Aus Linux-Magazin 05/2018

Wordpress, Joomla und Drupal und deren Erweiterungen im Vergleich

© ssilver, 123RF

Ein populäres Open-Source-CMS für Webauftritte zu benutzen liegt nahe – schon wegen der vielen verfügbaren Erweiterungen. Doch gerade diese Fülle und deren Verstreutheit im Netz machen den Feature-Abgleich mit dem eigenen Anforderungskatalog so schwierig. Komprimierende Systematik tut not.

Statistiken sehen WordPress [1] mit einem Martkanteil von rund 30 Prozent als das mit Abstand beliebteste Content Management System (CMS) der Welt [2]. Trotz dieser Übermacht bietet sich das CMS nicht für jeden Internetauftritt an – auch Open-Source-Verfolger wie Joomla [3] und Drupal [4] locken mit interessanten Alleinstellungsmerkmalen.

Letztere aufzuzählen, schreibt sich der vorliegende Artikel auf die Fahnen. Denn wer in seiner Firma für ein neues Produkt oder einen Blog eine Webseite aufsetzen möchte, steht häufig vor einer komplexen Entscheidung. Die Frage lautet, welches der drei verbreiteten Open-Source-CMS den eigenen Anforderungen am ehesten entgegenkommt.

Einen strukturierten Überblick liefert der Artikel in der Tabelle 1. Sie dekliniert eine umfangreiche Menge an Features durch, die dem Linux-Magazin beim Aufsetzen eines CMS als beachtenswert oder hilfreich erscheinen. Sie zeigt unter anderem, ob ein Feature direkt im Kern eines CMS steckt oder ob die Systeme es als externe Komponente in Form eines Plugins, Moduls oder einer Erweiterung einbinden.

Tabelle 1

Die drei CMS im Überblick

WordPress

Joomla

Drupal

Version

4.9.4

3.8.5

8.4.5

Lizenz

GPLv2

GPLv2

GPLv2

Systemvoraussetzungen

PHP-Version

7.2+

5.3.10, 5.6 oder 7.0+

5.5.9+

Datenbanken

MySQL 5.6+, Maria DB 10.0+

MySQL 5.1+, PostgreSQL 8.3.18+, SQL-Server 10.50.1600.1+

MySQL 5.5.3+, Maria DB 5.5.20+, Percona 5.5.8+, PostgreSQL 9.1.2+, SQlite 3.4.2+

Webserver

Apache und Nginx empfohlen

Apache 2.0+, Nginx 1.0+, IIS 7

Apache 2.0+, Nginx 1.1+, Hiawatha, IIS 5+

Grafischer Installationsassistent

ja

ja

ja

Support via

Forum

Forum, Mailingliste

Forum, Slack, IRC, Stack Exchange

Onlinedokumentation

ja

ja

ja

Backend

Verwaltung der Website im Backend und/oder Frontend

ja / teilweise

ja / teilweise

nein / ja

Mehrsprachiges Backend

ja

ja

ja (in Form des Frontends)

Backend mobiltauglich

ja

ja

ja (in Form des Frontends)

Inhalte

Speichert Informationen als

Seiten und Beiträge (Erweiterungen können weitere Inhaltstypen nachrüsten)

Beiträge (Erweiterungen können weitere Inhaltstypen nachrüsten)

beliebig (Seitenbetreiber gibt eigene Inhaltstypen und somit den Aufbau der Seiten selbst vor)

Wysiwyg-Editor

ja (Tiny MCE)

ja (Tiny MCE, Codemirror)

ja (CK-Editor)

Vorschau

ja

ja

ja

Entwürfe möglich

ja

ja

ja

Inhalte depublizieren (vor allen Besuchern verstecken)

ja

ja

ja

Zeitgesteuerte Veröffentlichung von Inhalten

ja

ja

nein (nachrüstbar über Module wie etwa Scheduler [11])

Versionsverwaltung

ja

ja

ja

Inhalte im Frontend bearbeitbar

nein

ja

ja

Mehrsprachige Websites

nein

ja

ja

Medienverwaltung

ja

ja

ja

Bildbearbeitungsfunktionen

ja (eingeschränkt)

nein (nachrüstbar über Erweiterungen wie Media Kits [12])

ja (eingeschränkt)

