Aus Linux-Magazin 09/2018

Bücher über Objektorientierung – eins über Java und ein allgemeiner gehaltenes

Einführungen ins objektorientierte Programmieren: Einmal anhand der Sprache Java, das zweites Werk geht genereller vor und erklärt die Konzepte sprachübergreifend.

Manchen Sachbuchautor scheint eine Angst erfasst zu haben: Als Schreiberling uncool rüberzukommen. Als Mittel gegen die Mittelmäßigkeit sollen dann flapsige Sprüche und zum Mitkichern einladende Anekdoten helfen. Dass der leichte Ton schwer zu treffen ist, beweist Arnold Willemers in seinem “Java für Dummies” mehr als einmal.

Lesebeispiel: “Das Wort ,String’ gibt es im Deutschen ja eigentlich nicht, und es erfreut sich nur im Zusammenhang mit dem String-Tanga einer gewissen Verbreitung. Auf der anderen Seite verspricht das Wort einen Hauch Erotik. Ich habe das ausprobiert und mich im String-Tanga vor den Spiegel gestellt. Ich kann Ihnen versichern, dass dieses Versprechen nicht eingehalten wird. Es ist gar nicht erotisch, sondern sieht eher aus wie eine abgebundene Presswurst.” Das ist gar nicht selbstironisch, sondern unappetitlich und fördert die Lust auf Zeichenketten nicht.

Ansonsten erklärt das opulente Werk die Java-Grundlagen auf eingängige Weise. Zur Selbstkontrolle stellt es am Kapitelende regelmäßig Aufgaben, doch fehlen Lösungen. Das methodische Vorgehen orientiert sich am Bewährten – primitive und komplexe Datentypen, Operatoren, bedingte Programmausführung führt der Autor noch ohne tieferes Eingehen auf das objektorientierte Modell ein, das er in Teil 2 ausführlich vorstellt.

Als Besonderheit dieser Java-Einführung kann gelten, dass sie viele weiterführende Themen einbezieht: Android-Programmierung, das Arbeiten mit Json und XML, Parallelverarbeitung, Testing oder Grafikprogrammierung sowohl mit Swing als auch mit Java FX. Viele dieser Themen wird der Lernende selbstständig vertiefen müssen, aber zumindest hat er nach der Lektüre schon mal eine Ahnung, was auf diesen Gebieten mit Java möglich ist.

Alles in allem eine sehr umfängliche und gut verständliche Einführung in die Java-Programmierung, die neben Brachial-Humor alles bietet, was ein Java-Programmierer am Anfang benötigt.

OOP an und für sich

Wo Willemers Java-Buch über die Stränge schlägt, da ist die Einführung in die Grundgedanken der objektorientierten Programmierung von Lahres, Rayman und Strich vielleicht eine Spur zu ernst. Die Autoren verkneifen sich dankenswerterweise Späßchen, frönen aber einer definitorischen Strenge, die nicht überall unabwendbar gewesen wäre.

So unterscheiden sie Passagen im Code in Routinen, Funktionen, Prozeduren, Operationen, Methoden und Module. Alle Funktionen sind Routinen, manche Routinen aber auch Prozeduren. Viele Methoden entsprechen Operationen, aber nicht alle. Die Differenzierung ist nicht unberechtigt, andererseits aber auch nicht immer verständnisfördernd.

Was die Autoren ansonsten anbieten, ist eine interessante Darstellung der objektorientierten Strukturen und Methoden, unabhängig von einer bestimmten Programmiersprache. Das Buch enthält Beispiele in Java, C++, Javascript, Ruby, C# und Python. Sprach-Eigenheiten in der Umsetzung einzelner objektorientierter Prinzipien stellen die Autoren heraus, gleichzeitig wird auch das übergreifende, allgemeine Konzept deutlich.

Das Buch beginnt mit einer Abgrenzung der objektorientierten von der zuvor üblichen strukturierten Programmierung und behandelt allgemeine Prinzipien des objektorientierten Entwurfs wie das Prinzip einer einzigen Verantwortung, der Trennung der Anliegen oder der Trennung von Schnittstelle und Implementierung. Im Anschluss stellen die drei die Strukturen von Klassen und Objekten vor und erläutern die Konzepte der Vererbung und Polymorphie. Ein anschließendes Kapitel diskutiert die Persistenz, also die Speicherung von Objekten, bevorzugt in relationalen Datenbanken.

Danach wenden sich die Autoren dem Objektlebenszyklus von der Erzeugung, zum Beispiel via Konstruktoren oder Prototypen, bis zur Löschung zu. Nun geht es um Architekturmuster und in einem weiteren Kapitel um Einschränkungen der objektorientierten Vorgehensweise und deren Überwindung. Ein letztes Kapitel präsentiert eine Javaskript-Webapplikation, die fast alle bisher behandelten Themen noch einmal illustriert.

Den Autoren gelingt eine gute Querschnittsdarstellung der objektorientierten Programmierung – lesenswert.

Info 1

Arnold Willemer:

Java für Dummies Wiley-VCH Verlag, 2018 830 Seiten 30 Euro ISBN: 978-3-527-71450-6

Info 2

Lahres, Rayman, Strich: Objektorientierte Programmierung 4. Auflage, Rheinwerk, 2018 680 Seiten 50 Euro ISBN: 978-3-8362-6247-7

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