Aus Linux-Magazin 02/2020

Terminalemulatoren und Terminalmultiplexer für jeden Geschmack

© Sergiy Tryapitsyn , 123RF

Terminalemulatoren gelten landläufig als langweilig, da sie streng genommen nur Text darstellen. Doch jenseits des Standards etablieren sich interessante Exoten, die sich für verschiedene Anwendungsfälle eignen.

Ein Terminalemulator zählt als integraler Bestandteil zu jedem Linux-Desktop. Neben den von den Desktop-Umgebungen vorinstallierten Standards gibt es viele weitere Emulatoren und Multiplexer mit beachtenswerten Sonderfunktionen, die häufig die Arbeit auf der Kommandozeile erleichtern. Diese Folge der Bitparade pickt sich einige innovative Pakete heraus, namentlich Alacritty [1], Byobu [2], Cool Retro Term [3], Terminator [4], Terminus [5] und Tilix [6].

Alacritty

Das noch junge Alacritty fällt vor allem durch seine enorme Arbeitsgeschwindigkeit auf. Das unter der Apache-Lizenz stehende Programm steckt in den Repositories zahlreicher Distributionen, lässt sich aber auch von Github und der Projektwebseite [1] beziehen. Die Entwickler weisen ausdrücklich auf den Beta-Status der Software hin, die also noch Fehler enthalten kann.

Spartanisch

Alacritty öffnet nach der Installation ein schnörkelloses Fenster, das weder eine Menüzeile noch ein per Mausklick erreichbares Kontextmenü aufweist. Die Software unterstützt generell keine Bedienung mit der Maus, auch ein grafisches Einstellungsmenü fehlt. Die Konfiguration erfolgt über die Textdatei »alacritty.yml« unter »~/.config/alacritty/« (Abbildung 1). Sie fasst die möglichen Einstellungsoptionen zum Erscheinungsbild und zur Funktionalität in verschiedenen Gruppen zusammen.

<a href="#artRef-f1">Abbildung 1</a>: Bei Alacritty nimmt der Anwender die Konfiguration h&auml;ndisch vor.

Abbildung 1: Bei Alacritty nimmt der Anwender die Konfiguration händisch vor.

Neben Farbgebung und Schriften, Scrollverhalten und Cursoreinstellungen modifiziert der Anwender auch die genutzte Shell. Zusätzlich darf er hier alle Tastenkombinationen zur schnellen Bedienung des Terminalemulators frei definieren. Die Datei fällt dabei etwas unübersichtlich aus, da sich darin auch betriebssystemspezifische Abschnitte tummeln.

Alacritty läuft auch unter Windows und OS X. Da die Software keine Profile kennt, greifen Änderungen an den Optionen stets global. Ein einfacher Profilwechsel genügt also nicht, um die Einstellungen auf die gewünschte Weise zu ändern. Stattdessen muss man die Konfigurationsdatei stets händisch anpassen.

Geschwindigkeit

Das in Rust geschriebene Alacritty fällt primär durch sein enormes Arbeitstempo auf. Das macht sich etwa beim Blättern durch große Dateien bemerkbar, die der Anwender mit dem Texteditor Vim bearbeitet. Die rasante Geschwindigkeit sticht insbesondere bei hohen Bildschirmauflösungen ins Auge. Das hohe Tempo der Software beruht darauf, dass sie zum Rendern OpenGL verwendet und damit die Beschleunigung des im System verbauten Grafikprozessors (GPU) nutzt.

Keine Tabs

Alacritty kennt keine Tabs im Terminalfenster. Der Anwender kann also nicht mehrere virtuelle Terminals simultan in einem Fenster betreiben. Stattdessen muss er weitere Alacritty-Instanzen öffnen, um parallel in mehreren virtuellen Terminals zu arbeiten.

Byobu

Der unter der GPL stehende Terminalemulator Byobu [2] hat mittlerweile Einzug in die Repositories aller gängigen Linux-Distributionen gehalten und lässt sich daher über den jeweiligen Paketmanager bequem installieren. Ursprünglich für textbasierte Distributionen wie Ubuntu Server entwickelt, läuft die Applikation auch auf jedem Desktop und setzt auf Shell-Fenstermanager wie Screen oder Tmux auf.

