Ein Buch demonstriert das wissenschaftliche Rechnen mit Python, das andere hilft beim Schreiben verständlicher Texte zum Thema IT.
Wissenschaftlich rechnen
Zwar klingt der Titel “Der Python-Kurs für Ingenieure und Naturwissenschaftler” ein wenig nach Lehrbuch, tatsächlich ist aber nur ein sehr kleiner erster Teil eine Python-Einführung im herkömmlichen Sinn. Ein einziges Kapitel muss für Schlüsselwörter, Datentypen, Kontrollstrukturen oder Funktionen genügen. Im Rest des Buchs kommen dann Python-Module (also Bibliotheken) zur Sprache, die zum Handwerkszeug des Ingenieurs oder Wissenschaftlers gehören, und dabei ist die Auswahl umso umfangreicher.
Los geht es mit NumPy, das vor allem Werkzeuge für das Rechnen mit Vektoren und Matrizen, Polynomen und linearen Gleichungen bietet. Hier, wie in jedem Kapitel, bespricht der Autor die Beispiel-Listings ausführlich und stellt am Ende eine Projektaufgabe, die der Leser selbstständig lösen soll. Im nächsten Kapitel geht es um das Visualisieren von Daten in Form von 2D- und 3D-Funktionsplots mit Matplotlib. Dabei fällt im Buch die Umsetzung ursprünglich farbiger Graphen in eine Schwarz-Weiß-Darstellung durchweg unbefriedigend aus: Die Grauwerte der verschiedenen Kurven lassen sich kaum noch unterscheiden. Dennoch werden viele Möglichkeiten der Grafikbibliothek anschaulich erklärt.
Im nächsten Kapitel kommt die Rede auf SymPy, das ein vollständiges Computeralgebrasystem mitbringt, mit dem man beispielsweise Integrale und Differenziale sowie Ableitungen von Funktionen berechnen kann. Die Ausführungen enden hier mit der Berechnung eines Butterworth-Tiefpassfilters, für die es ein nichtlineares Gleichungssystem fünften Grades zu lösen gilt – eine Aufgabe, die mit Zettel und Stift kaum zu bewältigen sein dürfte. Im folgenden Kapitel geht es um SciPy, eine Sammlung, zu der die bereits besprochenen Module NumPy und Matplotlib gehören. Integrieren und Differenzieren, die eben noch symbolisch abgehandelt wurden, kommen nun mit numerischen Lösungen an die Reihe.
Danach geht es wieder um Grafik, diesmal um 3D-Animationen mit VPython. Weitere Kapitel wenden sich dem Rechnen mit komplexen Zahlen und der Statistik zu. Auch die Boolesche Algebra ist Gegenstand eines Kapitels. Hier erfährt der Leser, wie sich Logikfunktionen (etwa aus der digitalen Schaltungstechnik) mithilfe von SymPi vereinfachen lassen. Ein letztes Kapitel spricht dann noch das Programmieren einfacher GUIs mit Tkinter an, was es ermöglicht, all die zuvor erklärten, mächtigen Funktionen auch in grafisch bedienbare Programme zu integrieren.
Alles in allem erweist sich das Buch als lohnende Lektüre für jeden Python-Programmierer, der es mit wissenschaftlichem Rechnen zu tun bekommen kann.
Infos
Veit Steinkamp
Der Python-Kurs für Ingenieure und Naturwissenschaftler
Rheinwerk, 2021
530 Seiten, 35 Euro
ISBN: 978-3-8362-7316-9
Guter Ratgeber
Schreiben ist Handwerk – vielleicht nicht nur, aber doch zu einem großen Teil. Und deshalb kann man es lernen. Dabei greifen Christina Czeschik und Matthias Lindhorst dem Leser mit dem schmalen Band “Weniger schlecht über IT schreiben” unter die Arme und liefern eine praktische Anleitung zum Verfassen gut lesbarer Texte über IT-Themen.
Die Autoren streifen dabei alle wesentlichen Stationen der Textentstehung, von der Definition einer Zielgruppe über Recherche und Gliederung bis zur eigentlichen Textkomposition. Dabei kommen sowohl Aspekte wie eine klare Struktur als auch viele stilistische Möglichkeiten zur Sprache, einschließlich häufiger Unarten wie Nominalstil oder gehäuftes Passiv. Nicht jeder Rat hilft jedem Rezipienten weiter. So birgt ein sicherlich nicht unmöglicher szenischer Einstieg in einen Fachtext doch die Gefahr unfreiwilliger Komik. Alles in allem sind die Hinweise aber durchweg fundiert und beachtenswert.
Die Schlusskapitel beschäftigen sich mit den Anforderungen verschiedener Textsorten (wie Handbuch, Bericht, Präsentation und Buch) sowie den Möglichkeiten für eine Veröffentlichung. Dabei stellen die Autoren die Möglichkeiten eines professionellen Verlags denen der Selbstpublikation anschaulich gegenüber. Ganz am Ende folgen dann noch ein paar Interviews mit Experten, deren Kernaussagen nicht vollständig in das Buch Einzug hielten, deren Handreichungen aber wahrscheinlich auch zu schade zum Wegwerfen erschienen. Diese Texte kann man lesen, muss es aber zum Verständnis des Buchs nicht unbedingt.
Insgesamt erweist sich der Band als nützlicher Ratgeber für semiprofessionelle Verfasser von Sachtexten, insbesondere solchen zum Thema IT.







