Wie entkommt man den Fängen des Datenkraken Google, wenn man ein Android-Telefon benutzen will? Das alternative Mobilbetriebssystem /e/OS hat darauf eine Antwort.
Aus der geschäftigen Welt der alternativen Android-ROMs sticht /e/OS [1] heraus – nicht nur, weil es sich darauf konzentriert sicherzustellen, dass Ihr Telefon so privat wie möglich bleibt, sondern auch, weil es versucht, eine ganze Reihe von Diensten zu ersetzen, die Sie aufgeben, wenn Sie Google hinter sich lassen.
Der wichtigste Unterschied zwischen /e/OS und anderen Android-ROMs, die Sie auf Ihrem Gerät installieren könnten: Während viele davon, wie GrapheneOS oder LineageOS, bereits einen Großteil der Google-Dienste entfernen, die sogar die Open-Source-Version von Android (AOSP genannt) enthält, geht /e/OS (Abbildung 1) in dieser Hinsicht noch ein wenig weiter und bietet Ihnen ein eigenes kostenloses Nextcloud-Konto zum Speichern Ihrer Dokumente, Fotos oder Kontakte. Es fügt auch gleich noch eine kostenlose E-Mail-Adresse hinzu.
Das Hauptziel von /e/OS ist es sicherzustellen, dass es einem normalen Benutzer von Anfang an auch ohne Google an nichts fehlt, nicht nur in Bezug auf Anwendungen, sondern auch in Bezug auf Online-Dienste.

Abbildung 1: /e/OS – im Bild der Homescreen – will den Nutzer auch ohne Google-Dienste glücklich machen.
Privates Android
Laut der Website der e Foundation haben Untersuchungen im Jahr 2018 gezeigt, dass die beiden wichtigsten mobilen Betriebssysteme, Android und iOS, große Mengen Daten über ihre Nutzer sammeln: bis zu 11,6 MByte pro Tag bei Android und bis zu 5,7 MByte pro Tag bei Apple. Diese Daten umfassen viele Informationen über den Benutzer, einschließlich Geolokalisierungsdaten, Website-URLs, Nutzungsgewohnheiten und IP-Adressen. Google und Apple fassen diese Daten zu Benutzerprofilen zusammen, die die Konzerne dann verwenden, um gezielte Werbung zu schalten oder das Anwendungserlebnis so zuzuschneiden, wie es der Benutzer nach Meinung der Unternehmens haben will.
Manche Anwender gehen gern den Kompromiss ein, ihre persönlichen Daten gegen die Bequemlichkeit zu tauschen, bei vertrauten Diensten und Produkten bleiben zu können. Andere haben wachsende Bedenken über die zunehmende Datensammlung – für sie ist der Datenschutz ein sehr wichtiges Thema. Diese Anwender suchen nach Alternativen zum aktuellen Duopol, das den Smartphone-Markt beherrscht, und zu den Diensten, die Android und iOS so bequem und einfach bedienbar machen.
Geschichte
/e/OS begann seine Reise unter einem anderen Namen: Es entstand im Jahr 2017 im Zug einer Crowdfunding-Kampagne unter der Bezeichnung Eelo. Der Name wurde von Muränen inspiriert, Fischen, die sich verstecken können – eine Reminiszenz an das Hauptziel des Projekts, die Benutzer so anonym wie möglich bleiben zu lassen. Die sehr erfolgreiche Kampagne sammelte mindestens 71 000 Euro von Spendern, bevor das Betriebssystem im Juli 2018 aufgrund von Markenkonflikten in /e/OS umbenannt wurde.
Der Gründer von /e/OS ist in Sachen Open Source kein Neuling: Gaël Duval hatte bereits 1998 die Linux-Distribution Mandrake ins Leben gerufen; 2006 folgte Ulteo, eine virtuelle Desktop-Lösung. Das /e/OS-System wird von einer gemeinnützigen Organisation namens e Foundation verwaltet, die sich um Support, neue Versionen, die Kommunikation sowie die Organisation der Community kümmert und die Unabhängigkeit des Projekts von Regierungen und Unternehmen sicherstellt.
