Immer mehr Anwender arbeiten in der Cloud und jonglieren mit Accounts bei verschiedenen Anbietern. Diese Bitparade stellt vier Lösungen vor, um Webdienste mit einfachen bedingten Anweisungen zu verbinden und so Aufgaben und Workflows zu automatisieren.
Die Tweets zu populären Hashtags in einem Google-Spreadsheet sammeln, Evernote-Notizen oder Tickets aus einem CRM-System in den Google-Kalender eintragen, neue Fotos vom Smartphone bei Flickr oder Dropbox ablegen – die Einsatzmöglichkeiten von Automatisierungstools für die Cloud sind vielfältig. Mit den hier vorgestellten Programmen sparen Anwender Zeit, indem sie wiederkehrende Routinetätigkeiten auslagern und ihre Clouddienste zum Interagieren bringen.
Dabei schlagen die Testkandidaten unterschiedliche Wege ein. Einige verknüpfen einfach zwei Accounts miteinander, andere bilden komplexe Szenarien und Kettenreaktionen zwischen den Services ab. Huginn [1] und Bip.io [2] sind Open-Source-Lösungen. Während der erste Kandidat vollständig auf dem eigenen LAMP-Server läuft und ein grafisches Webinterface bietet, ist der zweite headless, benötigt also zusätzlich einen Account beim angeschlossenen Clouddienst und ist somit eine Mischform. Als reine Webanwendungen treten außerdem IFTTT [3] und Zapier [4] an. Huginn und Bip.io installierten die Tester unter Ubuntu 14.04 LTS, 64 Bit.
Huginn
Der erste Kandidat stammt aus dem Open-Source-Lager. Huginn [1] steht unter der MIT-Lizenz und ist in Ruby implementiert. Zur Installation auf dem eigenen Server sind neben Ruby und den Ruby-Entwicklungstools die Gems Rake und Bundle erforderlich. Die Tester spielten die Version vom 27. Januar 2015 aus dem Github-Repository ein und folgten der Anleitung unter »Quick Start« von der Projektseite.
Auf dem Server nutzten sie die Ruby-Standardversion aus den Ubuntu-Repositories. Der Testrechner verlangte zudem die Installation der Pakete »git« , »rubygem« , »mysql-server« , »libmysqlclient-dev« , »libmysqld-dev« , »build-essential« , »libssl« , »libssl-dev« , »autoconf« und »bison« . Eine Hilfestellung, um Huginn mit Apache oder Nginx zu betreiben, bietet das Wiki [5].
Admins kopieren die Vorlage der Konfigurationsdatei ».env.example« nach ».env« und passen das File im Texteditor an. Sie tragen dort einen Wert für die Variable »APP_SECRET_TOKEN« ein, hinterlegen den Domainnamen ihres Servers und definieren einen Server für ausgehende Mails. Für einige Dienste verwendet die Software die Oauth-Authenfizierung. Zugangsdaten für Twitter, Basecamp (noch unter seinem alten Namen 37 Signals gelistet), Github, Tumblr und Dropbox trägt der Admin ebenfalls in ».env« ein [6].
Die Huginn-Instanz ist in der Voreinstellung unter Port 3000 erreichbar. Nach dem Anmelden mit dem »admin« und »password« ändern Anwender ihr Kennwort. Danach wenden sie sich der Abteilung »Services« zu, um Huginn mit den in der Konfigurationsdatei hinterlegten Clouddiensten zu koppeln. Nicht alle Mitspieler brauchen diesen zusätzlichen Schritt, und für einige Tools trägt der Nutzer die Daten später in der Agenten-Konfiguration ein.
Agenten beobachten die Cloudanwendungen, sie können Ereignisse sowohl auslösen als auch empfangen. Diese Events versammelt die Software in dem gleichnamigen Menü, Anwender können sie an dieser Stelle einsehen, erneut ausgeben oder löschen. Huginn verknüpft also nicht zwingend ein Ereignis mit einer Handlung, sondern erlaubt es auch, die Agenten und Events unterschiedlich zu koppeln. Über »Agents | View Diagram« sehen Anwender die Beziehungen und Abhängigkeiten ihrer Agenten ein (siehe Abbildung 1).
