Die Administration einer Schule ist deutlich komplexer, als es Außenstehende vermuten. Selbst heute regieren dabei vielerorts noch immer Notenlisten auf Papier und das gute alte Klassenbuch. Das Projekt AlekSIS tritt an, das auf Basis von Open-Source-Software zu ändern.
Mit der Schule ist es ein wenig wie mit der Fußballnationalmannschaft der Herren oder dem korrekten Verhalten im Straßenverkehr: Weil jeder irgendeinen Bezugspunkt zum Thema hat, halten sich nicht wenige für echte Experten in der Materie. So wie ein paar Millionen Fahrlehrer Deutschlands Straßen bevölkern und etliche Nationaltrainer in deutschen Wohnzimmern hocken, gibt es auch eine ganze Reihe von Menschen, die im Hinblick auf das Thema Bildungspolitik zum Teil abenteuerliche Theorien wortreich vertreten.
Logisch: In der Schule war schließlich jeder einmal irgendwann, ganz gleich, wie lange es auch her sein mag. Obendrein besuchen die eigenen Kinder gerade vielleicht auch eine Bildungseinrichtung, sodass ein zweiter Anknüpfungspunkt an das Thema entsteht. Wenn Unterricht ungeplant ausfällt oder ein Raum in der Schule längere Zeit nicht zur Verfügung steht, ist das Urteil betroffener Eltern schnell gefällt: Die Einrichtung versagt auf organisatorischer Ebene, und überhaupt: So kompliziert kann es ja wohl nicht sein, den administrativen Alltag einer Schule zu bestreiten.
Schulverwaltung ist komplex
Wer so redet, verkennt allerdings die Tatsachen. Viele Menschen machen sich keine realistische Vorstellung davon, wie kompliziert es ist, eine Schule so am Laufen zu halten, dass die Schülerinnen und Schüler davon in bestmöglicher Weise profitieren. Ein paar einfache Beispiele verdeutlichen das schnell.
Praktisch jede Schule erstellt zu Beginn eines Schulhalbjahrs eine umfassende Planung, die eine Vielzahl verschiedener Faktoren in Betracht zieht. Das Problem: Das Leben ist bekanntlich das, was passiert, nachdem man solche Pläne erstellt hat. Der Ausfall einer einzelnen Lehrkraft kann je nach Situation im Schulalltag bereits eine Herausforderung darstellen. Wenn Latein auf dem Stundenplan steht, die Lehrkraft jedoch ausfällt und gerade auch keine andere Latein-Lehrkraft zur Verfügung steht, ist es zumindest in der Oberstufe noch relativ einfach (wenn auch nicht optimal), die Stunde einfach ausfallen zu lassen. Vor dem Hintergrund des Alters der Schülerinnen und Schüler besteht hier nicht mehr unbedingt eine permanente Aufsichtspflicht. Oft genug ist das Ergebnis einer solchen Situation eine ungeplante Freistunde. In der Unter- und Mittelstufe ist das Problem bereits komplexer, denn hier hat die Schule eine umfassende und permanente Aufsichtspflicht. Zumindest muss also sichergestellt sein, dass irgendeine Lehrkraft die jeweilige Klasse aktiv beaufsichtigt.
Apropos Klasse: Zumindest in den Unter- und Mittelstufen existieren an den meisten Schulen tatsächlich Klassenverbände, die sich in einem Plan relativ einfach hin und her schieben lassen. Zumindest möchte man das meinen – denn das bequeme Bild bekommt erste Risse, wenn Schülerinnen und Schüler in unterschiedliche Sprachgruppen einzuteilen sind, weil etwa ein Teil einer Klasse mit Latein und ein anderer mit Englisch als erster Fremdsprache begonnen hat. Unlösbar ist das freilich nicht, doch bedarf ein solches Szenario erhöhter Aufmerksamkeit bei der Planung. Gerade das ist, wenn sich eine Lehrkraft morgens ad hoc krankmeldet, im Stress eines schulischen Alltags oft nur schwer zu leisten. Melden sich im Zug einer Grippewelle morgens gleich mehrere Lehrkräfte krank, gewinnt die Situation zunehmend an Schärfe.