/e/OS selbst ist komplett quelloffen. Das beginnt beim Kern, einem Fork von LineageOS, und reicht bis hin zu den Standard-Apps, bei denen es sich um Forks beliebter Open-Source-Anwendungen wie K-9 Mail oder OpenCamera handelt (Abbildung 2). /e/OS befindet sich noch in der Beta-Phase, taugt aber nach Erfahrung des Autors bereits problemlos für den täglichen Gebrauch. Es kann je nach Gerät Android-Versionen von Android 7 “Nougat” bis hin zu Android 10 ersetzen.
Das System hat ein einfaches Ziel: Es will eine voll nutzbare, benutzerfreundliche Open-Source-Alternative zu Android zu bieten, die keine Daten über die Online-Aktivitäten des Nutzers sammelt. /e/OS versucht, dieses Ziel durch eine Google-freie Android-Basis zu erreichen, die auf Open-Source-Anwendungen und eine Suite von Online-Diensten aufbaut, die Sie auch außerhalb Ihres /e/OS-Geräts nutzen können.
Frei von Google
/e/OS nutzt als Basis LineageOS, seinerseits eine Weiterführung von CyanogenMod, einem Fork des Projekts Android Open Source (AOSP). LineageOS ist an sich schon eine Google-freie Android-Version: Es entfernt viele Dienste, die an Google berichten und dem Tech-Giganten persönliche und hardwarebezogene Daten senden. /e/OS geht noch einen Schritt weiter und entfernt jeden einzelnen Call, der sich auf Google bezieht.
So ersetzt /e/OS die Verbindungsprüfung durch einen Aufruf der e-Foundation-Server. Statt Googles NTP-Server zur Ermittlung von Uhrzeit und Datum zu bemühen, weicht das System auf die Standard-Server von »pool.ntp.org« aus. Die Google-Play-Dienste sowie die diversen Google-Hintergrunddienste zur Abwicklung von Benachrichtigungen, Geolokalisierung oder Anwendungsinstallation ersetzt das Open-Source-Framework MicroG (Abbildung 3). Das ermöglicht es dem Benutzer, diese Vorgänge effektiv vor Google zu verbergen, während der Zugriff auf die entscheidenden Teile eines mobilen Betriebssystems erhalten bleibt.
Als Suchmaschine verwendet /e/OS seine eigene Abspaltung der Metasuchmaschine SearX, genannt /e/ Spot. Zu guter Letzt tauscht es alle üblichen Google-Dienste gegen Alternativen auf Basis von Nextcloud aus, gehostet auf http://ecloud.global. Das umfasst Alternativen zu Google Drive, Gmail, Google Calendar und Contacts, Google Keep für Notizen, Google Tasks und Google Docs (durch den Einsatz von OnlyOffice).
Diese Zusammenstellung von Tools und Diensten gibt Ihnen ein praktikables System an die Hand, mit dem Sie trotzdem ihre persönlichen Daten und Dateien synchronisieren können, ohne von einem großen Tech-Unternehmen abhängig zu sein. Die meisten dieser Dienste werden auf der Nextcloud-Instanz der e Foundation gehostet.
Kostenloses Nextcloud
Die Nutzung dieser /e/OS-Dienste ist völlig optional. Es handelt sich um einen Komfort, den Sie nutzen können, aber nicht müssen. Sie dürfen die Kontoerstellung und Anmeldung komplett überspringen, wenn Sie Ihr Telefon zum ersten Mal mit /e/OS einrichten. Das System lässt Sie auch jedes andere Konto verwenden, das Sie bereits nutzen, zum Beispiel Ihre eigene Next- oder Owncloud-Instanz oder sogar ein Google-Konto, wenn Sie das bevorzugen – obwohl das den Einsatz von /e/OS ad absurdum führt.
Entscheiden Sie sich für die Nutzung der Online-Suite /e/Cloud, profitieren Sie von einer kostenlosen E-Mail-Adresse auf der Domain »e.email«. Sie teilt den Speicher mit dem Nextcloud-Konto, das /e/OS für Sie erstellt und das diese E-Mail-Adresse als Login verwendet. Standardmäßig erhalten Sie 1 GByte Speicherplatz – sehr wenig für die Bedürfnisse der meisten Nutzer.
