Aus Linux-Magazin 04/2020

Bücher über KI zum Ausprobieren und über ethische Probleme in der KI

Ein Buch bietet jüngeren Lesern eine interaktive Einführung in die künstliche Intelligenz, das zweite widmet sich aus akademischer Perspektive systematisch den ethischen Problemen dieser Technologie.

Das Buch der Informatikprofessorin Ute Schmid und ihrer Koautoren Katharina Weitz und Michael Siebers hat einen bestechenden Vorteil: Es macht künstliche Intelligenz anhand kleiner Python-Programme nachvollziehbar, die der Leser mitenwickelt. So programmiert der Rezipient schon in Kapitel 2 Entscheidungsbäume und im folgenden Abschnitt ein vereinfachtes neuronales Netz (Perceptron), an dem sich – notfalls sogar mit Papier und Bleistift – konkret verfolgen lässt, wie Trainingsdaten verarbeitet werden und später damit Klassifikationen gelingen.

Die Beispiele dafür sind geschickt konstruiert. Wer die Anfangsbedingungen etwas abwandelt, kann an demselben Modell auch verfolgen, dass das Training unter Umständen niemals konvergiert und das Perceptron dann auch keine guten Prognosen zu stellen vermag. Wer sich aber zumindest im ersten Schritt auf die bereitgestellten Daten stützt, begreift das Prinzip leicht.

Ob allerdings der in Kapitel 1 gebotene Crashkurs in Python ausreicht, um alle Beispiele mitlesen und gegebenenfalls sogar selbstständig abwandeln zu können, sei dahingestellt. Zwar erscheint der Versuch lobenswert, Lesern ohne Vorkenntnisse alles aus einer Hand zu bieten, aber weniger als 30 kleinformatige Seiten machen aus einem programmierunkundigen Anfänger sicher keinen Python-Spezialisten.

Neben dem maschinellen Lernen wendet sich das Büchlein auch noch dem planvollen Lösen von Strategiespielen zu, der Sprachverarbeitung, sowie der Frage, inwiefern Rechner Emotionen erkennen können. Zumindest im ersten Fall gibt es auch wieder ein instruktives Python-Beispiel.

Zuweilen vermenschlichen die Autoren im Bemühen um Verständlichkeit die Rechner allzu stark: Das im Spiele-Kapitel entwickelte Tic-Tac-Toe-Programm ist beispielsweise eben gerade nicht “hochbegabt”, wie dort zu lesen steht, sondern lediglich schnell genug, um stumpf alle Zugvarianten ausrechnen zu können. Alles in allem führt der schmale Band aber sehr anschaulich und in einer auch für jüngere Leser geeigneten Weise in einige Grundprobleme der künstlichen Intelligenz ein.

Infos

Schmid, Weitz, Siebers: Künstliche Intelligenz selber programmieren für Dummies Junior

Wiley Verlag, 2019

130 S., 13 Euro

ISBN 978-3-527-71573-2

Ethik in der KI

Sehr häufig und in immer wieder abgewandelter Form wird das Dilemma zitiert, in das ein autonomes Fahrzeug gerät, wenn es einen Unfall nicht mehr vermeiden kann und entscheiden muss, wer in Mitleidenschaft gezogen werden soll: die Insassen oder Personen auf der Straße? Die Rentnerin am Wegesrand oder die Kindergruppe? Soll es jemanden überfahren dürfen, der bei Rot die Straße überquert?

Die ethischen Fragestellungen im Zusammenhang mit KI reichen allerdings viel weiter: Welche Spielregeln sollen für Roboter gelten? Darf man autonome Killerroboter erlauben? Wer haftet für die Folgen einer Handlung, die eine KI verursacht hat? Könnten wir verpflichtet sein, autonome Fahrzeuge zuzulassen, weil sie Unfälle vermeiden? Soll es Sex-Roboter geben?

Diesen Fragen geht das Buch “Ethik in KI und Robotik” auf den Grund. Es wurde von einem internationalen Autorenkollektiv verfasst, zu dem auch der Münchner Professor Lütge zählt, der das kürzlich gegründete Institute for Ethics in Artificial Intelligence der TU München leitet. Das Buch hat den Charakter eines Lehrmaterials mit Verständnisfragen an jedem Kapitelende und umfangreichen Verweisen auf weiterführende Literatur.

Das Werk erschließt den Stoff sehr systematisch. Dabei definiert es zunächst die Begriffe Ethik und KI und widmet sich dann Fragen der Haftung, der Risiken von KI sowie psychologischen Aspekten, insbesondere der Vermenschlichung. Auch Probleme der Privatsphäre im KI-Zusammenhang bleiben nicht außen vor. Daneben besprechen eigene Kapitel explizit das Feld der physischen Hilfestellung durch Roboter (Human Enhancement), den Einsatz von Robotern in Gesundheitsvorsorge und Bildung, Autonome Fahrzeuge sowie militärische Anwendungen der künstlichen Intelligenz.

Alles in allem erhält der interessierte Leser eine fundierte Einführung in ethische Fragestellungen, die sich durch den fortschreitenden Einsatz von KIs und Robotern ergeben.

Infos

Bartneck, Lütge, Wagner, Welsh: Ethik in KI und Robotik

Hanser Verlag, 2019

170 S., 20 Euro

ISBN 978-3-446-46227-4

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 1 HeftseitePreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben