Aus Linux-Magazin 03/2015

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Pulse

Abbildung 1: Das Webinterface von Pulse zeigt sich modern und aufgeräumt – hier am Beispiel einer Status-Seite.

Die widerstandsarme Gleichschaltung, die Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast gleich ungeniert propagiert, erscheint weniger radikal, wenn man erfährt, worum es ihm geht: Er will mit einem freien Tool Nutzerdaten auf mehreren Rechnern synchron halten.

Über Methoden, Dateien zwischen zwei oder mehr Rechnern synchron zu halten, habe ich an dieser Stelle bereits berichtet. Bittorrent Sync ([1], [2]) etwa erledigt den Job super, ist aber nicht Open Source. Mit Pulse [3] klopft nun ein GPLv3-Tool an die Tür aller Datenduplizierer. Es ist ein Fork von Syncthing [4] und trotz seines Betastatus beliebt.

Die Software steht außer für Linux auch für Open und Net BSD, OS X, Windows und Android bereit. Unter den Linux-Clients sind auch welche für ARMv5, -v6 und -v7 dabei, sodass Pulse auch auf dem Raspberry Pi und seiner Verwandtschaft läuft. Die Kommunikation zwischen den Rechnern sichert TLS-Verschlüsselung mit Perfect Forward Secrecy ab.

Beim ersten Start erzeugt Pulse Schlüssel und Zertifikate, legt das »~/sync« -Verzeichnis an und startet einen Webserver auf Port 8080, über den die weitere Konfiguration erfolgt. Das Webinterface wirkt aufgeräumt und durchdacht, was ich von einer Betaversion nicht erwartet habe (siehe Abbildung 1).

Unter »Einstellungen | ID anzeigen« präsentiert es eine 46-stellige Zeichenkette, die den SHA-256-Hash des Zertifikats darstellt. Die Zeichenkette, die das GUI dankenswerterweise auch als QR-Code anzeigt, identifiziert den Knoten im Netz. Denn genau wie Bittorrent Sync benutzt Pulse ein Peer-to-Peer-Protokoll und kommt ohne dedizierten Master aus.

Abbildung 1: Das Webinterface von Pulse zeigt sich modern und aufgeräumt – hier am Beispiel einer Status-Seite.

Abbildung 1: Das Webinterface von Pulse zeigt sich modern und aufgeräumt – hier am Beispiel einer Status-Seite.

Wege der Partnersuche

Durch Austausch des Hashwerts zwischen den teilnehmenden Rechnern finden sich die Peers im LAN automatisch. Das ist besonders in Netzen praktisch, in denen die Rechner vom DHCP-Server mal diese, mal jene IP-Adresse bekommen. Auch das Synchronisieren übers Internet ist möglich – passende (D)DNS- und Routerkonfiguration vorausgesetzt. Hierbei fragen Teilnehmer einen globalen Announce-Server nach den aktuellen Namen oder IP-Adressen ihrer Peers. Übertragene Daten bekommt dieser Server natürlich nicht zu Gesicht.

Abgelegte Dateien versioniert Pulse auf Wunsch. Dabei bewahrt es entweder eine festgelegte Anzahl Versionen auf, üblich sind fünf, oder es versioniert stufenweise und speichert die Daten retrospektiv in länger werdenden Zeitabschnitten bis zum definierten Höchstalter.

Bittorrent Sync benutzt eleganterweise den Inotify-Mechanismus, um sich über geänderte Daten im zu synchronisierenden Verzeichnis zu informieren. Pulse dagegen scannt das Verzeichnis zyklisch, alle 60 Sekunden per Default. Ich hoffe sehr, dass Inotify-Unterstützung noch Einzug in Pulse hält, denn dann geht Bittorrent Sync bei mir in Rente.

Infos

  1. Bittorrent Sync: http://www.getsync.com
  2. Kristian Kißling, “Dateien verteilen mit Bittorrent Sync”: Linux-Magazin 08/13, S. 54
  3. Pulse: https://ind.ie/pulse/
  4. Syncthing: http://syncthing.net

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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