Mit einem kleinen Trick kann man in von außen unzugänglichen, privaten Umgebungen dem alten FTP noch zu einem zweiten, nützlichen Leben als universeller Dateianbieter verhelfen.
FTP ist out. Immerhin hat der Methusalem unter den Datenversandprotokollen auch schon fast ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel und stammt damit aus einer Zeit, in der man bei anonymem FTP noch ganz unschuldig seine tatsächliche E-Mail-Adresse als Passwort eingab. Damals galt das als guter Ton, heute verbietet es sich schon allein wegen der grassierenden Spam-Flut. Schwerer aber wiegt, dass das ursprüngliche FTP keinerlei kryptografische Sicherungen verwendete: Benutzernamen, Passwörter, Daten – alles flutschte unverschlüsselt durch die Leitung. In der Konsequenz geriet FTP umso schneller in Vergessenheit, je mehr sich die Schattenseiten des Internets abzeichneten.
Eine Ausnahme aber mag es geben: In abgeschirmten privaten Netzen kann man die Sicherheitsmängel von FTP unter Umständen tolerieren. Dann macht sich das ergraute Protokoll mit einem kleinen Trick noch nützlich und bietet selbst solchen Applikationen die Ressourcen eines Fileservers an, die gar kein passendes Protokoll beherrschen. Mithilfe des kleinen Tools Curlftpfs lassen sich FTP-Volumes via FUSE (Filesystem im Userspace) mounten und erscheinen dann in Dateimanagern oder auch auf der Kommandozeile exakt so wie gewöhnliche, lokale Ordner.
Was ist zu tun? Zuerst installieren Sie, soweit noch nicht geschehen, das Paket curlftpfs über den Paketmanager der verwendeten Distribution – es findet sich in den meisten Repositories. Danach passen Sie als Root die Rechte an der Datei »/etc/fuse.conf« so an, dass sie der Benutzer lesen darf. Ansonsten könnte nur der Superuser das FTP-Volume mounten, denn das erfordert einen Zugriff auf die Konfigurationsdatei.
Im nächsten Schritt kann man schon das eigentliche Kommando absetzen (Listing 1, erste Zeile). Dabei geben Sie »UID«, »User« und »Passwort« entsprechend der tatsächlichen Daten an, als »Server« verwenden Sie den Namen oder die IP-Adresse des FTP-Servers. Ob alles geklappt hat, lässt sich leicht mit dem »mount«-Kommando überprüfen (ab Zeile 2).
Listing 1
Curlftpfs-Mount
$ curlftpfs -o uid=UID User:Passwort@Server /home/User/web $ mount [...] curlftpfs#ftp://jcb:sansara@Diskstation/ on /home/jcb/web type fuse (rw,nosuid,nodev,relatime,user_id=1000,group_id=1000) [...] $ fusermount -u ~/web
Das Ganze funktioniert übrigens auch mit moderneren, SSL/TLS-gesicherten FTP-Verbindungen. Das Volume des Servers erscheint als gewöhnlicher Ordner im Home-Verzeichnis des Nutzers, und dessen Applikationen sehen keinen Unterschied zwischen den entfernten und den lokalen Speichermöglichkeiten. Braucht man das Volume später nicht mehr, wird man es mit dem Kommando aus der letzten Zeile von Listing 1 wieder los.






