Aus Linux-Magazin 04/2024

CLI-Werkzeuge im Kurztest

Systeminformationen auslesen mit Cupidfetch, E-Book-Texte extrahieren mit Ebread, simple Online-Zwischenablage Hasty-paste, Befehle via HTTP ausführen mit Http-cmd, Informationen verschlüsselt ablegen mit Paw, Skripte kompilieren mit Ssc.

Cupidfetch latest

Systeminformationen anzeigen

Quelle: https://github.com/frankischilling/cupidfetch

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Neofetch

Mit dem C-basierten Cupidfetch, das Sie selbst aus den Quellen kompilieren müssen, fragen Sie Systeminformationen in der Konsole ab. Sie rufen es ohne Parameter auf, die Konfiguration erfolgt über die Datei »$HOME/.config/cupidfetch/cupidfetch.ini«. Beim Aufruf ermittelt das Tool Daten wie den Host-Namen, den angemeldeten User, Distribution und Kernel-Version, die Anzahl der installierten Pakete sowie die Uptime. Darüber hinaus zeigt es den verbauten Prozessor, die genutzte Shell sowie die IPv4-Adresse des Systems und die Speicherauslastung. Eine Aufstellung aller aktiven Mountpoints samt Platzverbrauch komplettiert die Ausgabe.

Als C-Programm punktet Cupidfetch bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die aktuelle Version liefert bereits alle wichtigen Informationen, verschluckt sich jedoch beim Ermitteln der verwendeten Distribution. Beim Auswerten der Datei »/etc/os-releases« interpretiert Cupidfetch fälschlicherweise die Variable »VERSION_ID« als Distribution, da es lediglich nach dem Muster »ID=« sucht. Der entscheidende Eintrag »ID« findet sich jedoch erst am Ende der Datei. Stört Sie die Fehlermeldung, müssen Sie also lediglich die Reihenfolge der Einträge in der »/etc/os-releases« anpassen.

  Das noch junge Projekt Cupidfetch ist ausbaufähig; auf der Projektseite findet sich eine lange To-do-Liste, die Potenzial zeigt. Es lohnt sich also, das Tool im Auge zu behalten.

Ebread 0.1

Text aus EPUBs extrahieren

Quelle: https://codeberg.org/1-1sam/ebread

Lizenz: Freeware

Alternativen: Epub2txt

Das Format EPUB hat sich als Standard für E-Books etabliert. Um die Textbausteine einer EPUB-Datei weiterzuverwerten, muss man sie als einfachen Text aus dem Format extrahieren. Dabei hilft das C-basierte Ebread. Sie klonen den Quellcode des Werkzeugs aus dem Codeberg-Repository und kompilieren das Programm selbst.

Ebread verarbeitet den XHTML-Inhalt einer EPUB-Datei zu einfachem Text. Die Konfiguration erfolgt dabei über Aufrufparameter. Um den Text schnell zu extrahieren, übergeben Sie dem Tool den Namen der zu verarbeitenden EPUB-Datei. Ebread legt basierend auf dem Dateinamen einen Ordner an, in den es die Textdateien ablegt. Mit »-d« geben Sie bei Bedarf ein Zielverzeichnis an. Soll Ebread die Inhalte in eine einzelne Datei schreiben, legen Sie deren Namen mit »-1« fest. Mit »-o« schreibt Ebread den Text in die Standardausgabe. Zur Formatierung der Ausgabe definieren Sie mit »-l« die Zeilenlänge und mit »-i« die Einrücktiefe. Der Schalter »-x« weist Ebread an, den Inhalt des EPUBs lediglich zu entpacken, ohne den Text zu konvertieren. Dabei behält es die EPUB-Struktur bei. Standardmäßig arbeitet das Tool im Verbose-Modus, sodass Sie immer sehen, was es gerade macht. Für die Integration in Skripte deaktivieren Sie diesen Modus mit »-q«.

  Das noch junge Projekt Ebread zeigt Potenzial. Neben der Online-Hilfe (»-h«) stehen auch eine ausführliche Manpage zur Verfügung.

Hasty-paste 1.9.0

Einfache Online-Zwischenablage

Quelle: https://github.com/enchant97/hasty-paste

Lizenz: AGPLv3

Alternativen: Pastebin

Eine Zwischenablage ermöglicht, Daten zwischen Programmen auf einem Rechner auszutauschen. Soll das über zwei Systeme hinweg funktionieren, hilft ein webbasiertes Tool wie Hasty-paste weiter. Sie installieren es wahlweise aus den Quellen oder starten es in einem Docker-Container.

Nach dem Aufruf stellt das Tool eine simple Zwischenablage an Port 8000 zur Verfügung. Eine Transportverschlüsselung via TLS fehlt, weswegen Sie Hasty-paste nur im lokalen Netz nutzen sollten. Über den Button New Paste legen Sie einen neuen Eintrag in der Zwischenablage ab, dem Sie dabei einen Titel und ein Verfallsdatum zuweisen können. Handelt es sich bei dem Eintrag um Quellcode, lässt sich zusätzlich ein Syntax-Highlighting für die entsprechende Sprache aktivieren. Nach Erstellen des Eintrags finden Sie unter Download einen Link, der den Remote-Zugriff auf diese Zwischenablage ermöglicht und den Sie an Dritte weitergeben können. Der Abruf erfordert keine zusätzliche Authentifizierung. Über clone & edit bearbeiten Sie bei Bedarf eine Kopie des Eintrags weiter; der eigentliche Eintrag lässt sich nach dem Erstellen nicht mehr verändern.

  Hasty-paste besticht durch geringen Ressourcenbedarf und Geschwindigkeit. Ein kleiner Wermutstropfen: Dem Entwickler fehlt die Zeit, das Tool aktiv weiterzuentwickeln und mit zusätzlichen Funktionen auszustatten. Sicherheitslücken und Bugs korrigiert er aber weiterhin.

