Virtuelle Server zu erschwinglichen Preisen gibt es an jeder Ecke. Die Verträge haben in der Regel jedoch eine feste Laufzeit und auf die Bereitstellung warten Kunden mindestens ein paar Stunden. Wer schnell einen Server mit einem flexiblen Zahlungsmodell benötigt, findet in dieser Bitparade vier Vorschläge.
Skalierbare virtuelle Server, die kurzfristig zur Verfügung stehen und keine oder zumindest wenig Kosten verursachen, wenn sie abgeschaltet sind – das wünschen sich viele Kunden. Die meisten Zahlungsmodelle der Hostingfirmen sind nicht flexibel genug und feste Monatspreise, Flatrates, Prepaid-Verträge oder lange Laufzeiten sind üblich. Die Bitparade stellt daher vier Anbieter vor, deren Cloud anpassungsfähig ist.
Im Test treten Amazon EC2 [1], Google Compute Engine [2], Jiffybox [3] und Microsoft Azure [4] gegeneinander an. Die Tester entschieden sich für diese vier Kandidaten, da deren Angebot online buchbar ist und keinen gesonderten Schriftverkehr erfordert. Die beim Registrieren hinterlegten Daten sind lediglich für die Abrechnung oder Strafverfolgung notwendig. Die Gebühren richten sich nach der tatsächlich erbrachten Leistung, also etwa der Größe der VM, Anzahl der CPUs und des Arbeitsspeichers.
Keiner der vorgestellten Dienste verlangt eine längerfristige Bindung oder hat eine feste Laufzeit, alle Testzugänge waren nach wenigen Minuten eingerichtet. Genauso flott standen die virtuellen Server bereit. Alle Kandidaten benötigen nur wenige Minuten, um eine neue VM zu konfigurieren und freizuschalten.
Amazon EC2
Die Amazon Elastic Compute Cloud, kurz EC2 [1], gehört zu den Amazon Web Services (AWS), die der Onlinehändler seit 2006 anbietet. Der erste Kandidat gilt damit als Pionier der Cloudcomputing-Branche. Die Preisgestaltung wirkt auf den ersten Blick unübersichtlicher als Mobilfunktarife, ist dafür allerdings auch äußerst flexibel. Die anfallenden Kosten richten sich unter anderem nach der Region, in der sich die Rechenzentren befinden. Anwender wählen aus acht Gegenden aus: USA Ost, USA West (Oregon), USA West (Nordkalifornien), EU (Irland), Asien-Pazifik (Singapur), Asien-Pazifik (Tokio), Asien-Pazifik (Sydney) und Südamerika.
Amazon bezieht in die Berechnung außerdem die Ausstattung (Prozessoranzahl, RAM und Festplattengröße), das Betriebssystem und die Uptime mit ein. Hinzu kommen Kosten für den Traffic und optionale Dienste wie zusätzliche IPs, den Monitoringdienst Amazon Cloud Watch oder das Elastic Load Balancing auf mehreren EC2-Instanzen. Eingehender Datenverkehr ist in der Regel kostenfrei, den ausgehenden berechnet das Unternehmen erst nach dem ersten Gigabyte und Traffic zwischen Instanzen in unterschiedlichen Amazon-Regionen an beiden Enden.
Amazon EC2 hat verschiedene virtuelle Server, so genannte Instanzen, im Angebot. Neben der Standardvariante On-Demand, die ohne langfristige Bindung und daher für diesen Test relevant ist, gibt es Reserved-Instanzen mit einer festen Laufzeit und Spot-Instanzen, bei denen Anwender auf überschüssige EC2-Ressourcen bieten und diese zu deutlich günstigeren Konditionen ersteigern können. Alle Instanztypen sind für unterschiedliche Anwendungsfälle optimiert und mit verschiedenen Hardwarekomponenten ausgestattet. Es gibt sie zudem in mehreren Größen, sodass Benutzer sehr flexibel die benötigten Ressourcen zusammenstellen dürfen.
Der Anbieter erläutert seine Tarife detailliert unter [5]; dort sind Nettopreise gelistet, es fallen zusätzlich die jeweils geltenden Steuern und Abgaben an. Die Abrechnung erfolgt pro angebrochene Stunde vom Start bis zur Kündigung beziehungsweise bis zum Beenden einer Instanz.
