Chatbots haben einen regelrechten Hype um Anwendungen der künstlichen Intelligenz entfacht. Mit ShellGPT lässt sich KI nun flexibel am Prompt nutzen.
Für Terminal-Anwender haben die gängigen KI-Chatbots bislang einen Nachteil: Sie sind auf grafische Benutzeroberflächen angewiesen und verwenden in vielen Fällen einen Webbrowser zur Kommunikation. Für jene Anwender, die seltener mit dem Browser arbeiten, stehen immerhin einige native Client-Applikationen einzelner Chatbots für den grafischen Desktop zur Verfügung. Für Administratoren dagegen, die Server ohne grafische Arbeitsumgebungen betreiben, waren Chatbots daher bislang kaum zu gebrauchen. Mit ShellGPT [1] ändert sich das: Der am Prompt arbeitende Client für ChatGPT erlaubt es, im Terminal oder auf der Server-Konsole mit dem Chatbot zu kommunizieren.
Die Anwendungsmöglichkeiten des Chatbots am Prompt entsprechen dabei denen der grafischen Lösung. So holen Sie sich damit beispielsweise am Prompt bei der Nutzung von Linux-Befehlen Hilfe. Aber auch bei technischen Problemen vermag ShellGPT im Terminal Fernwartungssitzungen oder den Einsatz eines Administrators überflüssig zu machen. Darüber hinaus kann die textbasierte KI-Anwendung dazu beitragen, Aufgaben der Systemwartung zu automatisieren, um Administratoren zu entlasten. Entwickler profitieren ebenfalls von ShellGPT, indem sie dessen Fähigkeiten dazu einsetzen, Codeschnipsel oder sogar Teile der Softwaredokumentation zu erzeugen.
Voraussetzungen
Um ShellGPT zu nutzen, müssen Sie ein kostenloses Konto bei OpenAI einrichten. Anschließend generieren Sie dort einen OpenAI-API-Key, den Sie zum Einsatz von ShellGPT zwingend benötigen. Dazu klicken Sie nach dem Einloggen auf der OpenAI-Webseite https://platform.openai.com oben links auf das OpenAI-Logo und wählen aus dem sich öffnenden Einstellungsmenü die Option API keys. Im folgenden Dialog legen Sie einen neuen API-Schlüssel an, indem Sie auf Create new secret key klicken und einen Namen dafür vergeben. Abschließend bestätigen Sie die Eingabe über Create secret key. Der Dialog zeigt Ihnen nun einmalig den Schlüssel an. Sie können ihn später nicht mehr im OpenAI-Konto nachschlagen. Kopieren Sie daher die Zahlen- und Ziffernfolge und speichern Sie sie dauerhaft in einer gesicherten Textdatei. So können Sie den Schlüssel später bei Neukonfigurationen wiederverwenden.
Während Sie sowohl beim nativen ChatGPT-Client als auch in der Weboberfläche den Dienst direkt nach der Registrierung und dem Einloggen nutzen, greift ShellGPT auf diverse kostenpflichtige Bestandteile der OpenAI-Infrastruktur zu. Dementsprechend müssen Sie zunächst ein Guthaben anlegen, das von einer Kredit- oder Debitkarte abgebucht wird.
Im Menü Settings | Billing können Sie ein solches Guthaben ab 5 US-Dollar erwerben [2]. Geben Sie dazu einfach im Dialog Add payment details die benötigten Zahlungsdaten und den abzubuchenden Betrag ein. Das Guthaben wird sofort verbucht und wirkt sich danach unmittelbar auf die Anzahl der Anfragen aus, die Sie pro Minute und Tag auslösen können. Diese Gebrauchsgrenzen finden Sie in Ihrem Konto links in der Optionsleiste unter Settings | Limits nach Subskriptionen sortiert.
Mit dem Anlegen eines Guthabens schließen Sie kein ein sich stets automatisch verlängerndes Abonnement ab, zumindest nicht in der Vorgabe. Haben Sie während der ersten Aufladung nicht die automatische Subskription mit monatlicher Zahlung aktiviert, müssen Sie das Guthaben bei Bedarf manuell wieder aufladen (Abbildung 1).
Installation
Unter Debian, Ubuntu und deren Derivaten installieren Sie ShellGPT innerhalb weniger Minuten. Als Python-Programm erfordert es eine entsprechende Umgebung, deren Vorhandensein Sie mit dem Terminalbefehl »python3 –version« prüfen. Erscheint in der nächsten Zeile keine Versionsnummer, müssen Sie Python erst noch einrichten (Listing 1, erste Zeile).
Listing 1
ShellGPT einrichten
$ sudo apt install python3 $ sudo apt install python3-pip $ sudo apt install python3-venv $ mkdir shellgpt $ cd shellgpt $ python3 -m venv shellgpt $ source shellgpt/bin/activate $ export OPENAI_API_KEY=Schlüssel $ pip3 install shell-gpt
Anschließend laden Sie den Python-Paketmanager Pip herunter (Zeile 2) und fragen die installierte Version mit »pip3 –version« ab. Um ShellGPT in einer virtualisierten Python-Umgebung einzusetzen, müssen Sie diese zunächst einrichten (Zeile 3). In diesem Environment wird ShellGPT von den Python-Dateien und Bibliotheken getrennt ausgeführt, was die Sicherheit erhöht. Daraufhin legen Sie ein eigenes Unterverzeichnis für ShellGPT an, wechseln dorthin (Zeile 4 und 5), richten eine neue virtuelle Umgebung namens »shellgpt« ein und aktivieren sie (Zeile 6 und 7).
