Aus Linux-Magazin 03/2024

Einbinden entfernter Cloud-Speicher mit Rclone

© Helinton Fantin / 123RF.com

Wer seine Datenbestände in der Cloud sichern oder synchronisieren will, braucht nicht für jeden einzelnen Dienst native Clients. Mit Rclone erledigen Sie diese Aufgaben auch für mehrere Cloud-Konten bequem auf der Kommandozeile oder mithilfe eines grafischen Frontends.

Vor allem private Anwender sichern immer noch nicht regelmäßig ihre Datenbestände und synchronisieren die Sicherungen. In lokalen Backups gespeicherte Daten sollte man jedoch unbedingt zusätzlich auf einem entfernten Massenspeicher ablegen: Wenn der lokale Server oder das NAS-System entwendet oder durch Naturereignisse wie Überflutungen oder Brände zerstört wird, gehen die darauf gespeicherten Datensicherungen ebenfalls verloren. Da die meisten Unternehmen und viele Privatleute heute Cloud-Speicher nutzen, bietet es sich an, Backups zusätzlich in die Cloud zu transferieren. Dazu eignet sich das kleine Werkzeug Rclone [1] hervorragend.

Konzept

Als Standardwerkzeug zum Sichern von Datenbeständen auf entfernten Rechnern im Intranet dient auf der Kommandozeile Rsync. Für Sicherungen in die Cloud eignet sich jedoch Rclone wesentlich besser. Der Lernaufwand für Administratoren hält sich in überschaubaren Grenzen, denn das Tool orientiert sich an der Syntax von Rsync. Rclone lässt sich unter allen gängigen Distributionen bequem über die entsprechende Paketverwaltung installieren.

Darüber hinaus stehen die aktuellen Versionen auf der Webseite des Projekts auch für andere Betriebssysteme zum Download bereit, unter anderem für diverse BSD-Derivate und Solaris. Sie bedienen Rclone auf der Kommandozeile. Die Entwickler stellen zudem ein grafisches Frontend [2] bereit, das sich jedoch noch in einer experimentellen Phase befindet. In produktiven Umgebungen sollten Sie es deshalb nicht einsetzen.

Die zum größten Teil in der Programmiersprache Go entwickelte und unter einer MIT-Lizenz stehende Anwendung kann nicht nur komplette Datenbestände in die Cloud sichern und abgleichen, sondern auch einzelne Dateien und Verzeichnisse. Die Sicherungen lassen sich verschlüsseln und zwischen verschiedenen Cloud-Diensten synchronisieren. Rclone unterstützt dazu mehr als 70 Cloud-Anbieter, aber auch individuelle Systeme wie inhouse gehostete SFTP-Server.

Für jeden unterstützten Anbieter stellen die Entwickler eine ausführliche individuelle Konfigurationsanleitung [3] bereit, sodass es sogar Einsteigern gelingt, das Werkzeug so einzustellen, dass es sich mit einem bestehenden Cloud-Konto nutzen lässt. Über einen Cronjob kann Rclone zudem automatisiert Daten synchronisieren und so dafür sorgen, dass die Sicherungen stets auf dem aktuellen Stand bleiben.

Merkmale

Rsync

Rclone

Lizenz

GPLv3

MIT

Einsatzzweck

Datensicherung zwischen zwei Computern oder Servern

Datensicherung in die Cloud, Nutzung von Cloud-Speichern wie lokale Laufwerke

Sicherungsart

unidirektional

unidirektional

Threads

Single-threaded

Multi-threaded

Übertragung

einzelne Dateiblöcke

komplette Dateien

Integritätsprüfung

ja

ja

Support für Cloud-Dienste

nein

ja

Mounten von Ziellaufwerken

nein

ja

Installation

Am einfachsten installieren Sie Rclone aus den Software-Repositories der verwendeten Distribution. Findet sich dort nur eine ältere Variante, beziehen Sie Rclone von der Github-Seite des Projekts oder ziehen es per Skript ins System. Um das Skript zu nutzen, benötigen Sie Curl, das Sie gegebenenfalls unter Debian und verwandten Systemen mittels »sudo apt install curl« nachziehen. Anschließend integrieren Sie Rclone über den Aufruf aus Listing 1 in Ihr System.

Listing 1

Installation

$ curl https://rclone.org/install.sh | sudo bash

Um die Software danach zu nutzen, starten Sie anschließend mit »rclone config« die Grundkonfiguration. Im ersten Schritt fragt der Assistent nach dem »remote«, also dem Zielsystem. Durch einen Druck auf [N] öffnen Sie den Dialog zur Konfiguration eines neuen Cloud-Diensts. Die Routine blendet eine Liste von Speicherdiensten ein, von denen jeder eine eigene Nummer hat. Sie geben hier die für Ihren Anbieter passende Nummer ein.

