte für Video-Streamer fokussierte, gehörte sie nämlich zu Elgato. Doch diese Zeiten sind längst vorbei, heute vertreibt Geniatech seine Produkte unter der gleichnamigen Marke.

Als robuster und vielseitiger hat sich im Test des Autors jedenfalls das Gerät von Kathrein erwiesen. So bietet der Netstream 4Sat keine Unterstützung für Unicable II alias JESS. Unicable I jedoch ist auf zwei Satelliten beschränkt und mithin für das Setup des Autors ungeeignet. Der EXIP 418 hingegen zeigt, dass Kathrein in Sachen Satellitenempfang Bescheid weiß: Das Gerät offeriert nicht nur vier gleichzeitige Streams mehr als die Konkurrenz, sondern implementiert auch nahtlos Unicable II. Im Gegenzug fällt die Unterstützung für das Multischalter-Protokoll DiSeCq beim EXIP 418 weg.

Darüber hinaus lässt sich das Kathrein-Gerät komfortabel per Web-UI und Browser konfigurieren, während für die Konfiguration des Geniatech-Modells de facto das Programm EyeTV nötig ist, das aber lediglich für Windows oder MacOS überhaupt existiert. Eine Vollversion mit Lizenz für Windows immerhin liegt dem Geniatech-Gerät bei.

Abbildung 3: Der Kathrein EXIP 418 wandelt DVB-S2-Signale in SAT-over-IP-Pakete um. Er unterstützt Signale nach Unicable-II-Standard, lässt das Multischalter-Protokoll DiSeqC jedoch aus. Bei reinen Unicable-Setups kommt dieses aber ohnehin nur indirekt zur Verwendung.

Abbildung 3: Der Kathrein EXIP 418 wandelt DVB-S2-Signale in SAT-over-IP-Pakete um. Er unterstützt Signale nach Unicable-II-Standard, lässt das Multischalter-Protokoll DiSeqC jedoch aus. Bei reinen Unicable-Setups kommt dieses aber ohnehin nur indirekt zur Verwendung.

Schließlich fehlt noch eine Heimat für die künftige Tvheadend-Instanz. Dafür eignet sich ein Raspberry Pi ganz hervorragend. Tvheadend existiert inzwischen in Containerform, und zwar explizit auch für Systeme mit 64-Bit-ARM-CPU wie dem Raspberry Pi 5. Als Grundlage dient wie üblich Raspberry Pi OS. Beim Raspi indes muss der Administrator nicht allzu viel beachten: Hier genügt eines der gängigen Kits mit Speicherkarte, Netzteil und idealerweise einem Gehäuse mit aktiver oder passiver Kühlung.

Der Raspberry Pi dekodiert die Signale in einem Setup mit Tvheadend nicht selbst, das übernimmt der abspielende Client. Das Durchleiten von Streams braucht allerdings durchaus Rechenleistung. Wer es etwas komfortabler will, greift statt zu einem Raspi besser zu einem NUC von Intel oder einem vergleichbaren Mini-PC. Die schlagen zwar deutlich teuer zu Buche, liefern aber dafür ein Vielfaches der Rechenleistung und ermöglichen das problemlose Durchschleifen etlicher Streams gleichzeitig.

In Sachen Software sollten Sie in diesem Fall nicht mit sonderlich viel Komfort rechnen. Denn dann steht eher ein reguläres Ubuntu oder Debian GNU/Linux zur Debatte, das zumindest in der Lage sein muss, Container abzuspielen. Im Folgenden dient das Setup des Autors als Referenz. Es setzt auf einen UM790 Pro von Minis Forum und betreibt darauf Proxmox zur Virtualisierung. Tvheadend läuft in einer eigens für diesen Zweck angelegten Instanz mit vier CPU-Kernen und 16 GByte RAM, als Distribution findet Debian GNU/Linux 12 mit einigen installierten Paketen aus dem Backports-Verzeichnis Verwendung.

Erste Schritte

An irgendeiner Stelle muss dieser Text Dinge voraussetzen, um beim der Erklärung des gewünschten Setups nicht ins Uferlose zu geraten. Im Folgenden gehen wir also davon aus, dass eine Sat-Schüssel für den Empfang von Astra 19.2 Grad Ost und HotBird 13 Grad Ost installiert und ordnungsgemäß ausgerichtet ist. Ferner lautet die Annahme, dass ein Multischalter von Jultec für den Einsatz mit Unicable II bereitsteht. Das geschieht, weil neben TV per Stream der konventionelle Empfang via DVB-S2 möglich sein soll.

