Aus Linux-Magazin 05/2020

Werkzeuge im Kurztest

Tarpit 0.1.4

Teergrube für SSH und HTTP

Quelle: https://github.com/metala/tarpit

Lizenz: MIT

Alternativen: Endlessh, Iptables

Unerwünschte Netzwerkverbindungen künstlich verlangsamen und so Angreifer möglichst lange blockieren – so sieht das Konzept einer Teergrube (englisch “tarpit”) aus. Hier ist der Name Programm: Wie in einer echten Teergrube sollen die Störenfriede am Rechner mit der Teergrube kleben- und damit von den restlichen Systemen fernbleiben. Das Go-Tool Tarpit stellt eine solche Falle unter Linux bereit. In der aktuellen Version unterstützt es die beiden TCP-Protokolle SSH und HTTP.

Die Konfiguration erfolgt über Parameter beim Start. Hinter »-b« gibt der Anwender die Schnittstelle an, auf der Tarpit eingehende Verbindungen entgegennimmt. Den Port bestimmt »-p«; alternativ definiert »-P« das unterstützte Protokoll, und Tarpit wählt den Standard-Port aus. Soll das Tool auf einem sogenannten privilegierten Port (kleiner 1024) lauschen, benötigt es Root-Rechte. Mit den Parametern »-g« und »-u« definiert der Nutzer eine GID und UID, unter der Tarpit danach weiterläuft; das minimiert das Sicherheitsrisiko. In der Voreinstellung hält Tarpit die Gegenseite 10 Sekunden lang hin. Wer eine längere Bindung wünscht, kann mit »-d« eine andere Dauer vorgeben.

  Tarpit besticht durch seine einfache Konfiguration – da fällt die minimale Dokumentation nicht groß ins Gewicht. Weitere Funktionen wären nett, wie beispielsweise das Mitschneiden eines Logs oder eine Konfiguration, um Tarpit als Dienst zu starten.

Sidenote 0.1.1

Notizblock für die Shell

Quelle: https://github.com/ryot4/sidenote

Lizenz: MIT

Alternativen: Tnote, Notes

Wer viel und gerne auf der Konsole arbeitet und zum Verwalten der eigenen Notizen kein grafisches Tool bemühen möchte, der sollte sich Sidenote ansehen. Das in Go implementierte Werkzeug hilft beim Erstellen und Verwalten von Notizen im Textformat und arbeitet gut mit gängigen Texteditoren zusammen. Auf Github steht ein Binary für 64-Bit-Linux bereit; Nutzer anderer Plattformen installieren das Tool aus den Quellen.

Der Befehl »sidenote init« erzeugt das versteckte Verzeichnis ».notes/«, in dem Sidenote seine Einträge verwaltet. Gibt es im aktuellen Ordner kein Verzeichnis ».notes/«, durchsucht Sidenote selbstständig die Verzeichnishierarchie nach oben. Das Initialisieren ist daher nur in der obersten Ebene erforderlich. Benutzer, die einen anderen Ordner als Speicherort definieren möchten, geben hinter »sidenote init« den Schalter »-l« an, und das Tool setzt einen symbolischen Link.

Mit dem Befehl »sidenote edit«, gefolgt von einem eindeutigen Notiznamen, legt der Anwender ein neues Memo an. Sidenote startet dann den Standard-Texteditor und wertet dazu die beiden Umgebungsvariablen »$VISUAL« und »$EDITOR« aus. Eine Übersicht aller aktuellen Notizen liefert das Kommando »sidenote ls«. Der Unterbefehl »cat«, gefolgt vom Namen einer Notiz, schreibt deren Inhalt auf die Standardausgabe. Obsolete Notizen entfernt »sidenote rm«.

  Der Funktionsumfang von Sidenotes ist übersichtlich, aber das Tool erfüllt seinen Zweck. Da es nur wenig Ressourcen benötigt, eignet es sich auch für den Einsatz per SSH auf entfernten Systemen.

