Aus Linux-Magazin 01/2022

Werkzeuge im Kurztest

Hwloc 2.6.0rc2

Rechner-Topologie analysieren

Quelle: https://www.open-mpi.org/projects/hwloc

Lizenz: BSD

Alternativen: Lshw

Nicht nur Entwickler hardwarenaher Programme benötigen Auskunft zu vorhandenen CPU- und Bustypen. Auch Administratoren großer Server-Farmen stehen häufig vor der Aufgabe, die verbaute Hardware in den Systemen zu ermitteln. Das Paket Portable Hardware Locality (kurz Hwloc), ein Nebenprodukt des Open-MPI-Projekts, hilft dabei. Neben einer Bibliothek zur Integration in eigene Programme stellt es eine Reihe von Kommandozeilenwerkzeugen bereit, die sich auf der Shell ausführen oder in Skripte einbauen lassen. Die gängigen Linux-Distributionen führen ältere Versionen des Tools in den Repos, das aktuelle Release müssen Sie selbst kompilieren.

Die Hwloc-Suite umfasst zwölf Programme. Hwloc-info liefert Informationen zur Bustopologie des Systems. Einen tieferen Einblick gewährt Hwloc-ls: Ohne Parameter gestartet, gibt es die Rechnertopologie hierarchisch angeordnet aus und berichtet über Speicher, Cache und Festplattencontroller. Eine grafische Ausgabe generiert Lstopo und speichert die Ergebnisse als PDF, Postscript, PNG oder SVG ab. Hwloc-gather-topology und Hwloc-gather-cpuid erzeugen stattdessen eine XML-Datei. Hwloc-diff ermittelt Unterschiede zwischen zwei XML-Dateien. Hwloc-bind ermöglicht es, ein Programm auf einem bestimmten Prozessorkern auszuführen, sofern das Betriebssystem das gestattet. Dabei unterstützt das Werkzeug sowohl CPU-Binding zum Ansprechen physischer und logischer CPUs als auch Memory-Binding zur Speicherzuteilung. Die Zuordnung fragen Sie bei Bedarf später mit Hwloc-ps ab.

  Mit den Tools der Hwloc-Suite untersuchen Admins und Entwickler Prozessor, Speicher und Bus-Systeme eines Rechners. Die Werkzeuge machen auch in eigenen Skripten eine gute Figur.

Converseen 0.9.9.2

Bilder im Batch-Modus bearbeiten

Quelle: https://github.com/Faster3ck/Converseen

Lizenz: GPLv3

Alternativen: ImageMagick, Nconvert

Mit dem grafischen Tool Converseen lässt sich die eigene Bildersammlung sortieren, konvertieren oder skalieren. Das C++-Programm nutzt zusätzlich zu Libmagick++ die Qt5-Bibliotheken, bearbeitet eine unbegrenzte Anzahl von Bildern und unterstützt alle gängigen Formate, darunter GIF, JPEG, JPEG-2000, PNG, PDF, SVG und TIFF. Die meisten Distributionen führen eine ältere Converseen-Version in ihren Repositories; eine aktuelle Ausgabe gibt es auf Github.

Converseen glänzt mit einer übersichtlichen Oberfläche, die intuitive Bedienung erspart eine langwierige Einarbeitung. Zu bearbeitende Bilder wandern per Drag & Drop in eine neue Liste, wobei sich auf einen Blick erkennen lässt, um welchen Dateityp es sich handelt, wie groß das Bild ist und in welchem Verzeichnis es liegt. Um die Fotos zur Weiterverarbeitung auszuwählen, klicken Sie die Checkbox To convert an; eine Abkürzung bietet Check all.

Am linken Rand zeigt das Programm eine Vorschau des aktuellen Bilds samt aller Metadaten an. Darunter können Sie über zwei Reiter die Skalierung, Drehung oder Spiegelung anpassen. Außerdem definieren Sie hier ein Präfix für die Dateinamen, um Bilder beim Konvertieren gleichzeitig umzubenennen. Für die beiden Formate PNG und JPEG dürfen Sie außerdem eine Kompressionsrate aussuchen. Converseen enthält zudem ein paar vordefinierte Filter.