In der Oberstufe ist das Problem noch offensichtlicher, denn hier sind die Klassenverbände aufgelöst und in ein Kurssystem überführt. Es ist also noch schwieriger, Stunden zu verschieben oder andere Unterrichtseinheiten einfach vorzuziehen.
Noch mehr Komplexität
Andere logistische Herausforderungen kommen hinzu. So ist es etwa nicht möglich, jede Form von Unterricht in jedem Raum abzuhalten. Während eine Erdkundestunde mit Atlanten und viel gutem Willen auch in einer Turnhalle stattfinden kann, ist Chemieunterricht ohne Dunstabzug und die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen schlechterdings unmöglich. Es ist also keine Option, mal eben eine Chemie- statt einer Biologiestunde halten zu lassen, wenn die passenden Räumlichkeiten nicht zur Verfügung stehen.
Kann eine Stunde aufgrund widriger Umstände nicht stattfinden, gilt es das im Klassenbuch oder in den jeweiligen Aufzeichnungen des Kurses zu vermerken. Das setzt jedoch voraus, dass das Klassenbuch vorliegt. Dafür zu sorgen kommt als Aufgabe vielerorts einer oder einem zu Beginn des Schuljahrs bestimmten Schülerin oder Schüler zu, und so werden bis heute in den Schulen der Republik munter Klassenbücher kreuz und quer durch das Haus getragen.
Den Gipfel der Verwaltungsabsurdität erreichten bis vor wenigen Jahren viele Schulen am Schuljahresende, wenn Noten zu vergeben waren: Nicht wenige Lehrkräfte nutzten bereits Excel & Co., um ihre Noten zu verwalten, obwohl sie das offiziell nicht unstrittig durften – schließlich sind Schulnoten personenbezogene Daten im Sinne der DSGVO und unterliegen folglich einem gehobenem Schutzinteresse. Das führte groteskerweise dazu, dass viele Lehrkräfte vor den Notenkonferenzen die Noten erst handschriftlich in ein Formular übertrugen und von dort aus wieder manuell in eine große Gesamtliste. Die musste schließlich in einen Computer transferiert werden, um Zeugnisse zu generieren und zu drucken – ein echtes Schauspiel made in Germany.
Das ist heute zwar nicht mehr so – in Nordrhein-Westfalen kommt etwa das zentrale Verwaltungssystem Schild-NRW zum Einsatz, um Noten zu verwalten. Das führt jedoch dazu, dass Dateien für Microsoft Access per E-Mail oder USB-Stick durch die Gegend geschickt werden, begleitet von einem separat versandten Passwort für den Zugriff. Hat eine Lehrkraft die Noten für die eigenen Schülerinnen und Schüler eingetragen, schickt sie die Datenbank an die jeweiligen Jahrgangsstufenkoordinatorinnen, die dann den Reimport in Schild-NRW gewährleistet.
Digitalisierung tut Not
Die beschriebenen Probleme sind längst nicht alle, die die Verwaltungen von Schulen in ihrem Alltag zu meistern haben. Schnell wird klar: Mit grundlegender Digitalisierung ist es leicht, manch drängendem Problem die Schärfe zu nehmen. Die komplette Notenvergabe lässt sich ebenso problemlos digitalisieren wie Klassenbücher. Raumverwaltung kann digital stattfinden, sodass die, die Vertretungsstunden planen müssen, zumindest sofort sehen können, welche Räume frei sind. Der digitale Zugriff auf die Stundenpläne von Lehrkräften erlaubt es, leichter zu erkennen, wer gerade (vermutlich) im Gebäude ist und gegebenenfalls eine Vertretungsstunde abhalten kann. Und etwaige Bemühungen gibt es durchaus, etwa Untis. Doch das ist eine rein kommerzielle Lösung, die die Schulen und letztlich das halbe Bildungssystem eines Bundeslands in die Fänge eines einzelnen Anbieters zwingt.
