Bis zum Jahr 2020 wird es über 50 Milliarden smarte Geräte im Internet geben, die miteinander reden sollen. Das Projekt Vicinity versucht Ordnung in den Wildwuchs zu bringen.
Die technische Vernetzung all der intelligenten Geräte Im Internet of Things ist nur die unterste Ebene, auf der weitere aufbauen, die ganz neue Anwendungen ermöglichen, indem sie Informationen aus verschiedenen Lebensbereichen (Domänen) wie Gebäude, Energie, Arbeit, Verkehr oder Sicherheit verknüpfen (Abbildung 1). Es entstehen Value-added Services, bei denen der Nutzer aber immer noch die Hoheit über seine Privatsphäre behalten soll.
Dafür sind an erster Stelle offene Standards erforderlich. Beim IoT/M2M-Workshop des European Telecommunications Standards Institute (ETSI, [1]) 2016 in Sophia Antipolis nahe dem französischen Valbonne wurde die Schätzung veröffentlicht, dass offene Standards im Internet der Dinge das Wachstum um 27 Prozent beschleunigen und die Kosten um 30 Prozent verringern können.
Interoperabilität als Service
Das Projekt Vicinity [2], das 15 Institutionen aus neun Ländern vorantreiben, fördert die EU innerhalb des Programms Horizont 2020. Es möchte zum Internet der Dinge durch eine Plattform beitragen, die unabhängig von Geräten und Standards Interoperabilität als Service bietet. Dabei etabliert es das Konzept einer virtuellen Nachbarschaft, die dezentral und Domänen-übergreifend organisiert ist und in der die Anwender selber, ähnlich wie in einem sozialen Netzwerk, entsprechend ihren Bedürfnissen Geräte und Standards einbringen können. Dabei sollen sie die volle Kontrolle über ihre Daten behalten, auch über die Grenzen einzelner Domänen hinaus.
Das Vicinity-Projekt startete im Januar 2016 damit, alle existierenden Standards und Plattformen fürs IoT zu untersuchen und zu vergleichen. Dabei zählte und analysierte es über 50 Standards. Schon diese hohe Zahl lässt darauf schließen, dass Interoperabilität der große Knackpunkt auf dem Weg zum Durchbruch des Internets der Dinge ist. Genau diese Funktion will Vicinity künftig als Service bereitstellen.
Seit seinem Start sammelte das Projekt bereits viele Anwendungsfälle und Demo-Anlagen und führte Beteiligte zusammen. Außerdem entstand eine Spezifikation, die das Projekt in den nächsten Jahren implementieren wird. Dabei will das Projekt keinen neuen und zusätzlichen Standard definieren, sondern auf existierende Lösungen zurückgreifen. Eine Middleware-Komponente soll auf einem Gateway laufen und als Adapter zwischen den Endgeräten und der Vicinity-Infrastruktur dienen.
Für diese Middleware sind in der engeren Wahl Iotivity/Alljoyn (beide kompatibel mit OCF, [3]), Open HAB [4], Device Hive [5] und Open Remote [6]. Iotivity gilt neben Open HAB als vielversprechendster Kandidat. Auf welche Option sich das Projekt letzten Endes festlegt, stellt sich im Laufe der nächsten Monate heraus. Neben diesen Technologien orientiert sich Vicinity an Demoanwendungen aus den Bereichen E-Health, smarte Transportmöglichkeiten, smarte Energiesysteme und smartes Parken.
Es hat auch Hemmnisse erkannt, die noch aus dem Weg zu räumen sind. Eine Demoanwendung für smartes Parken versucht beispielsweise in einem norwegischen Neubaugebiet die raren Parkplätze intelligent zu verteilen. Sie ist etwa in der Lage, Mitarbeiter des Gesundheitswesens im Außendienst oder die Fahrer von Elektromobilen zu bevorzugen oder Parkflächen im Vorhinein zu buchen oder für das Publikum von Veranstaltungen zu reservieren. Doch gibt es unter denen, die einen eigenen Parkplatz tagsüber zur Verfügung stellen könnten, noch einige Vorbehalte.
Im Oslo Science Park, der aus vier unabhängigen Gebäuden sowie einer Tiefgarage besteht und 2400 Büro- und Laborarbeitsplätze auf einer Gesamtfläche von 55000 Quadratmetern umfasst, testet das Projekt unter anderem das intelligente Energiemanagement in einer virtuellen Nachbarschaft. Ein Smart Grid soll die flexible und sparsame Energienutzung voranbringen, indem sich Geräte als Energieverbraucher untereinander austauschen.
Auch bei einem ähnlichen Usecase in Portugal ist es das Ziel, eine Solaranlage und öffentliche Gebäude in einem Ökosystem zu verknüpfen und zwischen den Energie-Erzeugern und -Verbrauchern Daten auszutauschen. Zudem liefern etliche Sensoren ständig Daten zur Lebensqualität in diesem Umfeld.
Schließlich untersucht das Projekt im griechischen Thessaloniki die Möglichkeit, Senioren in 50 betreuten Wohnungen zu helfen, indem es den Gesundheitszustand der Bewohner aus der Ferne permanent überwacht oder ein Notrufsystem in das normale Telefon integriert (Abbildung 2). Demente Patienten will man mit einem GPS-Tracker ausstatten. Spezielle Sensoren sollen außerdem mögliche Stürze der alten Menschen detektieren können. (jcb)

Abbildung 2: In Thessaloniki vernetzt Vicinity eine Einrichtung für betreutes Wohnen für Senioren und integriert unter anderem Gesundheitsdaten.
Infos
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ETSI: http://www.etsi.org
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Vicinity: http://vicinity2020.eu/vicinity
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Iotivity: https://www.iotivity.org
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Open HAB: https://www.openhab.org
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Device Hive: http://devicehive.com
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Open Remote: http://www.openremote.com








