Aus Linux-Magazin 01/2016

Ein Buch über die Fritzbox sowie ein Informatik-Lehrbuch

Das erste Buch hilft dabei, alles aus seiner Fritzbox herauszukitzeln. Das zweite unterstützt den Informatikstudenten beim Studium der theoretischen Aspekte.

Die verschiedenen Fritzboxen gehören sicher zu den meistverkauften WLAN-Routern hierzulande. Leserinteresse dürfte der 2015 erschienenen zweiten Auflage des Titels “Fritz!Box – Von der optimalen Einrichtung bis zum Heimnetzwerk” also garantiert sein.

Die lange Geschichte der Router seit dem ersten Modell 2004 ist aber auch ihr Fluch: Inzwischen gibt es so viele Varianten der Hardware und des Linux-Router-Betriebssystems, dass die Beschreibungen im Buch lange nicht mehr zu allen Modellen passen. Der Rezensent hat etliche Beispiele mit einer neueren Fritzbox 6360 nachvollzogen und musste zuweilen die Reihenfolge der aufgeführten Schritte ändern. Da ist also ein wenig beherzte Lust am Probieren gefragt.

Viele Anregungen

Eine Lust, die beim Lesen dort etwas gedämpft wird, wo sich der Autor selbst nicht immer die Mühe machen will, kompliziertere Sachverhalte zu erklären, so zum Beispiel auf Seite 41: “Da die Vorgehensweise je nach Betriebssystem stark variiert, möchte ich auf die Support-Seite von AVM verweisen.” Ist es aber nicht gerade die Daseinsberechtigung eines solchen Buches, über die Herstellerdoku Hinausgehendes zu bieten? Erwartet der Leser nicht gerade da Hilfestellung, wo es etwas unübersichtlicher wird?

Stattdessen wählt der Autor den für ihn bequemsten Weg, auch wenn dadurch alle Mac-Besitzer, Tabletnutzer oder Linux-Anwender in die Röhre gucken respektive die ellenlange URL abtippen und sich auf eigene Faust durch die Doku kämpfen müssen.

Gelegentlich werden aber auch Linux-User explizit bedacht, zum Beispiel im Kapitel über die NAS-Funktion der Fritzbox. Allerdings ist hier nicht erwähnt, auf welche Distribution sich die Hinweise beziehen – das Beispiel funktioniert nur mit Gnome. Wieder biegt der Autor auf den Weg des geringsten Widerstands ein, wenn er die Anmeldung mit voreingestelltem Usernamen und Passwort demonstriert, was gerade in dem benutzten Beispielszenario einer Wohngemeinschaft nicht empfehlenswert ist.

Trotz allem bietet das Buch selbst fortgeschrittenen Anwendern noch interessante Anregungen und behandelt ausführlich viele Features der Fritzboxen wie Telefonzentrale, NAS-Funktion oder VPNs und zusätzlich zahlreiche Erweiterungen, die allen Anwendern offenstehen, die das alternative Betriebssystem Freetz einsetzen, etwa Tor-Verschlüsselung, Webserver oder Wake-on-LAN.

Allerdings kommen nicht alle Funktionen vor. So fehlen etwa das Home-Automation-Feature der Fritzbox oder – noch grundsätzlicher – auch die IPv6-Konfiguration, die das Netzwerk-Kapitel nicht einmal am Rande erwähnt.

Verdauliche Wissenschaft

Das zweite Buch verschreibt sich bereits im Vorwort einem hohem Anspruch: Es will beweisen, dass theoretische Informatik weder schwer noch trocken sein muss. Aber das Vorhaben gelingt – ohne in populärwissenschaftliche Plauderei abzugleiten, stets mit dem Bachelor-Studenten der Informatik im Sinn, der das Werk als Lehrbuch nutzen soll.

Daher macht der Autor auch keinen Bogen um Formeln und Definitionen, schafft es jedoch, den Stoff in einer präzisen, aber eingängigen Sprache zu vermitteln. Viele Beispiele und Illustrationen unterstützen die Verständlichkeit. Zudem werden immer wieder die praktischen Konsequenzen theoretischer Fragestellungen in den Blick gerückt. Das ist zuweilen durchaus spannend, etwa bei Fragen der Berechenbarkeit im Zusammenhang mit Kryptographie. Schließlich ist die praktische Unlösbarkeit von Problemen, auf denen jede Verschlüsselung beruht, bislang nicht bewiesen.

Das Buch behandelt eingangs einige mathematische Grundlagen. Es folgt ein Kapitel über Aussagen- und Prädikatenlogik, dem sich ein Kapitel über formale Sprachen anschließt, worauf das Buch auf die Theorie endlicher Automaten eingeht, ehe es sich noch je einem Kapitel über Berechenbarkeitstheorie und Komplexitätstheorie zuwendet.

Wer sich mit theoretischer Informatik beschäftigen will oder muss, dem kann man dieses Buch sicher empfehlen. Es ist ein Lehrbuch und damit keine leichte Kost, trotz allem aber gut verdaulich und verständlich.

Info 1

Christoph Troche:

FRITZ!Box

Mitp-Verlag

2. Auflage, 2015

240 Seiten, 20 Euro

ISBN: 978-3958451568

Info 2

Dirk W. Hoffmann:

Theoretische Informatik

Hanser Verlag

3. Auflage, 2015

430 Seiten

41 Euro

ISBN: 978-3-446-44530-7

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