Aus Linux-Magazin 12/2015

Ein Buch für erwachsene Kinder und eins für angehende Linux-Jünger

Fortgeschrittenes Lego-Basteln samt Minicomputer oder Mikrocontroller ist Thema des ersten Buchs, das zweite begleitet auf den ersten Schritten weg von Windows und hin zu Linux Mint.

“Im echten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen.” (Nietzsche) Zum Beispiel mit Lego. Altersgerecht sollen es nun aber keine einfachen Türmchen mehr sein, sondern zum Beispiel Autos, die selbstständig fahren, blinken und hupen. Das Buch “Lego für echte Kerle” will das versteckte Kind fördern.

E-Basteln von Grund auf

Viel Vorwissen braucht der echte Kerl nicht. Das Buch bemüht sich, ihn in die Anfangsgründe sowohl der Elektronik wie auch der Programmierung von Raspberry Pi respektive Arduino einzuführen. Ersteres geht nicht weit über die aus der Schule bekannte URI-Formel hinaus, reicht aber immerhin, um die nötigen Vorwiderstände für die unvermeidlichen blinkenden LEDs zu berechnen.

Im nächsten Schritt wird es dann schon anspruchsvoller: Es geht um Sensoren. Zunächst am Beispiel von Ultraschall- oder Infrarot-Abstandssensoren. Zahlreiche kommentierte Codebeispiele sowohl für den Raspi wie für den Arduino, Tabellen und Downloadlinks helfen beim Verständnis.

Nun soll der Messwert ja auch irgendwas bewirken, und daher dreht es sich im Anschluss um Motoren. Hier treten dem eben auf URI-Niveau Nachgeschulten allerdings vermutlich erstmals die Fragezeichen in die Augen, wenn er von einer H-Brücke von Induktivität und Freilaufdioden liest. Davon war bisher nie die Rede. Halb so schlimm, denn das Kapitel mündet in der Beschreibung von Programmbibliotheken für den Raspi oder fertigen Motor-Steuermodulen (Shields) für den Arduino, die den Umgang mit Motoren aller Art vereinfachen.

Zwischen Motor und dem bewegten Rad wird meist Mechanik zum Vermitteln gebraucht. Daher geht es in Kapitel 3 um Zahnräder und Übersetzungsverhältnisse bis zum Mehrganggetriebe. Alle nötigen Bauteile sind mit Lego-Nummern identifiziert, und eine Software für die Getriebesteuerung ist auch dabei.

Nach so viel Vorarbeit und Etüdenstudium beschäftigen sich die letzten Kapitel damit, wie echte Kerle originale Lego-Projekte mit Elektronik aufmotzen, etwa ein Baufahrzeug via Webbrowser steuerbar machen oder einen Schwerlaster mit 16 Servomotoren ausstatten.

Umzugshelfer

Die Linux-Magazin-Schwesterzeitschrift “Easy Linux” erreichen oft Briefe von Lesern, die eigentlich auf Linux umsteigen wollten, sich aber allein gelassen fühlten, wenn sie auf ein Problem stießen, für das sie keine Lösung parat hatten. Dabei gibt es neben freundlichen Linux-Usergroups und Internetforen auch einen Buchmarkt, der einsteigertaugliche Lektüre in Hülle und Fülle bereithält.

Ein Beispiel ist “Linux Mint” von Dirk Becker, das sich speziell an Windows-Umsteiger wendet. Es setzt nichts voraus und schildert alle nötigen Handgriffe ausführlich, verständlich und reichlich mit Screenshots illustriert. Eingangs stellt das Buch grundlegende Anwendungen vor, etwa den Dateimanager Nemo oder die Paketverwaltung. Immer wieder kommen die Unterschiede im Vergleich zu Windows zur Sprache.

Einer der Unterschiede ist offenbar die Rolle der Kommandozeile. Der Autor verwendet zwar ein paar Seiten auf das Terminal, geht dabei aber so vorsichtig mit seinem Leser um, den er ja nicht überfordern will, dass der praktische Nutzen im Dunkeln bleibt. Schnell geht es weiter zu Libre Office, das dem Ex-Windows-Fan wieder vertrauteres Terrain bietet. Danach werden weitere Standardanwendungen vorgestellt, darunter Gimp, Firefox, Thunderbird, Brasero.

Die Konzentration auf den durchschnittlichen Endanwender bedingt, dass der Autor generell Aspekte der Systemadministration nur verkürzt darstellt. Monitoring oder Backup werden auf wenigen Seiten angerissen, etwas wie zum Beispiel das Initsystem kommt erst gar nicht vor.

Noch mehr Anwendungen und ein eigenes Kapitel über Spiele folgen. Letzteres enthält einen Abschnitt über DOS-Spiele im Emulator, der ziemlich aus der Zeit gefallen wirkt. Das Buch beschließen zwei Kapitel über Tipps und Tricks und die Fehlerbeseitigung.

Der Käufer darf nicht erwarten, durch das vorliegende Buch tief in die Geheimnisse der Linux-Welt eingeführt zu werden, aber bei den ersten Schritten kann es ein zuverlässiger Begleiter sein.

Info 1

E. F. Engelhardt:

Lego für echte Kerle

Franzis Verlag, 2015

192 Seiten

25 Euro

ISBN: 978-3-645-60349-2

Info 2

Dirk Becker:

Linux Mint

Rheinwerk Computing 2015

428 Seiten

25 Euro

ISBN: 978-3-8362-3502-0

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