Hat der Nutzer Byobu installiert, findet er einen entsprechenden Eintrag in der Menüstruktur seines Desktops. Die Software öffnet beim ersten Start ein Fenster, das durch eine farbig markant gestaltete horizontale Leiste am unteren Fensterrand auffällt. Dort erscheinen Statusangaben wie CPU-Auslastung, Arbeitsspeicherverbrauch, Größe des Massenspeichers sowie Datum und Uhrzeit (Abbildung 2).

<a href="#artRef-f2">Abbildung 2</a>: Byobu kommt mit einem farbenfroh gestalteten Fenster daher, das auch Informationen zur Hardware liefert.

Abbildung 2: Byobu kommt mit einem farbenfroh gestalteten Fenster daher, das auch Informationen zur Hardware liefert.

Byobu-Anwender müssen eine gewisse Einarbeitungszeit einkalkulieren, da die Anwendung sich nur per Tastatur steuern lässt. Dabei wartet sie mit einem besonderen Schmankerl auf: Das Terminalfenster splittet sich bei Bedarf in mehrere unabhängig voneinander arbeitende virtuelle Konsolenfenster. Dieses Feature hilft besonders auf Servern, auf denen Admins zahlreiche Komponenten laufend überprüfen müssen. Die entsprechenden Monitoring-Tools können dann simultan in mehreren Terminals arbeiten.

Ein Druck auf [Umschalt]+[F1] fördert eine Hilfe zutage, die die voreingestellten Tastenkombinationen erläutert. Über [Umschalt]+[F2] und [Strg]+[F2] lässt sich horizontal oder vertikal ein neues Konsolenfenster hinzufügen (Abbildung 3), [Strg]+[Umschalt]+[F2] öffnet eine neue Sitzung. Der Anwender kann darüber hinaus Tastenkombinationen ändern oder eigene ergänzen. Dazu steht im Menü Bearbeiten die Option Tastenkombinationen bereit. Darüber modifiziert er in einem separat geöffneten Fenster die Tastenkürzel.

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Abbildung 3: Byobu öffnet mehrere virtuelle Terminals simultan. Das hilft Admins, verschiedene unabhängige Komponenten im Auge zu behalten.

Profile

Byobu arbeitet wie fast alle gängigen Terminalemulatoren mit Profilen. Darin legt der Nutzer nicht nur Grundeinstellungen wie Farben, Hintergründe oder Schriften fest, sondern konfiguriert auch Bedienelemente des Fensters wie die Steuerung und die Anordnung der Rollbalken. Dafür gibt es im Menü Bearbeiten die beiden Einträge Profile und Profileinstellungen. Über den ersten legt man neue Profile an, der zweite erlaubt das Modifizieren vorhandener Profile. Änderungen am aktiven Profil wirken sich dabei sofort auf das Terminalfenster aus.

Zwischen den angelegten Profilen schaltet der Nutzer via Rechtsklick beliebig hin und her; im sich öffnenden Kontextmenü wählt er das gewünschte Profil aus. Die Auswahl eines neuen Profils wirkt sich sofort auf sämtliche virtuellen Konsolenfenster aus, eine gesonderte Profilauswahl für jedes Konsolenfenster sieht Byobu nicht vor.

Statuszeile

Die horizontale Statusleiste am unteren Bildschirmrand darf der Byobu-Nutzer ebenfalls verändern. Verschiedene voreingestellte Statusanzeigen ruft er mithilfe von [Umschalt]+[F5] ab.

Daneben kann er auch individuelle Statusmeldungen einstellen, wozu er [F9] drückt, um in den Byobu-Konfigurationsbildschirm zu gelangen. Hier findet sich in einem Ncurses-Fenster die Option Statusmeldungen ändern, die der Nutzer auswählt. Im folgenden Fenster schaltet er die entsprechenden Anzeigen ein und aus, indem er Sternchen vor den Optionen setzt oder entfernt (Abbildung 4).

<a href="#artRef-f4">Abbildung 4</a>: Die Statusanzeigen d&uuml;rfen Byobu-Nutzer wahlfrei ver&auml;ndern.

Abbildung 4: Die Statusanzeigen dürfen Byobu-Nutzer wahlfrei verändern.

Die Änderungen tauchen nach einem Klick auf Übernehmen sofort in der Statusleiste auf. Das erlaubt Admins, je nach Einstellung den aktuellen Zustand eines Servers zuverlässig zu überwachen.