Eingebaute Zusatzfunktionen

Suchfunktion

Ja

Ja

Ja

Bildergalerie

Ja

Nein (über Erweiterungen nachrüstbar wie etwa Phoca Gallery [11])

Nein (nachrüstbar über eigenen Content Type oder ein Modul wie Juicebox [11], das aber zum Redaktionsschluss erst in einer Beta-Version vorlag)

Kommentarfunktion

Ja

Nein (über Erweiterungen nachrüstbar wie J-Comments [11] oder C-Comment Pro [11])

Ja

Kontaktformulare

mit Plugins (etwa Contact Form 7 [11])

Ja

Ja

Werbebanner

Nein (nachrüstbar über Plugins wie Adrotate Banner Manager)

Ja

Nein (nachrüstbar über Module, wie etwa Ads System [11] und Advertising Entity [11], die beide zum Redaktionsschluss noch als Beta-Version vorlagen)

Newsfeeds anzeigen / erzeugen

Ja / Ja

Ja / Ja

Ja / Ja

Suchmaschinenoptimierung

Teilweise; über Erweiterung wie Yoast SEO [11]

Ja

Teilweise (weitere Funktionen nachrüstbar über Module, wie Real-time SEO for Drupal [11] oder Drupal SEO Checklist [11])

Multi-Site-Funktion (Verwaltung mehrerer unabhängiger Websites mit einer Installation)

Ja

Nein (über Erweiterungen nachrüstbar wie Multi Sites [11])

Ja

Caching

mit Plugins (z.B. WP Super Cache [11] oder WP Fastest Cache [11])

Ja

Ja

Kalender

Eingebaut

Über ein Modul realisiert [11]

Eingebaut

Design-Vorlagen

Theme/Template-Engine

Ja

Ja

Ja

Template-Sprache

PHP

PHP und XML

PHP

Eigenschaften der Design-Vorlage änderbar

Ja (in Live-Vorschau)

Ja

Ja

Live-Vorschau

Ja

Nein

Ja (an fiktiver Beispielseite)

Benutzerverwaltung

Gruppen

ja (vorgegebene; Benutzerverwaltung erweiterbar über zahlreiche Plugins wie etwa Simple Access Control [31], Restrict User Access [32], Profile Builder [33] oder User Access Manager [34])

ja

ja (über Rollen)

Zugriffsbeschränkungen

Zugriff abhängig von der Benutzergruppe

Access Control Lists (für Benutzergruppen)

Access Control Lists (für Rollen)

Mitgliederbereiche (einzelne Seiten sind nur für bestimmte Nutzergruppen sichtbar)

stark eingeschränkt (Passwortschutz oder Sichtbarkeit nur für alle angemeldeten Personen)

ja (über Access Control Lists)

teilweise (nur für einzelne Blöcke, etwa ein Menü. Und über Module wie Private [35] oder Node Access [36], das zu Redaktionsschluss noch als Beta vorlag)

Review erzwingen (Freischaltung von neu geschriebenen Texten durch einen Moderator)

ja (abhängig von der Benutzergruppe)

ja

ja (entsprechendes Modul noch als experimentell gekennzeichnet)

Zwei-Faktor-Authentifizierung

mit Plugins (wie Two Factor Authentication [37], Google Authenticator – Two Factor Authentication (2FA) [38] oder Two-Factor [39])

ja (Yubikey, Google Authenticator)

nein (nachrüstbar über das zum Redaktionsschluss erst als Alpha vorliegende Modul Two-factor Authentication (TFA, [40]))

Anmeldung über externe Dienste

nein (nur mit Plugins wie Social Login [41])

ja (Gmail-Konto, LDAP)

nein (nachrüstbar über entsprechende Social-Auth-Module [42])

Internes Nachrichtensystem

nein

ja

nein (nachrüstbar über Module wie einen passend konfigurierten Message Stack [43] oder Privatemsg [44], das zum Redaktionsschluss noch auf Drupal 8 portiert wurde)

Erweiterungen

Erweiterungen möglich

ja

ja

ja

Steuerung per API

restful

nein (über Erweiterungen nachrüstbar, etwa Capi Core REST API [45] oder Rest API for Joomla [46])

restful

Wartung

Automatische Aktualisierung

ja

halbautomatisch

nein

Backup der Website

nur Datenimport und -export

nein (über Erweiterungen nachrüstbar wie etwa Akeeba Backup [47])

nein (Hilfe über entsprechende Module wie All In One Backup [48])

Das bedeutet mitunter einen nennenswerten qualitativen Unterschied, weil die CMS-Kernentwickler sich häufig eher auf die Kernfeatures konzentrieren, während Dritte die Qualitätskontrolle für externe Komponenten übernehmen – mit schwankendem Ergebnis. Gibt es bei einer Funktion größere Abweichungen zwischen den drei Systemen, greift der Artikel diese auf.

