Zwei Bücher zur Internet-Sicherheit. Das erste ist vielleicht etwas schulbuchmäßig, aber nützlich. Das zweite verplaudert sich und verliert sein Thema aus den Augen.
Das Buch “Gut gerüstet gegen Überwachung im Web” wendet sich an durchschnittliche Computernutzer ohne besondere Vorkenntnisse, die ihre Kommunikation besser absichern wollen. Die Autoren holen dafür etwas aus und erklären im ersten Kapitel zunächst den Begriff der Privatsphäre, das kommerzielle Interesse an personenbezogenen Daten und die Ziele der IT-Sicherheit.
Das zweite Kapitel führt dann in die Grundlagen der Kryptographie ein, behandelt symmetrische und asymmetrische Verschlüsselungsverfahren, die Problematik des Schlüsselaustauschs, den grundsätzlichen Aufbau einer PKI, von Zertifizierungsstellen und des Web of Trust. Das alles ist umfassend und verständlich erklärt, allerdings gemahnen die Erläuterungen in ihrem Tonfall etwas an Frontalunterricht.
Theorie und Praxis
Das dritte Kapitel dreht sich um HTML, HTTP, Browser und Suchmaschinen. Es stellt einige gängige Browser vor, allerdings endet die Geschichte mit Blick auf Windows beim Internet Explorer, der Windows-10-Browser Edge fehlt. Im Zusammenhang mit der Browserhistorie und Cookies wird es hier dann praktisch. Die Autoren beleuchten unter anderem diverse Adblocker. Das Kapitel schließt mit dem anonymen Surfen via Tor.
Kapitel vier ist dem sicheren Mailen gewidmet. Wieder erhält auch der unvorbelastete Leser eine Chance, die Sicherheitsproblematik zu verstehen, denn die Funktionsweise von E-Mail ist hier von Grund auf erklärt. Im Praxisteil zeigt sich ein prinzipielles Problem: Angesichts der Vielfalt an Betriebssystemen, Mailclients und deren Versionen lässt sich das Vorgehen nur beispielhaft demonstrieren. Dennoch ebnet das Buch sicher den meisten den Weg zur ersten erfolgreich ver- und entschlüsselten Mail.
Kapitel fünf wendet sich Chat, Instant Messaging, Skype und SMS zu. Auch hier machen die Autoren beispielhaft eine Anzahl Clients zu Themen. Im sechsten und letzten Kapitel sprechen sie eine Reihe von Fragen an, die bis dahin keinen Platz fanden, aber zum Thema gehören: etwa Metadaten, Festplattenverschlüsselung, elektronische Ausweise oder VPNs. Alles in allem eignet sich das Buch für jeden, der mit geringen Vorkenntnissen selbst etwas für die Datensicherheit tun will.
Wenig Handfestes
Auch das zweite Buch, “Sicher in sozialen Netzwerken”, geht von der Dauerüberwachung unserer Aktivitäten im Internet aus. Der Autor, Manuel Ziegler, prescht dabei bereits im Vorwort recht forsch vor: Wer sein Buch online gekauft habe, gelte als potenzieller Terrorist – “… aber keine Angst, ich werde Ihnen zeigen, wie sie erfolgreich durch die Maschen des weltweiten Überwachungsnetzwerks schlüpfen”.
Leider zeigen sich schon auf den ersten Seiten inhaltliche Ungenauigkeiten. So liest man im Abstand weniger Seiten, dass über soziale Netze der wichtigste Teil von jedermanns Kommunikation laufe, gleichzeitig aber nur zwei Prozent der über 55-Jährigen solche Netze überhaupt verwenden. Ein Widerspruch, denn jener Teil der Bevölkerung, der dem Autor zufolge soziale Netze in “erheblich geringerem Maß” bis gar nicht nutzt, stellt die Mehrheit.
Schnell ist der Autor auch mit Schlußfolgerungen zur Hand: “Letztendlich nutzen nur sehr wenige Menschen Google+.” Nun gibt es dafür nur Schätzungen, doch selbst wenn man nur einen geringen Prozentsatz aktiver Nutzer unterstellt, müssen das bei rund 2,5 Milliarden angemeldeten Usern viele Millionen sein.
Gut die Hälfte seines Umfangs verbraucht das Buch mit der Vorstellung aller möglichen sozialen Netze von Elite Partner bis Instagram, garniert mit persönlichen Wertungen zur Brauchbarkeit der jeweiligen Angebote. Dabei wird nicht mit Screenshots gegeizt, der Bezug zu Sicherheitsfragen fehlt allerdings zu oft. Selbst dort, wo Sicherheit ein Thema ist, kommen praktisch nutzbare Erläuterungen viel zu kurz. Ein paar finden sich noch im Anhang, aber auch hier erschöpft sich die nötige Hilfe für eine wirksame Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in einem Link auf eine Webseite mit Erklärungen.
Summa summarum: Viel Palaver, wenig Hilfe, keine ausreichende Ausrichtung auf das selbst gesteckte und eingangs postulierte Ziel.
Info 1
Czeschik, Lindhorst, Jehle:
Gut gerüstet gegen Überwachung im Web
Sybex, 2016
240 Seiten
12 Euro
ISBN: 978-3527760619