Vermittlungsstelle
Huginn kooperiert mit Dropbox und FTP-Servern, mit dem Kollaborationstool Basecamp und der Publishing-Plattform Tumblr. Unterstützte Microblogging-Dienste sind Twitter und Sina Weibo; dazu gesellen sich die Chatprogramme Jabber, Hipchat und Twilio. Außerdem kommuniziert das Tool mit IMAP-Servern und den Smartphone-Push-Benachrichtigungsdiensten Pushover und Pushbullet. Mit dem Google Calendar arbeitet Huginn jedoch nur eingeschränkt zusammen und kann lediglich neue Termine anlegen, nicht aber auf vorhandene Einträge reagieren.
Hinzu kommen noch Wetter- und Webhooks-Agenten sowie solche, die Flugvergleichs- und Ticket-Webseiten sowie Busverbindungen nach den Vorgaben der Nutzer abgrasen. Andere Agenten verschicken E-Mails, beobachten Webseiten oder RSS-Feeds und werten die Ergebnisse grafisch aus.
Um einen neuen Agenten einzurichten, öffnet der Anwender »Agents | New Agent« . Zunächst sucht er aus dem Dropdownmenü einen Typ aus; erst danach erhält er Informationen, was der jeweilige Agent kann. Einige Vertreter können mit dem eingebauten Scheduler umgehen, manche empfangen Events von anderen. Um eine oder mehrere Quellen einzurichten, klickt der Anwender ins Feld »Sources« , Huginn unterbreitet dann Vorschläge (Abbildung 2).
Das Feld »Options« nimmt die Konfiguration auf. Welche Variablen und Werte erforderlich respektive erlaubt sind, verraten die hinterlegten Kurzbeschreibungen. Diese sind allerdings mal mehr und mal weniger ausführlich – in jedem Fall sollte der Benutzer technisches Grundverständnis und gute Englischkenntnisse mitbringen.
Huginn bietet ein einfaches Dashboard an. Das Interface ist allerdings nur in Ansätzen responsiv. Auf einem Smartphone-Bildschirm sind die Aufklappmenüs zudem nur schlecht zu bedienen. Alle eingerichteten Agenten erscheinen in einer langen Liste. Anhand des farbigen Buttons in der Spalte »Working« erkennen Benutzer sofort, ob ein Agent funktioniert oder nicht beziehungsweise ob er deaktiviert ist.
Mit einem Klick auf die Spaltenüberschrift sortieren Anwender die Liste nach dem letzten Check, dem letzten eingehenden und ausgehenden Event. Am oberen Rand erscheinen Hinweise auf neue Ereignisse sowie fehlgeschlagene Jobs. Die Protokolle erreichen Nutzer auch über das Menü »Account« .
Bip.io
Der zweite Kandidat steht als Open-Source-Anwendung für den eigenen Server unter der GPLv3 zur Verfügung. Der Server baut auf Node.js auf und benötigt außerdem die Datenbank Mongo DB, die Message-Broker-Software Rabbit MQ und den Mailserver Haraka. Da der Server headless ist, also ohne grafische Benutzeroberfläche kommt, benötigen Anwender zusätzlich einen kostenlosen Account beim Anbieter Bip.io [2].
Für den schnellen ersten Blick bietet der Hersteller einen Docker-Container zum Download an [7]. Alternativ folgen Admins der Anleitung im Wiki und installieren die Software von Hand. Die Tester schauten sich beide Varianten an, hielten Rücksprache mit den Entwicklern – und dennoch gelang es ihnen nicht, den Server erfolgreich mit dem Webinterface zu verheiraten.
Theoretisch hängen Nutzer unter »My Account« im Bereich »Session Mounts« die eigene Installation ein. Da dies fehlschlug, fanden alle weiteren Tests ausschließlich in der Cloud statt. Laut Aussage des Herstellers gibt es in puncto Look & Feel keinen Unterschied zwischen den beiden Varianten. Sie sicherten außerdem zu, mit Hochdruck an der Lösung des Problems zu arbeiten – beim Erscheinen dieses Artikels kann es also sein, dass die Kommunikation zwischen eigenem Bip.io-Server und dem Webdienst funktioniert.