Bis vor Kurzem gab es keine Möglichkeit, dieses Speicherkontingent zu erhöhen, doch die e Foundation bietet nun gegen eine monatliche Gebühr mehr Speicherplatz an. Das beginnt mit 20 GByte für 1,99 Euro pro Monat und reicht bis hin zu 1 TByte für 12,99 Euro monatlich. Das ist teurer als bei Google oder Apple.
Dafür erhalten Sie wie bereits erwähnt aber auch Zugriff auf Ihr eigenes Nextcloud-Konto (Abbildung 4) mit einer bestimmten Anzahl von Anwendungen. Inbegriffen ist die App Dateien komplett mit einem Online-Laufwerk, das sich per WebDAV mounten lässt und auf das die meisten Linux-Dateimanager als Netzwerkspeicher zugreifen können. Außerdem sind die standardmäßigen Nextcloud-Anwendungen für Kontakte, Kalender, Fotos, Notizen und Aufgaben mit dabei. Als Webmail-App dient Rainloop, das der Standard-E-Mail-App von Nextcloud eine Nasenlänge voraus ist.
In der Anwendung Dateien können Sie Dokumente mit OnlyOffice öffnen, eine sehr leistungsstarke quelloffenen Bürosuite, die über eine direkt in Ihre /e/Cloud integrierte Online-Version verfügt. Der Zugriff klappt aber auch über Desktop-Anwendungen, die Sie auf jedem Betriebssystem installieren können, das Sie verwenden möchten.
Auf all diese Ressourcen lässt sich über WebDAV und CalDAV/CardDAV zugreifen, sodass Sie Notizen, Kontakte oder Kalender mit Ihrem Desktop oder Laptop synchron halten können – vorausgesetzt, Sie verwenden dort Anwendungen, die den Zugriff auf diese Protokolle ermöglichen. Das triff für die meisten E-Mail- und Kalenderanwendungen unter Linux zu.
Sobald Sie das Konto auf Ihrem Telefon eingerichtet haben, konfiguriert /e/OS die gesamte Synchronisation automatisch für Sie, was bedeutet, dass die Standardanwendungen sich direkt mit diesem Online-Konto verbinden.
Es gibt jedoch auch Nachteile: Obwohl Sie mit Ihrem /e/Cloud-Konto Zugriff auf ein Nextcloud-Konto haben, erhalten Sie keinen Zugriff auf die vollständige Instanz. Das bedeutet, dass Sie nicht in der Lage sind, andere Anwendungen zu installieren, die Sie vielleicht verwenden möchten, oder auf alle Einstellungen der Instanz zuzugreifen beziehungsweise deren Aussehen und Verhalten anzupassen.
Schlimmer noch: Das heißt auch, dass theoretisch die Administratoren der Nextcloud-Instanz Zugriff auf Ihre Dateien und Daten erhalten. Die Daten selbst werden auf dem Server verschlüsselt, aber es gibt noch keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sodass Sie darauf vertrauen müssen, dass das e-Foundation-Team nicht in Ihre Daten schaut.
Der Bliss-Launcher
Wer schon einmal ein iOS-Gerät verwendet hat, dem erscheint die Anmutung von /e/OS sehr vertraut: Der benutzerdefinierte Launcher namens Bliss verwendet einen ähnlichen Präsentationsstil. Ohne App-Schubladen verteilt er alle installierten Anwendungen auf die verschiedenen Homescreen-Seiten. Ein langer Druck auf ein Symbol ermöglicht es Ihnen, Ihre Apps auf eine andere Seite zu verschieben sowie Ordner zu erstellen oder zu deinstallieren. Sie erhalten auch eine Verknüpfungsleiste am unteren Rand des Bildschirms, in der Sie Ihre vier meistgenutzten Anwendungen auf jeder Seite vorhalten können.
Wenn Sie auf dem ersten Bildschirm nach links wischen, gelangen Sie auf eine ausschließlich den Widgets gewidmete Seite (Abbildung 5): Bei /e/OS können Sie keine Widgets direkt auf dem Homescreen platzieren. Standardmäßig erhalten Sie eine Suchleiste, die eine Suche mit /e/Spot, der Suchmaschine der e Foundation startet, auf den von Ihnen meistgenutzten Apps basierende Anwendungsvorschläge sowie ein Wetter-Widget.