Entkoppelt

Da Byobu Prozesse von der Shell entkoppelt, kann der Nutzer Byobu mit [Umschalt]+[Strg]+[Q] oder [Alt]+[F4] schließen, ohne dabei den Prozess zu beenden. Öffnet er das Terminal erneut, blendet es den laufenden Prozess wieder ein. Dieses Verhalten kann der Anwender auch beim Anmelden auf Servern einstellen. Im dortigen Konfigurationsdialog veranlasst er den Rechner über die Option Byobu startet beim Einloggen, die Software automatisch zu starten.

Cool Retro Term

Etwas aus dem Rahmen herkömmlicher Terminalemulatoren fällt das bereits seit einigen Jahren von dem Italiener Filippo Scognamiglio entwickelte Cool Retro Term [3]: Es ahmt das Aussehen monochromer Terminalbildschirme mit Kathodenstrahlröhre aus den 1980er-Jahren nach.

Dem Anwender bietet sich dabei ein authentisches Erlebnis: Der Bildschirm weist nicht nur ein sichtbares Flimmern auf wie bei historischen Monitoren, sondern zeigt die Inhalte auch wahlweise in bernsteinfarbenen, blauen oder grünen Zeichen an. Zudem vollzieht das Terminal die Wölbung einer Kathodenstrahlröhre realistisch nach. Selbst das betagte 4:3-Seitenverhältnis berücksichtigt die Software bei der Darstellung (Abbildung 5).

<a href="#artRef-f5">Abbildung 5</a>: CRT ahmt alte Monitore ziemlich realistisch nach, inklusive Seitenverh&auml;ltnis und R&ouml;hrenkr&uuml;mmung.

Abbildung 5: CRT ahmt alte Monitore ziemlich realistisch nach, inklusive Seitenverhältnis und Röhrenkrümmung.

Die Software eignet sich weniger für Server, sondern fokussiert eher auf Desktops. Als Voraussetzung benötigt Cool Retro Term das Qt-Toolkit ab Version 5.2. Die Applikation wartet bereits in den Repositories zahlreicher Distributionen. Darüber hinaus bietet der Entwickler auf der Webseite des Projekts auch ein AppImage- und ein Snap-Paket an. Für Distributionen, die Cool Retro Term bislang nicht unterstützen, wartet der Quellcode auf der Projektseite und auf der DELUG-DVD dieser Ausgabe. Die Webseite liefert auch eine ausführliche Dokumentation zur Installation.

Metamorphose

Cool Retro Term ändert sein Erscheinungsbild nach nur wenigen Mausklicks. Dafür bringt es mehrere Terminalprofile mit, die die Anzeigen alter Computersysteme nachahmen. Diese Profile erreicht der Anwender über das Kontextmenü, das er mit einem Rechtsklick ins Terminalfenster aufruft. Die Option Profiles öffnet dabei ein weiteres Auswahlfenster mit rund einem Dutzend Einträgen. Wählt der Anwender einen davon aus, passt sich das Erscheinungsbild im Terminal sofort entsprechend an.

Einstellungssache

Die Software bietet jedoch auch detaillierte Einstellungen, um den Terminalemulator über die Optik hinaus anzupassen. Sie lassen sich über den Eintrag Settings erreichen, der nach einem Rechtsklick in das Terminalfenster im Kontextmenü erscheint. Dort nimmt der Nutzer nun zahlreiche Anpassungen vor (Abbildung 6).

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Abbildung 6: Cool Retro Term lässt sich mithilfe eines grafischen Menüs umfangreich konfigurieren.

Über den Reiter Advanced legt er in der Gruppe Command zum Beispiel fest, dass Cool Retro Term nach dem Start ein definiertes Kommando am Prompt ausführt. Wer hier allerdings einen Kommandozeilenbefehl einträgt und dann den Terminalemulator neu startet, erreicht das Kontextmenü nicht mehr: Beim Schließen des Prozesses im Terminalfenster beendet sich auch Cool Retro Term. Vor dem Eintragen eines Befehls, den das Terminal nach dem Start ausführt, empfiehlt es sich deshalb, im Kontextmenü die Option View aufzurufen und dort ein Häkchen vor Show Menubar zu setzen. In diesem Fall startet Cool Retro Terminal stets mit einer Menüzeile, die den Zugriff auf das Kontextmenü erlaubt, auch während eines im Terminal laufenden Prozesses.

