Aus Linux-Magazin 10/2022

Bücher über Entwurfsmuster und den Einstieg ins Programmieren mit Java

Ein Buch stellt zahlreiche bekannte Designpattern als Musterlösungen für den Softwareentwurf vor, ein zweites führt junge Leser in das Programmieren mit Java ein.

Mustergültig

Entwurfsmuster (Software Design Patterns) sind eine Art Lösungsbeschreibung für ein Entwurfsproblem, eine Blaupause für eine gewisse Herangehensweise, ein Template. Entsprechend lassen sich die Pattern nicht direkt in Code übersetzen, sondern speichern stattdessen die Erfahrungen aus Musterlösungen für bestimmte Probleme. Gleichzeitig bilden sie einen gemeinsamen Nenner für die Diskussion unter Entwicklern.

Das vorliegende Werk “Entwurfsmuster” von Eric Freeman und Elisabeth Robson stellt eine ganze Reihe dieser Muster speziell für die objektorientierte Programmierung anhand von Beispielen in Java vor. Prinzipiell lassen sich die Erläuterungen aber auch auf andere objektorientierte Sprachen übertragen. Zusätzlich fallen noch einige Designprinzipien ab, und ganz generell wird das Nachdenken über Softwarestrukturen geschult. Die Autoren diskutieren etwa das Strategy-Muster, den Observer, die Muster Facade, den Singleton, die Factory, den Dekorator oder Iterator und andere. Die Beispiele bieten keinen direkt nutzbaren Code, sind dafür aber instruktiv und inspirierend und stellen das Wesentliche des jeweiligen Musters gut heraus. Auch zu eigenen Übungen hält das Buch den Leser an und bietet zum Vergleich auch die Lösungen an.

Die Autoren haben offensichtlich ein jüngeres Publikum im Auge und lockern ihre Erklärungen mit Comic-artigen Illustrationen, Figuren mit mehr oder minder lustigen Namen und Sprechblasen, Dialogen (auch zwischen unbelebten Objekten), Kreuzworträtseln oder Schemazeichnungen auf. Das fördert sicher das Verständnis und wirkt der Ermüdung beim Lesen entgegen. Die Autoren geben zudem an, ihre Darstellungsform sei auf die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns zugeschnitten. Allerdings hat das auch einen kleinen Nachteil: Das Layout verbraucht sehr viel Fläche und bläht damit den Buchumfang auf über 600 Seiten auf.

Der Band aus der O’Reilly-Reihe “Von Kopf bis Fuß” hilft dem objektorientierten Programmierer, von der Erfahrung vieler Vorgänger zu profitieren, indem es übertragbare Lösungen für typische Probleme des Softwaredesigns präsentiert. Es ist gut verständlich und überwiegend vergnüglich zu lesen. Insgesamt ist das Buch eine Empfehlung wert.

Infos

Eric Freeman, Elisabeth Robson

Entwurfsmuster

O’Reilly, 2022 (3. Auflage)

630 Seiten, 50 Euro

ISBN: 978-3-96009-162-2

Kinderleicht

“Java für Kids” von Hans-Georg Schumann unterscheidet sich zunächst nicht grundlegend von anderen Einführungen in die Programmiersprache für Leser ohne Vorkenntnisse. Hin und wieder kommen Beispiele aus dem Schulalltag vor (Notendurchschnitt) und es werden einzelne englische Begriffe übersetzt. Der Ton bleibt locker, die Theorie kommt etwas kürzer weg. Höher im Kurs stehen praktische Beispiele, die erleben lassen, was Programmieren bedeutet. Ansonsten aber folgt das Buch der alternativlosen Logik aufeinander aufbauender Lernschritte.

Das beginnt mit der Installation von Java und der IDE Eclipse, die allerdings nur für Windows gezeigt wird, als wäre es nicht gerade eine Stärke von Java, betriebssystemübergreifend zu funktionieren. Es folgen Kontrollstrukturen, Datentypen und Schleifen. Dann geht es auch schon an den OOP-Kern: Klassen und Objekte, Datenkapselung und Vererbung. Damit die Versuche nicht auf der Kommandozeile verweilen müssen, wurden schon ganz am Anfang einzelne Dialogboxen benutzt, jetzt folgt sogar eine Einführung in die Grafikbibliothek Swing. Die mündet in einem etwas umfangreicheren Projekt, nämlich der Programmierung eines Quiz. Anschließend vertieft der Autor das Thema Swing noch etwas, indem er neben den vorgefertigten Komponenten die Zeichenfunktionen bespricht. Danach geht es um den Umgang mit Bildern und um einfache Animationen. Das folgende Kapitel regt die Programmierung kleiner Spiele an, die nächsten Abschnitte behandeln die Tastatur- und Maussteuerung sowie abschließend die Fehlerbehandlung.

Freilich kommt vieles nicht zur Sprache, weil es den Rahmen einer Einführung für Anfänger sprengen würde, beispielsweise der Umgang mit Datenbanken, die Interprozesskommunikation, die Kommunikation über Netzwerke und so weiter. Nichtsdestotrotz hat der Leser am Ende des Buchs einen soliden Kenntnisstand erworben, mit dem er selbstständig kleinere Softwareprojekte bewältigen kann und der ihn befähigt, auf eigene Faust weiterführende Literatur zu studieren. Für diesen Zweck kann man das Buch guten Gewissens empfehlen.

Infos

Hans-Georg Schumann

Java für Kids

mitp, 2022 (8. Auflage)

340 Seiten, 28 Euro

ISBN: 978-3-7475-0520-5

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