Die günstigste On-Demand-Instanz des Typs »t2.micro« mit einem freien Linux-AMI (Amazon Machine Image, das ist die hauseigene Red-Hat-basierte Linux-Variante) in der Region USA Ost kostet 1,5 US-Cent pro angefangene Stunde. Die größte Linux-Instanz namens »hs1.8xlarge« schlägt mit 5,47 US-Dollar zu Buche. Weitere Varianten sind Red Hat Enterprise Linux (8,7 US-Cent für »t2.micro« , 5,63 US-Dollar für »hs1.8xlarge« ) und Suse Linux Enterprise (2,7 US-Cent für »t2.micro« , 5,59 US-Dollar für »hs1.8xlarge« ).
Anwender finden unter [5] auch einen Monatsrechner, mit dem sie die voraussichtlich anfallenden Kosten kalkulieren können. Auf der Seite gibt es zudem einen Link zum kostenlosen Schnupperangebot. Ein Jahr lang dürfen Neukunden eine »t2.micro« -Instanz mit der freien Linux-AMI bis zu 750 Stunden pro Monat kostenfrei testen. Zum Registrieren des Testaccounts ist eine gültige Kreditkarte erforderlich.
Schaltzentrale
Nach dem Anmelden finden sich Benutzer in der AWS Management Console wieder, die Zugriff auf alle Ressourcen und damit auch das EC2-Dashboard bietet. Oben rechts neben dem Accountnamen wählen sie zunächst die gewünschte Region aus. Auf der Übersichtsseite sehen sie anschließend die dort genutzten Ressourcen und deren Status. Auch allgemeine Hinweise, etwa zu geplanten Wartungsarbeiten, sind dort untergebracht. Über den prominenten blauen Button »Launch Instance« oder das Menü auf der linken Seite erzeugt der Nutzer einen neuen virtuellen Server.
Im ersten Schritt wählt er ein Amazon Machine Image (AMI) aus. Neben diversen Microsoft-Windows-Server-Varianten stehen folgende hardware- (HVM) und paravirtualisierte (PV) Linux-Distributionen bereit: Amazon Linux AMI 2014.03.2 (HVM und PV, 64 Bit), Red Hat Enterprise Linux 7.0 (HVM, 64 Bit), Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 (HVM, 64 Bit), Ubuntu Server 14.04 LTS (HVM, 64 Bit), Red Hat Enterprise Linux 6.5 (PV, 32 und 64 Bit), Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 (PV, 32 und 64 Bit), Ubuntu Server 14.04 LTS (PV, 32 und 64 Bit).
Danach wählt der Anwender Typ und Größe der Instanz, die er danach mit »Review and Launch« theoretisch sofort booten kann. Diese Abkürzung empfiehlt sich allerdings nur, wenn bereits so genannte Security Groups eingerichtet sind, die es vor der Inbetriebnahme zuzuweisen gilt. Sie bestimmen, über welche Ports die Instanz von außen erreichbar ist, dienen also als eine Art virtuelle Firewall.
Alternativ geht es Schritt für Schritt weiter. Am Ende zeigt das Dashboard eine Zusammenfassung, über »Launch« bestätigt der Anwender seine Auswahl. Sofern er noch keinen Public Key für SSH hinterlegt hat, kann er ein Schlüsselpaar erzeugen und herunterladen (Abbildung 1). Auf der Übersichtsseite erscheinen nun die Details der laufenden Instanz, darunter auch die IP-Adresse und ein relativ kryptischer öffentlicher Hostname.
Leider fehlt ein Hinweis auf den Benutzernamen, der zum Login per SSH erforderlich ist. Gut versteckt in der Dokumentation steht, dass dieser für Amazon-AMIs »ec2-user« lautet; für Red-Hat-Systeme gilt entweder »root« oder ebenfalls »ec2-user« , für Ubuntu heißt der Account »ubuntu« und für Suse-VMs »root« .
Arbeitsorganisation
Über »Instances« erzeugen Anwender das Image einer aktiven Instanz. Dazu wählen sie einen Eintrag in der Liste aus und öffnen aus dem Dropdownmenü »Actions« den Punkt »Create Image« . Im folgenden Dialog tragen sie einen Namen und eine Beschreibung ein, fügen optional weitere Laufwerke hinzu – und nach wenigen Minuten hat das System eine Kopie erstellt, die nun beim Anlegen neuer VMs zur Verfügung steht.
