Ein Buch versucht aus der Fülle der Linux-Kommandos die wichtigsten zu destillieren. Ein zweites berät beim fortgeschrittenen Designen von Leiterplatten.
Einem möglichen Einwand begegnet der Autor gleich offensiv in der Einleitung: Auf jedem Linux-System sind vollständige Kommando-Beschreibungen im System verfügbar, weshalb sollte man sie dann ausgedruckt kaufen? Weil sein Nachschlagewerk, meint Kofler, nur die wichtigsten Optionen der wichtigsten Kommandos aufführe, sodass man sich nicht durch die endlose Beschreibung von Optionen lesen müsse, die keiner brauche. Daran mag etwas sein, allerdings ist auch das Problem dabei offensichtlich: Der Autor kann nur raten, was im konkreten Fall wichtig ist.
Schlag nach bei Kofler
So hält Kofler offenbar eine ganze Klasse von Monitoring-Kommandos für nicht so wichtig und führt weder »vmstat« oder »iostat« noch »mpstat« auf, auch nicht »free« oder »sar« – und »top« nur ohne Erläuterung der Optionen und der angezeigten Werte. Stattdessen gibt es mehr als eine Seite Ausführungen zu »a2ps« , einem urzeitlichen Text-zu-Postscript-Konverter, der nicht mit UTF-8 umgehen kann. Ähnlich subjektiv ist von Fall zu Fall wohl auch die Auswahl der besprochenen Optionen.
Eine Einschränkung bilden auch Distributions-spezifische Kommandos – oder solche, die es zwar distributionsübergreifend gibt, die aber nicht jede per Default installiert. So dokumentiert das Buch die Debian/Ubuntu-spezifischen Kommandos zur Paketverwaltung wie »apt-get« oder »dpkg« , kennt aber auch Red Hats »rpm« und »yum« und Suses »zypper« . Damit sollten die meisten Anwender auskommen. Bei Kommandos des Initsystems setzt der Titel auf Systemd, was sicher gerechtfertigt ist.
Eine weiteres Problem markiert die Frage, was überhaupt ein Kommando sein soll? So kommen in dem Nachschlagewerk ausführlich »mysql« und »mysqladmin« vor, was sicher keine Betriebssystembefehle sind, sondern die Kommandozeilen-Schnittstellen einer Applikation. Andererseits kann ein Buch nicht alle Applikationen aufnehmen. So fehlen etwa die entsprechenden Kommandos des MySQL-Pendants PostgreSQL.
Auch die Standard-Applikationen der GUIs Gnome und KDE (also etwa »gedit« und »kedit« ) sind – obwohl betriebssystemnäher als MySQL – nicht enthalten. Nicht einmal die Standard-Texteditoren Vi und Emacs haben es in die Auswahl geschafft. Eine einsichtige Abgrenzung dürfte hier nahezu unmöglich sein.
Wer sich an die Manpages hält, wird zwar manche Einzelheit erfahren, die er nicht unbedingt braucht. Aber dümmer wird er dabei gewiss nicht und vielleicht stößt er ja auch gerade so auf eine unvermutete Lösung. Wer sich die Wohlfühlversion der Dokumentation in Buchform bestellt, muss damit rechnen, dass die subjektive Auswahl gerade das Detail ausgeblendet hat, das er benötigt hätte.
Schöne Schaltungen
Eagle ist ein Programm, mit dem sich aus Schaltplänen Leiterplattenlayouts erzeugen lassen. Es läuft unter Windows, Linux und auf dem Mac – auch wenn der vorliegende Titel das konsequent ignoriert und so tut, als gäbe es nur die Windows-Version.
Der Autor wendet sich systematisch den Hauptkomponenten der Anwendung zu: Schaltplan-Editor, Layout-Editor und Autorouter. Anhand eines Beispielprojekts spielen die Autoren den Weg von der Idee zur fertigen Leiterplatte Schritt für Schritt durch.
Die Hinweise zum Projekt lesen sich teils widersprüchlich: So wird etwa mehrmals betont, der Anwender solle die Maßeinheit des Rasters auf Inch voreingestellt lassen, weil “fast alle Bauteildimensionen Inch-basiert” seien. In der Stückliste des Beispielprojekts tauchen dann allerdings ausschließlich Millimeterangaben auf. Von solchen Kleinigkeiten abgesehen sind die Erklärungen aber gut verständlich und detailliert. Auch fortgeschrittene Techniken wie das Anlegen eigener Bauteile und Bibliotheken sind nachvollziehbar erläutert.
Unmittelbar an das Design angrenzende Fragen wie die Ausgabe der Daten in einem Format, das ein Leiterplattenhersteller importieren kann, kommen ebenfalls zur Sprache. Kurz: Wer sich als Bastler oder beruflich damit auseinandersetzen muss, wie er von einer gegebenen Schaltung zur passenden, semi-professionell gefertigten Leiterplatte kommt, der findet hier einen passenden Ratgeber.
Info 1
Michael Kofler:
Linux-Kommandoreferenz
Rheinwerk, 2016
465 Seiten
20 Euro
ISBN: 978-3-8362-3778-9