In den Grundzügen gleichen aber bei WordPress, Joomla und Drupal die Methoden, nach denen die Systeme Webseiten verwalten: Seitenbetreiber müssen lediglich ihre Texte eintippen und schmücken diese dann bei Bedarf mit Bildern. Um den Großteil der eigentlichen Formatierung und Veröffentlichung kümmert sich das entsprechende CMS.

Abbildung 1: Das aufgeräumte Backend von WordPress zeigt nach dem Anmelden das so genannte Dashboard. Es liefert wichtige Informationen und Statistiken. Rote Punkte mahnen wartende Aktualisierungen an.

Abbildung 1: Das aufgeräumte Backend von WordPress zeigt nach dem Anmelden das so genannte Dashboard. Es liefert wichtige Informationen und Statistiken. Rote Punkte mahnen wartende Aktualisierungen an.

Den Zugriff regelt eine ausgeklügelte Benutzerverwaltung. Zusatzfunktionen rüsten Seitenbetreiber bequem über Erweiterungspakete nach. Die Optik bestimmen Designvorlagen, die sich etwa zur Vorweihnachtszeit schnell auswechseln lassen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber schon wieder auf.

Hinterzimmer

Unter WordPress (Abbildung 1) und Joomla (Abbildung 2) bearbeiten Seitenbetreiber ihren Internetauftritt in der Regel in einem abgetrennten Bereich der Website, im so genannten Backend. Es wirkt in Joomla aufgrund des großen Funktionsumfangs in einigen Teilen unübersichtlich, viele Funktionen erschließen sich nicht von selbst. Joomla möchte zudem standardmäßig Telemetriedaten nach Hause schicken, was der CMS-Verwalter jedoch mit nur wenigen Mausklicks unterbindet.

Abbildung 2: Das Backend von Joomla gibt nach dem Anmelden einen Überblick über die aktuelle Situation und bietet besonders häufig benötigte Funktionen im Schnellzugriff an.

Abbildung 2: Das Backend von Joomla gibt nach dem Anmelden einen Überblick über die aktuelle Situation und bietet besonders häufig benötigte Funktionen im Schnellzugriff an.

Im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen ist Drupal konsequent auf die Arbeit direkt auf der Website ausgelegt. So genügt unter anderem ein Klick auf ein Bleistiftsymbol, um ein nebenstehendes Element zu bearbeiten. Verwaltungsaufgaben erledigen Seitenbetreiber einfach auf entsprechenden Unterseiten.

Seitlich

WordPress startete ursprünglich als Plattform für Blogger, was die Benutzer dem CMS noch an vielen Stellen anmerken. So unterscheidet WordPress zwischen (Blog-)Beiträgen mit aktuellen Texten und statischen Seiten, deren Informationen gewöhnlich nicht veralten. Zu ihnen zählen das Impressum, Kontaktformulare oder FAQs. Beiträge und Seiten bestehen dabei stets aus einer Überschrift (dem Titel), einem Fließtext und einigen weiteren Meta-Informationen, zum Beispiel dem Autor.

Joomla arbeitet ausschließlich mit so genannten Beiträgen, die sich ebenfalls aus Titel, Fließtext und Metadaten zusammensetzen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auf Wunsch installiert Joomla eine von mehreren Beispielseiten, die sich sehr gut als Ausgangspunkte für den eigenen Internetauftritt eignen.

Abbildung 3: Auf Wunsch installiert Joomla eine von mehreren Beispielseiten, die sich sehr gut als Ausgangspunkte für den eigenen Internetauftritt eignen.

Sowohl in WordPress als auch in Joomla ergänzen Seitenbetreiber die Inhalte auf Wunsch um weitere Datenfelder. So können sie beispielsweise bei einem Rezept separat die Garzeit speichern. Während WordPress dabei von Haus aus nur Textfelder erlaubt, lassen sich in Joomla auch explizit andere Daten speichern, etwa ein Datum.