Http-cmd 1.0.0

Befehle via HTTP ausführen

Quelle: https://codeberg.org/mo8it/http-cmd

Lizenz: AGPLv2

Alternativen: Webhook

Mit dem Rust-basierten Http-cmd senden Sie Konsolenbefehle via HTTP zur Ausführung an ein Remote-System. Sie bauen das Tool mit »cargo build« selbst aus den Quellen. Es stellt die Server-Komponente bereit, als Client dienen einfache HTTP-Clients wie beispielsweise Curl. Ein Webbrowser eignet sich dafür nicht. Der Http-cmd-Server reagiert auf vordefinierte Befehle, die Sie in der TOML-basierten Konfiguration festlegen. Standardmäßig verwendet er dazu die Datei »http-cmd.toml« im aktuellen Verzeichnis, bei Bedarf geben Sie mit »-c« beim Aufruf ein anderes File an. Das Quellarchiv enthält diverse Konfigurationsschnipsel, eine umfangreichere Beispielkonfiguration finden Sie im Git-Repository des Tools.

Um einen Befehl auszuführen, fügen Sie ihn als Web-Pfad an die Ziel-URL an. Dieser URL folgt der Parameter »-d«, der die Übergabe von Variablen für den auszuführenden Befehl einleitet. Das Ergebnis erscheint in der Standardausgabe der aufrufenden Konsole oder Shell. Sie haben die Möglichkeit, die Ausgabe zur Weiterverarbeitung in eine Datei zu schreiben oder via Pipe an Drittprogramme zu übergeben. In jedem Fall raten die Entwickler des Tools bei seinem Einsatz zu besonderer Sorgfalt und Vorsicht.

  Http-cmd verzichtet auf eine Transportverschlüsselung und kennt keine Benutzerverwaltung oder Zugangskontrolle. Das begrenzt den Einsatz des Werkzeugs auf lokale, gut abgeschirmte Netzsegmente.

Paw 0.21.1

Informationen verschlüsselt speichern

Quelle: https://github.com/lucor/paw

Lizenz: MPL-2.0

Alternativen: Pass

Um Passwörter, Schlüssel und Notizen sicher zu verwalten, genügt eine simple Textdatei nicht. Ein intuitiv bedienbares, kompaktes Werkzeug wie das Go-basierte Paw bietet hier eine Alternative. Das Tool fehlt in den Repos der gängigen Distributionen, Sie müssen es selbst kompilieren. Dafür läuft es mit einer Code-Basis auf allen relevanten Betriebssystemen inklusive Linux, den BSD-Derivaten, MacOS und Windows. Für die GUI kommt Fyne zum Einsatz, zum Verschlüsseln die Bibliothek Age.

Zum Erstellen eines neuen Passwort-Vaults geben Sie beim Anmelden neben Ihrem Benutzernamen ein Passwort an, das Paw allerdings nicht auf ausreichende Komplexität prüft. In der Oberfläche angekommen, legen Sie mit Add item einen neuen Eintrag an. Neben Passwörtern können Sie auch Anmeldedaten, SSH-Schlüssel oder Freitextnotizen verwalten. Je nach gewünschter Eintragsart ermöglicht Paw dazu die Angabe einer URL, eines Benutzernamens oder von SSH-Agent-Einstellungen. Auf Wunsch erzeugt es für Sie Passwörter, deren gewünschte Komplexität Sie im Hauptmenü unter Settings anpassen. Die Konfiguration und alle verschlüsselten Einträge verwaltet Paw im Verzeichnis »$HOME/.paw/«.

  Das noch junge Paw präsentiert sich als interessantes und ausbaufähiges Projekt. Für künftige Versionen plant der Entwickler unter anderem eine automatische Sicherung und Synchronisation sowie die Unterstützung von Unicode-Passwörtern.

Ssc latest

Skripte kompilieren

Quelle: https://github.com/liberize/ssc

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Shc

Als Shell-Skript oder in einer Skriptsprache wie Python geschriebene Programme lassen sich ohne langwieriges Kompilieren sofort ausführen, debuggen und modifizieren. Um die Skripte später im Binärformat zu nutzen, übersetzen Sie sie mit Ssc, dem Simple Script Compiler. Sie müssen das Tool selbst aus den Quellen kompilieren.

Um ein Skript in ein Binary zu überführen, geben Sie Ssc dessen Namen und den der künftigen Binärdatei als Parameter mit. Es überführt den Code in eine ELF-Datei. Dabei unterstützt Ssc unter anderem Bash, Perl, Python, Node.js, PHP, Lua und Ruby. Standardmäßig nutzen die Binärprogramme Bibliotheken zur Ausführung. Für ein autarkes Binary erzeugen Sie via »–static« ein statisches Kompilat, was das Resultat aber merklich aufbläht. Mit »-e« integriert Ssc einen vorgegebenen Interpreter in die Programmdatei. Um zu verhindern, dass Dritte das Skript analysieren, fügen Sie dem Binary mit »-u« einen Debugging-Schutz hinzu. Es prüft dann bei jedem Start, ob ein Debugger aktiv ist, und quittiert gegebenenfalls den Dienst.

  Skripte mit einem Umfang von über 8 MByte kann Ssc zwar nicht kompilieren, aber zumindest vor neugierigen Blicken verbergen, indem es den Code mit RC4 verschlüsselt. Dazu geben Sie beim Aufruf den Schalter »-4« an. Eine Online-Hilfe erhalten Sie mit »-h«, die Github-Seite hält weitere Beschreibungen und Beispiele bereit. (Uwe Vollbracht/jlu)

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