Der verwendete Jultec JPS0904-4M als Multischalter bietet bis zu vier parallele Streams pro Ausgang an, was damit implizit auch der maximalen Anzahl verfügbarer Tuner beim späteren Konverter hin zu SAT-over-IP entspricht. Wenig überraschend fällt hinsichtlich dieses Geräts die Wahl im Beispiel auf einen Kathrein EXIP 418, der zwar acht parallele Streams könnte, aber nur über einen Eingang für Unicable-Empfang verfügt und mithin auf vier parallele Signale beschränkt bleibt.

Der EXIP 418 ist im Fachhandel gut zu bekommen, bei Online-Händlern findet sich das Gerät mit sehr kurzen Lieferzeiten im Sortiment. Seine Inbetriebnahme gestaltet sich grundsätzlich einfach: Das Paket enthält neben dem Gerät lediglich ein Netzteil und ein Netzwerkkabel. Zunächst verbinden Sie den Netzwerkanschluss des Geräts mit Ihrem Router oder einem Switch, der im selben Netz hängt. Dann erfolgt die Verbindung mit der SAT-Schüssel: Der einzige Port des EXIP 418, der Unicable II bietet, ist Anschluss 1. Mit ihm verbinden Sie folgerichtig das vom Jultec-Verteiler kommende Kabel. Schließlich versorgen Sie das Gerät über das beiliegende Netzteil mit Strom.

Schalten Sie den EXIP 418 danach am rückwärtigen Kippschalter ein. Daraufhin gilt es, die IP-Adresse der Kiste herauszufinden. Ab Werk fragt der Kathrein per DHCP nach einer IP. Die Liste der zugewiesenen IP-Adressen in Ihrem Router gibt entsprechend Aufschluss. Öffnen Sie die IP des Geräts per Webbrowser auf Port 9527, und melden Sie sich mit dem Passwort »exip« an. Die folgende Konfiguration hängt stark von den Begebenheiten vor Ort ab. Im Beispiel wählen Sie den Punkt »LNB Settings« aus und klicken dort auf »Multiswitch/LNB (EN50607)«.

Anders als Unicable unterstützt Unicable I die automatische Erkennung der genutzten Frequenzen; diese sollten kurz nach der Auswahl der genannten Option auch in der Tabelle weiter unten auf der geöffneten Seite erscheinen. Übernehmen Sie die Einstellungen mittels »Apply«. Je nach lokaler Tradition empfiehlt es sich zudem, dem Kathrein-Gerät entweder über seine »Network Settings« eine fixe IP zu verpassen oder im DHCP-Server des eigenen Routers die IP-Adresse für die MAC des Kathrein fest zuzuweisen. Tvheadend benötigt die IP später, um mit dem Konverter über das Netz zu kommunizieren und die DVB-S2-Pakete zu übermitteln.

Praktisch: Das Kathrein-Gerät unterstützt uPNP und exponiert seine Dienste kurz nach Erkennen der Unicable-II-Parameter ins lokale Netz. Wenn Sie einen DVB-S2-Receiver mit Unterstützung für Sat-over-IP besitzen, zeigt er die mögliche Empfangsquelle jetzt bereits nach einer Suche im lokalen Netzwerk an. Genau da liegt aber der Hase im Pfeffer: Der Empfang soll schließlich nicht mit recht hochpreisigen Set-Top-Boxen wie einer Vu+ Duo 4k SE erfolgen, sondern vorrangig mit Software auf Streaming-Clients, Tablets oder Smartphones. Eben diese Konvertierung ist das, wofür es Tvheadend braucht. Dessen Installation und Konfiguration bilden entsprechend den nächsten Schritt.

Tvheadend aufsetzen

Gegeben sei also eine virtuelle Maschine auf hinreichend leistungsfähiger Hardware mit einem frischen Debian GNU/Linux 12. Da es sich im Beispiel um eine Ryzen-CPU von AMD handelt, ist die zugrunde liegende Architektur x86_64. Wie bereits erwähnt, ist dies die komfortabelste Art und Weise, Tvheadend in Containerform zu betreiben. Fertige Container finden sich auf der dazugehörigen Webseite. Damit das klappt, benötigen Sie auf dem System die Laufzeitumgebung für Docker-Container. Sie bringt »docker-compose« mit, das den Start des Containers für Tvheadend leicht von der Hand gehen lässt.