Bip.io arbeitet mit den Speicherdiensten Dropbox und Google Drive, mit dem Notiztool Evernote, den Produktivitätstools Todoist und Idonethis, dem Projektmanagementtool Trello sowie mit dem Customer-Relationship-Management-Programm Zoho CRM zusammen. Im Test gelang die Verbindung zum Zoho-API allerdings nicht.
Als Publishing-Plattform unterstützt der Testkandidat Tumblr, außerdem die Fotodienste Flickr, Imgur und Instagram, und für Audio und Video stehen Soundcloud sowie Vimeo bereit. Twitter ist der einzige verfügbare Microblogging-Dienst und Facebook ist das einzige soziale Netzwerk.
Bip.io kooperiert außerdem mit einigen Chatsystemen und Kollaborationstools wie Hipchat, Kato, Slack und Twilio. Die Mail-Anbindung regelt Gmail und für den Newsletterversand sorgen Mailchimp und Mailgun. Push-Nachrichten an Smartphones erledigt Pushbullet. Während es nur eingeschränkten Zugriff auf den Google Calendar gibt, kommen zahlreiche Channels Entwicklern zugute: Stack Exchange, Stack Overflow, Github und ein Crypto-Channel.
Mittel und Wege
Nach dem Anmelden erreichen Benutzer über das Dashboard die verfügbaren Pods. Sie enthalten Vorlagen für Channels, die Zugriff auf den jeweiligen Clouddienst ermöglichen. Bei einigen Services funktioniert die Authentifizierung über zwei Klicks, bei anderen müssen Anwender in den Einstellungen des Dienstes einen API-Schlüssel generieren und im Bip.io-Interface hinterlegen. Die Übersicht zeigt auf der rechten Seite an, welche Channels bereits aktiviert (»available« ) sind und welche nicht (»needs activation« ).
Um einen Channel einzusetzen, klicken Benutzer auf einen aktivierten Eintrag und suchen dann aus einer Liste Emitter aus, das sind Bedingungen, die erfüllt sein müssen, oder Actions, das sind Aktionen, die Bip.io auslöst, sobald eine Bedingung erfüllt ist. Auf der linken Seite finden Benutzer auch eine Liste von fertig konfigurierten Channels (siehe Abbildung 3).
Danach wendet sich der Nutzer den Bips zu und klickt dafür auf das gleichnamige Menü. Bips dienen dazu, von den Channels Meldungen zu empfangen und Aktionen auszulösen, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind. Anwender können eigene Bips schaffen oder vom Entwicklerteam oder anderen Usern freigegebene als Vorlage verwenden. Nach dem Betätigen der Schaltfläche »Trigger« suchen sie einen der vorher eingerichteten Channels aus.
Danach wenden sie sich dem Bereich »Workflow« zu. Dort steht bereits ein Icon für den Channel. Anwender klicken mit der Maus darauf und ziehen einen Pfeil in eine beliebige Richtung. Im folgenden Dialog suchen sie einen Channel für die gewünschte Aktion aus und füllen danach das Formular aus. Hilfe erhalten sie, wenn sie in einem Feld [Strg]+[I] drücken (Abbildung 4).
In der Übersicht erscheinen eingerichtete Bips auf der linken Seite, ein Klick auf einen Eintrag öffnet erneut den Konfigurationsdialog. Im Bereich »Workflow« können Nutzer außerdem weitere Abzweigungen mit der Maus aufziehen, zusätzliche Channels einbinden und so ganze Kettenreaktionen erzeugen. Damit geht Bip.io einen ähnlichen Weg wie Huginn – die beiden Programme verbinden nicht einfach nur zwei Dienste wie IFTTT und Zapier, sondern ermöglichen komplexe Netze.
Auf den ersten Blick wirkt das Bip.io-Interface übersichtlich und das Zusammenstellen von Channels und Bips ist nahezu selbsterklärend. Das positive Bild relativiert sich allerdings, wenn viele Tools zusammenarbeiten sollen – das Navigieren zwischen den Abteilungen wird dann schnell zur Klickorgie.