Im AWS-Marketplace [6] gibt es außerdem fertige Images mit vorinstallierter Software zu kaufen. Wer hier nicht fündig wird, kann sein AMI auch komplett selbst zusammenstellen. Das ist allerdings alles andere als trivial, der Aufwand lohnt erst bei exotischen Betriebssystemen und sehr speziellen Anforderungen. Die EC2-Dokumentation [7] enthält wertvolle Hinweise, und Projekte wie Packer [8] helfen dabei, Maschinen-Images für die EC2-Plattform zu generieren.
Benötigt ein Team Zugriff auf EC2-Instanzen, bietet Amazon über das Identity and Access Management (»Services | IAM« ) eine ausgefeilte Benutzerverwaltung. Über Policy Templates definiert der Verwalter, wie viele Rechte jemand erhält: »Full Access« , »Reports Access« oder »Read Only« . Reichen diese drei Abstufungen nicht aus, kann der Admin über Rollen und Gruppen den Zugriff für einzelne Nutzer und ganze Abteilungen flexibel gestalten.
Amazon bemüht sich den Dienst so sicher wie möglich zu machen. Im EC2-Dashboard erreichen Anwender über die linke Spalte den Elastic Block Store, der die Daten einer Instanz in einem Network Attached Storage speichert. Hier gibt es auch die Möglichkeit, Snapshots und Backups anzulegen und über den AWS-Dienst Cloud Watch die eigenen Ressourcen zu überwachen. Eine Alarmfunktion benachrichtigt den Admin per Mail, falls ein bestimmter Schwellenwert überschritten ist (Abbildung 2).
Auch wenn die Verfügbarkeit laut Amazon bei 99,95 Prozent liegt, schließt das Unternehmen in der Kundenvereinbarung eine Haftung bei Ausfällen aus. Eine Instanz läuft immer nur in einer Region. Geht diese vom Netz, arbeitet die Instanz nicht einfach in einer anderen Region weiter. Ein fast zweitägiger Ausfall im Jahr 2011 zeigte, dass auch eine große Firma wie Amazon nicht unverwundbar ist.
Google Compute Engine
Auch in den Google-Rechenzentren können Anwender virtuelle Maschinen anmieten. Die Google Compute Engine [2] ging 2012 an den Start, nach einer Testphase steht der Dienst seit Ende 2013 der Allgemeinheit zur Verfügung. Das Unternehmen bietet eine flexible Auswahl an Server- und Speichergrößen an; die Preisliste ist allerdings etwas übersichtlicher als bei Amazon. Anwender wählen aus vier Maschinentypen: Standard, großer Speicher, leistungsfähige CPU und gemeinsam genutzter Kern (für Aufgaben, die keine umfangreichen Ressourcen erfordern, aber über längere Zeiträume online bleiben müssen). Auch Google hostet in mehreren Regionen: USA, Europa und asiatisch-pazifischer Raum (APAC).
In der Kategorie »Shared-core« finden sich die beiden preiswertesten Angebote. Der Typ »f1-micro« mit einer virtuellen CPU und 0,6 GByte Speicher kostet 1,3 US-Cent pro Stunde in der US-Zone, 1,4 US-Cent in der europäischen Region und im asiatisch-pazifischen Raum. Der leistungsstärkste Typ »n1-highmem-16« bietet 16 virtuelle Kerne, 104 GByte Speicher und kostet pro Stunde 1,31 (USA) beziehungsweise 1,44 US-Dollar (Europa, APAC).
Google stellt mindestens 10 Minuten in Rechnung; danach geht’s im Minutentakt weiter. Dazu kommen gegebenenfalls Kosten für Traffic, Image- und Snapshotspeicherung. Die Preisliste unter [9] gibt detailliert Auskunft und erläutert auch Rabatte, die der Hersteller ab einer gewissen Nutzungsdauer gewährt. Wer anfallende Kosten im Voraus kalkulieren möchte, kann dies unter [10] tun. Ein einjähriges Schnupperangebot wie bei Amazon gibt es nicht.