Danach fragt das Skript die zur Nutzung des Diensts nötigen Daten ab. Die können sich auf unterschiedliche Standorte beziehen oder Authentifizierungsdaten abfragen. Der Assistent zeigt das Passwort dabei nicht an, Sie müssen es aber zur Bestätigung ein zweites Mal eingeben. Im nächsten Schritt werden die eingegebenen Zugangsdaten eingeblendet, und der Assistent fordert Sie auf, sie zu bestätigen. Hat sich ein Fehler eingeschlichen, können Sie den Eintrag mit [E]+ modifizieren oder mit [D]+ komplett löschen. Sind die Daten korrekt, drücken Sie [Y]+. Der Assistent zeigt den externen Dienst nun zusammen mit einer Auswahl von Optionen an, die es unter anderem gestatten, einen weiteren Dienst anzulegen (Abbildung 1). Mit einem Druck auf [Q] verlassen Sie den Konfigurationsassistenten.

Abbildung 1: Der Konfigurationsassistent wird komplett im Terminal bedient.

Abbildung 1: Der Konfigurationsassistent wird komplett im Terminal bedient.

Alternativ installieren Sie Rclone, indem Sie von der Webseite das entsprechende Paket herunterladen und mittels der Softwareverwaltung installieren. Für Linux stehen auf der Webseite RPM- und DEB-Pakete für 32- und 64-Bit-Systeme zum Download bereit. Auch für verschiedene Versionen der ARM-Architektur finden sich passende Pakete. Darüber hinaus ist ein ZIP-Archiv [4] für Linux im Angebot, das ein generisches Binärpaket der Software enthält. Dieses Archiv entpacken Sie einfach in ein beliebiges Verzeichnis, wechseln anschließend im Terminal dorthin und rufen wie beschrieben den Konfigurationsassistenten auf, um die Grundeinstellungen vorzunehmen. Danach ist die Software einsatzbereit.

Haben Sie eine ältere Version des Programms aus den Repositories der verwendeten Distribution installiert, können Sie sie mit dem Kommando »rclone selfupdate« auf den aktuellen Stand bringen. Mit dem Befehl »rclone version« fragen Sie bei Bedarf die aktuell installierte Version ab (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auch die Programmaktualisierung nehmen Sie mit wenigen Befehlen vor.

Abbildung 2: Auch die Programmaktualisierung nehmen Sie mit wenigen Befehlen vor.

Um einen Überblick über die zahlreichen Funktionen und Parameter der Software zu erhalten, geben Sie am Prompt den Befehl »rclone -h« ein. Zu jeder einzelnen Option steht eine detaillierte Hilfe zur Verfügung, die Sie jeweils mit dem Kommando »rclone Option –help« abrufen. Sie können dabei Parameter miteinander kombinieren.

Netzlaufwerk

Möchten Sie mithilfe von Rclone Ihren Cloud-Speicher wie ein herkömmliches Netzlaufwerk ins System integrieren, legen Sie zunächst in Ihrem persönlichen Ordner ein neues Verzeichnis an.

Anschließend geben Sie den Befehl aus der zweiten Zeile von Listing 2 ein. Der Parameter »Dienst« bezeichnet dabei den Cloud-Dienst, den Sie in der Konfiguration von Rclone definiert haben, während »Ordner« den neu angelegten Zielordner meint. Beachten Sie bitte, dass die Schreibweise des Dienstenamens bei der Befehlseingabe exakt mit jener bei der Konfiguration von Rclone übereinstimmen muss.

Je nach Schnelligkeit Ihres Internet-Zugangs und der Menge der zu transferierenden Daten erscheint nach einiger Zeit im Zielordner Ihres Systems die komplette Ordnerstruktur des Cloud-Speichers (Abbildung 3). Sie haben nun auf alle in der Cloud gespeicherten Inhalte vollen Zugriff, sofern Sie auch in der Konfiguration von Rclone für diesen Dienst alle Rechte erteilt haben.

Abbildung 3: Rclone kann den Cloud-Speicher wie ein Netzlaufwerk in Ihr System einbinden.

Abbildung 3: Rclone kann den Cloud-Speicher wie ein Netzlaufwerk in Ihr System einbinden.

Im grafischen Dateimanager der jeweiligen Arbeitsumgebung nutzen Sie das Cloud-Verzeichnis und dessen Unterordner in derselben Weise wie lokale Verzeichnisse. Auch das Kopieren von Dateien aus der Cloud auf das lokale System gelingt problemlos. Allerdings werden Inhalte – vor allem umfangreichere Dokumente wie PDF-Dateien – deutlich langsamer geladen als lokale Dateien.