In WordPress legen Seitenbetreiber mit einem entsprechenden Mausklick einfach unter dem Beitragstext ein neues Feld an. In Joomla müssen sie zunächst die Datenfelder thematisch in Gruppen zusammenfassen, um dann festzulegen, welche Beiträge die entsprechenden Zusatzdaten abfragen.

Abbildung 4: Drupal blendet nach der Anmeldung einfach ein passendes Menü ein (hier auf der linken Seite), über das Nutzer die Seiten verwalten.

Abbildung 4: Drupal blendet nach der Anmeldung einfach ein passendes Menü ein (hier auf der linken Seite), über das Nutzer die Seiten verwalten.

Noch einen Schritt weiter geht Drupal: Dort bestimmen Seitenbetreiber komplett selbst, aus welchen Daten und Informationen sich eine Seite zusammensetzt (Abbildung 4). So teilen sie dem CMS etwa mit, dass ein Kochrezept aus einer Zutatenliste, der Beschreibung der Zubereitung sowie der Angabe der Garzeit bestehen soll. Drupal erstellt dann automatisch ein Formular zur Eingabe des Rezepts, dessen Aussehen sich in Grenzen beeinflussen lässt. Analog dürfen Seitenbetreiber auch das Aussehen der Rezepte auf der Website bestimmen – alles jeweils mit wenigen Mausklicks.

Gebt mir Namen!

In WordPress und Joomla lassen sich Beiträge und Seiten thematisch in Kategorien einsortieren sowie mit Schlagwörtern (Tags) versehen. Die Kategorien verschachteln Seitenbetreiber bei Bedarf ineinander, womit sie gleichzeitig die Website strukturieren. In Drupal erfolgt eine Kategorisierung durch frei wählbare Taxonomien. Die bestehen dabei aus mehreren Begriffen, zum Beispiel den möglichen Zutaten bei einem Kochrezept, die sich ebenfalls in einer Hierarchie anordnen lassen.

Die Eingabe von Texten erfolgt in allen Fällen in einem Wysiwyg-Editor, dessen Funktionen Seitenbetreiber unter Joomla und Drupal an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Alternativ bietet Joomla von Haus aus ein simples Eingabefeld oder den Codemirror-Editor an. Dagegen kann WordPress automatisch aus E-Mails neue Beiträge erstellen. Dazu muss der CMS-Betreiber aber WordPress den Zugriff auf ein Postfach gewähren.

Bei WordPress und Drupal dürfen Besucher Inhalte kommentieren – sofern der Seitenbetreiber dies jeweils erlaubt. Unter WordPress hilft auf Wunsch der Akismet-Dienst beim Ausfiltern von Spam. Joomla bietet hingegen eine einfache Werbebanner-Verwaltung und erzeugt wie Drupal Kontaktformulare.

Alle drei Kandidaten offerieren eine Suchfunktion, wobei Joomla sogar gleich zwei an Bord hat: Die jüngere der beiden liefert unter anderem auch Vorschläge à la Google (“Meinten Sie …”). Dies setzt aber einen vorab erzeugten Suchindex voraus. Zudem kämpft die jüngere Suche seit Jahren mit Kinderkrankheiten.

Dunkelkammer

Das Überarbeiten der extrem rudimentären Medienverwaltung steht bei Joomla schon länger auf der Agenda. Bis dahin dürfen Seitenbetreiber lediglich Dateien hochladen und wieder löschen.

In WordPress skalieren, beschneiden, rotieren und spiegeln Seitenbetreiber hochgeladene Bilder. Für jede Mediendatei erstellt WordPress eine so genannte Anhangseite, die den Download der Datei gestattet und Bilder noch einmal in ihrer vollen Pracht präsentiert.

Darüber hinaus lassen sich mit wenigen Mausklicks Bilder in einer Galerie zusammenfassen und als solche in einen Beitrag einfügen. Unter Joomla benötigt der Admin zum Einrichten einer Galerie in jedem Fall eine Erweiterung. In Drupal muss er für diese Aufgabe erst einen passenden Seitenaufbau definieren oder auf ein Modul zurückgreifen.

