Ein Buch über Mini-Projekte für den Raspberry Pi, geschrieben von zwei bekannten Autoren der Szene, die seit einiger Zeit mit interessanten Pi-Basteleien um die Welt tingeln. Ein zweites will den Leser für Experimente mit 3-D-Druckern begeistern.
Der Begriff “Hacks” im Titel ist vielleicht etwas ungeschickt gewählt, Tipps oder Tricks hätten besser gepasst. Auf über 300 Seiten stellen die Autoren von “Raspberry Pi Hacks” verschiedenste Mini-Projekte um den Raspberry Pi vor. Darunter einfache wie das Einbinden der SD-Karte oder den Zugriff per SSH. Am anderen Ende des Spektrums stehen das Steuern eines Lego-Roboters, die Interaktion mit einem 3-D-Drucker oder der Aufbau eines Beowulf-Clusters mit dem ARM-Zwerg.
Das Buch teilt sich in sechs Kategorien: interessante Konfigurationen, Linux-Hacks, Projekte für drinnen und solche für draußen, der Multimedia-Pi und Erweiterungen für den Mini-Rechner. Summa summarum 64 so genannte Hacks stellen die Autoren vor.
Vielfältige Einblicke
Der Umgangston des Buches ist recht locker mit einer guten Prise Geek-Humor. Die Lektüre ist etwas gewöhnungsbedürftig. Zu oft und zu dominant ist der Haupttext durch Neben- und Randbemerkungen unterbrochen. Etwas mehr Farbe, besonders bei den Abbildungen, wäre ebenfalls nützlich, Schwarz-Weiß-Fotos sind nicht mehr zeitgemäß. Gut gelungen ist die Darstellung der Kommandos. Die Autoren hegen den Anspruch, auch Linux-Anfänger nicht im Regen stehen zu lassen – es gelingt ihnen. Jeder Hack ist außerdem in sich abgeschlossen. Falls notwendig, gibt es einen expliziten Verweis auf andere Kapitel.
Die Bandbreite der Themen erweist sich als enorm und bietet ausreichend Material für jeden Pi-Fan. Python-Hacker kommen genauso auf ihre Kosten wie Freunde des Lötkolbens. Der Preis von knapp 28 Euro streift eine Schmerzgrenze. Mehr dürfte das Buch nicht kosten. Viele Sachen könnte der potenzielle Leser per Recherche auch im Internet finden. Das Buch erspart einige Stunden des Suchens und Herumklickens und erlaubt einen breitgefächerten Einblick in die Pi-Welt.
Info
Ruth Suehle, Tom Callaway:
Raspberry Pi Hacks
O’Reilly, 2014
384 Seiten
28 Euro
ISBN: 3955616320
Pioniergeist gefragt
Mit der aufkommenden 3-D-Drucktechnik will das zweite Buch auf praktische Weise Leser ohne Vorkenntnisse vertraut machen. Nach einer Einführung geht das zweite Kapitel auf die Frage ein, ob man seine Druckexperimente lieber mit eigenem Equipment oder mit einem Druckdienstleister starten soll. Gerätepreise von deutlich über 1000 Euro selbst in der Heimanwenderklasse werden die Frage für viele beantworten. Das dritte Kapitel demonstriert den Weg zu einem Druckobjekt im Schnelldurchlauf.
Es schließt sich mit Kapitel vier eine eingehendere Betrachtung der technischen Einzelheiten eines Druckers an. Kapitel 5 greift die Frage auf, wie der Interessierte zu einem 3-D-Modell kommt – beispielsweise über einen 3-D-Scanner. Alternativ kann er das Modell von Grund auf neu konstruieren. Dieses Verfahren erläutert Kapitel 6. Um die Weiterverarbeitung und Veredlung gedruckter Objekte geht es in Kapitel 7. Ein Anhang behandelt Rechtsfragen (Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht und so weiter).
Der Stil ist stellenweise etwas weitschweifig. Auch lässt sich der Autor hier und da von der eigenen Begeisterung zu Aussagen hinreißen, die bei nüchterner Betrachtung nicht ganz plausibel erscheinen. So soll beispielsweise der Ausdruck eines Hakens für Handtücher die “außerordentliche Zweckmäßigkeit” eines 3-D-Druckers belegen.
Allein: Ehe man einen solchen Haken mit einem CAD-Programm entworfen und das Modell zu einem 3-D-Druckdienstleister transferiert hat, ehe der es realisiert und zurückgesandt hat, bekäme man etwas Vergleichbares aus Großserienfertigung sehr viel einfacher, schneller, billiger und besser (was etwa die Farbauswahl angeht) und könnte dabei auch noch aus dem Vollem schöpfen: Amazon findet zum Stichwort “Haken” über 130000 Suchergebnisse.
3-D-Druck ist sicher ein spannendes und zukunftsweisendes Thema. Wer sich damit beschäftigen will, findet in dem vorliegenden Buch eine verständliche und umfassende Einführung. Nur von einem momentan bereits günstigen Aufwand-Nutzen-Verhältnis konnte das Buch den Rezensenten nicht überzeugen.