Wer noch keinen Google-Account hat, registriert sich kostenlos beim Hersteller und meldet sich bei der Google Developer Console [11] an. Über »Create Project« geht es weiter. Danach wendet sich der Nutzer der Abteilung »APIs & auth« zu, wählt »APIs« und aktiviert den Eintrag »Google Compute Engine« . Bevor er seine erste Instanz einrichtet, trägt er unter »Billings & settings« eine Rechnungsanschrift und Kreditkartendaten ein. Über »Compute | Compute Engine | VM Instances« erzeugt der Anwender eine neue virtuelle Maschine. Er trägt einen Namen ein, entscheidet sich für eine Zone und die Größe.
Im Dropdownmenü »Image« stehen zehn Linux-Systeme zur Wahl, darunter diverse Community-Distributionen wie Debian (mit und ohne Backports), Centos und Open Suse. Ebenfalls im Angebot sind der Chrome-OS-Fork Core OS und die beiden Bezahlvarianten Red Hat Enterprise Linux und Suse Linux Enterprise.
Google bezeichnet diese beiden als Premium Operating Systems, denn es fallen zusätzliche Kosten an, die sich nach dem Maschinentyp richten. Für RHEL-Systeme auf Instanzen mit weniger als acht Kernen berappen Anwender 6 US-Cent pro Stunde extra, bei acht Kernen und mehr 13 US-Cent. Die Abrechnung geschieht stundenweise.
SLES-Images kosten 2 US-Cent pro Stunde für die beiden Typen »f1-micro« und »g1-small« ; alle anderen Maschinen schlagen mit 11 US-Cent zu Buche. Anders als bei RHEL rechnet der Anbieter hier wieder im Minutentakt ab, wobei mindestens 10 Minuten anfallen.
Derzeit nur als Preview verfügbar sind Windows-Images (Windows Server 2008 R2 Datacenter Edition), die in den Varianten »f1-micro« und »g1-small« 2 US-Cent pro Stunde kosten. Der Preis für die anderen Instanzen richtet sich nach den Kernen (4 US-Cent pro Stunde und Kern, minutenweise Abrechnung mit 10 Minuten mindestens).
Entwicklungsprozess
Auf der Übersichtsseite der Instanz sind am oberen Rand Schaltflächen, über die Anwender die VM neu starten, klonen oder löschen. Der Button »SSH« baut eine SSH-Verbindung zur Instanz direkt im Browserfenster auf (Abbildung 3). Um von einem Terminalfenster des Linux-Desktops oder einem anderen SSH-Client aus auf die VM zuzugreifen, installieren Anwender das Tool Gcloud Compute, wie in der Anleitung beschrieben [12]. Zunächst authentisieren sie es bei der Google-Cloud-Plattform mit dem folgenden Befehl:
gcloud auth login
Im Browserfenster bestätigen sie die Verknüpfung mit dem Google-Konto. Das Dropdownmenü in der Instanzenübersicht zeigt das vollständige »gcloud« -Kommando, das Benutzer auf der Shell eingeben. Das Tool erzeugt beim ersten Aufruf das SSH-Schlüsselpaar »~/.ssh/google_compute_engine« und »~/.ssh/google_compute_engine.pub« (siehe Abbildung 4). Warum der Umweg über »gcloud« -Befehle nötig ist und das Anlegen von SSH-Schlüsseln nicht direkt beim Erzeugen der Instanzen passiert, bleibt unklar.
Eigene Images zu erstellen ist prinzipiell möglich, aber aufwändig. Die Images laden Benutzer als Tar-Archiv in einen Google-Cloud-Storage-Bucket. Auf Github stellt der Anbieter Skriptsammlungen zur Verfügung, die bei dieser Aufgabe helfen [13]. Ein Blick ins Handbuch [12] ist unbedingt ratsam.
Die Benutzerverwaltung befindet sich im Dashboard oben links unter »Permissions« . Google kennt drei Accounttypen: »Is owner« , »Can edit« und »Can view« . Während der Eigentümer Projekteigenschaften verändern und Teammitglieder bestimmen darf, können Mitglieder der zweiten Gruppe immerhin noch Projekte bearbeiten, alle anderen besitzen nur Leserechte. Neben der erwähnten Möglichkeit, Instanzen zu klonen, erzeugen Nutzer unter »Compute Engine | Snapshots« Momentaufnahmen ihrer virtuellen Maschinen, die sie auch in eine andere Region umziehen können. Google verspricht genau wie Amazon eine Verfügbarkeit von 99,95 Prozent.
