Aus Linux-Magazin 06/2017

Dokumentenmanagement fürs Kleinbüro

© alphaspirit, 123RF

Auch in einem kleinen Büro trudeln täglich zahllose Briefe, E-Mails und PDFs ein. Um nicht in der Flut an Dokumenten zu ertrinken, macht sich der Einsatz von Dokumentenmanagement-Systemen bezahlt.

Seit mehr als zehn Jahren proklamiert die Industrie mittlerweile das papierlose Büro, helfen dabei sollen unter anderem spezielle Dokumentenmanagement-Systeme (DMS). Diese versprechen, beliebige Schriftstücke ohne meterlange Aktenregale zu verwalten, arbeiten meist als Client-Server-Anwendungen und ihre Nutzer greifen mit Hilfe eines Datenbank-Backends darauf zu.

Doch die meisten dieser DMS-Applikationen sind in mittleren und großen Unternehmen zu Hause und für den Einsatz in kleinen Heimbüros hoffnungslos überdimensioniert. Noch schwieriger wird es, wenn Linux-Support auf der Anforderungsliste steht. Dennoch macht sich die aktuelle Bitparade auf die Suche nach DMS-Systemen für Linux-Arbeitsplätze, die ohne zeitaufwändige Einarbeitung und permanente Wartung auch das Ein-Mann-Büro entlasten.

Anforderungen

Im Idealfall soll das DMS-System den Weg eines Dokuments von seiner Entstehung über seinen gesamten Lebenszyklus bis hin zur Vernichtung abbilden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um gedruckte Dokumente, sondern ebenso um Dateien, die in unterschiedlichen Formaten elektronisch vorliegen, also beispielsweise als E-Mails.

Das DMS-System dient dabei nicht nur als Archivierungssystem, das mit Hilfe von Schlagwörtern oder auch über Datumsstempel oder anderer Attribute den schnellen Zugriff auf die Archive ermöglicht. Es soll auch den Informationsfluss in Organisationen optimieren, indem es Verteilungsmechanismen für berechtigte Empfänger einführt, Dokumente verknüpft oder Zugriffe überwacht.

Nicht getestet

Als fünfter Kandidat für den Test war das in Spanien entwickelte Open KM [16] vorgesehen. Das gibt es ebenfalls in einer Linux-Variante und es verfügt neben kommerziellen und Cloudpaketen über eine Community-Version. Im Test erwies sich die Software jedoch als extrem störrisch: So fehlen für Kleinbüros und weniger versierte Admins brauchbare Installationsroutinen, auch gibt es keine aktuelle Dokumentation. Vielmehr muss der Admin die benötigten Pakete (unter anderem einen Tomcat-Applikationsserver, eine MySQL-Datenbank und Anwendungen wie Imagemagick oder Ghostscript) alle einzeln und gesondert manuell installieren. Dann muss er teils komplexe Konfigurationsdateien händisch anpassen.

Zwar stellt der Hersteller Hilfe-Dokumente bereit, die sind jedoch hoffnungslos veraltet und lassen die Installation auf aktuellen Linux-Distributionen scheitern. Die geforderten Pakete bieten aktuelle Linux-Versionen zudem teilweise nicht mehr an. Für Fedora und Red Hat Linux verweist die Doku etwa auf das Open-Office-Paket 3.1.1, das vom 31. August 2009 stammt und inzwischen unzählige neue Releases gesehen hat.

Auch die für Debian und Ubuntu vorhandene Dokumentation ist überholt: Sie beschreibt die Konfigurationen für das inzwischen längst abgelöste Sys-V-Initsystem, spart aber den Umgang mit den Service-Units des aktuellen Systemd-Sitzungsmanagers aus. Auch die Apache-Webserver-Konfiguration funktioniert nicht mehr so, wie einst beschrieben. Gründe genug also, von einer Open-KM-Aufnahme in den Test abzusehen.

Ein modularer Aufbau soll zudem das problemlose Weiterverarbeiten von Dokumenten in Anwendungen Dritter ermöglichen, zu denen etwa gängige Office-Suiten oder ECM-Systeme (Enterprise Content Management) gehören.

Immer wichtiger wird zudem die Multiplattform-Fähigkeit, die den Einsatz der Clients auf mobilen Geräten wie Tablets gestattet. Dazu zählen heute auch Cloud-Anbindungen, um unabhängig von einer stationären IT auf die Dokumente im DMS zuzugreifen. Nicht zuletzt sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz außerdem gesetzliche Vorgaben zur Archivierung zu erfüllen.

Im Kleinbüro

Kleine Büros benötigen in der Regel keine großen DMS-Systeme. Die sind meist schwierig zu installieren und zu konfigurieren und bedürfen obendrein regelmäßiger Wartung. Doch auch Alternativen für kleine Büros sollen Eingangsquellen wie etwa gedruckte Dokumente, Dateien verschiedener Formate und gespeicherte E-Mails problemlos verarbeiten. Dazu bringen sie im Idealfall auch ein Scanmodul mit, welches das Einlesen und die Texterkennung von gedruckten Vorlagen ermöglicht. Das Verschlagworten und andere Ablagefunktionen gehören ebenso zur Domäne von DMS-Systemen. Ergänzend sollte es Schnittstellen für die wichtigsten Office-Suiten geben (siehe auch Tabelle 1).

Tabelle 1

Funktionsübersicht der DMS-Systeme

Krystal DMS

Logical Doc

Paperwork

Referencer

Modular aufgebaut

ja

ja

ja

nein

Deutsche Lokalisierung

nein

ja

ja

ja

Client-Server-Architektur

ja

ja

nein

nein

Webbasierte Oberfläche

ja

ja

nein

nein

Scanmodul

ja*

ja*

ja

nein

Mehrblattscan

ja*

ja*

ja

nein

OCR-Modul

ja (extern)

ja (extern)

ja

nein

Importfunktion

ja

ja

ja

ja

Exportfunktion

ja*

ja

ja

ja (extern)

Viewer

ja

ja

ja

nein

Indexierung und Suche

ja

ja

ja

ja

Versionshistorie

ja

ja

nein

nein

Kommentare

nein

ja

nein

ja

Cloudanbindung

nein

ja

nein

nein

Mobile Apps

ja

ja

nein

nein

Anbindung an CMS-Systeme

nein

ja

nein

nein

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