Sysadmin-Kolumnist Charly zählt die Computer in seinem weitläufigen Haushalt auf und macht sich damit klar, dass zwischen ihnen zu pendeln eine unzumutbare Belastung für die persönliche Energiebilanz wäre. Nun lässt er einen Tiger für sich springen.
Meine dicke Linux-Workstation steht im Arbeitszimmer im Dachgeschoss. Im Wohnzimmer würde ihr Lüfter das Familienklima unnötig erwärmen. Der Familien-PC ist leise und ziert die kleine Bastelecke genauso wie halbfertige Lego-Sets, ein paar Raspberry Pis, ein Laptop und ein Midi-Controller, auf dem ich zur Entspannung herumstümpere. Auf den zwei kleinen Testservern im Abstellraum neben der Küche probiere ich Software aus, bevor ich darüber schreibe.
SSH verhindert, dass ich zu viele Kalorien beim Hin- und Herrennen zwischen den verstreuten Maschinen verbrenne. Wenn ich mir aber den ganzen Desktop eines Hosts einblenden lassen will, dann schlägt die Stunde des Virtual Network Computing. Zur Big-Ranhole habe ich mir jüngst den Tiger VNC [1] angesehen. Auf der Arbeitszimmer-Workstation war er mit dem Kommando
sudo apt install tigervnc-standalone-server tigervnc-xorg-extension
schnell installiert. In »/etc/vnc.conf« habe ich die Zeile »$vncStartup = “/etc/X11/Xvnc-session”;« durch
$vncStartup = "$ENV{HOME}/.vnc/xstartup";
ersetzt und im Verzeichnis »Ohm/.vnc« die Datei aus Listing 1 platziert. »vncpasswd« setzt ein VNC-Passwort, das besser nicht mit dem des Users identisch ist. Nun darf ich wählen, ob der Benutzer aus der Ferne nur gucken oder auch etwas tun darf.
Listing 1
xstartup
01 #!/bin/sh 02 # Start Desktop 03 [ -x /etc/vnc/xstartup ] && exec /etc/vnc/xstartup 04 [ -r $HOME/.Xresources ] && xrdb $HOME/.Xresources 05 vncconfig -iconic & 06 dbus-launch --exit-with-session gnome-session &
Damit ist Server-seitig alles abgeschlossen. Ich setze den VNC-Server mit »vncserver« (ohne »sudo«, Rootrechte sind nicht erforderlich) in Marsch. Er startet, aber ich erhalte beim Verbinden nur »Connection refused«. Was läuft da schief? Die Ausgabe von »lsof | grep LISTEN« bringt es ans Licht: Der VNC-Server hat sich nur an Localhost gebunden. Ich stoppe ihn mit »vncserver -kill«. Die Manpage, die man natürlich erst liest, wenn was schiefgegangen ist, liefert die Lösung:
vncserver :1 -localhost no
Nun nimmt er Verbindungen auf allen Interfaces an. Jetzt geht’s zu den Clients.
Überall Tiger
Auf allen Linux-Rechnern installiere ich mit »sudo apt install tigervnc-viewer« den Tiger-VNC-Client. Das Verbinden zum Server gelingt mit:
xtigervncviewer -SecurityTypes VncAuth,TLSVnc -passwd /home/charly/.vnc/passwd 10.0.0.54:1
Die IP-Adresse eben muss natürlich jeder an seinen Server anpassen.
Von den Clients [2] habe ich den für Mac OS auf dem Wohnzimmer-Laptop ausprobiert. (Mein Lieblings-Audio-Tool gibt es leider nicht für Linux.) Zwar überzeugt mich der Mac-Tiger nicht, da aber VNC weit verbreitet ist, war eine Alternative schnell gefunden und Chicken [3] eingezogen (Abbildung 1). Zack, wieder eine Handvoll Kalorien, die nicht sinnlos in meinem Beinen sterben müssen. (jk)
Infos
- Tiger VNC: https://tigervnc.org
- Tiger-VNC-Clients: https://bintray.com/tigervnc/stable/tigervnc/1.9.0
- Chicken: https://sourceforge.net/projects/chicken/