Auf mobilen Geräten macht der zweite Kandidat ebenfalls keine allzu gute Figur. Responsive Ansätze sind zwar zu erkennen, aber nicht konsequent zu Ende geführt. Da eine eigene App für Smartphones fehlt, ist sinnvolles Arbeiten vom Telefon aus nicht möglich.

IFTTT
IFTTT [3] steht für “If This Then That” – die Software steuert einfache bedingte Anweisungen (“Wenn dies passiert, dann tue das”). Der Dienst ging 2010 an den Start und ist derzeit noch kostenlos. Eine Bezahlvariante hat das Unternehmen bereits angekündigt; inwiefern sich dieser Premiumzugang von der kostenlosen Version unterscheiden wird, ist noch nicht bekannt.
Die Anzahl der Tools, die der Dienst fernsteuern kann, ist in den vergangenen fünf Jahren beständig gewachsen. Über 160 Webanwendungen kooperieren inzwischen mit IFTTT, darunter finden sich Business- und Hosting-Plattformen, soziale Netzwerke, Onlineshops, Datenspeicher, Notizdienste, Produktivitätstools, Kollaborationsanwendungen und manches mehr.
Die unterstützten Cloudtools nennt IFTTT Channel. Ereignisse, die Aktionen auslösen, heißen Trigger, alles zusammen trägt die Bezeichnung Recipe. Nachdem der Anwender sich angemeldet hat, erreicht er die Channel-Liste über den gleichnamigen Menüpunkt. Ein Klick auf einen Eintrag öffnet eine kurze Erklärung, über die Schaltfläche »Activate« schaltet er den Dienst frei. Meist reicht es aus, die Login-Daten einzutragen; einige Channel verlangen außerdem einen Zugangsschlüssel, den Anwender beim jeweiligen Dienst finden.
Sobald die Verbindung steht, kann der Benutzer sein erstes Rezept entwickeln. Inspiration erhält er von den Einträgen anderer IFTTT-User. »Browse Recipes« führt zu einer vollständigen Liste mit einer Suchfunktion. Anwender sortieren diese nach den neuesten oder den beliebtesten Lösungen. Welche Aufgaben ein Channel erledigen kann, hängt von den zur Verfügung stehenden Triggern und Aktionen ab, die IFTTT weiter unten in der Channel-Beschreibung aufführt (siehe Abbildung 5). Ein Klick auf »Create a new Recipe« ruft den Einrichtungsdialog auf den Plan.
Bewährte Rezepte
Möchte ein Journalist beispielsweise Tweets zu einem bestimmten Thema sammeln und auswerten, bietet sich ein Recipe an, das die gefundenen Meldungen automatisch in eine Tabelle bei Google Drive einträgt. Nach Auswahl des Twitter-Channels entscheidet sich der Nutzer für »New Tweet from Search« .Ins nächste Feld trägt er den Suchstring ein. Über »Create Trigger« geht es weiter. Als Aktion sucht der Anwender Google Drive und dort »Add Row to Spreadsheet« aus. Er gibt der Tabelle einen Namen und definiert dann die Inhalte der Spalten. IFTTT hat schon Platzhalter für den Twitter-Nick, den Inhalt des Tweet, den Link zum Original-Tweet und das Datum eingetragen.
Klickt der Nutzer ins Feld hinein, sieht er die genaue Syntax der Variablen und Trennzeichen. Um neue Spalten für das Tabellenblatt zu definieren, fügt er zunächst über »|||« einen Trenner ein. Danach öffnet ein Klick auf das kleine Symbol oben rechts im Feld ein Dropdownmenü, das Zugriff auf weitere Zutaten bietet.
Um beispielsweise eine weitere Spalte einzurichten, die Code zum Einbinden der Tweets in ein Redaktionssystem enthält, wählt der Nutzer »TweetEmbedCode« und bestätigt über »Add Ingredient« . Zu guter Letzt trägt er im Feld »Drive folder path« den Pfad für Google Drive ein, vergibt einen aussagekräftigen Namen und schickt alles über »Create Recipe« ab.
