Aus Linux-Magazin 11/2020

Zwei Bücher führen in die Python-Programmierung ein

Besonders im Umfeld Big Data und KI gilt Python als angesagte Programmiersprache, weshalb es garantiert einen Bedarf für entsprechende Lehrbücher gibt. Zwei davon stellt dieser Beitrag vor.

Ausführlich erklärt

Liest man den Titel “Routineaufgaben mit Python automatisieren”, dann könnte man an so etwas denken wie die bekannte Kochbuch-Reihe für Programmiersprachen von O’Reilly – also eine umfangreiche Beispielsammlung mit Musterlösungen für häufige Aufgaben. Doch damit läge man falsch.

Al Sweigarts Werk ist stattdessen ein Python-Lehrbuch für Anfänger ohne Vorkenntnisse und Programmiererfahrung. Die zahlreichen Beispiele richten sich eher an didaktischen Zielen aus und demonstrieren grundsätzliche Funktionen; um typische Probleme aus der Praxis eines Python-Programmierers geht es weniger.

Das Konvolut liest sich flüssig, das Schrittmaß erscheint für die Lernenden ausgewogen, viele Details erklärt der Autor ausführlich. Die Darstellung handelt in der üblichen Art und Weise Datentypen oder die Flusssteuerung ab, es folgen spezielle Aspekte wie die Objektorientierung oder das Programmieren von Benutzeroberflächen. Zahlreiche Beispiele verdeutlichen die Erklärungen. Eine Besonderheit: Auf einer Webseite zum Buch lassen sich viele der kleinen Beispielprogramme in einer Art Debugging-Modus ausführen, was zusätzlich zum Verständnis der Abläufe beiträgt.

An Kleinigkeiten lässt sich oft die Sorgfalt ablesen, mit der ein Buch redigiert und korrekturgelesen wurde. Beim vorliegenden Werk stutzt man schon auf Seite 5, wo der Text eine Abbildung als E-1 referenziert, die jedoch als Abb. 2-1 nummeriert ist. Das zieht sofort zwei weitere Fehler nach sich: Zum einen taucht die Abbildung 2-1 so vor der 1-1 auf, zum anderen kommt sie doppelt vor. Ein Bild mit derselben Nummerierung steht auf Seite 40, diesmal tatsächlich als erste Abbildung in Kapitel 2.

Inkonsistent erscheint ebenfalls, dass Programmtexte in Listings nie übersetzt werden, selbst dann nicht, wenn sie amerikanischen Slang enthalten (“kiddo”). Andererseits wurden Kommentare in Listings des Öfteren doch übersetzt. Setzt man beim Leser nun Englischkenntnisse voraus oder nicht?

Trotz dieser Kleinigkeiten, die man allerdings hätte besser machen können, ist das Buch eine gelungene Einführung in Python und dessen Programmierung für Leser ohne Vorkenntnisse.

Info

Al Sweigart: Routineaufgaben mit Python automatisieren

dpunkt Verlag, 2020

660 S., 35 Euro

ISBN: 978-3-86490-753-1

Klar gegliedert

Im zweiten Buch geht der Autor Thomas Theis dasselbe Problem – das Vermitteln von Grundkenntnissen in der Programmiersprache Python – anders an: straffer, ohne Plauderton, systematischer. Schon das klare Layout mit zahlreichen Stichworten in einer Randspalte, die das Nachschlagen erleichtern, sowie zahlreiche Querverweise unterstreichen den Lehrbuchcharakter.

Der Text präsentiert in nüchterner Sprache die Fakten und spart sich Ausschmückungen. Die knappere Darstellung erlaubt es zugleich, an einigen Stellen tiefer in die Materie einzudringen. Ein gutes Beispiel dafür bietet die Objektorientierung, bei der dieses Buch etwa auch Themen anschneidet, die das erste ausspart, wie Operatormethoden, Datenklassen (die erst mit Python 3.7 Einzug in den Standard hielten) und Mehrfachvererbung. Auch die Beispiellistings wagen sich schrittweise weiter vor, nämlich bis zu einem kleinen Spiel mit GUI und Highscore-Tabelle in einer SQLite-Datenbank, das in allen Einzelheiten erklärt wird. Schließlich gibt es sogar noch ein Extra-Kapitel über den Raspberry Pi, der den Bezug zu Python ja schon im Namen trägt.

Allerdings muss sich auch dieses Python-Lehrbuch der inhärenten Logik beugen und in vorgegebener Reihenfolge zunächst die aufeinander aufbauenden Grundlagen abhandeln: Variablen und Operatoren, Verzweigungen, Schleifen, Funktionen und Module im Überblick, dann Datentypen und schließlich weiterführende Themen wie den Umgang mit Dateien, Programmieren im Netz, Datenbanken oder Benutzeroberflächen. Alles in allem erweist sich “Einstieg in Python” als rundum empfehlenswertes Python-Lehrbuch für Anfänger.

Info

Thomas Theis: Einstieg in Python

Rheinwerk, 2020

520 S., 25 Euro

ISBN: 978-3-8362-7379-4

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