Über eine Schaltfläche können Sie weitere Widgets hinzufügen. Allerdings mangelt es der Widget-Liste an Komfort: Sie erhalten keine visuelle Vorschau des Widgets, einmal der Liste hinzugefügte Widgets lassen sich nicht neu anordnen. Alle Widgets versuchen, möglichst die gesamte Breite des Bildschirms auszufüllen, Sie können sie also nicht nebeneinander platzieren. Immerhin lässt sich die Höhe eines Widgets ändern, indem Sie lange darauf drücken.
Der Launcher selbst wirkt relativ nüchtern und einfach. Auch in der neueste Version von /e/OS, die auf Android 10 basiert, unterstützt Bliss keine Gesten zur Navigation. Sie erfolgt ausschließlich mit den Zurück-, Home- und Multitasking-Tasten auf dem Bildschirm. Nach Auskunft der e Foundation steht die Unterstützung für Gesten allerdings schon in der Roadmap für 2021.
Die Tatsache, dass Widgets sich nicht direkt auf dem Homescreen neben den App-Symbolen platzieren lassen, dürfte einige Benutzer irritieren. Glücklicherweise können Sie, da /e/OS ja auf Android basiert, jeden anderen Launcher verwenden, den Sie bevorzugen. Der App Store von /e/OS führt einige im Angebot, darunter auch den Nova-Launcher.
Der App Store
Apropos App Store (Abbildung 6): Beim von /e/OS verwenden Exemplar handelt es sich um eine komplette Neuentwicklung. Sie kümmert sich um die Installation von Anwendungen und Updates und lässt sich alles in allem einfach handhaben.
Der Store führt die üblichen empfohlenen Apps auf der Startseite und lässt sich nach Kategorien durchsuchen, wobei er zwischen Anwendungen und Spielen unterscheidet. Genauso kann man nach einer beliebigen App suchen, die man installieren möchte. Der App Store verwendet ein Anwendungsverzeichnis eines Drittanbieters namens http://cleanapk.org, das nur offizielle, unveränderte Pakete bereitstellt. Sie können das bei Bedarf tatsächlich überprüfen, indem Sie die SHA-1-Summen für jede Anwendung vergleichen.
Im Allgemeinen finden Sie im Store fast alles, was Sie brauchen. So fand der Autor im Test seine Workout-App Freeletics, einen Mastodon-Client, die Twitter-App, Droidcam, KDE Connect, Firefox, Davx5, Nextcloud, Apple Music und sogar seine Bankanwendung und konnte sie installieren. Nicht direkt im /e/OS-App-Store verfügbare Anwendungen lassen sich in Form des entsprechenden APKs installieren. Sogar zusätzliche App Stores wie F-Droid oder Aurora lassen sich nutzen. Die e Foundation offeriert daneben eine Webseite [2], auf der Sie überprüfen können, ob eine bestimmte Anwendung verfügbar ist.
Für Anwendungen, die die Nutzung von Google-Diensten voraussetzen, wie die Google-App selbst, müssen Sie sich mit MicroG bei einem Google-Konto anmelden, was über die Einstellungen gelingt. Das bedeutet auch, dass nicht alle Anwendungen laufen, die auf diese Google-Dienste angewiesen sind.
Der App Store bietet daneben einige zusätzliche Funktionen. So nennt er für jede Anwendung einen Datenschutz-Score, den er mithilfe von Exodus Privacy ermittelt, einer Plattform, die Anwendungen auf Tracker und Berechtigungen überprüft. Je mehr davon eine App verwendet, desto schlechter fällt der Score aus. Die Ergebnisse sind sehr interessant: Selbst die einfachste App benutzt immer noch vier oder fünf verschiedene Tracker. Sie sehen auch, welche Berechtigungen eine App anfordert. So können Sie vermeiden, Anwendungen herunterzuladen, von denen Sie wissen, dass sie Ihre Privatsphäre verletzen. Apps mit einer perfekten Punktzahl sind allerdings die Ausnahme.
Standardanwendungen
/e/OS bringt einige Standardanwendungen für grundlegende Aufgaben mit. Als Webbrowser dient ein Google-freier Fork von Chromium, der genau so funktioniert, wie man es erwartet. Eine Startpage-Option gibt es allerdings nicht. Als Suchmaschine nutzt der Browser in der Vorgabe jene der e Foundation, Sie könnten aber auch zu DuckDuckGo oder Qwant wechseln. Die App umfasst zudem einen sofort einsatzbereiten Werbeblocker und kann Ihre Logins und Passwörter speichern. Allerdings speichert sie diese nicht online, sodass Sie sie nicht mit Ihrem /e/Cloud-Konto synchronisieren können.