Das IFTTT-Dashboard versammelt alle Rezepte unter »My Recipes« . Sehr lange Listen filtern Anwender über die Schaltfläche am oberen Rand nach Kanälen und Tags. Neben jedem Rezept befinden sich Buttons, die es anhalten, überprüfen oder bearbeiten. Außerdem erreichen Nutzer das Logfile. Informationen, wann das Rezept erstellt wurde, wann es zuletzt gelaufen ist und wie oft es insgesamt getriggert wurde (Abbildung 6).
Angerichtet
IFTTT schreibt keine Maximalanzahl eigener Rezepte vor. Lediglich die Verbindungen zu den Diensten unterliegen deren jeweiligen Begrenzungen. Dass der Teufel manchmal im Detail steckt, fiel den Testern bei einem Rezept auf, das einen Notruf von einem Android-Smartphone aus mit einer SMS an eine Vertrauensperson kombinieren sollte. Der Trigger sprang immer an, wenn eine 110 oder eine 112 im String standen – auch bei anderen Telefonnummern, die diese Ziffernfolge enthalten.
Zusammen mit den Anbietern Pushalot (Windows Phone) beziehungsweise Pushbullet oder Pushover für Android-Geräte und iPhones eignet sich IFTTT für den Einsatz in kleinen und großen Unternehmen. Verknüpft ein solches Unternehmen beispielsweise einen der Benachrichtigungsdienste mit dem Channel »Date & Time« , geht die Erinnerung an den jährlichen Winterreifenwechsel direkt an die Smartphones der Außendienstmitarbeiter. In Kooperation mit dem Google Calendar erinnern Abteilungsleiter ihr Team an wichtige Meetings und mit dem Wetter-Channel warnt die Hausverwaltung rechtzeitig vor möglichem Schneefall.
Die IFTTT-Oberfläche ist übersichtlich, verwendet ein responsives Design und macht damit auch auf Smartphones und Tablets etwas her. Alternativ installieren Anwender eine eigene IFTTT-App, die es sowohl für Android als auch für I-OS gibt. Dank einer flachen Lernkurve meistern auch weniger Technik-affine Anwender das System nach kurzer Einarbeitungszeit.
Zapier
Der vierte Kandidat erschien 2011 auf der Bildfläche. Zapier [4] ist ein kommerzieller Dienst mit Freemium-Modell. Die kostenfreie Variante ist auf fünf Zaps begrenzt – so heißen bei Zapier die Rezepte, also die Kombinationen aus Trigger und Aktion. Insgesamt stehen 100 Tasks pro Monat zur Verfügung; damit sind die Arbeitsgänge der Zaps gemeint, die tatsächlich eine Aktion auslösen und nicht nur prüfen, ob die Bedingungen des Triggers erfüllt sind. Social-Media-Manager, die ein Protokoll über versendete Tweets in einer Kalender-App führen, dürften hier schnell an ihre Grenzen stoßen.
Mit 20 Zaps und 3000 Tasks ist der Tarif Basic besser bestückt als der kostenlose. Er kostet 20 US-Dollar monatlich. Für 50 US-Dollar gibt es in der Variante Business 50 Zaps und 15 000 Tasks, Business Plus (75 US-Dollar) erlaubt 75 Zaps und 20 000 Tasks. Infrastructure heißt das teuerste Modell: 125 US-Dollar für 125 Zaps und 50 000 Tasks. Wer für ein ganzes Jahr im Voraus bucht, erhält einen Monat gratis.
Ab dem Tarif Business laufen die Zaps alle fünf Minuten, sonst nur alle 15 Minuten. Kosten für Teamaccounts oder größere Kontingente handeln Benutzer mit dem Anbieter aus. Anwender dürfen Zapier 14 Tage lang ohne Einschränkungen testen.
Dass die Zielgruppe die zahlende Geschäftskundschaft ist, spiegelt sich in den angebotenen Clouddiensten wider. Zapier unterstützt derzeit über 350 Anwendungen und sticht die Konkurrenz damit deutlich aus; einen thematisch sortierten Überblick mit Such- und Filterfunktionen bietet die Abteilung »Apps« auf der Webseite des Unternehmens.