Mit der Maus

Über die Optionen Copy und Paste kann der Nutzer Bereiche aus dem Terminal kopieren und ablegen. Dazu muss er aber nicht unbedingt den Weg über das Menü und eine Tastenkombination nehmen, sondern markiert mit der Maus im Terminal die gewünschten Bereiche. Per Rechtsklick und der Auswahl von Copy im sich öffnenden Kontextmenü kopiert er die Inhalte dann in die Zwischenablage, von wo aus er sie dann in jede andere Applikation einfügt. Umgekehrt landen in der Zwischenablage befindliche Inhalte über einen Rechtsklick im Terminal und die Auswahl von Paste direkt am Prompt.

Terminator

Der unter der GPL stehende Terminator [4] ist als Tiling-Terminalemulator konzipiert und stellt daher mehrere virtuelle Terminals in einem einzigen Fenster dar. Alle gängigen Distributionen führen die Software in ihren Repositories; nach der Installation findet sich ein passender Eintrag im Startmenü des Desktops.

Der Anwender steuert Terminator komplett über die Tastatur, wobei die Anwendung sehr viele Tastenkombinationen unterstützt. Das Hauptfenster von Terminator weist im Vergleich mit herkömmlichen Terminalemulatoren auf den ersten Blick keine Unterschiede auf.

Mit einem Rechtsklick ins Terminal ruft der Nutzer ein Kontextmenü auf, über das er das Fenster per Mausklick horizontal oder vertikal teilt. Im selben Menü findet sich auch der Eintrag Einstellungen, der ein grafisches Konfigurationsfenster öffnet (Abbildung 7). Hier lassen sich neben der Terminator-Optik auch die Tastenkombinationen für die einzelnen Funktionen anpassen.

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Abbildung 7: Terminator bietet einen sehr detaillierten grafischen Einstellungsdialog.

Bei Bedarf öffnet Terminator auch mehrere Reiter für einzelne Sitzungen, zwischen denen der Nutzer hin und her schaltet. Auch das lässt sich im Einstellungsdialog einrichten. Zusätzlich aktiviert der Anwender dort unterschiedliche Zusatzmodule, die die Software bereits mitbringt. Eine Profilverwaltung rundet die Konfigurationsmöglichkeiten ab.

Gruppendynamik

Als Alleinstellungsmerkmal von Terminator erweist sich die Gruppenfunktion. Mit ihr steuert der Nutzer beispielsweise im LAN mithilfe einer SSH-Verbindung mehrere Rechner simultan von einer Terminator-Instanz aus. Dazu muss er die fraglichen Systeme zuvor zu einer Gruppe zusammenfassen. Da Terminator die Eingabe in einem Terminal innerhalb einer bestehenden Gruppe vervielfältigt, führen nach einer einzigen Befehlseingabe alle in der Gruppe befindlichen Rechner dieselbe Anweisung aus.

Um eine Gruppe anzulegen, klickt der Nutzer auf das kleine Fenster-Symbol links oben in der Terminal-Titelleiste. Im sich öffnenden Menü wählt er die Option Neue Gruppe und vergibt dann einen Namen für den Rechner-Pool. Anschließend wechselt er in die weiteren virtuellen Terminals, die der Gruppe angehören sollen. Auch dort klickt er jeweils auf das Fenster-Symbol, das nun die neu angelegte Gruppe aufführt. Aktiviert er das Optionsfeld davor, landet das Terminal in der Gruppe.

Eine rot eingefärbte Titelleiste markiert das jeweils aktive Terminal, bei den inaktiven Mitspielern ist sie blau. Grau eingefärbte Titelleisten verweisen auf Terminals, die nicht zur aktiven Gruppe gehören.

Um sich anschließend mit Fremdrechnern im Intranet zu verbinden, muss der Anwender zunächst im aktiven Terminal im Kontextmenü die Option Alles senden auf Senden aus schalten – andernfalls verbinden sich alle virtuellen Terminals mit demselben Zielrechner. Nun etabliert der Nutzer per SSH-Befehl die Verbindung zu einem spezifischen Zielrechner. Danach wendet er in den anderen Terminals der Gruppe dasselbe Prozedere an, um sich aus jedem der Terminals bei einem anderen Zielrechner im Intranet anzumelden.