Im nächsten Schritt bereiten Sie den generierten API-Key für ShellGPT vor (Zeile 8). Der Export des Schlüssels als Umgebungsvariable ist nur bis zum nächsten Warmstart des Computers gültig. Deswegen empfiehlt es sich, die Befehlszeile mit dem Schlüssel zusätzlich in die Datei »~/.bashrc« einzutragen, um bei zukünftigen Neustarts die Umgebungsvariable bei jedem Öffnen des Terminals zu aktivieren. Im letzten Schritt integrieren Sie die Anwendung selbst ins System (Zeile 9).
Bedienung
Nun können Sie die OpenAI-Umgebung im einfachsten Fall mithilfe des Kommandos »sgpt “Frage“« nutzen (Abbildung 2). ShellGPT setzt Parameter ein, um seine Antworten auf die unterschiedlichen Anforderungen abstimmen zu können. Um die einzelnen Optionen kennenzulernen, geben Sie am Prompt »sgpt –help« ein. Abbildung 3 zeigt eine Liste der Parameter, die Sie dabei erhalten. Auf der Github-Seite des Projekts finden Sie zahlreiche Anwendungsbeispiele. Beispielsweise führen Sie mithilfe des Parameters »–shell«, gefolgt von einer Anweisung im Klartext, Shell-Befehle auf dem System aus (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit diesem Befehl löscht ShellGPT nach einer Abfrage alle Daten im angegebenen Verzeichnis.
Je nach verwendeter Distribution interpretiert ShellGPT Befehle, die Sie mithilfe des Shell-Parameters ausführen lassen, unterschiedlich. Da das Tool das Betriebssystem erkennt, passt es beispielsweise die Kommandos zum Ausführen einer Systemaktualisierung an die entsprechende Paketverwaltung an. Die Software berücksichtigt auch BSD-Derivate und deren Ableitungen wie MacOS und nutzt die passenden Befehlssequenzen. Bevor ShellGPT das Kommando ausführt, müssen Sie die angezeigte Befehlssequenz stets bestätigen. Das senkt das Risiko potenziell fataler Fehlfunktionen deutlich.
Mithilfe des Parameters »–code« fungiert ShellGPT als Aushilfsprogrammierer, der kleine Codeschnipsel automatisiert generiert. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise Python-Code schreiben. Bei Bedarf kommentieren Sie den Code zusätzlich (Abbildung 5).
Der Parameter »–chat« beginnt eine neue Konversation, die ShellGPT auf Wunsch speichert. Möchten Sie mehrere Chats dokumentieren lassen, geben Sie für jeden einzelnen Dialogstrang eine Nummer an, damit sich die Chats später leichter identifizieren lassen. Anschließend liefert der Parameter »–show-chat Nummer« den Chat-Verlauf in voller Länge (Abbildung 6). Eine Liste sämtlicher gesicherter Konversationen rufen Sie ohne weitere Eingabe über den Parameter »–list-chats« auf.
Einstellungssache
In der Voreinstellung nutzt ShellGPT als Sprachmodell die aktuelle Version »gpt-4-1106-preview« von GPT 4. Es kann nicht nur zusätzlich Bilder verarbeiten und darin Texte erkennen, sondern beantwortet auch Kontextfragen zu Bildern und kommt selbst mit umfangreichen Texten zurecht.
Sie können jedoch auch zahlreiche andere Modelle nutzen, indem Sie die entsprechende Konfigurationsdatei »~/.config/shell_gpt/.sgptrc« entsprechend anpassen. Dort ändern Sie die Option »DEFAULT_MODEL=gpt-4-1106-preview« durch Eingabe eines anderen Modells. Die verfügbaren Modelle inklusive dereb Anwendungsbereiche schlagen Sie in Ihrem OpenAI-Konto im Menü Settings | Limits nach.
So können Sie beispielsweise den Eintrag »DEFAULT_MODEL=gpt-4-32k« in die Konfigurationsdatei einfügen, um so ein leistungsfähigeres Sprachmodell für längere Texte zu aktivieren. Allerdings übernimmt das Tool die Einstellung erst nach einem Neustart. Darüber hinaus können Sie das Sprachmodell auch temporär modifizieren, indem Sie das Programm mit dem Parameter »–model Sprachmodell« am Prompt aufrufen.
Fazit
Mit ShellGPT greifen Sie unkompliziert auf alle ChatGPT-Funktionen zu, ohne dabei auf eine grafische Arbeitsumgebung mit einem nativen Client oder auf einen Webbrowser angewiesen zu sein. Einziger Wermutstropfen der flexibel nutzbaren Terminalanwendung ist der Zwang zu einem kostenpflichtigen Konto. Erst damit erhalten Sie Zugang zu den nötigen OpenAI-Routinen. Da sich die Kosten dafür jedoch im Rahmen halten und darüber hinaus stets im Webbrowser ein Dashboard zur Kostenkontrolle zur Verfügung steht, fällt dieses Manko nicht entscheidend ins Gewicht. (csi)
Infos
- ShellGPT: https://github.com/TheR1D/shell_gpt
- OpenAI-Preismodell: https://openai.com/pricing#language-models











