Der Umgang mit dem berüchtigten Vim gehört zum täglichen Brot jedes Sysadmins. Charly peppt das Editor-Urgestein mit persönlichen Einstellungen für Syntax-Highlighting und Einrückungen auf.
Der Texteditor Vim begleitet jeden Sysadmin durch das gesamte Berufsleben, genau wie der klassische Kalauer dazu: “Ich benutze Vim seit 15 Jahren – hauptsächlich, weil ich keine Ahnung habe, wie man ihn verlässt.” Es dauert ein paar Jahre, bis aus Hass Gewohnheit wird. Manche behaupten gar, Vim richtiggehend zu mögen, aber das könnte dem Stockholm-Syndrom geschuldet sein. Es hilft nichts: Die Basics muss man sich eintrichtern, denn Vim ist eine der Konstanten, auf die man sich auf jedem Linux-System verlassen kann und muss.
Über die Basics hinaus bietet Vim ein paar Funktionen, die den Komfort erhöhen. Es gibt zwei Arten, den Editor anzupassen: systemweit oder pro Benutzer. Die systemweiten Einstellungen liegen in der Datei »/etc/vim/vimrc«, jeder Benutzer kann darüber hinaus in seinem Home-Verzeichnis eine Datei namens ».vimrc« anlegen. Einstellungen, die er dort trifft, überschreiben und ergänzen die systemweiten Settings. Viele Distributionen verzichten von vornherein darauf, systemweite Einstellungen vorzugeben (sprich: die »/etc/vim/vimrc« bleibt leer), wohl wissend, dass solche Anpassungen immer auch Geschmackssache sind.
Sehen wir uns die wichtigsten Anpassungen an, die man als Benutzer in der ».vimrc« vornehmen kann. Die populärste davon dürfte das Syntax-Highlighting betreffen. Beim Programmieren stellt Vim dann bestimmte Elemente wie Variablen, mathematische Zeichen, Schleifenein- und austrittspunkte, Kommentare und vieles mehr in unterschiedlichen Farben dar. Die Zeile »syntax on« in der ».vimrc« schaltet das Highlighting ein.
Meine persönliche Lieblingsfunktion dabei: Stelle ich den Cursor auf eine schließende Klammer, lässt Vim die korrespondierende öffnende Klammer aufleuchten – ist das die falsche, habe ich wohl irgendwo eine vergessen. Sie aktivieren die Funktion, indem Sie »set showmatch« in die ».vimrc« eintragen.
Zwei weitere fürs Programmieren nützliche Einträge zeigt Listing 1. Der erste bewirkt, dass Vim Einrückungen automatisch fortführt. Haben Sie also eine Zeile um vier Zeichen eingerückt, so wird diese Einrückungen übernommen, wenn Sie das nächste Mal auf die Eingabetaste drücken.
Listing 1
Nützliche Funktionen
set autoindent set smartindent
Der zweite Parameter versucht intelligent zu raten, was Sie gerade programmieren, und führt Einrückungen ebenso fort wie »autoindent«, beendet sie aber automatisch am Ende einer Schleifenkonstruktion oder eines If-Then-Else-Blocks. Smartident ist auf C-Programmierung optimiert, funktioniert aber auch mit vielen anderen (Skript-)Sprachen wie Python recht gut. Abbildung 1 zeigt ein sehr kurzes Programm in Python mit Syntax-Highlighting und “smarten” Einrückungen.
Stehlen Ihnen die Einrückungen zu viele Zeichen, was bei tief verschachtelten Schleifen schnell vorkommt, können Sie sie verkürzen. Um nur noch drei Zeichen tief einzurücken, schreiben Sie »set shiftwidth=3« in die ».vimrc«.
Diese Anpassungen sind in Vim eingebaut, aber (meist) in der Vorgabe nicht aktiv. Der Editor bietet darüber hinaus die Möglichkeit Plugins einzubinden, die viele nützliche Funktionen nachrüsten, wie etwa eine sprachenspezifische Rechtschreibprüfung und vieles andere mehr. (jlu)





