Aus Linux-Magazin 04/2015

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Prosody

© ninamalyna, 123RF

Der Chaos Computer Club, die Piratenpartei oder GMX und Web.de betreiben XMPP-Server – also will Kolumnist Charly Kühnast auch so ein Instant-Messaging-Backend. Er entscheidet sich für ein besonders schlankes und schnell aufblasbares Exemplar.

Prosody[1] ist ein schlanker, in Lua geschriebener XMPP-Server (Extensible Messaging and Presence Protocol, früher Jabber). Er beherrscht IPv6, verschlüsselten Transport und – in der Basiskonfiguration – sonst nicht viel mehr. Prosody lässt sich aber durch zusätzliche Module um fast beliebige Funktionen erweitern. Eine fast dreistellige Anzahl dieser Module steht zur Auswahl [2].

Zur Inbetriebnahme mit einer Grundkonfiguration reichen zwei Schritte: Ich lege mindestens einen Benutzer an und richte eine Domain ein. Beides ist schnell gemacht. Für meine ersten Gehversuche im heimischen Testnetz soll »example.com« als Domain herhalten, sie ist im Ernstfall schnell durch eine andere ersetzt. Den Benutzer lege ich mit dem Kommando

sudo prosodyctl adduser charly@example.com

an und trage ihn als Administrator in Prosodys zentrale Konfigurationsdatei »prosody.cfg.lua« ein. Sie residiert in der Regel unter »/etc/prosody/« , auf älteren Systemen eventuell auch direkt in »/etc« . Der Eintrag lautet:

admins = { "charly@example.com" }

Wer mag, der definiert mehrere Admins.

Domäne der Domain

Als Nächstes gilt es, die Domain Example.com zu beschreiben. Das passiert in älteren Versionen in der »prosody.cfg.lua« , die meisten aktuellen Prosodys lagern dies aber in zwei separate Verzeichnisse aus: »/etc/prosody/conf.avail« und »/etc/prosody/conf.d« .Unter »/etc/prosody/conf.avail« lege ich die Konfigurationsdatei »example.com.cfg.lua« an. Listing 1 zeigt, dass sie nur wenige Zeilen umfasst.

Das benötigte Dummy-Zertifikat für Example.com liefert in der Regel die Distribution mit. Es lässt sich später schnell gegen ein selbst erzeugtes oder erworbenes Zertifikat austauschen. Damit Prosody die neue Domäne erkennt, lege ich einen Symlink auf die Konfigurationsdatei im Verzeichnis »/etc/prosody/conf.d/« :

sudo ln -s /etc/prosody/conf.avail/example.com.cfg.lua /etc/prosody/conf.d/

Nach dem Neustart des XMPP-Servers mit »sudo service prosody restart« kann sich der Admin bereits am Server anmelden. Wer abschließend ein paar weitere Benutzer(innen)konten anlegt, darf die Lesebrille aufsetzen und in den Plauderabend starten – aber zackig!

Listing 1

example.com.cfg.lua

01 VirtualHost "example.com"
02   ssl = {
03           key = "/etc/prosody/certs/example.com.key";
04           certificate = "/etc/prosody/certs/example.com.crt";
05         }

Infos

  1. Prosody: https://prosody.im
  2. Add-on-Module für Prosody: https://code.google.com/p/prosody-modules/w/list

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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