Aus Linux-Magazin 09/2024

CLI-Werkzeuge im Kurztest

Rust-basierte Shell Nu 0.95, Systeminfo-Tool Pfetch-rs 2.10.0, browserbasierter SQL-Client SQL Studio 0.1.19, archivfähige Find-Alternative Zfind 0.4.4, Reverse Proxy Zoraxy 3.0.7.

Nu 0.95

Rust-basierte Shell

Quelle: https://github.com/nushell/nushell

Lizenz: MIT

Alternativen: Bash, Zsh, Fish

Die leistungsfähige, in Rust geschriebene Bash-Alternative Nushell bringen einige Distributionen bereits in älteren Versionen mit. Das aktuelle Release laden Sie als Binary von Github herunter. Ohne weitere Parameter aufgerufen, startet Nu im interaktiven Modus, in dem Sie wie gewohnt Programme aufrufen oder im Filesystem navigieren. Schnell fällt auf, dass die Ausgabe vieler Befehle wie »ls«, »ps«, »date« oder »du« anders aussieht. Das liegt daran, dass Nu für viele davon eine eigene Implementierung mit einer strukturierten Ausgabe bereitstellt. Um statt der Nu-Implementierung das GNU-Original zu nutzen, müssen Sie dem Befehl ein Caret (»^«) voranstellen.

Skriptprogrammierer müssen bei Nu ebenfalls umdenken. Die Syntax von Schleifen und Verzweigungen unterscheidet sich stark von der aus der Bash gewohnten Form. Auch die Art der Wertzuweisung weicht vom Bash-Muster ab. Unix-typisch unterstützt Nu das Weiterleiten von Programmausgaben via Pipes. Die integrierten Kommandos erzeugen stets eine strukturierte Ausgabe, die sich mit Nu-Befehlen weiterverarbeiten lässt. Eine leistungsfähige Online-Hilfe beschreibt alle Kommandos ausführlich. Auf der Projektseite finden Sie zudem eine Befehlsübersicht sowie ein Online-Handbuch.

  Nu präsentiert sich als mächtige Shell, die den Fokus auf das Verarbeiten strukturierter Ausgaben legt. Ein Blick lohnt sich, obwohl die Lernkurve steil ausfällt.

Pfetch-rs 2.10.0

Systemparameteranzeige

Quelle: https://github.com/Gobidev/pfetch-rs

Lizenz: MIT

Alternativen: Neofetch

Die Entwicklung von Pfetch wurde im Frühjahr 2024 beendet. Als Ersatz tritt die Rust-basierte Reimplementierung Pfetch-rs an. Sie müssen das Werkzeug nicht selbst kompilieren, sondern können auf eines der Binärpakete bei Github zurückgreifen. Die gängigen Distributionen liefern Pfetch-rs nicht aus. Wie die meisten Fetch-Derivate zeigt das Tool beim Aufruf die wichtigsten Systemdaten an. Dazu zählen die verwendete Distribution und Kernel-Version, das verfügbare und belegte RAM, die Uptime sowie die Anzahl der installierten Programme. Zudem zeichnet Pfetch-rs das Distributionslogo. Alle Daten gibt es in der Konsole aus, sodass es sich auch als Anmeldebildschirm für SSH eignet.

Die Konfiguration erfolgt über Umgebungsvariablen, wobei sich die Entwickler an die meisten von Pfetch bereits genutzten Variablen gehalten haben. So lassen sich bestehende Konfigurationen weitestgehend übernehmen. Die Variable »PF_INFO« legt fest, welche Informationen das Tool anzeigt. Mit »PF_COLOR« und »PF_COL{1..3}« gestalten Sie das farbliche Erscheinungsbild. Beim Auffüllen von Leerzeichen weicht Pfetch-rs vom Original ab. Hier geben Sie mit den Variablen »PF_PAD{1..3}« das gewünschte Padding vor. Eine Übersicht aller Umgebungsvariablen sowie weitere Beispiele finden Sie auf der Github-Seite des Projekts.

  Suchen Sie ein kompaktes Sysinfo-Tool für den Anmeldebildschirm, sollten Sie sich Pfetch-rs ansehen.

SQL Studio 0.1.19

SQL-Client im Browser

Quelle: https://github.com/frectonz/sql-studio

Lizenz: MIT

Alternativen: Squirrel

Das Rust-basierte SQL Studio will die Arbeit mit SQL-Datenbanken vereinheitlichen und unterstützt dazu standardmäßig SQLite, PostgreSQL, MySQL, MariaDB und DuckDB. Binärdateien des Tools sowie einige Anwendungsbeispiele finden Sie auf der Projektseite. Mit welchem DBMS sich SQL Studio verbinden soll, geben Sie beim Aufruf zusammen mit den Verbindungsdaten und der zugehörigen Benutzerkennung an; bei SQLite genügt der Pfad zur Datenbankdatei.

