Diesmal ist es kein Buch, das die Redaktion an dieser Stelle rezensiert, sondern ein Online-Kurs der Linux Foundation, der die Grundlagen der Containertechnik vermitteln will.
Der Kurs richtet sich an ein internationales Publikum – logisch, dass er in englischer Sprache gehalten wird. Trotzdem verbindet sich damit bereits der erste Kritikpunkt: Der Instruktor des Kurses, Neependra Khare, kommt aus Bangalore und spricht leider mit einem starken indischen Akzent. Das macht es denen, deren Muttersprache nicht Englisch ist, schwer: Sie müssen sich darauf konzentrieren, zunächst phonetisch zu verstehen, was gesagt wird, bevor sie sich das Gehörte übersetzen können.
Dabei hätte den Text problemlos auch ein Engländer oder Amerikaner sprechen können, denn abgesehen von einem kurzen Welcome-Video fungiert der Präsentator eh nur als Stimme aus dem Off. Die gibt immer ungefähr, aber eben nicht genau das wieder, was die im Vordergrund eingeblendeten Folien zeigen. So wird der Zuseher gezwungen, seine Aufmerksamkeit zu splitten: Er nimmt das gesprochene Wort auf, den synchron dazu eingeblendeten Wortlaut als Text und die Folien.
Kein Konzept
Es fällt schwer, bei all dem ein didaktisches Konzept auszumachen. Was man sich als potenziellen Vorteil eines Onlinekurses vorstellen könnte, findet so gut wie nicht statt: Es wird kaum etwas online demonstriert und wenn, dann nur in einem Terminal mit kaum leserlicher 6-Punkt-Schrift. Der Zuseher wird nirgends interaktiv einbezogen. Es fehlen auch spielerische Elemente wie etwa ein Quiz. Stattdessen bekommt er hauptsächlich Folien präsentiert und muss sich an die Geschwindigkeit der Darbietung anpassen und notfalls zurückspulen.
Dabei kann der Nutzer aber keine Startposition abspeichern, dafür merkt sich das System automatisch die zuletzt erreichte Stelle. Wer sich aber nach der Hälfte des Kurses noch einmal das Einführungsvideo ansieht, der steht so wieder am Anfang. Auch fehlt eine Suchfunktion nach Stichworten. Immerhin gibt es eine rudimentäre Kapitelübersicht in Gestalt eines Pulldown-Menüs, die es erlaubt, den Beginn der Unterkapitel direkt zu erreichen.
Es ist nicht so, dass der Kurs gar keine Möglichkeiten zum aktiven Mitmachen böte: Es gibt Kontrollfragen am Kapitelende und Übungen. Doch auch hier liegen Licht und Schatten nah beieinander. Der Kursstudent erhält einen Rabattcode für den IaaS-Provider Digital Ocean, der es ihm erlaubt, dort via Internet ohne Zusatzkosten virtuelle Maschinen zu erzeugen, auf denen er die Übungen ablaufen lassen kann.
Das hat den zunächst einleuchtenden Vorteil, dass die Beispiele in einer einheitlichen und kontrollierten Umgebung starten, die Fehlschläge aufgrund eines exotischen Environments unwahrscheinlich macht. Doch zum einen beschränkt diese Art Geling-Garantie den Lerneffekt – die Kommandos per Cut & Paste aus den Lab-Unterlagen ins Terminal der VM übertragen führt zu keinem Aha-Effekt. Zum anderen ist das Angebot sehr knapp kalkuliert: Für den Kurs darf sich der Teilnehmer ein Jahr Zeit lassen, das Guthaben reicht höchstens für drei Monate.
Inhaltlich okay
Was der Kurs als Containergrundlagen vermittelt, hat Hand und Fuß. Angefangen bei einem kurzen Abriss der Geschichte der Container wird der Lernende Schritt für Schritt mit den Containertechnologien Run C (Spezifikation der Open Container Initiative), Docker und Rkt vertraut gemacht. Das ist nicht vollständig, aber ausreichend. Auf dem Stundenplan stehen die nötigen Kommandos, der Umgang mit Images, die Konfiguration via Docker-Files, das Networking mit Containern, Storage und Container, Multicontainer-Environments und die Docker-APIs. Am Ende des Kurses hat der Lernende einen soliden Überblick gewonnen.
Fazit
Die Linux Foundation bietet den Kurs, den man binnen weniger Tage absolvieren kann, für 200 US-Dollar an. Ein Buch zum Thema würde schätzungsweise ein Viertel kosten und den Stoff nachhaltiger vermitteln. Es gäbe keine Probleme mit dem Hörverständnis, der Lernende würde das Tempo bestimmen, Übungen könnte er genauso absolvieren. Im Vergleich mit dem Kurs dürfte er nichts vermissen, was bei der Aneignung des Stoffes effektiv hilfreich wäre.
Infos
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Kurs-Portal der Linux Foundation:https://training.linuxfoundation.org/portal