Bestehen zu allen gewünschten Zielrechnern SSH-Verbindungen, schaltet der Nutzer die Befehlsduplikation für alle Terminals der Gruppe ein. Dazu aktiviert er im Kontextmenü des gerade genutzten Terminals das Optionsfeld vor dem Eintrag Gruppe senden. Gibt er nun einen Befehl im Terminal ein, führt Terminator ihn automatisch in allen anderen virtuellen Terminals der Gruppe aus (Abbildung 8). Das vereinfacht das Konfigurieren und Überwachen mehrerer Rechner im Intranet unter Umständen enorm.

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Abbildung 8: Dank der Gruppenfunktion sendet Terminator einen einmal abgesetzten Befehl (hier »htop«) simultan über mehrere virtuelle Terminals an mehrere per SSH verbundene Rechner.

Plugins

Nicht zuletzt erweitern Admins Terminator bei Bedarf über eigene Plugins. Die bereits integrierten Erweiterungen sind teilweise deaktiviert und lassen sich im Einstellungsdialog über den Reiter Zusatzmodule einrichten. Für neue Plugins nutzt der Anwender eigene Einstellungsdialoge im rechten Fenstersegment.

Terminus

Der plattformübergreifende Terminalemulator Terminus [5] steht unter der MIT-Lizenz. Die Entwickler preisen das Werkzeug als “Terminal for a more Modern Age” an. Das lässt bereits erkennen, dass Terminus optisch und funktionell über die Möglichkeiten herkömmlicher Terminalemulatoren hinausgehen möchte.

Keine der gängigen Linux-Distributionen bringt die auf dem Electron-Framework basierende Applikation bislang mit. Daher stellen die Entwickler auf der Projektseite vorkompilierte Binärdateien für die gängigen Paketverwaltungen bereit. Zusätzlich wartet hier auch der Quellcode zum Download. Nach der Installation findet der Anwender einen entsprechenden Starter in seiner Menühierarchie.

Terminus startet zügig und fragt vor dem Öffnen des eigentlichen Fensters nach, ob es Nutzungsdaten an die Entwickler übermitteln darf. Danach öffnet sich ein für einen Terminalemulator ungewöhnlich modern wirkendes Arbeitsfenster (Abbildung 9).

<a href="#artRef-f9">Abbildung 9</a>: Einen besonders modernen Look bietet Terminus.

Abbildung 9: Einen besonders modernen Look bietet Terminus.

Bedienung

Terminus verzichtet auf eine konventionelle Menüleiste und integriert die wichtigsten Bedienelemente und Menüs in die Kopfleiste. Beim Aufruf finden sich im Terminalfenster außerdem die zwei Schaltflächen New terminal und Settings.

Letztere öffnet einen detaillierten Einstellungsdialog (Abbildung 10), mit dessen Hilfe der Nutzer nicht nur das optische Erscheinungsbild und die Tastenkombinationen anpasst, sondern auch Plugins verwaltet. New terminal aktiviert einen neuen Reiter mit einem leeren virtuellen Terminal. Allerdings erlaubt Terminus nicht, mehrere virtuelle Terminals in einem geteilten Fenster anzuzeigen und unabhängig voneinander zu betreiben.

<a href="#artRef-f10">Abbildung 10</a>: Auch der Einstellungsdialog ist bei Terminus einfach zu bedienen.

Abbildung 10: Auch der Einstellungsdialog ist bei Terminus einfach zu bedienen.

Oben rechts in der Titelleiste ermöglicht es Zahnrad-Symbol, jederzeit den Einstellungsdialog in einem neuen Reiter aufzurufen. Über die herkömmlichen Reiter-Symbole öffnet der Anwender neue virtuelle Terminals und ruft bei Bedarf auch Terminals mit bestimmten Profilen auf. Dabei wählt er die jeweils verwendete Shell aus.

Terminus rekonstruiert beim nächsten Aufruf die letzte Einstellung, sodass der Nutzer dort weiterarbeiten kann, wo er zuletzt aufgehört hat. Die Software integriert zudem einen eigenen SSH-Client, den sie allerdings voreingestellt deaktiviert. Der Nutzer schaltet ihn per Schieberegler im Einstellungsdialog ein. Nach einem Neustart findet sich in der Kopfleiste ein Globus-Symbol. Ein Klick darauf öffnet eine überlagernde Eingabezeile, in die der Nutzer eine konventionelle SSH-Adresse eingibt, um nach der Authentifizierung eine Verbindung aufzubauen.

Terminus überträgt zudem auch per Copy & Paste Inhalte zwischen dem Terminal und anderen Applikationen. Dazu markiert er die gewünschte Zeichenfolge und führt die gewünschte Aktion per Rechtsklick und die Auswahl der Optionen Copy oder Paste aus.