  Converseen verarbeitet selbst große Bildmengen in annehmbarer Geschwindigkeit. In Sachen Dokumentation gibt sich das Tool jedoch etwas spartanisch, die meisten Funktionen lassen sich aber intuitiv bedienen.

Btop++ 1.0.19

Monitoring der Systemressourcen

Quelle: https://github.com/aristocratos/btop

Lizenz: Apache 2.0

Alternativen: Bashtop, Htop

Solange alles rund läuft, werfen die meisten Benutzer keinen Blick auf die Prozessliste oder den Speicherverbrauch ihres Rechners. Programme wie Top kommen meist erst zum Einsatz, wenn es hakt. In die Liste der Analysetools reiht sich Btop++ ein, das eine übersichtliche Ausgabe von Prozessen, Speicher- und Plattenplatzverbrauch verspricht. Sie bauen es selbst aus den Quellen, die das Github-Repository bereitstellt. Hier finden sich auch Binarys für verschiedene Architekturen sowie ein Hinweis, dass inzwischen die Entwicklung einer MacOS-Version begonnen hat.

Nach dem Start präsentiert Btop++ eine Curses-basierte Ausgabe in der Konsole oder im Terminal. In der Voreinstellung aktualisiert das Tool seine Anzeige alle zwei Sekunden, Sie können den Wert aber im laufenden Betrieb anpassen. Btop++ teilt das Fenster in verschiedene Bereiche auf: CPU, Speicher, Festplatte, Netzwerk und Prozesse erscheinen farblich hervorgehoben, wobei das Tool auf ein Truecolor-Farbschema setzt. Um die Palette auf 256 oder 16 Farben zu reduzieren, geben Sie beim Start »-lc« respektive »-t« an.

Jeder Bereich zeigt in der linken oberen Ecke eine kleine Nummer. Durch Eingabe dieser Ziffer blenden Sie den Abschnitt aus und wieder ein. Beim Start zeigt Btop++ stets alles an. Weitere Tastenkürzel wechseln die Anzeige der Netzwerkschnittstelle oder sortieren die Prozesse anders. Ein Druck auf [O]+ öffnet die Programmeinstellungen, wo Sie das präferierte Farbschema und die Sortierreihenfolge festlegen. Eine Übersicht aller Shortcuts liefert [H].

  Btop++ ist eine gelungene Alternative zu Top und Konsorten. Es liefert mehr Informationen als die Konkurrenz und bleibt dabei übersichtlich.

Vivid 0.7.0

LS_COLORS-Variable generieren

Quelle: https://github.com/sharkdp/vivid

Lizenz: Apache 2.0

Alternativen: keine

Die Umgebungsvariable »LS_COLORS« färbt die Ausgaben von Programmen wie Ls, Tree, Fd, Bfs, Dust und anderen ein. Besonders leicht lassen sich eigene Layouts allerdings nicht gestalten. Wer nicht eine Vorlage aus dem Netz fischen möchte, muss die Manpage lesen und verstehen. Mehr Komfort bietet das in Rust geschriebene Tool Vivid, für das auf Github Binärpakete für Linux und MacOS bereitstehen.

Vivid hat acht verschiedene Themes im Sortiment, deren Konfiguration als YAML-Datei vorliegt. Sie können diese Themes auch als Vorlagen für eigene Kreationen heranziehen. Benutzerdefinierte Themes sucht das Tool im Verzeichnis »$HOME/.config/vivid/themes/«. Eine Übersicht aller Layouts schreibt das Kommando »vivid themes« ins Terminal. Über das Kommando »preview«, gefolgt vom Namen des Themes, bietet Vivid außerdem eine Vorschau, mit der Sie Themes vor dem ersten Einsatz prüfen.

Einen gültigen »LS_COLORS«-Wert erzeugt »generate« in Kombination mit einer der Vorlagen. Möchten Sie nicht die komplette, meist mehrzeilige Ausgabe als Variable speichern, hinterlegen Sie den Vivid-Aufruf als Variable »LS_COLORS«; ein Beispiel dazu findet sich auf Github. In der Voreinstellung wählt Vivid eine 24-Bit-Farbkodierung; der Parameter »-m« schaltet auf 8 Bit um. Die Zuordnung der Farben zu den Dateitypen regelt die Datei »filetypes.yml«. Eine alternative Konfiguration nimmt »-d« entgegen.