Zu weiteren Anwendungen gehören ein von Etar abgekupferter Kalender, ein von K-9 Mail geforkter E-Mail-Client (Abbildung 7), eine SMS-App nach dem Vorbild von QKSMS sowie eine Kameraanwendung, die von OpenCamera abstammt. /e/OS wird auch mit ein paar Standard-Android-Open-Source-Anwendungen ausgeliefert wie dem Telefonwählprogramm, den Kontakten, der Uhr, der Galerie, dem Dateimanager, dem Rechner und der Tastatur.
Schließlich erhalten Sie Magic Earth für Karten, OpenTasks und Nextcloud Notes. Alle diese Anwendungen sind Open Source, funktionieren perfekt und integrieren sich in die Online-Dienste von /e/Cloud oder einem Nextcloud-Konto, falls Sie das bevorzugen. Sie bieten genügend Funktionen, um die Bedürfnisse der meisten Benutzer zu erfüllen.
Was das Erscheinungsbild angeht, hat das /e/OS-Team einiges getan, um es einheitlicher aussehen zu lassen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Zwar nutzen die meisten Anwendungen dieselbe hellblaue Akzentfarbe, doch man spürt deutlich, dass sie nicht von Grund auf als zusammenhängendes Ganzes entworfen wurden. Einige platzieren die Navigationsreiter am unteren Rand des Bildschirms, andere am oberen. Manche verwenden Hamburger-Menüs, andere nicht, und die große, runde Plus-Schaltfläche in der unteren rechten Ecke einiger Anwendungen hat nicht immer dieselbe Größe. Die E-Mail-Anwendung wurde nicht in der gleichen Weise überarbeitet wie die anderen Applikationen. Sie verwendet ein hellgraues und orangefarbenes Farbschema, das im Vergleich zum Rest des Systems etwas deplatziert wirkt.
Alles in allem bescheren die Standardanwendungen von /e/OS jedoch eine angenehme Nutzererfahrung. Einzig an die Kameraanwendung konnte der Autor sich nicht gewöhnen und ersetzte sie durch eine Alternative aus dem App Store.
In den Einstellungen (Abbildung 8) erhalten Sie die übliche Kost mit einem schönen bunten Look & Feel. Es gibt ein paar bemerkenswerte Ergänzungen zum System wie die Möglichkeit, Ihren eigenen DNS-Anbieter hinzuzufügen, statt den Standard-DNS-Server Ihres ISP zu verwenden. Über die MicroG-Einstellungen melden Sie sich bei einem Google-Konto an, falls Sie Anwendungen benötigen, die das erfordern. Hinzu kommen die Möglichkeiten, die Unterstützung für Push-Benachrichtigungen zu (de-)aktivieren und das SafetyNet einzuschalten, eine Art Android-DRM, mit dem Apps überprüfen können, ob das Telefon manipuliert wurde.
Die Installation
Wenn Sie /e/OS ausprobieren möchten, gibt es zwei Möglichkeiten, es auf Ihrem Gerät zu installieren. Freilich muss Ihr Telefon das, wie bei allen Android-ROMs, unterstützen. Auch wenn /e/OS inzwischen Support für 151 Mobiltelefonmodelle bietet, hinkt es damit anderen verfügbaren ROMs wie LineageOS noch deutlich hinterher. Die e Foundation unterhält eine aktuelle Liste [3] aller kompatiblen Geräte mit der höchsten unterstützten Android-Version. Der Autor installierte /e/OS auf einem Samsung Galaxy S9+ mit Unterstützung bis Android 10 und hatte damit alle Hände voll zu tun.