Tilix

Den unter der Mozilla Public License freigegebenen Tiling-Terminalemulator Tilix [6] bieten die meisten Distributionen zur Installation in ihren Repos an. Auf der Webseite wartet zudem der Quellcode zum manuellen Kompilieren. Das auf GTK 3 aufsetzende und an den Interface-Richtlinien von Gnome orientierte Programm läuft problemlos auch in anderen Desktop-Umgebungen.

Nach erfolgreicher Installation ruft der Anwender die Applikation aus dem Desktop-Menü heraus auf. Tilix öffnet zunächst ein einzelnes Standardterminal, das im Vergleich zu herkömmlichen Terminal-Applikationen bereits durch eine fehlende Menüleiste aus dem Rahmen fällt. Eine Kopfleiste, die verschiedene Bedienelemente und Schalter aneinanderreiht, ersetzt die Titelleiste.

Die links mittig angeordneten Buttons generieren per Mausklick aus dem ursprünglichen Fenster mehrere, unabhängig voneinander aktive Terminals (Abbildung 11). Dabei ordnet Tilix die hinzuzufügenden Terminals jeweils unten oder rechts im ursprünglichen Fenster an. Eine Reiterstruktur, wie man sie von herkömmlichen Terminalemulatoren kennt, entfällt.

<a href="#artRef-f11">Abbildung 11</a>: Auch Tilix kann mehrere virtuelle Terminals in einem Fenster darstellen.

Abbildung 11: Auch Tilix kann mehrere virtuelle Terminals in einem Fenster darstellen.

Links in der Kopfzeile befindet sich ein Menüschalter, der – wie auch ein Hamburger-Menü rechts vom Fenstertitel – eine konventionelle Menüleiste ersetzt. Über beide Bedienelemente stößt der Anwender nicht nur auf verschiedene Dialoge, um das Terminal effizient zu nutzen, sondern auch auf Aktionen, die herkömmliche Terminalemulatoren in den Menüs Datei und Bearbeiten versammeln.

Der Menüpunkt Einstellungen ermöglicht allerdings eine wesentlich detailliertere Konfiguration der Applikation, als sie andere Terminalanwendungen erlauben (Abbildung 12). So legt der Nutzer im gesondert geöffneten Einstellungsfenster nicht nur Tastenkombinationen fest und modifiziert bei Bedarf das Erscheinungsbild und das Verhalten der Applikation, sondern verwaltet auch Profile.

Dazu warten am unteren Rand mit Plus und Minus markierte Schalter zum Anlegen und Löschen eines Profils. Neue Profile erscheinen in Listenform unterhalb des voreingestellten Standardprofils; der Anwender richtet sie über sehr detaillierte Optionen im rechten Bereich des Fensters ein.

<a href="#artRef-f12">Abbildung 12</a>: Der Tiling-Terminalemulator Tilix bietet zahlreiche Konfigurationsoptionen an.

Abbildung 12: Der Tiling-Terminalemulator Tilix bietet zahlreiche Konfigurationsoptionen an.

Teilung

Die beiden Buttons Terminal rechts hinzufügen und Terminal unten hinzufügen teilen das Programmfenster in mehrere gleichberechtigte Terminals auf. Dabei öffnet der Anwender je nach Bildschirmauflösung und Größe des Fensters auch mehr als vier geteilte Terminals.

Tilix splittet die vorhandenen Terminals dabei stets symmetrisch. Durch einen Klick auf den Knopf zum Maximieren rechts in der Titelleiste jedes Terminals bläst der Nutzer das aktive Terminal zur vollen Fenstergröße auf. Ein anschließender Klick auf Wiederherstellen rekonstruiert die ursprüngliche Ansicht mit allen offenen Terminals.

Die einzelnen Terminals verfügen jedoch statt über eine eigene Kopfzeile mit allen Funktionen nur über ein Menü, das der Anwender über einen Klick auf den Titel des jeweiligen Terminals aufruft. Es bietet interessante Funktionen, um die einzelnen Terminals zu individualisieren: So wählt der Nutzer beispielsweise für jedes Terminal ein zuvor angelegtes Profil und aktiviert damit je nach Anwendung spezifische Funktionen für das jeweilige Terminal. Er kann zudem reguläre Ausdrücke einsetzen, um anklickbare Objekte zu generieren.