AlekSIS: Digitalisierung in Schulen
Hier tritt das Schulinformationssystem AlekSIS auf den Plan, das Schulen auf Basis quelloffener Software in das digitale Zeitalter befördern möchte. Die Idee geht auf engagierte Lehrkräfte aus zwei Schulen zurück. Beide hatten zeitgleich, aber zunächst unabhängig voneinander dieselbe Idee, beiden lagen unter Einbindung von Schülerinnen und Schülern lokal bereits einige Vorschläge vor. Weil in beiden Gruppen eine Affinität zur Open-Source-Szene gegeben war, vereinte man schließlich die Kräfte und begann die Arbeit am Projekt AlekSIS.
Mittlerweile ist die Software nicht nur in einem grundsätzlich funktionalen Zustand, sondern in den beiden Schulen, die sie erfunden haben, auch bereits im produktiven Einsatz. AlekSIS steht damit in direkter Konkurrenz zu anderen Werkzeugen wie Web-Untis. Im Sinne echter Datensouveränität und zur Vermeidung des gefürchteten Vendor Lock-in ist es allerdings ein erklärtes Ziel der AlekSIS-Macher, den kommerziellen Lösungen das Wasser abzugraben. Grund genug, sich AlekSIS genauer anzuschauen.
Über AlekSIS
AlekSIS hat seine Ursprünge in einem Schülerprojekt am Gymnasium Katharineum zu Lübeck. Seit 2019 wird es von weiteren Schülern und professionellen Softwareentwicklern des Vereins TecKids e.V. unterstützt. Heute ist AlekSIS ein klassisches Open-Source-Projekt. Zur Zeit sammelt das Team Erfahrungen aus möglichst vielen möglichst unterschiedlichen Schulen, um die Software zu verbessern und in der Breite gut nutzbar zu machen. Weitere Informationen finden sich auf der Webseite https://aleksis.org. Schulen, die an einer Demonstration oder an Unterstützung bei der Einführung eines freien Schulinformationssystems interessiert sind oder ihre Erfahrungen und Wünsche einbringen möchten, wenden sich per E-Mail unter mailto:foss@teckids.org an die Projektleitung beim TecKids e.V.
Information und Verwaltung
Soviel gleich vorweg: Es existiert ein großer Unterschied zwischen einem Schulinformationssystem und einem System zur Schulverwaltung. Einige Teile der Aufgabe Schulverwaltung etwa sind in AlekSIS sinnvoll gar nicht zu implementieren, weil es rechtliche Vorgaben gibt, die die Nutzung einzelner Technologien zwingend vorschreiben. Stammdaten (Abbildung 1) müssen Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel direkt aus Schild-NRW beziehen. Im Fokus der AlekSIS-Entwickler steht deshalb das Zusammenführen verschiedener Datenquellen zu einem einheitlichen System mit einheitlicher Schnittstelle. Eben jene ist in AlekSIS bereits eine Schlüsselkomponente.

Abbildung 1: AlekSIS bezieht seine Stammdaten aus externen Verzeichnissen und bietet die Möglichkeit, diese logisch zu verbinden und mit Anmerkungen zu versehen. Quelle: Dominik George, TecKids e.V.
Web-basierter Zugriff
Weil längst nicht jeder Klassenraum heute mit einem Computer ausgestattet ist, war dem AlekSIS-Team von Anfang an klar, dass die Software auch auf mobilen Geräten wie Smartphones würde gut bedienbar sein müssen. Das ist der Grund dafür, dass die zentrale Schnittstelle in AlekSIS auf dem Prinzip des webbasierten Zugriffs fußt. Das Webinterface ist dabei responsiv, es passt sich also an das darstellende Gerät an.