Jiffybox
Der dritte Kandidat hostet in deutschen Landen. Jiffybox [3] ist ein Cloudservice der Ismaninger Firma Domainfactory und seit Frühjahr 2010 verfügbar. Die Bayern versprechen eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent. Anwender wählen aus insgesamt fünf Kategorien, so genannten Cloudlevel, aus. Die Preisliste [14] führt die Kosten inklusive Mehrwertsteuer auf. Der kleinste Server bietet 2 GByte Arbeitsspeicher, 75 GByte Festplattenplatz und drei CPUs. Er schlägt mit 2 Eurocent pro Stunde zu Buche. Cloudlevel 5 ist die teuerste Variante, enthält 32 GByte Arbeitsspeicher, eine 700 GByte große Festplatte sowie acht Kerne und kostet den Kunden 25 Cent pro Stunde. Alle fünf Ausführungen gibt es auch mit SSD-Festplatten, die etwas kleiner ausfallen (2,5 bis 30 Cent pro Stunde).
Anders als die anderen Kandidaten berechnet Domainfactory auch eingefrorene Instanzen. Die Kosten liegen zwischen 0,5 Cent (Cloudlevel 1) und 4 Cent (Cloudlevel 5) pro Stunde. Die Abrechnung erfolgt immer im Sekundentakt. Zusätzliche IP-Adressen sind für rund 10 Euro erhältlich, den Traffic berechnet das Unternehmen nicht. Gut gefällt den Testern die automatische Kostenbegrenzung, die Anwender über das Kontrollzentrum aktivieren. Das Unternehmen benachrichtigt seine Kunden per Mail oder friert die Instanzen ein, wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht ist.
Interessierte Anwender können Jiffybox 24 Stunden kostenlos testen, müssen aber während dieser Zeit mit einigen Einschränkungen leben. Die VMs enthalten drei Kerne, 2 GByte RAM und 25 GByte Plattenplatz. Der Anbieter drosselt die Bandbreite von 100 MBit/s auf 1 MBit/s, sobald der Nutzer mehr als 5 GByte Daten übertragen hat. Ausgehende Verbindungen auf die Ports 25, 587 und 6667 sind gesperrt, für eingehende Verbindungen blockiert Jiffybox Port 6667.
Auch die Paketanzahl ist limitiert: ICMP- und TCP-Verbindungsaufbau auf 20 Pakete pro Sekunde, für UDP auf 100 Pakete pro Sekunde und für ausgehende TCP-Verbindungen zum Port 22 auf fünf Pakete pro Sekunde. Grundsätzlich verschickt ein solcher Trialserver nie mehr als 5000 Pakete pro Sekunde.
Bei der Anmeldung hinterlegen Benutzer eine gültige Telefonnummer und erhalten dann per Anruf den Freischaltcode. Einmal im Jiffybox-Kontrollzentrum eingeloggt, kann der Nutzer innerhalb von 24 Stunden den Testaccount in einen kostenpflichtigen umwandeln und macht dazu Angaben zur Person (Name, Postanschrift, Mailadresse, Telefonnummer und Bankverbindung). Nach Ablauf der Testphase friert der Anbieter die kostenlose Jiffybox ein, speichert aber die Daten vorläufig. Diese löscht er erst nach einer Woche automatisch und unwiderruflich.
Nur Linux
Beim Einrichten einer VM wählen Anwender aus 13 Linux-Distributionen aus. Im Angebot sind Centos 6.5 (32 und 64 Bit), Centos 7 (64 Bit), Debian Wheezy (32 und 64 Bit), Fedora 20 (32 und 64 Bit), Open Suse 13.1 (32 und 64 Bit), Ubuntu 12.04 LTS (32 und 64 Bit) sowie 14.04 LTS (32 und 64 Bit). Optional legen sie direkt ein Rootpasswort fest, dessen Stärke das System anzeigt. Aus dem Dialog heraus erreichen Nutzer ebenfalls ein Formular, um einen öffentlichen SSH-Schlüssel zu hinterlegen. Per Checkbox installieren sie ihn dann für den neuen Server (siehe Abbildung 5).