Dafür darf er auch in Drupal Bilder beschneiden, skalieren, rotieren, in ein anderes Dateiformat konvertieren und sogar in ein Schwarz-Weiß-Bild überführen. Die dazu notwendigen Einstellungen speichert der Seitenbetreiber als Vorlagen (Image Styles), die Drupal dann wiederum in entsprechenden Situationen den Bildern (halb-)automatisch überstülpt. Ein explizit zu aktivierendes Modul erstellt alternativ responsive Bilder, die also ihre Größe an die vom Nutzer verwendeten Bildschirmauflösungen anpassen.

Gepresster Hochglanz

Die Optik der einzelnen Seiten bestimmen Designvorlagen, die WordPress (Abbildung 5) und Drupal als Themes, Joomla hingegen als Templates bezeichnet. Die WordPress- und Drupal-Entwickler führen auf ihrer Homepage jeweils einen Themes-Katalog. WordPress-Nutzer zapfen diesen sogar bequem aus dem Backend heraus an.

Abbildung 5: Die von WordPress generierten Seiten orientieren sich standardmäßig an Blogs.

Abbildung 5: Die von WordPress generierten Seiten orientieren sich standardmäßig an Blogs.

WordPress bringt drei recht universelle Designvorlagen in zeitgemäßer Optik mit. Jedes Theme lässt sich in Grenzen anpassen, meist dürfen Seitenbetreiber zumindest ein anderes Farbschema wählen. Die Anpassungen erfolgen in einer speziellen, Customizer genannten Live-Vorschau. In ihr demonstriert WordPress die Auswirkung jeder Änderung direkt an der Website (Abbildung 6).

Abbildung 6: In WordPress genügen im Customizer ein paar Mausklicks, um das Design an die eigenen Wünsche anzupassen. Das Tool ähnelt mittlerweile einem einfachen Webbaukasten.

Abbildung 6: In WordPress genügen im Customizer ein paar Mausklicks, um das Design an die eigenen Wünsche anzupassen. Das Tool ähnelt mittlerweile einem einfachen Webbaukasten.

WordPress-Themes teilen eine Website in der Regel horizontal in drei Abschnitte: Ganz oben befinden sich Logo und Menüs, darunter folgt der eigentliche Seiteninhalt, am Ende schließt eine Fußzeile das Design ab. Das Theme sieht auch Bereiche vor, in denen Seitenbetreiber Menüs und so genannte Widgets ablegen. Die stellen Zusatzfunktionen bereit und bieten etwa eine Tag-Wolke an.

Angestaubt

Joomla bringt lediglich zwei Design-Vorlagen mit, die optisch zudem in die Jahre kommen. So basiert das jüngere der beiden noch auf einer veralteten Version des Frameworks Bootstrap, erweist sich aber immerhin als responsive. Neue Templates müssen sich Seitenbetreiber selbst im Internet zusammensuchen. Sie lassen sich wie bei WordPress in Grenzen anpassen. Bei Joomla geschieht dies allerdings in einem nüchternen Formular – eine Vorschau muss der Betreiber zunächst in den Grundeinstellungen explizit freischalten und aktivieren.

Einmal getroffene Einstellungen speichert der Joomla-Admin als so genannte Stile und ruft sie dann später schnell per Mausklick ab. So schaltet der Seitenbetreiber schnell etwa zwischen einer weihnachtlichen und einer sommerlichen Fassung des Template um.

In Joomla bestimmen die Menüpunkte, wie die darüber zu erreichenden Seiten aussehen und welche Informationen sie präsentieren. Das Konzept ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, es erschwert auch die Fehlersuche, sobald Unterseiten plötzlich ein unerwünschtes Design zeigen. Lobenswert ist dagegen, dass der Seitenbetreiber jeder Unterseite ein anderes Template überstülpen darf. Unternehmen verpassen so etwa dem Bereich mit Pressemeldungen ein komplett anderes Aussehen als der restlichen Site.

Eine Joomla-Seite zeigt die eigentlichen Seiteninhalte immer in einem größeren Areal. Um dieses herum legt der Admin in weiteren, von der Designvorlage vorgegebenen Bereichen so genannte Module ab. Die entsprechen den Widgets unter WordPress und bieten kleine Zusatzfunktionen, etwa die fünf beliebtesten Beiträge. Der Seitenbetreiber bestimmt zudem, welches Modul auf welchen Unterseiten erscheint.