Der Mühe Lohn: Auf einem iPhone lässt AlekSIS sich ebenso gut nutzen wie auf einem Android-Tablet, einem Laptop oder einem stationären Computer – und das ganz ohne zusätzliche Spezial-App, die ja erstmal zu entwickeln wäre. Das ist bei Projekten wie AlekSIS, deren Rückgrat aus dem Zutun Freiwilliger besteht, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Arbeitsleistung ist hier ein eingeschränkt vorhandenes Gut, und wenn spezielle Apps für einzelne Plattformen gar nicht erst nötig sind, ist das sehr hilfreich.
Die AlekSIS-Macher nennen diese Fähigkeit Progressive Web Application oder kurz PWA. Die Funktion bietet mehr, als auf den ersten Blick offensichtlich ist. Dass AlekSIS nur mittels Browser zu nutzen ist, kommt den Fähigkeiten vieler Betriebssysteme entgegen, aus Websites ad hoc dynamische Mini-Apps mit eigenem Icon zu generieren. Wer also den eigenen Stundenplan (Abbildung 2) als Widget auf dem Hauptbildschirm des Smartphones haben möchte, gelangt auf diesem Weg ans Ziel.

Abbildung 2: Zu den praktischsten Funktionen in AlekSIS gehört jene, die für Schülerinnen, Schüler sowie Lehrkräfte auf Basis der vorliegenden Daten dynamisch Stundenpläne anzeigt. Quelle: Dominik George, TecKids e.V.
Übersichtliche UI
Dass schlechtes UI-Design die gesamte Anmutung einer Anwendung dauerhaft ruinieren kann, weiß jeder Systemverwalter aus leidvoller Erfahrung. Bei AlekSIS liegt die Latte noch ein Stück höher, denn schließlich sollen Kinder aus der fünften Klasse die Oberfläche ebenso angenehm bedienen können wie ihre Lehrkräfte. Führt man sich vor Augen, wie radikal sich kindgerechte Apps von Anwendungen unterscheiden, die sich an Erwachsene richten, ist das eine alles andere als triviale Herausforderung.
Die AlekSIS-Oberfläche ist deshalb denkbar einfach gehalten: Am linken Rand des Bildschirms findet sich das Menü, über das man alle Funktionen der Software unmittelbar erreicht. Auf allzu bunte Farbschemata verzichtet die Software hingegen ab Werk; wer sie braucht, rüstet sie per Konfiguration nach. So ist es auch möglich, das Aussehen von AlekSIS an eventuell vorhandene Vorgaben anzupassen, um etwa ein spezifisches Logo in der Software zu hinterlegen. Hinter sämtlichen GUI-Anpassungen steht dabei das Prinzip “form follows function”. Das Ziel ist eine leicht zu bedienende, intuitive Oberfläche, die trotzdem modernen Standards in Sachen UI/UX-Design genügt.
Personal- und Raumverwaltung
Die tollste Weboberfläche ist freilich nutzlos, wenn sich hinter ihr nicht hilfreiche Funktionen verbergen. Diesen Vorwurf muss AlekSIS sich aber nicht gefallen lassen, denn hat man sich im Web-UI einmal eingeloggt, ist der Weg zu einem Füllhorn praktischer Features frei. Das merkt man bereits, wenn man die in AlekSIS enthaltenen Funktionen für die Personalverwaltung einem genaueren Check unterzieht.
Grundsätzlich lässt sich das gesamte Personal einer Schule in AlekSIS zentral hinterlegen, sodass eine Lehrkräftedatenbank entsteht. Pro Lehrkraft stehen eine Vielzahl verschiedener Parameter zur Verfügung. Dabei sind die von der jeweiligen Person unterrichteten Fächer ebenso ein Kriterium wie die Möglichkeit, in einem Wochenplan Zeitabschnitte im Kalender zu reservieren, an denen die Person nicht verfügbar ist.