DNSd 1.2.0

DNS-over-HTTPS-Daemon

Quelle: https://github.com/kamarya/dnsd

Lizenz: GPLv3

Alternativen: DNSCrypt-Proxy, Cloudflared

DNS over HTTPS oder kurz DoH ist in aller Munde. Es verbessert den Datenschutz und die Sicherheit zwischen einem Client und einem Resolver, indem es DNS-Abfragen über eine verschlüsselte HTTPS-Verbindung verschickt. Einige aktuelle Browser unterstützen DoH bereits, andere Programme hinken jedoch hinterher. Der Daemon DNSd schafft Abhilfe und bietet ein lokales DNS-Backend, um die Anfragen und Antworten über HTTPS via Google Public DNS weiterzuleiten.

Anwender bauen das noch recht neue Tool aus den Quellen und erzeugen vor dem ersten Start die Konfigurationsdatei »dnsd.conf«. Ein Beispiel liegt im Github-Repository des Projekts. Die Möglichkeiten sind noch sehr überschaubar. Hinter »server_url« steht der DoH-Zielserver. Im Beispiel kommt der Google-Server zum Einsatz; alternativ darf hier der Cloudflare-Server stehen. Die Variable »service_port« legt den Port fest, auf dem DNSd eingehende Verbindungen erwartet; das Tool lauscht dann auf allen Schnittstellen. Sind HTTPS-Abfragen ins Netz nur über einen Proxy möglich, kann dieser hinter »https_proxy« stehen.

Das Verzeichnis »service/« des Tools enthält passende Startskripte für Systemd und SysVinit. Wer das Werkzeug zum Test von Hand starten möchte, gibt hinter dem Schalter »-f« die Konfigurationsdatei an. Soll DNSd nicht im Hintergrund arbeiten, setzt der Nutzer »-D« ein. Da das Tool den DNS-Standardport verwendet, erfordert das Ausführen Root-Rechte.

  Wer alle DNS-Abfragen auf dem System über DoH abwickeln möchte, findet in DNSd einen praktischen Helfer, der schnell einsatzbereit ist.

Nnn 3.0

Schlanker Dateimanager fürs Terminal

Quelle: https://github.com/jarun/nnn

Lizenz: BSD

Alternativen: Midnight Commander, Tree

Nnn präsentiert sich als ein schlanker Dateimanager für die Konsole, der ohne Ncurses-Oberfläche auskommt und viel Komfort verspricht. Er benötigt weniger als 3,5 MByte RAM, und auch die auf Github angebotenen Binaries sind klein. Das Posix-konforme Tool läuft auf allen Unix-artigen Systemen. Über 40 Plugins erweitern den Dateimanager um nützliche Features.

Über den Befehl »nnn« aufgerufen, zeigt das Tool den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses an. Wer einen anderen Ordner besuchen möchte, gibt diesen beim Aufruf an oder navigiert im laufenden Betrieb mit den Pfeiltasten. Das aktuelle Verzeichnis zeigt Nnn stets in der Kopfzeile an. Links daneben befinden sich vier verschiedene Panel, in die Anwender über die entsprechenden Ziffern gelangen. Sie können in jedem Panel unabhängig von den anderen Ansichten navigieren.

Wer eine detailreiche Anzeige mit Zugriffsrechten und Zeitstempeln wünscht, ruft das Tool mit »-d« auf. Eine Onlinehilfe gibt es über »?«. Sie listet alle wichtigen Tastenkürzel auf. Nnn bietet eine Du-konforme Ansicht (Schalter »-S«), die am unteren Rand Auskunft über den Füllstand der Festplatte gibt. Aus dem Dateimanager heraus lässt sich ein Editor starten, wozu Nnn »$EDITOR« auswertet oder über »-E« einen anderen Editor entgegennimmt.

  Der Dateimanager Nnn benötigt wenig Ressourcen und bringt von anderen Werkzeugen her bekannte Tastenkürzel mit. Im Test blieb er gelegentlich hängen, was zum Punktabzug führte.

