Werkzeuge, die den Netzwerkdurchsatz auf einem Interface messen und dabei eine Historie bereithalten, sind nicht leicht zu finden. Vnstat schafft den Spagat und trifft damit Charlys Geschmack.
Kleine Tools, die den Netzwerkdurchsatz auf einer Schnittstelle messen und anzeigen, gibt es viele, und einige davon habe ich hier auch schon vorgestellt. Möchte man zusätzlich eine Historie über den Umfang des Datenverkehrs, hat man ebenfalls reichlich Auswahl, aber diese Werkzeuge sind dann oft nicht mehr schlank. Eines aber schafft den Spagat: Vnstat [1].
Nach der Installation auf meinem Testrechner unter Ubuntu legte Vnstat automatisch eine Datenbank pro gefundenem Interface an (Listing 1, Zeile 1 bis 4). Sollte das Tool diese Vorarbeit einmal nicht automatisch erledigen, lassen sich die Datenbanken auch manuell anlegen (Zeile 6). Der Parameter »–delete« dient dazu, eine Datenbank gegebenenfalls wieder zu löschen.
Listing 1
Schnittstelle überwachen
charly@glas:~$ ls -l /var/lib/vnstat total 8 -rw-r--r-- 1 vnstat vnstat 2272 Jun 8 14:30 enp1s0 -rw-r--r-- 1 vnstat vnstat 2272 Jun 8 14:30 enp2s0 charly@glas:~$ vnstat --create -i eth0 charly@glas:~$ vnstat -i enp1s0 -l Monitoring enp2s0... (press CTRL-C to stop) rx: 204 kbit/s 351 p/s tx: 34 kbit/s 39 p/s
Mit dem Parameter »-i« verfolge ich live (»-l«) die Auslastung einer Schnittstelle (Zeile 8). Breche ich die Ausgabe mit [Strg]+[C] ab, erscheint eine übersichtliche Zusammenfassung der gemessenen Werte (Abbildung 1). Bei der Anzeige des Netzwerkdurchsatzes lese ich die Werte lieber in Bits pro Sekunde als in Bytes. Das erreiche ich, indem ich den Parameter »-ru 1« an das Kommando anhänge – »ru« steht für “rate unit”.
![Abbildung 1: Mit Vnstat lässt sich der Durchsatz auf einer Netzwerkschnittstelle live verfolgen. Beim Beenden des Tools mit <span class="key-combo">[Strg]+[C]</span> liefert es eine praktische Zusammenfassung der Messergebnisse.](/wp-content/uploads/2020/08/b01_vnstat-300x187.jpg)
Abbildung 1: Mit Vnstat lässt sich der Durchsatz auf einer Netzwerkschnittstelle live verfolgen. Beim Beenden des Tools mit [Strg]+[C] liefert es eine praktische Zusammenfassung der Messergebnisse.
Die eingangs erwähnten Datenbanken dienen dazu, die gewünschte Historie über die Netzwerklast zur Verfügung zu stellen. Mit den Parametern »-h«, »-d«, »-w« und »-m« kann ich mir den Verlauf des Datenverkehrs über eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder einen Monat anzeigen lassen.
Der Parameter »-t« steht für “Top 10” und liefert die zehn Tage mit dem stärksten Datenverkehr. Auch praktisch: »–oneline« liefert eine minimale Ausgabe, die sich leicht parsen und zum Beispiel in eigene Skripte einbauen lässt.
Zum Schluss: Vnstat hat einen bunten Bruder namens Vnstati, der die Ergebnisse in anschaulichen Diagrammen verbildlicht. Ich habe ihn mir noch nie angesehen, weil mir die unbunte Variante immer völlig ausgereicht hat. (jlu)
Der Autor
Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.
Infos
- Vnstat: https://humdi.net/vnstat/