Zusätzlich zu den von IFTTT offerierten Onlinespeichern Box, Dropbox, Google Drive und One Drive sind auch Amazon S3, Sugarsync und Brick FTP im Angebot. Über zwei Dutzend Produktivitäts- und Kollaborationstools finden sich zudem in der Liste, darunter neben Toodledo und Todoist auch Google Tasks, Kanban Tool, Redmine, Basecamp, Write, Trello und Sharepoint.
Businesspläne
Gut bestückt sind auch die Abteilungen Customer Relationship Management und Adressenverwaltung: Zapier versteht sich unter anderem mit Google Contacts, Highrise, Open ERP, Sugar CRM, Vtiger und Zoho CRM. Recherche- und Bookmarking-Apps sind dagegen mit Pinboard und Pocket etwas unterrepräsentiert. Ausgeglichen wirkt das Bild wieder bei den Publishing-Plattformen. Zu Blogger, Tumblr und WordPress gesellen sich Drupal, Joomla und Papyrs, dafür fehlt Storify. Ebenfalls vorhanden sind Verbindungen zu Youtube, Vimeo, App.net, Twitter und Sina Weibo. Dazu gesellen sich Instagram, Soundcloud, Facebook, Facebook Pages und Linkedin, Pinterest, Google+, Ning und Yammer.
Als einzige Kalenderanwendung ist Google Calendar mit dabei; dafür gibt es außer Google Mail auch die Möglichkeit, über den Dienst Outlook.com Aktionen über elektronische Post zu starten. Eine breite Palette von Businesssoftware, darunter Buchhaltungstools wie Accounting Suite und Fresh Books, Supportplattformen wie Zendesk, Zeiterfassungen wie Toggl und E-Commerce-Anwendungen wie Magento beweist, dass Zapier seinen Schwerpunkt eindeutig anders setzt als der direkte Konkurrent IFTTT.
Selbst Automatisierungssysteme wie Garageio, Philips Hue und Geräte von Wemo bezieht dieses Konzept ein. Wer nach einer Möglichkeit sucht, Datenbanken wie MySQL und PostgreSQL mit Onlinediensten zu verheiraten, ist bei Zapier ebenfalls bestens aufgehoben.
Um eigene Zaps anzulegen, klicken Anwender auf »Make a Zap« . Sie wählen als Erstes einen Trigger und ein Ereignis aus dem darunterliegenden Dropdownmenü aus. Danach entscheiden sie sich rechts für die kooperierende App; deren Aufklappmenü bietet nun dazu passende Aktionen an (Abbildung 7). Über »Continue« geht’s weiter, Benutzer verknüpfen nun die Kontos der externen Dienste mit Zapier. Je nach Anbieter sind dazu Benutzernamen und Passwort oder zusätzliche API-Schlüssel notwendig.
Ein Klick auf »Test this Account« prüft nach, ob alle Einstellungen korrekt sind. Im vierten Schritt definieren Nutzer optional Filter für ihre Trigger. Zapier nimmt dazu erneut Kontakt zu dem externen Service auf und stellt passende Funktionen zur Verfügung. Ganz zum Schluss testen Anwender den Zap und vergeben einen Namen.
Die Weboberfläche listet alle Zaps untereinander auf – zuerst die aktiven, dann die abgeschalteten. Über einen kleinen Schieberegler schalten die Anwender Kooperationen bequem ein und aus. Der kleine Pfeil am rechten Rand neben einem Eintrag klappt zudem ein Menü aus, das Funktionen enthält, die einen Zap manuell ausführen, bearbeiten, umbenennen, kopieren, löschen und mit anderen teilen.
Letzteres öffnet einen Dialog, in dem Nutzer unter anderem eine Beschreibung eintragen und erfahren, dass der Anbieter ihnen für jeden veröffentlichten Zap 50 Tasks pro Monat schenkt (siehe Abbildung 8). Die Protokolle zu den einzelnen Zaps sind ebenfalls über das Aufklappmenü erreichbar. Wer mindestens den Basic-Tarif verwendet, kann die Logs ins CSV-Format exportieren.