Ähnlich wie in Joomla stellt auch in Drupal jede Designvorlage mehrere Regionen bereit. In einem Hauptbereich erscheinen die eigentlichen Seiteninhalte, in den übrigen Regionen platziert Drupal so genannte Blöcke. Letztgenannte stellen jeweils Zusatzfunktionen bereit, etwa eine Brotkrumen-Leiste.

Anders als bei Joomla liefert ein Block unter Drupal auch den eigentlichen Seiteninhalt. Die Admins entscheiden, welche Blöcke auf welchen Seiten erscheinen. Einzelne Eigenschaften der Designvorlage, etwa die Farbgebung, lassen sich anpassen. Anfangs liegt Drupal allerdings nur ein einfach aufgebautes Standardtheme mit altbackener Optik bei, das aber immerhin mobilfreundlich agiert.

Personalabteilung

WordPress kann Seiten und Beiträge mit einem individuellen Passwort schützen. Zugriff erhält dann nur, wer das Passwort kennt. Alternativ kennzeichnet der Seitenbetreiber eine Seite oder einen Beitrag als privat. In diesem Fall dürfen auf den Text nur Besucher zugreifen, die ein Benutzerkonto für WordPress besitzen. Jeder registrierte Benutzer gehört dabei einer von fünf vorgegebenen Benutzergruppen an (als Rollen bezeichnet). Die Zugehörigkeit entscheidet darüber, welche Funktionen der Benutzer aufrufen darf. Seitenbetreibern ist es weder erlaubt, eigene Benutzergruppen anzulegen, noch die für eine Rolle genehmigten Aktionen zu ändern.

Die Benutzerverwaltung von Joomla lässt hingegen kaum Wünsche offen: Über Access Control Lists (ACLs) legt der Seitenbetreiber detailliert fest, welche Benutzer- und Besuchergruppen welche Aktionen und Unterseiten aufrufen dürfen. Unternehmen richten so beispielsweise für End- und Geschäftskunden eigene getrennte private Bereiche auf ihrer Website ein. Allerdings sind die entsprechenden Einstellungen extrem unübersichtlich geraten und verstecken sich auch noch an verschiedenen Stellen im Backend.

Unter Drupal legt der Seitenbetreiber zunächst Rollen fest, die detailliert den Zugriff auf die von Drupal angebotenen Funktionen regeln. Jedem Benutzer weist er anschließend die passende Rolle zu. Seitenbetreiber dürfen zudem Blöcke (etwa Menüs) nur für bestimmte Nutzer sichtbar machen und richten so auf einem alternativen Weg Bereiche für bestimmte Nutzer ein.

Neu verfasste Beiträge schaltet zunächst in allen CMS eine dazu bevollmächtigte Person frei. Während der Seitenbetreiber in Joomla die Zuständigkeiten über ACLs regelt, hängen diese bei WordPress von der Benutzergruppe ab. Unter Drupal sind Reviews nur mit einem Zusatzmodul möglich, das zum Redaktionsschluss noch als experimentell galt.

Joomla bietet neben einem rudimentären internen Nachrichtensystem auch eine Massen-E-Mail-Funktion. Über sie schickt der Seitenbetreiber eine Nachricht an sämtliche Benutzer. Als Ersatz für eine Mailingliste taugt diese Funktion allerdings nicht.

Such mich!

Alle drei CMS produzieren lesbare URLs, in deren Aufbau der Seitenbetreiber bei Bedarf eingreifen kann. Weitere Funktionen zur Suchmaschinen-Optimierung (SEO) bringt nur Joomla mit. So fragt das CMS etwa passende Metadaten schon beim Anlegen eines Beitrags ab.

Die Entwicklung von WordPress schreitet mit relativ hohem Tempo voran. In aller Regel erscheint zweimal pro Jahr eine neue Version, die dann die jeweils vorhergehende komplett ersetzt. Dieses Konzept haben die Joomla-Entwickler nach einer etwas chaotischen Versionspolitik in der Vergangenheit mittlerweile übernommen.

WordPress aktualisiert sich auf Wunsch vollautomatisch. Joomla meldet im Backend nur die Verfügbarkeit einer neuen Version, die der Seitenbetreiber dann mit wenigen Mausklicks einspielen muss. Um Drupal ein Update zu spendieren, ist einige Handarbeit notwendig.