Bei Bedarf lässt AlekSIS sich an ein vorhandenes LDAP- oder Active-Directory-Verzeichnis ankoppeln, aus dem es dann seine Benutzerdaten bezieht. Anderenfalls pflegt die Lösung eine lokale Nutzerdatenbank. So oder so: Auch den Lehrkräften selbst stehen verschiedene Einstellungen im Hinblick auf den eigenen Account zur Verfügung, etwa das Hinterlegen der eigenen Kontaktdaten oder jener von Schülerinnen und Schülern.
Hier findet mithin aktiv Dezentralisierung statt: Zu Schuljahresbeginn hat die einer Klasse vorstehende Lehrkraft etwa die Möglichkeit, im Rahmen einer einzelnen Stunde die für alle Schülerinnen und Schüler hinterlegten Kontaktdaten der Eltern abzugleichen und bei Bedarf auf den aktuellen Stand zu bringen. Diese aktualisierten Daten stehen danach auch anderen mit Zugriff auf AlekSIS zur Verfügung, sofern sie die passenden Berechtigungen haben.
Vielerorts ist das administrative Personal in Schulen regelmäßig überlastet, sodass AlekSIS hier Entlastung und mithin echten Mehrwert bietet. Eben diesen Faktor wollen die AlekSIS-Entwickler weiter ausbauen: Lehrkräfte sollen etwa in der Lage sein, ihre Abwesenheiten in AlekSIS selbst zu verwalten, was das administrative Personal weiter entlastet.
Datenquellen zusammenführen
Wer schon einmal mit dem administrativen Innenleben einer Schule zu tun hatte, merkt schnell, wohin die Reise bei AlekSIS geht: Die Lösung möchte nicht weniger als die umfangreiche Digitalisierung von Schulen ermöglichen. Die Verwaltung von Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern mit zumindest eingeschränkten Self-Service-Möglichkeiten ist der erste Schritt dorthin. Was noch fehlt, sind die Bindeglieder zwischen den beiden Gruppen, und auch hier leistet AlekSIS sich keinen Lapsus.
Analog zu Menschen verwaltet die Software auch Räume und Kurse oder Klassen. Räume wie Klassen muss dabei zentral die Administration pflegen, doch kombiniert AlekSIS geschickt Informationen, die es bereits kennt. Einer angelegten Klasse kann man die zugehörigen Schülerinnen und Schüler ebenso zuweisen wie Lehrkräfte für einzelne Unterrichtsstunden. Mit einer Unterrichtseinheit wiederum lässt sich ein Element der Raumverwaltung verknüpfen, wenn es zuvor korrekt von der Administration angelegt wurde.
Alle zentralen Elemente sind damit beisammen, und es entsteht tatsächlich eine umfassende Abbildung des Alltags der Menschen an der jeweiligen Schule. Weil beim richtigen Verknüpfen der einzelnen Datentypen in AlekSIS implizite Abhängigkeiten entstehen, erhalten Schülerinnen und Schüler mittels des Chronos-Moduls ihren fertigen Stundenplan etwa direkt aus AlekSIS. Die Zeiten, in denen die Vorstände der Klassen in der ersten Unterrichtsstunde den Stundenplan für das neue Halbjahr diktieren mussten, sind folglich an Schulen mit AlekSIS vorbei.
Notfälle auffangen
Gerade in der Hektik des Alltags springt AlekSIS der Schuladministration zudem aktiv zur Seite. Das eingangs erwähnte Beispiel der erkrankten Lehrkraft lässt sich mit AlekSIS beispielsweise relativ einfach lösen: Weil eine umfassende Übersicht der Lehrkräfte zur Verfügung steht, lässt sich relativ schnell erkennen, wer gerade für eine Vertretungsstunde zur Verfügung steht.