Domainfactory aktiviert in der Voreinstellung automatische Backups und erzeugt dazu immer sonntags zwischen 0 und 4 Uhr einen Snapshot. Anwender passen das Zeitfenster aber problemlos an eigene Vorstellungen an. Für jede Instanz hält der Anbieter bis zu vier Sicherungskopien vor: Ein tägliches, ein wöchentliches, ein zweiwöchentliches sowie ein manuell gestartetes Backup, das Nutzer per Klick auf die entsprechende Schaltfläche anlegen. Eine solche Sicherung können sie auch dazu verwenden, ein Image zu klonen und beim Anlegen einer neuen Jiffybox »Backup einspielen« auszuwählen. Eigene Images einsetzen ist möglich, erfordert allerdings genau wie bei den anderen Kandidaten etwas Bastelei. Das Forum enthält eine Anleitung für Open-Suse-Systeme [15], die erfahrene Admins problemlos an ihre Lieblingsdistribution anpassen.
Zum Starten der Jiffybox wechseln Nutzer in die Abteilung »Übersicht« . Per Klick auf »Konfigurieren« erreichen sie außerdem detaillierte Informationen zur VM und erfahren Hostnamen, IP-Adresse und DNS-Server. Die Netzwerkeinstellungen erlauben auch das Aktivieren von IPv6 und den Dualbetrieb mit IPv4. Bei Redaktionsschluss befand sich das Feature noch im Beta-Testbetrieb, funktionierte auf der Testinstanz aber einwandfrei (siehe Abbildung 6).
Wer sich für den Traffic oder die CPU-Auslastung interessiert, blättert in der Übersicht bis zur Abteilung »Statistiken« . Per Klick auf »Details« respektive »Anzeigen« erreichen Anwender Einzelaufstellungen und Verlaufsgraphen.
Ein externes Tool wie bei Google oder das Raten des Benutzernamens wie bei Amazon entfällt. Anwender nehmen ganz normal per SSH Kontakt zum Server auf und verwenden dazu den Hostnamen oder die IP, die sie aus der Übersicht erfahren. Die Authentisierung erfolgt entweder per Schlüssel oder per Rootpasswort. Einmal angemeldet nutzen sie die Distributionstools zum Anlegen unprivilegierter Accounts. Eine Benutzerverwaltung und verschiedene Kontotypen hat Jiffybox hingegen nicht zu bieten, sodass Teams außen vor bleiben.
Microsoft Azure
Der vierte Kandidat gehört zur Cloudplattform von Microsoft, für die das Unternehmen eine externe Konnektivität von mindestens 99,95 Prozent der Zeit garantiert. Azure [4] steht seit 2010 zur Verfügung und umfasst zahlreiche Dienste, darunter Entwicklungsumgebungen, ein Verwaltungsportal, Data Services, App-, Netzwerk- und Server-Dienste. Zu Letzteren gehören auch die virtuellen Computer. Neben einigen Windows-Server-Versionen sind auch Linux-Distributionen als vorkonfigurierte Images erhältlich.
Außer den allgemeinen Instanzen, die es in vier Größen gibt, bietet das Unternehmen arbeitsspeicherintensive Ausführungen in drei Größen (zwei bis acht Kerne, 14 GByte bis 56 GByte RAM) für Anwendungen mit hohem Durchsatz wie Datenbanken und rechenintensive mit bis zu 16 Kernen und 112 GByte RAM.
Die allgemeinen Instanzen der Windows- und Linux-VMs unterteilt Microsoft in die Serverstufen Basic und Standard. Basic-Instanzen enthalten keinen Lastenausgleich und skalieren nicht automatisch. Sie sind daher etwas günstiger. Die Preise richten sich ebenfalls nach der Region, in der das Rechenzentrum steht. In der Preisliste für die Linux-VMs [16] wählen Anwender aus zwei Dropdownmenüs zunächst eine der 13 Regionen aus (sechs in den USA, zwei in Europa, zwei im asiatisch-pazifischen Raum, zwei eigene in Japan und eine in Brasilien) und danach die gewünschte Währung. Alle Preise sind Nettopreise; je nach Land fallen eventuell Steuern an.