WordPress und Drupal können innerhalb einer Installation mehrere unabhängige Websites verwalten. Das vereinfacht vor allem die Wartung des jeweiligen Systems, die Einrichtung dieses Multisite-Feature ist allerdings in beiden Fällen nicht ganz trivial.

Erweiterungen

Über Erweiterungspakete rüsten Seitenbetreiber in WordPress, Joomla und Drupal schnell neue Funktionen nach. Die Entwickler führen auf ihrer jeweiligen Homepage ein Repository, das sich unter WordPress und Joomla direkt aus dem Backend anzapfen lässt. Joomla unterscheidet bei Erweiterungen zwischen Komponenten, die eine größere Funktion nachrüsten, Modulen sowie Plugins. Letztgenannte verrichten Handlangerarbeiten im Hintergrund. Da Erweiterungen in vielen Fällen aus mehreren Komponenten, Modulen und Plugins bestehen, sorgt dieses Konzept für zusätzlichen Wartungsaufwand.

Wegen der Beliebtheit der drei CMS gibt es Erweiterungen für fast alle nur erdenklichen Gelegenheiten und Bedürfnisse. Da die Erweiterungen größtenteils von Drittherstellern stammen, schwankt ihre Qualität stark. Insbesondere bei WordPress und Joomla finden sich im Internet zahlreiche veraltete Erweiterungen. Im Fall von Drupal waren zum Redaktionsschluss viele Module noch nicht an die Version 8 angepasst oder befanden sich noch im Betatest.

Das ändert auch die neue Version 8.5 ([5], [6]), die erst kurz vor dem Drucktermin erschien, nicht grundsätzlich. Die Seitenbetreiber müssen bei Erweiterungen weiterhin vor dem Download genau hinschauen und sollten diese immer zunächst in einer Testinstallation auf Herz und Nieren prüfen.

Erweiterungen programmieren Entwickler bei allen drei CMS in PHP. Joomla setzt dabei auf eine Model-View-Controller-Architektur, bei der schon die einfache Ausgabe von “Hallo Welt” rund ein Dutzend Dateien erfordert.

Fazit

Jedes der drei CMS hat seine eigenen Stärken und Schwächen. WordPress empfiehlt sich aufgrund seiner Arbeitsweise vor allem für Blogs, Nachrichtenseiten sowie Websites, die häufig neue Texte publizieren. Dank der aufgeräumten Benutzeroberfläche gelingt der Einstieg besonders schnell. Im Gegenzug müssen Seitenbetreiber viele Funktionen über Erweiterungen nachrüsten.

Joomla ist deutlich universeller angelegt und bietet einen großen Funktionsumfang. Besonders die ausgeklügelte, fein regulierbare Benutzerverwaltung sticht hervor. Mit ihr lassen sich private Mitgliederbereiche elegant umsetzen. Die Flexibilität bedingt aber auch längere Einarbeitungszeit und etwas weniger agile Arbeitsgeschwindigkeit. Die Einarbeitung erschwert zudem die unübersichtliche Online-Dokumentation.

In Drupal entscheiden Seitenbetreiber, welche Inhalte das CMS wie genau speichern und präsentieren soll. Damit müssen Autoren ein Rezept nicht irgendwie in die Form eines Beitrags prügeln oder erst eine Erweiterung suchen, die eine Rezeptsammlung realisiert. Drupal ist daher vor allem dann einen genaueren Blick wert, wenn die Inhalte nicht (nur) aus einfachen Beiträgen bestehen. Allerdings kommt der Benutzer auch bei Drupal nicht um eine längere Einarbeitung herum, wobei ihm hier die gute Online-Dokumentation hilft.

Lässt die Tabelle ein für den eigenen Webauftritt interessantes Feature vermissen, fehlt es dem jeweiligen CMS nicht unbedingt. Die Zahl der Module, Plugins und Erweiterungen ist riesig. Womöglich wartet die Funktion bereits irgendwo auf ihren Einsatz.

Sollte dies nicht der Fall sein, stehen noch weitere quelloffene CMS-Alternativen bereit, die womöglich genau die gesuchte Fähigkeit abdecken, darunter Typo 3 [7], das Shopsystem Magento [8], Contao [9] oder das Framework Django [10], um nur einige zu nennen.