Freilich ist ein freier Eintrag im Kalender einer Lehrkraft keine Garantie dafür, dass sich die Person tatsächlich im Gebäude befindet und zur Verfügung steht. Wenn mittels AlekSIS jedoch in kürzester Zeit klar ist, wer grundsätzlich zur Verfügung stehen könnte, ist der Abgleich der Idee mit der Realität durch einen Blick ins Lehrerzimmer nur ein geringer Zusatzaufwand. Wird eine Lehrkraft für eine Vertretungsstunde eingeteilt, erhält sie optional zudem eine entsprechende Nachricht, etwa per E-Mail oder SMS.
Ebenfalls enorm ist die Zeitersparnis beim Erstellen des Vertretungsplans, der heute noch immer in vielen Stunden in Papierform am schwarzen Brett landet. Das ist in AlekSIS noch immer möglich, denn ein entsprechendes Dokument lässt sich als PDF-Datei unmittelbar aus der Software heraus generieren. Wirklich nötig ist das aber eigentlich nicht, denn sind Unterrichtsstunden als Vertretungsstunden markiert, sehen Schülerinnen und Schüler das auch in ihrer AlekSIS-Ansicht.
In der Praxis eröffnet das neue und sehr praktische Möglichkeiten. Den klassischen Ausdruck am schwarzen Brett kann etwa ein Flachbildschirm gut ersetzen (Abbildung 3), der einfach den aktuellen Vertretungsplan anzeigt. Das ist über Umwege auch gut für die Umwelt, weil man nicht bei jeder Änderung untertags den gesamten Vertretungsplan neu ausfertigen und aufhängen muss.

Abbildung 3: Der Vertretungsplan, der in vielen Schulen noch ein Papierausdruck am schwarzen Brett ist, wird in AlekSIS zur einfach abzurufenden Website. Quelle: Dominik George, TecKids e.V.
Obendrein ist das beschriebene Feature gerade für Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe praktisch: Hier liegen je nach Kurswahl zwischen Stunden oft planmäßige Freistunden. Fallen die ersten beiden Stunden des Tags wegen der Erkrankung einer Lehrkraft aus, lässt sich das im besten Fall bereits morgens am heimischen Frühstückstisch erkennen. Die Schülerinnen und Schüler können dann gezielt erst in der Schule erscheinen, wenn tatsächlich Unterricht anliegt.
Digitales Klassenbuch
Dass es in AlekSIS einer altehrwürdigen Institution wie dem papierenen Klassenbuch an den Kragen geht, liegt fast schon auf der Hand. Steht der Stundenplan für jede Klasse erst einmal, ist es schon auf der Ebene der Programmierung relativ simpel, sich Notizen zu einzelnen Stunden zu denken und zu implementieren.
Auch die klassische Anwesenheitskontrolle und das Nachhalten von Fehltagen macht AlekSIS deutlich komfortabler. Es ist ja klar, welche Schülerinnen und Schüler zu einer Klasse oder einem Kurs gehören, und weil jede Person in AlekSIS immer auch einen Account hat, also ein eigenes Verwaltungsobjekt, lassen sich die Fehltage für eine Person unmittelbar zentral verwalten. Die Anmerkung, ob eine Fehlstunde entschuldigt ist oder nicht, bildet dabei einfach einen Teil des Eintrags.
Zwar entbindet diese Aufteilung die zuständige Lehrkraft nicht davon, schriftlich eingereichte Entschuldigungen zu ordnen und zu verwalten. Dank AlekSIS ist es aber zumindest viel leichter, Fehlstunden effizient zu erfassen und am Ende des Schuljahrs ohne mühsames Zählen auszuwerten. Darüber hinaus gibt es in AlekSIS für das Zuspätkommen ein eigenes Feld, das sich ebenfalls pro Person und pro Stunde ausfüllen lässt.