Im europäischen Raum kostet der kleinste Server (768 MByte RAM, geteilter CPU-Kern) 1,4 Eurocent pro Stunde in der Basic-Ausführung, 1,5 Cent als Standard-Instanz. Die größte allgemeine Instanz (acht Kerne und 14 GByte RAM) schlägt mit 30,4 Cent (Basic) beziehungsweise 35,8 Cent (Standard) pro Stunde zu Buche. Für die größte rechenintensive Ausführung mit 16 Kernen und 112 GByte Arbeitsspeicher berechnet Microsoft 3,329 Euro pro Stunde.
Für einige der Linux-VMs können Kunden Support buchen. Die Kosten richten sich nach dem Distributor und sind in der Preisliste detailliert aufgeführt. Obwohl Microsoft für alle Dienste Stundenpreise nennt, berechnet das Unternehmen die tatsächlichen Minuten und rundet nicht zur nächsten vollen Stunde auf.
Inspektion
Interessierte Neukunden dürfen Azure 30 Tage lang kostenlos testen und erhalten dazu eine Gutschrift über 150 Euro, die sie in dieser Zeit für alle Dienste beliebig verwenden können. Dazu benötigen sie ein kostenloses Microsoft-Konto, eine Handynummer zum Empfangen des Freischaltcodes und eine gültige Kreditkarte. Nach dem Anmelden richten sie über »Virtuelle Computer« in der linken Leiste einen Server ein. Wer die Schnellerfassung wählt, gibt lediglich einen Hostnamen ein, sucht ein Image und die Größe aus, definiert einen Benutzernamen und ein Kennwort und entscheidet sich für eine Region.
Alternativ geht es über »Aus Katalog« Schritt für Schritt mit ausführlichen Erklärungen zur neuen Azure-Instanz. Microsoft bietet diverse Windows- und Oracle-Instanzen, aber ebenfalls Ubuntu Server 12.04 und 14.04 (beide LTS, 64 Bit), Open Logic (basiert auf Centos 6.5), Open Suse 13.1, Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 (auch Premium und ein Image für die Cloud Appliance Library von SAP). Hinter dem Eintrag »Puppet-Labs« verbirgt sich ein unter Ubuntu vorkonfigurierter Puppet-Master (Enterprise 3.2.3).
Den Testern gefielen vor allem die Kurzbeschreibungen – das ist wirklich übersichtlich (siehe Abbildung 7). Pluspunkte gibt’s ebenfalls für die Möglichkeit, aus mehreren Ubuntu-LTS-Versionen ein genaues Datum auszusuchen.
Im nächsten Schritt vergibt der Nutzer einen Hostnamen, wählt gegebenenfalls zwischen Basic und Standard aus und bestimmt die Größe und den Benutzernamen. In der Voreinstellung ist die Option zum Hochladen eines SSH-Schlüssels aktiviert; die Anmeldung mit Kennwort ist aber ebenfalls eine Option. In der Schnellerfassungs-Maske fehlt die Funktion zum Upload eines SSH-Schlüssels, die Tester konnten im Dashboard auch keine Möglichkeit finden, diese Authentifizierungsmethode nachträglich einzurichten. Wer den SSH-Login auf Schlüsselpaare umstellen möchte, der hinterlegt den Public Key auf dem Server per »ssh-copy« oder »scp« .
Marke Eigenbau
In der Liste der von Microsoft angebotenen Images fehlen beliebte Community-Distributionen wie Debian und Fedora. Diese finden Anwender im VM-Depot [17]. Der von der Community gepflegte Katalog enthält zahlreiche vorkonfigurierte Betriebssysteme, Applikationen und Serverdienste. Das Lager erreichen Benutzer komfortabel aus dem Azure-Dashboard aus der Abteilung »Virtuelle Computer« heraus. Nach Anwahl des Reiters »Images« klicken sie am unteren Rand auf »VM-Depot durchsuchen« . Nach Auswahl eines Abbilds dauert es einen kurzen Moment, bis Azure die Kopie erstellt hat. Diese steht anschließend über den Katalog im Bereich »Eigene Images« bereit. Dort landen auch die selbst angefertigten Snapshots, die Benutzer über den Button »Aufnehmen« am unteren Rand erzeugen.