Infos

  1. WordPress: https://de.wordpress.org

  2. CMS-Statistik: http://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/Die-meisten-Websites-verwenden-kein-Content-Management-System

  3. Joomla: https://www.joomla.org

  4. Drupal: https://www.drupal.org

  5. Drupal 8.5: https://www.drupal.org/blog/drupal-8-5-0

  6. Updating Drupal 8: https://www.drupal.org/docs/8/update

  7. Typo 3: https://typo3.org

  8. Magento: https://magento.com

  9. Contao: https://contao.org/de/

  10. Django: https://djangoproject.com

  11. Drupal-Modul Scheduler: https://www.drupal.org/project/scheduler

  12. Joomla Media Kits: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/photos-a-images/images/media-kits/

  13. Joomla-Erweiterung Phoca-Gallerie: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/photos-a-images/galleries/phoca-gallery/

  14. Drupal-Modul Juicebox: https://www.drupal.org/project/juicebox

  15. Joomla-Erweiterung J-Comments: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/contacts-and-feedback/articles-comments/jcomments/

  16. Joomla-Erweiterung C-Comment Pro: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/contacts-and-feedback/articles-comments/ccomment-pro/

  17. WordPress-Plugin Contact Form 7: https://wordpress.org/plugins/contact-form-7/

  18. WordPress-Plugin Adrotate Banner Manager: https://wordpress.org/plugins/adrotate/

  19. Drupal-Modul Ads Systems: https://www.drupal.org/project/ads_system

  20. Drupal-Modul Ad Entity: https://www.drupal.org/project/ad_entity

  21. WordPress-Plugin SEO: https://wordpress.org/plugins/wordpress-seo/

  22. Realtime SEO for Drupal: https://www.drupal.org/project/yoast_seo

  23. Drupal-Modul SEO Checklist: https://www.drupal.org/project/seo_checklist

  24. Joomla Multi-Site-Erweiterung: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/core-enhancements/multiple-sites/multi-sites/

  25. WordPress-Plugin Super Cache: https://wordpress.org/plugins/wp-super-cache/

  26. WordPress-Plugin Fastest Cache: https://wordpress.org/plugins/wp-fastest-cache/

  27. WordPress-Plugin All-in-One Event-Kalender: https://de.wordpress.org/plugins/all-in-one-event-calendar/

  28. WordPress-Plugin The Events Calendar: https://de.wordpress.org/plugins/the-events-calendar/

  29. Joomla J-Events: https://extensions.joomla.org/extension/jevents/

  30. Drupal-Modul Glazed CMS Events: https://www.drupal.org/project/cms_events

  31. WordPress-Plugin Simple Access Control: https://wordpress.org/plugins/simple-access-control/

  32. WordPress-Plugin Restrict User Access: https://wordpress.org/plugins/restrict-user-access/

  33. WordPress-Plugin Profile Builder: https://wordpress.org/plugins/profile-builder/

  34. WordPress-Plugin User Access Manager: https://wordpress.org/plugins/user-access-manager/

  35. Drupal-Modul Private: https://www.drupal.org/project/private

  36. Drupal-Modul Node Access: https://www.drupal.org/project/nodeaccess

  37. WordPress-Plugin Two-Factor-Authentication: https://wordpress.org/plugins/two-factor-authentication/

  38. WordPress-Plugin Miniorange 2-Factor Authentication: https://wordpress.org/plugins/miniorange-2-factor-authentication/

  39. WordPress-Plugin Two Factor: https://wordpress.org/plugins/two-factor/

  40. Drupal-Modul Two-factor Authentication: https://www.drupal.org/project/tfa

  41. WordPress-Plugin Miniorange Login Open-ID: https://wordpress.org/plugins/miniorange-login-openid/

  42. Drupal-Modul Social Auth: https://www.drupal.org/project/social_auth

  43. Drupal-Modul Message Stack: https://www.drupal.org/node/2180145

  44. Drupal-Modul Privatemsg: https://www.drupal.org/project/privatemsg

  45. Joomla Capi Core REST-API: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/capi-core-rest-api/

  46. REST-API für Joomla: https://techjoomla.com/free-downloads/rest-api-for-joomla.html

  47. Joomla-Erweiterung Akeeba-Backup: https://extensions.joomla.org/extensions/extension/access-a-security/site-security/akeeba-backup/

  48. Drupal-Modul All-in-One-Backup: https://www.drupal.org/project/allinone_backup

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