Die Befehle aus Listing 1 aktivieren zunächst das Paketverzeichnis für Docker im System, danach holt der Code aus Listing 2 die benötigten Pakete auf das System. Der Aufruf von »docker ps« sollte im Anschluss eine leere Ausgabe aufweisen – denn noch laufen ja keine Container. Kommt keine Fehlermeldung zurück, ist das der Beweis dafür, dass das Docker-Setup per se funktioniert hat.

Listing 1

Docker-CE-Repository aktivieren

### Add Docker's official GPG key:
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install ca-certificates curl
$ sudo install -m 0755 -d /etc/apt/keyrings
$ sudo curl -fsSL https://download.docker.com/linux/debian/gpg -o /etc/apt/keyrings/docker.asc
$ sudo chmod a+r /etc/apt/keyrings/docker.asc
### Add the repository to Apt sources:
$ echo \
  "deb [arch=$(dpkg --print-architecture) signed-by=/etc/apt/keyrings/docker.asc] https://download.docker.com/linux/debian \
  $(. /etc/os-release && echo "$VERSION_CODENAME") stable" | \
  sudo tee /etc/apt/sources.list.d/docker.list > /dev/null
$ sudo apt-get update

Listing 2

Pakete installieren

$ sudo apt-get install docker-ce docker-ce-cli containerd.io docker-buildx-plugin docker-compose-plugin

Wie beschrieben, bietet die Linux-TV-Community seit einiger Zeit ein Docker-Abbild für Tvheadend an. Dieser Ansatz ist der sinnvollste, denn sonst wäre Tvheadend nämlich lokal zu kompilieren, weil von der aktuellsten Version des Werkzeugs Pakete für die gängigen Distributionen noch nicht vorliegen – woran die Existenz der Docker-Container wohl nicht ganz unschuldig ist. Listing 3 enthält ein Beispiel für eine Datei »docker-compose.yaml«, die Sie im nächsten Schritt auf Ihrem Debian-System im Unterordner »/root/tvheadend« anlegen.

Bitte beachten Sie: Beim Parameter »volumes« müssen Sie einen tatsächlich auf Ihrem System existierenden Pfad angeben. Falls Sie LVM für die Einrichtung Ihrer Speicherlaufwerke nutzen oder für Aufnahmen von Tvheadend – die es durchaus anlegen kann – separaten, extra flotten Speicher verwenden wollen, hängen Sie ihn an einer geeigneten Stelle im Dateisystem ein und ändern die Einträge bei »volumes« dann so ab, dass sie zu den Einhängepunkten passen.

Listing 3

docker-compose.yaml

---
version: "2.1"
services:
  tvheadend:
    image: lscr.io/linuxserver/tvheadend:latest
    container_name: tvheadend
    environment:
      - PUID=1000
      - PGID=1000
      - TZ=Europe/Berlin
      - RUN_OPTS= # optional
    volumes:
      - /data:/config
      - /data/recordings:/recordings
    restart: unless-stopped
    network_mode: host

Im Anschluss sollte der Befehl »docker compose up« im Ordner »/root/tvheadend« dazu führen, dass Docker das Containerabbild herunterlädt und Tvheadend aus dem Container heraus mit der hinterlegten Konfiguration startet. Ob das Ausrollen von Tvheadend funktioniert hat, finden Sie heraus, indem Sie in Ihrem Browser die IP-Adresse der Tvheadend-Instanz auf Port 9981 ohne HTTPS aufrufen. Im Idealfall sehen Sie dann bereits die Startseite von Tvheadend (Abbildung 4), auch wenn es dort (noch) nicht viel zu sehen gibt.

Erhalten Sie die Fehlermeldung, wonach die Verbindung seitens des Servers zurückgesetzt worden ist, rührt das möglicherweise daher, dass der Browser doch eine verschlüsselte Verbindung aufbauen wollte. An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Tvheadend im vorgeschlagenen Ausrollmodell unverschlüsselt mit der Außenwelt kommuniziert. Passwörter werden also im Klartext übertragen. Sie tun gut daran, dafür zu sorgen, dass die Instanz mit Tvheadend tatsächlich ausschließlich aus dem lokalen Netz oder per VPN erreichbar ist. Insbesondere allzu freizügig konfigurierte Router, die per uPNP identifizierte Dienste auch gleich ins Internet freigeben, können hier zum Problem werden. Die Konfiguration Ihres Routers zu prüfen, ist vor diesem Hintergrund vermutlich keine schlechte Idee.

Abbildung 4: Tvheadend präsentiert sich insbesondere in seinem Konfigurationsdialog komplex, für SAT-over-IP sind aber gar nicht allzu viele Dinge zu ändern.