Während sich IFTTT-Kunden über Apps für mobile Geräte freuen, warten Zapier-Nutzer noch auf eine direkte Zusammenarbeit mit Android und I-OS. Die Weboberfläche hat allerdings ein responsives Design und wirkt auch auf kleinen Displays ausgezeichnet. Die Benutzerführung beim Anlegen neuer Zaps gefällt gut. Ein etwas höherer Lernaufwand ergibt sich lediglich durch die Fülle an Apps, daher braucht es etwas Zeit, bis Anwender alle Trigger und Aktionen erfasst haben.
Teamwork
Huginn ist zugleich das mächtigste und das schwächste Tool im Test. Das Konzept, mehr als zwei Dienste miteinander zu verknüpfen, ist grundsätzlich zwar großartig. Derzeit spielen allerdings noch nicht besonders viele Cloudanwendungen miteinander. Das Programm richtet sich eindeutig an technisch versierte Benutzer, außerdem sind Ruby-Kenntnisse für die Installation auf dem eigenen Server von Vorteil.
Admins müssen sich darüber hinaus oft mit den APIs der externen Services und der Oauth-Authentifizierung herumschlagen. Die Dokumentation ist zwar weitgehend vollständig, eignet sich aber nicht für Einsteiger. Huginn dürfte zudem bei Rück- und Fehlermeldungen ruhig etwas auskunftsfreudiger sein.
Entwickelt sich die Open-Source-Software allerdings im gleichen Tempo weiter und findet eventuell noch weitere Mitstreiter, die Agenten beisteuern, könnte sie sich zum absoluten Killertool für die Cloudautomatisierung mausern.
Auch Bip.io fehlen noch Funktionen und Features, bis die Software als ernsthafte Konkurrenz für IFTTT und Zapier antreten kann – auch wenn sie ebenfalls komplexere Prozesse abbildet. Während dieser zweite Open-Source-Vertreter Huginn in puncto Usability abhängt und auch deutlich intuitiver zu bedienen ist, unterstützt das Tool aber noch zu wenige Trigger und Aktionen.
Auch die aktuelle Codequalität und der Zustand der Dokumentation überzeugten die Tester nicht. Damit Bip.io-Installationen auf dem eigenen Server zuverlässig mit dem Cloudinterface des Anbieters zusammenarbeiten können, ist noch einiges an Arbeit nötig.
IFTTT eignet sich für Privatanwender und Social-Media-Manager, hilft aber auch Studenten und Journalisten beim Recherchieren zu aktuellen Themen. Der kostenlose Webdienst schwächelt bei den Businessanwendungen etwas. Die Tester vermissten beispielsweise Anbindungen an CRM- und Projektmanagement-Systeme. Gut gefällt hingegen die Möglichkeit, eigene Rezepte für die Community freizugeben – so muss niemand das Rad neu erfinden. IFTTT punktet ebenfalls, wenn es darum geht, Aktionen auf Mobilgeräten auszulösen, oder wenn Automatisierungshardware ins Spiel kommt.
Zapier überzeugt vor allem mit einem umfassenden Angebot von Produktivitäts- und Businessanwendungen. Der Dienst erfüllt damit auch die Bedürfnisse von kleinen und mittleren Unternehmen. Für den Einzelkämpfer oder Gelegenheitsnutzer, der lediglich nach etwas mehr Bequemlichkeit in der Cloud sucht, ist Zapier schlicht zu teuer.
Infos
- Huginn: https://github.com/cantino/huginn
- Bip.io: https://bip.io
- IFTTT: https://ifttt.com
- Zapier: https://zapier.com
- Huginn-Wiki: https://github.com/cantino/huginn/wiki
- Oauth-Konfiguration: https://github.com/cantino/huginn/wiki/Configuring-OAuth-applications
- Bip.io mit Docker: https://github.com/bipio-server/bipio/wiki/BipIO-Docker