Es gibt eine vollständige Installationsdokumentation für jedes unterstützte Gerät, aber das allgemeine Verfahren ist fast immer das gleiche. Zuerst installieren Sie eine Android-Version mit derselben Hauptversionsnummer wie die angepeilte /e/OS-Version. Um etwa einen /e/OS-Build auf Basis von Android 10 auf dem Telefon einzurichten, installieren Sie eine Stock-Android-Firmware der Version 10. Anschließend müssen Sie ein Recovery-Image namens TWRP flashen. Es ersetzt den Wiederherstellungsmodus des Telefons durch einen, der es Ihnen ermöglicht, auf die Systempartition zu schreiben und somit /e/OS oder jedes andere Android-ROM zu installieren.
Auf dem Galaxy S9+ musste der Autor ein Drittanbieter-Tool namens Heimdall (für Windows: Odin) verwenden, um die Stock-Firmware zu installieren, da Samsung-Telefone sich nicht einfach überschreiben lassen. Je nach Hersteller und Modell bleibt Ihnen dieser Schritt eventuell erspart.
Glücklicherweise offeriert das /e/OS-Projekt auch ein einfaches Installer-Tool, das Sie grafisch durch den gesamten Installationsprozess führt. Es handelt sich dabei um eine sehr gut gestaltete Software, die das Telefonmodell automatisch erkennt, sobald Sie es an den Computer anschließen, und die detaillierte Anweisungen gibt, um das Gerät in den Download-Modus zu versetzen und das /e/OS-Image zu flashen. Allerdings funktioniert dieser einfache Installer derzeit nicht für alle unterstützten Geräte. Es eignet sich lediglich für die Samsung-Modelle Galaxy S7 bis S9 in ihren “Exynos”-Versionen (jenen, die Samsung in Europa veröffentlicht hat) sowie für das Fairphone 3 und das Gigaset GS290.
Verwenden Sie ein solches Gerät, sparen Sie mit dem Easy Installer viel Zeit. Sie erhalten das Tool über die /e/OS-Webseite als Snap-Paket für Linux oder als EXE-Datei für Windows. Um Letzteres zu verwenden, müssen Sie allerdings zuerst die USB-Treiber für Ihr Telefon installieren.
Unterstützt der Easy Installer Ihr Gerät nicht, müssen Sie auf eine manuelle Installation zurückgreifen, die zwar etwas mehr Mühe macht, aber genauso gut funktioniert. Alle Details zu den einzelnen Schritten finden Sie in der Online-Dokumentation für Ihr Telefonmodell auf der Website der e Foundation.
Gerät mit /e/OS kaufen
Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, zu einem Telefon mit /e/OS zu kommen. Sie eignet sich besonders, wenn Ihr aktuelles Gerät überhaupt nicht kompatibel ist oder Sie Angst haben, es kaputtzumachen. Dann kann der Kauf eines Mobiltelefons mit vorinstalliertem /e/OS das Mittel der Wahl sein.
Die e Foundation verkauft derzeit einige Geräte, die mit europäischen und nordamerikanischen Netzen kompatibel sind. Wenig überraschen handelt es sich dabei um genau die Mobiltelefone, die der Easy Installer unterstützt. Sie können also entweder ein Fairphone 3 oder dessen Plus-Variante kaufen, beide neu, oder runderneuerte gebrauchte Galaxy S8, S9, S9+ und Gigaset GS290. Die Preise fangen bei 260 Euro für das Gigaset an und reichen bis hin zu 470 Euro für das Fairphone 3+. Alle Exemplare sind Carrier Unlocked, sodass sie sich bei jedem Anbieter in jedem Land nutzen lassen.
Auf diesem Weg besorgte sich der Autor auch sein Galaxy S9+. Das Telefon fühlte sich brandneu an und war neu verpackt, komplett mit einem Ladekabel, einem USB-Netzteil und Kopfhörern. Fehlt Ihnen die Motivation, an Ihrem aktuellen Telefon herumzubasteln, und haben Sie etwas Geld übrig, kann das also eine gute Option sein, das Betriebssystem zu testen und das Projekt finanziell zu unterstützen.
Unzulänglichkeiten und Probleme
Bietet /e/OS die ultimative, die Privatsphäre respektierende, vollständig quelloffene Alternative zu Android? Nicht ganz – es gibt ein paar Probleme mit dem Projekt. Das erste ist die Tatsache, dass alles, was Sie auf den /e/Cloud-Diensten speichern, zumindest potenziell dem Zugriff der Administratoren der Nextcloud-Instanz unterliegt. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl. Das Nutzen einer eigenen Nextcloud-Instanz kann hier Abhilfe schaffen, kommt allerdings teurer, als einfach zusätzlichen Speicherplatz auf einem /e/Cloud-Konto zu kaufen.