Zur Interaktion mit der verbundenen Datenbank stellt SQL Studio eine Weboberfläche bereit. Dazu startet es auf Port 3030 der Loopback-Schnittstelle eine eigene Web-Engine. Andere Interfaces oder Ports geben Sie über den Parameter »-a« an. In der Web-UI präsentiert die Software drei Bereiche: Overview zeigt eine Übersicht aller Tabellen und Indizes samt Größe, unter Tables werfen Sie einen Blick auf den Aufbau und die Inhalte einer Tabelle. Query erlaubt SQL-Abfragen direkt in der Weboberfläche. Beim Start öffnet SQL Studio gleichzeitig den Standard-Browser des Systems, um auf die Web-Engine zuzugreifen. Im Test muckte SQL Studio an dieser Stelle allerdings: Die Engine startete erst, wenn der Webbrowser wieder geschlossen wurde.

  Alles in allem bietet SQL Studio eine interessante Alternative für den Datenbankzugriff per Webbrowser. Eine Benutzer- und Zugriffsverwaltung fehlt allerdings ebenso wie eine ausführliche Dokumentation.

Zfind 0.4.4

Find-Alternative für Archive

Quelle: https://github.com/laktak/zfind

Lizenz: MIT

Alternativen: Find

Zur Dateisuche verwenden die meisten Anwender das GNU-Tool Find, das allerdings keinen Blick in komprimierte Archive werfen kann. Hier schafft das Go-basierte Tool Zfind Abhilfe. In den gängigen Distributionen fehlt es noch, daher greifen Sie auf eines der Binärpakete bei Github zurück. Sie enthalten lediglich die ausführbare Datei, die mit »-h« eine rudimentäre Online-Hilfe liefert. Das Eingabeformat für Suchmuster lehnt sich an die Syntax der aus SQL bekannten WHERE-Bedingungen an. So können Sie beispielsweise mit AND- und OR-Verknüpfungen sowie LIKE-Statements arbeiten und dabei sowohl nach dem Dateinamen als auch dem Dateidatum suchen.

Die Suche lässt sich zudem auf bestimmte Archivtypen beschränken. Dabei unterstützt Zfind die Formate TAR, ZIP, 7Z und RAR. Wird es in einem Archiv fündig, gibt es den Archivnamen vor dem eigentlichen Treffereintrag aus. Mit »-l« erhalten Sie eine noch ausführlichere Ausgabe. Mit dem Schalter »-L« folgt Zfind bei der Suche symbolischen Links, mit »-n« deaktivieren Sie das Durchsuchen von Archiven. Um die Ausgabe weiterzuverarbeiten, fordern Sie sie mit »–csv« im CSV-Format an und müssen das Ergebnis nur noch via Pipe in eine Datei umlenken. Eine Übersicht der vollständigen Syntax sowie einige Anwendungsbeispiele finden Sie im Github-Repository.

  Seine Fähigkeit zur Suche in Archiven macht Zfind zur interessanten Alternative zu GNU Find.

Zoraxy 3.0.7

Leistungsfähiger Reverse Proxy

Quelle: https://github.com/tobychui/zoraxy

Lizenz: AGPLv3.0

Alternativen: Piko

Mit einem Reverse Proxy wie Zoraxy stellen Sie webbasierte LAN-Dienste auch extern bereit. Auf der Github-Seite des Projekts finden Sie Binärpakete, mit denen Sie direkt loslegen können. Ohne Parameter aufgerufen, startet Zoraxy seine Weboberfläche auf Port 8000. Mit »-port« geben Sie bei Bedarf einen anderen Port vor. Der Schalter »-fastgeoip« ermöglicht das geografische Einordnen eingehender Anfragen, kostet aber Geschwindigkeit und braucht mindestens 1 GByte RAM zusätzlich. In der UI legen Sie bei der ersten Anmeldung den administrativen Benutzer fest. Anschließend zeigt eine Statusseite die aktuellen Verbindungen und den Durchsatz an. Neue HTTP-Weiterleitungen legen Sie unter Create Proxy Rules fest, andere weiterzuleitende TCP/UDP-basierte Protokolle geben Sie im Bereich Stream Proxy an. Bei HTTP erfolgt die Unterscheidung über Subdomains. Bei TCP und UDP legen Sie eine IP-Adresse samt Port fest, auf der Zoraxy auf eingehende Verbindungen lauscht. Das Verbindungsziel geben Sie in beiden Fällen mit IP und Port an. Im Bereich TLS/SSL Certificates aktivieren Sie eine Transportverschlüsselung für einzelne (Sub-)Domains. Eine Zugangsbeschränkung für IP-Adressen definieren Sie im Bereich Access Control.

  Die Management-UI stellt zusätzlich Tools wie einen IP- und einen mDNS-Scanner sowie Whois bereit. Die mitgelieferte Dokumentation fällt dürftig aus. (Uwe Vollbracht/jlu)

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