Wer eine simple App entwickeln möchte, ohne groß Detailwissen aufzubauen, der kann auf den Livecode-Zug aufspringen. Das Ticket kostet zwar etwas, produziert aber Apps für alle Plattformen.
LivecodeAbbildung 4 unten links reagiert. Im Projektbrowser ordnet der Entwickler den Code diesem Knopf zu (Abbildung 3). Er markiert den Listeneintrag »Save« , wählt aus dem Kontextmenü die Option »Edit Script« und fügt den Code aus Abbildung 4 mit dem »put« -Kommando in eine Reihe ähnlich lautender Variablen. Die »if-else« -Verzweigung ab Zeile 5 fordert in Zeile 6 den Benutzer über eine Alert-Box auf, alle Formularfelder auszufüllen, falls in einem der beiden Felder »Title« oder »Description« nichts steht. Andernfalls sendet Zeile 8 die Nachricht »upsertWorkItem« samt den bekannten Parametern zwecks Event-Behandlung an die Livecode-Engine. Zeile 9 wechselt über »go to first« zur ersten Karte, der Listenansicht aus Abbildung 2.
Letztlich gelang der Versuch, Programmcode intuitiv zu schreiben, nur zum Teil. Punktuell musste der Tester die Dokumentation heranziehen.
Verständlichkeit
Wer nach einer geschlossenen Darstellung der Livecode-Sprache sucht, findet diese unter http://livecode.com leider nicht. Als wichtige Quelle zur Recherche der Syntax, der Sprachmittel und der bereitgestellten Funktionen dient die etwas gewöhnungsbedürftige API-Beschreibung namens Dictionary. Darüber hinaus bietet eine Vielzahl an How-tos, Beispielstacks und Screencasts Lösungsansätze für die häufigsten Anwendungsfälle [4]. Nicht zuletzt findet sich Hilfe im Support-Forum sowie auf Hilfeseiten im Internet, beispielsweise unter Stackoverflow [5]. Als ultimative Ergänzung bietet Livecode über das eigene Team kostenpflichtige Dienste an. Sie decken die Themen Konzeption, Dokumentation, Code Review oder Releasewechsel ab.
Robustheit
Der Benutzer sollte seine Livecode-App unbedingt mittels einer Versionierungssoftware verwalten, andernfalls droht womöglich der Verlust der gesamten Anwendung. Grund dafür ist, dass es Livecode erlaubt, das Kommando »quit« mit einem Fehler zu kombinieren, um so eine Endlosschleife zu konstruieren. Die aber macht ein weiteres Bearbeiten der App unmöglich. Wer nicht auf die vorherige Version zurückkehren kann, verliert das gesamte Entwicklungsergebnis.
Zudem sollten Entwickler ihre Livecode-Apps regelmäßig in native Apps umwandeln und auf den Zielsystemen testen. Fällt ein Fehler erst auf, nachdem die I-OS- oder Android-Apps fertig sind, bleibt womöglich nur die Inanspruchnahme eines kostenpflichtigen Dienstes.
Kompatibilität
Dafür, dass die Livecode-App mit den Zielsystemen kompatibel ist, bürgt Livecode nicht vollumfänglich. Darum sollten Entwickler vor Projektstart die Möglichkeiten von Livecode mit den Projektanforderungen abgleichen. So funktioniert etwa in der vorliegenden Version die Video-Aufzeichnung für Android und I-OS standardmäßig nicht.
Wurzeln bei I-OS
Apropos I-OS: Vermutlich weil Livecode ursprünglich nur auf Apples Plattform abzielte, rüstet es Mergext [6] auch nur für I-OS nach. Den Android-Support haben die Entwickler nachträglich ergänzt und offenbar noch nicht vollendet, jedenfalls fehlen der getesteten Version bisher die so genannten Externals. Erst mit deren Hilfe ließe sich die Funktionalität von Livecode auf den Zielsystemen ausdehnen.
Eine weitere Merkwürdigkeit von Livecode, die sich beim Testen zeigte, sei hier am Rande auch noch erwähnt: Die Livecode-Datei der Beispielanwendung startete nicht unter Windows 10, obgleich der Tester zur gleichen Version von Livecode griff.
Fazit
Livecode erzeugt auf smartem Wege die plattformübergreifenden Apps, indem es die plattformspezifischen Besonderheiten via Kapselung vor dem Programmierer verbirgt. Der schreibt genau eine App und tut dies in einer interaktiven Umgebung, in der er den Entwicklungsstand jederzeit überprüft. Das dürften nicht nur Cracks schätzen, sondern auch Entwickler, die freiwillig oder fremdbestimmt mal eben eine App schreiben sollen. In diesem Fall könnte höchstens der Preis von rund 620 Euro pro Jahr abschrecken.
Wer sich dennoch für Livecode als Entwicklungsumgebung entscheidet, sollte im Hinterkopf behalten, dass die App Android als Plattform weniger stark berücksichtigt. Mit Hilfe eigener Externals gegenzusteuern fällt bis auf Weiteres flach. Wer sich in Sachen Funktionsumfang hingegen bescheiden kann, dürfte an Livecode seine Freude haben, Arbeit und Zeit sparen und den Kollegen als Magier erscheinen.
Infos
- Livecode: http://livecode.com
- I-OS- und Android-SDK installieren: https://livecode.com/app-in-a-day/installation/ios/, https://livecode.com/app-in-a-day/installation/android/
- SQlite-Datenbank: http://sqlite.org
- Livecode-Lern-Ressourcen: https://livecode.com/resources/
- Stackoverflow für Livecode: http://stackoverflow.com/questions/tagged/livecode
- Mergext: http://mergext.com