Beachten Sie, dass Sie den Befehl zum Einbinden des Cloud-Speichers als Netzlaufwerk nach jedem Systemstart erneut eingeben müssen. Um den Speicher bei einem Neustart automatisch einzubinden, empfiehlt es sich daher, ein entsprechendes Skript anzulegen.

Listing 2

Rclone-Kommandos

### Netzlaufwerk
$ rclone --vfs-cache-mode writes mount Dienst ~/Ordner
### Daten kopieren
$ rclone copy Quelle/Datei Ziel:/Pfad/><I>
### Datenabgleich
$ rclone sync -P /Quelle/ Ziel:/Pfad/

Daten kopieren

Um einzelne Dateien mithilfe von Rclone in die Cloud zu kopieren, nutzen Sie den Unterbefehl »copy«. Im Beispiel aus der vierten Zeile von Listing 2 bezeichnet das »Ziel« den im Konfigurationsassistenten von Rclone definierten Cloud-Dienst. Für eine Fortschrittsanzeige während des Kopiervorgangs geben Sie zusätzlich nach »copy« noch den Parameter »-P« an (Abbildung 4). Die Anwendung zeigt dann nicht nur den Transferverlauf an, sondern nach Abschluss der Datenübertragung auch die benötigte Zeit. Vorsicht: Im Zielverzeichnis vorhandene Dateien gleichen Namens überschreibt Rclone ohne Warnmeldung.

Abbildung 4: Einzelne Dateien k&ouml;nnen Sie bequem am Prompt kopieren.

Abbildung 4: Einzelne Dateien können Sie bequem am Prompt kopieren.

Die Anwendung unterstützt zahlreiche Flags, mit deren Hilfe Sie beispielsweise bei regelmäßigen Kopiervorgängen nicht jedes Mal den kompletten Datenbestand des Quellordners in die Cloud schreiben müssen. Um nur geänderte oder neu hinzugefügte Dateien zu transferieren, können Sie beispielsweise das Flag »–max-age Alter« verwenden, um nur jene Dateien in die Cloud zu sichern, die während der angegebenen Zeitspanne modifiziert wurden. Das Zeitformat geben Sie dabei in beliebigen Abstufungen von Millisekunden bis Jahren an. Die Flags sind in der Dokumentation der Software detailliert beschrieben.

Datenabgleich

Rclone ermöglicht es, Daten zwischen zwei Laufwerken derart zu synchronisieren, dass auf dem Ziellaufwerk alle Daten gelöscht werden, die im Quellordner nicht mehr existieren. Um lokal gespeicherte Inhalte in die Cloud zu synchronisieren, nutzen Sie den Unterbefehl »sync«. Dateinamen geben Sie dabei nicht an, sondern nur das Stammverzeichnis (Listing 2, Zeile 6). Rclone kopiert die Daten unter Beibehaltung der Ordnerstruktur in die Cloud.

Auch hier lässt sich der Parameter »-P« nutzen, um eine Fortschrittsanzeige zu erhalten. Rclone zeigt dann untereinander die Namen der einzelnen Dateien an, die es gerade in die Cloud synchronisiert. Das Tool überträgt voreingestellt bis zu vier Dateien gleichzeitig. Eine höhere Zahl simultaner Transfers stellen Sie bei Bedarf über den Parameter »–transfers=Anzahl« ein (Abbildung 5).

Abbildung 5: Rclone synchronisiert auch gro&szlig;e Datenbest&auml;nde durch parallelen Transfer mehrerer Dateien.

Abbildung 5: Rclone synchronisiert auch große Datenbestände durch parallelen Transfer mehrerer Dateien.

Grafisch

Die Entwickler von Rclone stellen ein grafisches, webbasiertes Frontend für die Anwendung bereit. Mit dem Befehl »rclone rcd –rc-web-gui« beziehen Sie das entsprechende Paket von der Github-Seite des Projekts und richten es ein. Anschließend öffnet sich automatisch das grafische Dashboard (Abbildung 6) im Webbrowser des lokalen Systems. Später rufen Sie es bei Bedarf jederzeit über die URL http://127.0.0.1:5572/ wieder auf.

Abbildung 6: Sehr professionell wirkt die GUI von Rclone.

Abbildung 6: Sehr professionell wirkt die GUI von Rclone.

Das Frontend ermöglicht den direkten Zugriff auf Inhalte des jeweiligen Cloud-Kontos. Dazu nutzen Sie die Option Explorer links in der Steuerleiste. Dahinter verbirgt sich ein Dateimanager, in dem Sie zwischen den einzelnen Verzeichnishierarchien navigieren und Dateien aus der Cloud herunterladen oder diese teilen. Außerdem können Sie mithilfe der rechts oben im Fenster angezeigten Schalter neue Verzeichnisse in der Cloud anlegen oder Inhalte hochladen. Überdies findet sich hier eine Suchfunktion, die auch die Suche nach spezifischen Dateiformaten gestattet. Über das Menü Configs integrieren Sie bequem neue Cloud-Anbindungen in die Software oder aktualisieren beziehungsweise löschen bestehende.