Ausdrücklich weisen die AlekSIS-Entwickler übrigens darauf hin, dass sie in ihrem Projekt auch ein Werkzeug sehen, die Partizipation von Schülerinnen und Schülern in der Schule zu erweitern. Mancherorts gibt es um das Klassenbuch, eigentlich ein öffentlich zugängliches Dokument, ein fast schon mystisches Gehabe. In AlekSIS hingegen lassen sich Klassenbucheinträge per Mausklick sofort abrufen, von Geheimhaltung oder Pseudo-Elitarismus ist also nichts zu bemerken – mit einer Einschränkung: Zugriff auf etwaige Einträge erhalten nur die, die unmittelbar betroffen sind, also die Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise Klassenbucheinträge direkt betreffen.
Der “grünen Bibel” ist AlekSIS damit sogar voraus, denn dort kann bekanntlich jeder alles lesen, sobald ihm das Buch in die Hände fällt. Lediglich die Redaktionen etwaiger Abiturzeitungen werden es künftig etwas schwerer haben, ihre typischen Best-of-Klassenbuch-Seiten zu füllen.
Was noch fehlt: Noten
Bisher implementiert AlekSIS noch keine Möglichkeit, auch Noten zentral und digital zu verwalten. Wie aus diesem Artikel eindeutig hervorgeht, sind die theoretischen Grundlagen dafür samt und sonders zwar vorhanden, die Funktionalität selbst fehlt im Augenblick aber noch. Dass das langfristig so bleibt, ist kaum anzunehmen. Spätestens dann ist auch das letzte Stück klassischen Papierkriegs Geschichte, den Schulen heute regelmäßig im Alltag auszufechten haben. Zwar wird längst nicht jede Lehrkraft auf die volldigitale Benotung umsteigen, doch wenn es AlekSIS in Zukunft gelingt, Notenkonferenzen effizienter zu gestalten, wäre bereits ein riesiger Schritt in die richtige Richtung getan.
Open Source
In Summe präsentiert sich AlekSIS bereits heute und trotz seines relativ jungen Alters als leistungsfähige Lösung für die Digitalisierung von Schulen. Von großem Vorteil ist dabei, dass es sich um rundum quelloffene Software handelt. Ein Lock-in bei einen kommerziellen Anbieter müssen Schulen, die auf AlekSIS setzen, mithin kaum befürchten.
Es ist ja nicht so, als wäre AlekSIS die erste Software, die sich die Digitalisierung von Schulen auf die Fahnen schreibt. Kommerzielle Alternativen wie Web-Untis fußen allerdings auf der Idee eines umfassenden Angebots mit Betreuung durch den Hersteller in der Art eines Software-as-a-Service-Angebots. Das mag für Schulen anfangs bequemer sein, bindet sie aber auch langfristig an den Hersteller und dessen Preise. Auch für Schulen, die dieses Problem heute bereits haben, will AlekSIS eine Alternative sein: Importfunktionen etwa für Untis sorgen dafür, dass eine Migration gelingt.
Ein entscheidender Faktor für die Attraktivität der Lösung ist zudem, dass AlekSIS sich tatsächlich als Informationssystem versteht und lieber bestehende Datenquellen sinnvoll miteinander verbindet als Daten selbst zu bunkern. Schnittstellen zu den öffentlichen Verwaltungssystemen wie jenem des Lands Nordrhein-Westfalen existieren bereits oder sind in Planung. Hier sind Entwickler allerdings auf die Mithilfe durch Dritte angewiesen, die sie herzlich zur Mitarbeit an AlekSIS einladen. Dabei kann Mitarbeit durchaus bedeuten, auch Ideen und Wünsche einzubringen, eine Programmierleistung ist nicht unbedingt nötig.
Fest steht mithin: Wer ein leistungsstarkes Frontend für die digitale Verwaltung von Schulen benötigt, sollte AlekSIS unbedingt auf dem Zettel haben. (jlu)