  Vivid erleichtert die farbliche Gestaltung einiger Shell-Befehle. Bei der Dokumentation und den praktischen Anwendungsbeispielen bleibt aber noch Luft nach oben.

Tidy Viewer 0.0.22

Ausgabe von CSV-Dateien gestalten

Quelle: https://github.com/alexhallam/tv

Lizenz: Public Domain

Alternativen: XSV, Csvtool

Comma-separated Values (CSV) gelten als Quasistandard zum Austausch tabellarischer Daten zwischen Systemen und Programmen. Wer einen Betrachter für die Konsole sucht, sollte Tidy Viewer eine Chance geben. Das in Rust implementierte Tool bereitet CSV-Dateien strukturiert auf. Das Github-Repository enthält Binarys für Linux, Windows und MacOS. Außerdem stellen die Entwickler hier Ideen für den kombinierten Einsatz mit anderen Konsolentools vor.

Sie rufen Tidy View zusammen mit einer Datei auf oder lesen Daten über die Standardeingabe ein. In der Voreinstellung gibt das Tool die ersten 25 Zeilen einer Datei aus, wobei die Spaltenbreite zwischen 2 und 20 Zeichen variiert. Mit »-n« legen Sie die Zahl auszugebender Zeilen selbst fest, mit »-l« sowie »-u« setzen Sie die minimale respektive maximale Breite.

Über »-s« definieren Sie einen eigenen Feldtrenner. Der Schalter »-f« blendet eine Fußzeile ein, Überschriften stehen hinter »-t«. Tidy Viewer kennt verschiedene Farbschemata, die Sie über »-c« vorgeben. Eine Liste aller Themes und Parameter verrät die Online-Hilfe (»-h«). Sie enthält auch eine Beispielkonfiguration, die Sie an Ihre Bedürfnisse anpassen können. Die Einrichtungsdatei erwartet Tidy Viewer unter »$HOME/.config/tv.toml«.

  Dank guter Performance eignet sich Tidy Viewer auch für den Einsatz über SSH. Zu bemängeln bleibt lediglich das spartanische Handbuch.

Wakeci 1.27.0

Einfaches Automatisierungstool

Quelle: https://github.com/jsnjack/wakeci

Lizenz: Public Domain

Alternativen: Cron, Systemd

Wiederkehrende Abläufe auf einem System planen viele Admins mit Cron, das allerdings umständlich zu bedienen ist. Eine praktische Alternative ist Wakeci: Das in Go implementierte Tool enthält eine Weboberfläche für eine einfache Administration. Auf Github finden Sie Binärpakete und können sofort mit der Jobplanung loslegen. Wakeci enthält eine eigene Webengine und läuft auf Port 8081, wo Sie sich mit dem Passwort »admin« anmelden und als ersten Arbeitsschritt das Kennwort ändern.

Das übersichtliche Dashboard zeigt die Jobs sowie verschiedene Schaltflächen mit Aktionen an. Im Menü Jobs definieren Sie neue Aufgaben. Dazu steht ein Feld bereit, das die Konfiguration im YAML-Format erwartet. Der Link show Workflow Syntax blendet ein Beispiel ein, das Sie als Vorlage für die eigene Konfiguration verwenden können. Jede Job-Description beginnt mit einer Beschreibung und einem Block, der Parameter wie »VERSION« oder »SLEEP« enthält. Es folgt der Bereich »tasks«, der auch mehrere Aufgaben enthalten darf.

Jede Aufgabe hat einen eindeutigen Namen und umfasst einen auszuführenden Befehl. Wakeci versteht auch Umgebungsvariablen und Anweisungen, um eventuelle Fehler zu ignorieren. Die Angabe von »block« führt dazu, dass das Tool Aufgaben zu einer Gruppe zusammenfasst. Zum Steuern einer solchen Verbindung dienen die Parameter »interval«, »timeout« und »priority«. Alle gelaufenen Jobs finden sich im Bereich »Feed« inklusive Angaben zur Laufzeit und des Outputs von Befehlen.

  Wem Cron zu altbacken oder zu kompliziert ist, der findet in Wakeci vielleicht eine Alternative. Allerdings fehlt dem Tool derzeit noch eine Benutzerverwaltung. (Uwe**Vollbracht/hej)

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