Perftacho 0.4.0

Laufgeschwindigkeit berechnen

Quelle: https://github.com/qrider71/tacho

Lizenz: Apache 2.0

Alternativen: Time

Wie lange läuft ein ausführbares Programm oder ein Skript im Schnitt? Wer sich lediglich für die Dauer interessiert, kann zum GNU-Tool Time greifen, das sich jedoch nicht zum Ermitteln eines Durchschnittswerts eignet. Hier empfiehlt sich Perftacho: Das in Rust implementierte Tool ermittelt die Ausführungsdauer eines Befehls oder Programms sowie die durchschnittliche Laufzeit bei mehrfachem Einsatz.

Pakete für alle gängigen Betriebssysteme finden sich im Github-Repository. Nach dem Entpacken steht das Kommando »perftacho« in den Startlöchern. Um einfach nur die Laufzeit zu ermitteln, gibt der Benutzer beim Aufruf den auszuführenden Befehl samt Parametern an. Perftacho liefert als Ergebnis die Laufzeit in Millisekunden zurück. Das Tool unterdrückt die Ausgaben des getesteten Kommandos; wer sie sehen möchte, setzt den Schalter »-tachoShowOutput« ein. Der Zusatz von »-tachoASCII« filtert nicht ASCII-konforme Zeichen heraus.

Um die durchschnittliche Laufzeit zu ermitteln, führt der Benutzer einen Befehl mehrmals aus und bestimmt dabei die Anzahl der Wiederholungen über »-tachoRepeat«. In Kombination mit »-tachoShowDetail« sollte Perftacho eine detaillierte Ausgabe liefern, auf dem Testsystem zeigte sich jedoch kein Unterschied zur Standardausgabe. Der Schalter »-tachoTag« gibt den Messungen einen individuellen Namen, was zur Weiterverarbeitung nützlich ist.

  Das relativ junge Projekt Perftacho befindet sich in einer aktiven Entwicklungsphase und berechnet bereits jetzt zuverlässig Laufzeiten. In Sachen Dokumentation hält es sich noch weitgehend zurück.

Muso 1.3.0

Audiodateien sortieren

Quelle: https://github.com/quebin31/muso

Lizenz: GPLv3

Alternativen: keine

Auch wenn viele Anwender Musik inzwischen streamen, befinden sich auf etlichen Festplatten noch digitale Musiksammlungen. Oft sind diese unübersichtlich und nicht gut sortiert. Muso verspricht, beim Aufräumen zu helfen. Derzeit verarbeitet das Rust-Tool nur MP3 und FLAC; weitere Formate und Codecs sind geplant. Neben der ausführbaren Datei enthält das Archiv eine Konfigurationsdatei im TOML-Format und eine Service-Unit für Systemd, um den Muso-Dienst beim Booten zu starten.

Die Hauptfunktion von Muso ist das automatische Einsortieren und Umbenennen neuer Audiofiles nach vorgegebenen Mustern. Es kopiert dabei die Datei vom Quell- ins Zielverzeichnis und benennt sie entsprechend der Vorgabe aus der Konfigurationsdatei »~/.config/muso/config.toml« um. Wer das File woanders ablegt, muss es beim Start hinter dem Schalter »-f« angeben.

Die Einrichtungsdatei darf mehrere »[libraries]«-Blöcke enthalten, die jeweils eine eigene Format-Definition, ein Zielverzeichnis und einen Hinweis auf exFAT-Kompatibilität umfassen. Der Block »[watch]« legt fest, welche »[libraries]«-Abschnitte Muso in welchen Intervallen nach neuen Songs durchforstet. In welchen Ordnern das Tool sucht, gibt der Anwender beim Programmstart an; der Parameter »-r« sorgt für rekursives Arbeiten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, startet mit »-d« einen Testlauf.

  Muso ist ein zuverlässiger Arrangeur, der bei Bedarf automatisiert arbeitet. Allerdings stehen nicht für alle Distributionen Pakete zur Verfügung, und Benutzer von 32-Bit-Systemen müssen das Tool grundsätzlich selbst kompilieren. (Uwe**Vollbracht/hej)

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