Abbildung 4: Tvheadend präsentiert sich insbesondere in seinem Konfigurationsdialog komplex, für SAT-over-IP sind aber gar nicht allzu viele Dinge zu ändern.

Fazit und Ausblick

Der erste Teil dieser Serie gelangt damit an sein Ende. Am Ziel sind Sie mit Ihrem Setup allerdings noch lange nicht: Tvheadend ist nämlich nicht gerade das, was man als eine benutzerfreundliche Lösung bezeichnen würde. Im gesamten Werkzeug wimmelt es vor Hebeln und Schaltern. Wer sich nicht sehr ausführlich mit der Tvheadend-Dokumentation befasst, greift an dieser Stelle schnell daneben.

Immerhin sind die nächsten nötigen Schritte klar. Tvheadend erkennt die SAT-over-IP-Tuner des Kathrein EXIP 418 zwar automatisch (Abbildung 5), weiß dann aber von sich aus nicht, was es damit empfangen kann. Die korrekte Einrichtung und Aktivierung der verfügbaren Kathrein-Tuner ist also ebenso notwendig wie die Konfiguration der Tuner auf die beiden anliegenden Satelliten, Astra 19.2 Grad Ost und Hotbird 13 Grad Ost, inklusive der im Beispiel nötigen Unicable-Konfiguration.

Sobald Tvheadend die Sat-Konfiguration kennt, beginnt es automatisch mit der Suche nach Sendern auf den ihm bekannten Transpondern. Nach der Sendersuche, die in größeren Umgebungen gern einige Zeit in Anspruch nimmt, erfolgt das Bestücken der Senderliste. Gerade das gestaltet sich in Tvheadend kompliziert, weil das Werkzeug wenig intuitiv zu bedienen ist.

Schließlich stellt sich auch die Frage, wie sich ein laufendes Tvheadend sinnvoll konsumieren lässt. Neben einer ausführlichen Beschreibung der nötigen Schritte für das SAT- und Kanal-Setup stellt der zweite Teil der Artikelserie in der kommenden Ausgabe deshalb TvhClient vor. Es lässt sich zumindest in iOS und tvOS nutzen und steht auch für Android zur Verfügung.

Abbildung 5: Der EXIP 418 verkündet per uPNP die angebotenen Dienste ins heimische LAN, und Tvheadend erkennt die Tuner auch, weiß ohne Konfiguration aber nichts mit ihnen anzufangen.

Abbildung 5: Der EXIP 418 verkündet per uPNP die angebotenen Dienste ins heimische LAN, und Tvheadend erkennt die Tuner auch, weiß ohne Konfiguration aber nichts mit ihnen anzufangen.

Gleichermaßen nicht unerwähnt soll die Herausforderung bleiben, die mit verschlüsselten Sendern einhergeht. Wer sich bereits mit klassischen Set-Top-Boxen beschäftigt hat, weiß, dass Kartenleser für Linux am freien Markt praktisch nicht in einer Version existieren, die gängige Pakete wie HD+ entschlüsseln kann. Lediglich in speziell zertifizierten Geräten, etwa jenen von Vu+, lassen sich etwaige CI+-Geräte betreiben. Von diesem Problem ist prinzipiell auch SAT-over-IP betroffen. Denn hier gibt der Konverter de facto lediglich die Pakete des DVB-S-Streams weiter, die er von der SAT-Schüssel geliefert bekommt.

Das wirft freilich die Frage auf, welche Möglichkeiten es gibt, um etwa HD+ auf solchen Geräten zu entschlüsseln, die das Fernsehsignal via Tvheadend empfangen. Dabei spielen letztlich außerdem rechtliche Aspekte eine Rolle. Denn nicht alles, was technisch geht, ist erlaubt. Zeit für eine Verschnaufpause wird insofern auch der zweite Teil der Serie nicht bieten: Es bleibt spannend. (jcb)

Infos

  1. Tvheadend: https://tvheadend.org
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1 Kommentar
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Markus Koßmann
1 Jahr her

Es gibt mindestens noch einen weiteren Anbieter von Sat-IP Umsetzern auf dem deutschen Markt : Digital Devices mit den Octopus Net Geräten ( https://digitaldevices.de/produkte/netzwerk-tv-tuner/)
Und man kann auch DVB-C und DVB-T2 streamen. Z.B. mit den Geräten von Digital Devices oder aktuelle Kabel-Fritzboxen enthalten auch einen Sat-IP Server mit bis zu 4 Tunern.

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