Das zweite Problem betrifft die Anwendungskompatibilität: Zwar funktionierten alle vom Autor getesteten Apps, doch Sie haben vielleicht nicht so viel Glück und müssen feststellen, dass Ihre Banking-App oder eine spezielle Anwendung zur Synchronisierung mit einem bestimmten Gerät nicht funktioniert. Zum Beispiel erkennen Anwendungen, die normalerweise auf Samsung-Geräten laufen, wie die Samsung Health-App oder die Samsung Galaxy Wearable-App, das modifizierte Android-ROM und starten nicht. Ähnliches gilt auch für anderen Anwendungen.
Viele Nutzer dürften auch das Fehlen von Navigationsgesten und eines systemweiten Dark Themes (Abbildung 10), das bei allen Standardanwendungen funktioniert, als No-go-Kriterium empfinden. Außerdem könnten die Anwendungen ein kleines Facelifting gebrauchen, damit sie alle kohärenter aussehen. Die Installation auf einem bereits vorhandenen Gerät folgt zudem nicht unbedingt exakt dem Plug-and-Play-Prinzip, aber das gilt für alle Android-ROMs.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass /e/OS eine sehr interessante Alternative zum Standard-Android ist. Es lässt sich einfach nutzen und bietet eine auf Privatsphäre ausgerichteten Basis sowie einen App Store. Die Ergänzung mit Online-Diensten über das /e/Cloud-Konto ist auch eine sehr nette Sache: Android selbst zu ersetzen fällt nicht so schwer, aber eine Alternative zur Integration mit Google-Diensten zu finden macht schon mehr Mühe.
Dass die e Foundation dafür ein kostenloses Konto zur Verfügung stellt – egal, wie mager das Speicherkontingent ist –, erlaubt es den Benutzern, sich von Google zu lösen. Sicherlich reichen diese Dienste noch nicht an den Komfort und Funktionsumfang der vollwertigeren Google-Services heran. Sie bieten aber einen großartigen Ausgangspunkt für jeden Nutzer, der sich dem Zugriff der großen Unternehmen entziehen möchte, und zeigen zumindest, dass Alternativen existieren. Der Anwender kann sie als Sprungbrett nutzen, um mit anderen Diensten zu experimentieren und nach und nach die /e/Cloud-Dienste, die nicht zu seinen Bedürfnissen passen, durch fortschrittlichere Alternativen ersetzen.
Der Autor verwendet /e/OS seit fast einem Jahr täglich. Kleine Unzulänglichkeiten hier und da konnten ihn bislang nicht von seiner positiven Einschätzung des Systems abbringen. Seine Entscheidung, die /e/Cloud-Dienste nicht zu nutzen, beruhte hauptsächlich darauf, dass er vorher bereits seine eigene Nextcloud-Instanz aufgesetzt und die meisten Google-Dienste aus seinem digitalen Leben entfernt hatte. Wenn Sie ein Ersatztelefon zur Verfügung haben und bereit sind, ein kleines Abenteuer zu riskieren, sollten Sie /e/OS unbedingt ausprobieren: Es ist ein rundum gutes System. (jcb/jlu)
Infos
- /e/OS: https://e.foundation/e-os/
- Verfügbare Apps: https://e.foundation/e-os-available-applications
- Unterstützte Geräte: https://doc.e.foundation/devices
















Auch hier: Fantastisch..Wer schonmal ein Android Smartphone komplett Neu aufgesetzt hat, weiss wie Google das Android zu einer Spionagemaschine mit Werbe ID gemacht hat. Unglaublich. Unerträglich. Unerlaubt.Eigentlich Illegal….Alles , aber auch Alles wird auf Kosten der Anwender auf irgendwelche Googleserver übertragen,automatisch Ausgewertet und verkauft…. Daran sind die HandyHersteller schuld,denn die wissen das genau..So ist ein Smartphone NIE im Besitz eines Users, sondern lediglich eine Leihgabe mit eingeschränkten Nutzungsrechten…..Das MUSS aufhören !!!