Tilix wechselt bei Bedarf auch automatisch das Profil, sobald eine definierte Bedingung eintritt. Diese Bedingung konfiguriert der Anwender über den Reiter Erweitert im Profildialog.

Für textbasierte Applikationen, die im Terminal ohne Interaktion mit dem Anwender ablaufen, schaltet der Nutzer das jeweilige Terminal per Häkchen vor der Option Nur lesen in einen Nur-Lesen-Modus. Ein verriegeltes Vorhängeschloss in der Titelleiste zeigt dann an, dass das Terminal Benutzereingaben verweigert. Das vermeidet bei mehreren offenen Terminals Fehleingaben.

Ein sogenannter Quake-Modus erlaubt es zudem, Tilix ähnlich wie den für den KDE-Desktop entworfenen Terminalemulator Yakuake mit festen Parametern am oberen Rand des Bildschirms auszuklappen. Dafür definiert der Nutzer eine beliebige Tastenkombination.

Mehrere Sitzungen

Tilix bietet auch die Möglichkeit, herkömmliche Mehrfachsitzungen abzuhalten. Dabei öffnet der Emulator nach einem Klick auf den Menüknopf links im Programmfenster und der Auswahl der Option Neue Sitzung ein neues Hauptfenster. Sofern Tilix unter einer Qt-basierten Oberfläche läuft, erhält der Anwender dort eigene Reiter, zwischen denen er hin und her wechselt, wobei geteilte Terminalansichten erhalten bleiben.

GTK-basierte Oberflächen zeigen die Terminalsitzungen in der Kopfleiste numerisch an. Klickt der Nutzer auf eine der Zahlen, klappt am linken Rand des Programmfensters eine verkleinerte Ansicht der einzelnen Terminalsitzungen auf, aus der er die gewünschte auswählt (Abbildung 13). Ebenfalls über den Menübutton links in der Kopfleiste und die darin enthaltene Option Neues Fenster öffnet der Nutzer eine neue Tilix-Instanz mit den vorhandenen Grundeinstellungen.

<a href="#artRef-f13">Abbildung 13</a>: Tilix h&auml;lt auch mehrere Sitzungen gleichzeitig offen.

Abbildung 13: Tilix hält auch mehrere Sitzungen gleichzeitig offen.

Fazit

Die vorgestellten Terminalemulatoren decken das gesamte Anwendungsspektrum für die Arbeit im Terminal ab (siehe Tabelle 1). Während sich Cool Retro Term eher für den Desktop und für die gelegentliche Nutzung eignet, sprechen Alacritty und Terminus eher Power-User an. Besonders Alacritty glänzt dabei auf hochauflösenden Bildschirmen durch sein enormes Arbeitstempo.

Wer dagegen einen Terminalmultiplexer benötigt, ist mit Byobu, Terminator und Tilix bestens bedient. Auf Systemen im Netzwerk spielt Terminator seine Stärken voll aus, weil es dank der Gruppenfähigkeit eingegebene Befehle simultan an mehrere Rechner schickt. Tilix dagegen fällt durch die Möglichkeit zum parallelen Nutzen mehrerer Profile in geteilten virtuellen Terminals aus dem Rahmen. Administratoren und Anwender sollten also vor der Auswahl einer Terminallösung überlegen, wozu sie die Software genau benötigen, um den passenden Vertreter zu finden. (kki/jlu)

Tabelle 1
Terminalemulatoren und Terminalmultiplexer im Vergleich

 

Alacritty

Byobu

Cool Retro Term

Terminator

Terminus

Tilix

Lizenz

Apache

GPL

GPL

GPL

MIT

MPL

plattformübergreifend

ja

ja

ja

ja

ja

nein

Bedienelemente

Statuszeile

nein

ja

nein

nein

nein

nein

Menüführung

nein

ja

ja

ja

ja*

ja*

Funktionen

Tabs / Reiter

nein

ja

nein

ja

ja

ja

Profile

nein

ja

ja

ja

ja

ja

Tiling

nein

ja

nein

ja

nein

ja

freie Tastenbelegung

ja

ja

ja

ja

ja

ja

unabhängige Profile in einzelnen Fenstern

nein

nein

nein

nein

ja

ja

Gruppen

nein

nein

nein

ja

nein

nein

integrierter SSH-Client

nein

nein

nein

nein

ja

nein

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