Rclone-Browser

Eine komfortable grafische Oberfläche für Rclone bietet der Rclone-Browser [5]. Diese Anwendung laden Sie von der Github-Seite des Projekts als Appimage für 32- und 64-Bit-PCs sowie den Raspberry Pi herunter. Die Abbilder lassen sich nach dem Gewähren von Ausführungsrechten (»chmod +x Image«) unabhängig von der jeweiligen Paketverwaltung ohne weitere Installation in jeder Linux-Distribution verwenden.

Nach dem Aufruf öffnet sich ein konventionelles Programmfenster mit einer Menü-, einer Reiter- und einer Schalterleiste. Zunächst klicken Sie im Reiter Remotes auf den unten links platzierten Button Refresh, um die in Rclone konfigurierten Cloud-Dienste angezeigt zu bekommen. Nach einem Klick auf den gewünschten Dienst öffnet sich dieser, und die Inhalte erscheinen in einer Baumansicht im neu für den Dienst angelegten Reiter (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der Rclone-Browser vereinfacht den Umgang mit der Software.

Abbildung 7: Der Rclone-Browser vereinfacht den Umgang mit der Software.

In der Baumansicht können Sie frei navigieren. Um Inhalte zu bearbeiten, klicken Sie auf das gewünschte Verzeichnis oder die entsprechende Datei. In der Schalterleiste oberhalb der Baumansicht werden nun die nutzbaren Funktionsknöpfe für die Datei oder das Verzeichnis aktiviert. So können Sie Dateien hoch- oder herunterladen, umbenennen und auch löschen. Beim Up- oder Download gestatten weitere Dialoge verschiedene Feineinstellungen.

Unabhängig von den gerade markierten Inhalten können Sie jederzeit neue Ordner anlegen sowie vorhandene umbenennen oder verschieben. Darüber hinaus zeigt die Anwendung auf Wunsch die Größe eines Ordners sowie die Zahl der darin enthaltenen Dateien an. Vorhandene Steueraktionen wie Cronjobs sehen Sie in den Reitern Jobs und Tasks ein, sofern sie mithilfe von Rclone definiert wurden.

Statt der Schalterleiste können Sie für die Arbeit mit Cloud-Inhalten auch ein Kontextmenü verwenden, das Sie durch einen Rechtsklick auf eine Datei oder ein Verzeichnis in der Baumansicht öffnen.

Einstellungssache

Der Rclone-Browser gestattet es, Rclone mithilfe eines grafischen Parameterdialogs individuell anzupassen, den Sie im Menü File | Preferences finden. Es öffnet sich ein Dialog, in dem Sie im Reiter General die Startparameter angeben, mit denen Rclone die Verbindung zu den Cloud-Diensten herstellen soll (Abbildung 8). Hier legen Sie auch vordefinierte Up- und Download-Ordner fest.

Abbildung 8: Der Einstellungsdialog des Rclone-Browsers nutzt ebenfalls Parameter und Flags.

Abbildung 8: Der Einstellungsdialog des Rclone-Browsers nutzt ebenfalls Parameter und Flags.

Im Reiter Interface geben Sie diverse Optionen zum Erscheinungsbild und zum Verhalten der Anwendung vor. Der Reiter Proxy offeriert eine Reihe von Konfigurationsmöglichkeiten für einen Proxy-Server. Die hier vorgenommenen Einstellungen wirken sich auf alle aktivierten Cloud-Anbindungen aus.

Fazit

Rclone ergänzt in optimaler Weise das im Intranet genutzte Rsync und bindet Cloud-Dienste in Ihre Datensicherungsstrategie ein. Es unterstützt durch seine unterschiedlichen Betriebsmodi nicht nur gängige Einsatzmöglichkeiten, sondern gestattet es auch, mehrere Cloud-Dienste ohne vorheriges Installieren nativer Clients simultan zu verwenden. Verschiedene grafische Frontends sorgen für mehr Komfort bei der Arbeit. Cloud-Speicher lassen sich nahtlos als Massenspeicher in das lokale System integrieren. Die Vielfalt der Funktionen erwartet allerdings auch eine sorgfältige Einarbeitung. Möchten Sie Rclone professionell nutzen, sollten Sie sich daher vorab die erforderliche Zeit nehmen, um die Applikation exakt an Ihre Bedürfnisse anzupassen. (jcb/jlu)

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