Ähnlich leicht ist es, eigene Images außerhalb von Azure zu bauen. Microsoft setzt für virtuelle Festplatten auf das Virtual-Hard-Disk-Format, das Windows seit Version 7 direkt im Betriebssystem unterstützt. Linux-Anwender erzeugen eine VHD-Datei beispielsweise mit dem Virtualbox-Kommandozeilentool »vboxmanage« , das Abbilder in verschiedenen Formaten nach VHD umwandelt. Im Azure-Dashboard gibt es einen Dialog, der Images von der lokalen Platte hochlädt oder per URL einbindet.
Die Benutzerverwaltung läuft über Active Directory. Microsoft bietet die Zugriffsverwaltung als kostenlose und als Premium-Variante an und listet unter [18] die Unterschiede auf. Im Azure-Dashboard finden Anwender unten links die gleichnamige Abteilung und konfigurieren Benutzerzugänge, Gruppen, Anwendungen und so weiter. Hier erreichen sie auch Berichte, zum Beispiel über Login-Versuche aus unbekannten Quellen, nach mehreren Fehlversuchen oder aus unterschiedlichen geografischen Regionen.
Auch sonst erteilt Microsoft Azure recht gerne Auskunft und generiert grafische Übersichten zu den laufenden Instanzen (siehe Abbildung 8). Der Hersteller warnt seine Kunden auf Wunsch, wenn bestimmte Ereignisse für einen virtuellen Computer eintreten. Dazu öffnen Anwender in der linken Leiste die »Verwaltungsdienste« und erstellen über das Pluszeichen eine neue Regel. Der Dienst verschickt beim Überschreiten bestimmter Schwellenwerte Mails an den Accountinhaber. Per Checkbox fügen Nutzer eine Adresse für einen weiteren Administrator hinzu, der dann ebenfalls Informationen erhält.
Auf Abruf
Immer dann, wenn es beim EC2-Test holperte, stellte sich das im Endeffekt als Problem zwischen Tastatur und Stuhl heraus. Dennoch könnte Amazon dem Anwender das Leben etwas leichter machen. Manche Erklärung in den Dialogen zum Erstellen neuer Instanzen ist zu langatmig und verwirrend, andere Informationen wie etwa der Login-Name für den SSH-Zugang dürften dafür etwas besser erreichbar sein. Mit etwas Geduld und den 750 Freistunden des Testzugangs können Nutzer aber alles bedenkenlos mehrmals durchexerzieren. Dabei hilft die sehr umfangreiche Dokumentation, die per Knopfdruck auch direkt auf den Kindle wandert.
Die Google Compute Engine fühlt sich im Vergleich mit Amazon EC2 fast minimalistisch an. Dafür ist das Angebot übersichtlicher und Nutzer verlaufen sich nicht im Tarifdschungel. SSH-Verbindungen zur VM gelingen erst nach Installation und Einrichtung des Google-Cloud-SDK – das gibt Abzüge in der B-Note und ist eigentlich überflüssig. Während Amazon jede angefangene Stunde in Rechnung stellt, rechnet Google nach den ersten 10 Minuten minutengenau ab und ist damit flexibler.
Die Möglichkeiten von Jiffybox reichen nicht ganz an die der anderen Testkandidaten heran. Eine Benutzerverwaltung fehlt, der Hersteller bietet lediglich Linux-Instanzen an. Anders als bei den anderen Anbietern fallen auch für eingefrorene Instanzen Kosten an, die sich allerdings in Grenzen halten. Alle Abrechnungen erfolgen im Sekundentakt. Für den Dienst spricht, dass er in Deutschland hostet, und auch das übersichtliche Dashboard gefällt wirklich gut. Extrapunkte vergeben die Tester für die automatische Kostenbegrenzung – das ist wirklich kundenfreundlich.
Microsoft Azure hat wegen des angebundenen VM-Depots mit Images aus der Community die größte Vielfalt zu bieten. Auch die Auswahl der eigenen Images kann sich sehen lassen. Wer eigene Systeme als VM in Azure betreiben möchte, kann sie als VHD-Datei von der eigenen Platte hochladen. Eine aufwändige Bastelei wie bei Amazon, Google und Jiffybox entfällt daher.
Infos
- Amazon EC2: http://aws.amazon.com/de/ec2
- Google Compute Engine: https://cloud.google.com/products/compute-engine
- Jiffybox: http://www.df.eu/de/cloud-hosting/cloud-server
- Microsoft Azure: http://azure.microsoft.com
- EC2-Preise: http://aws.amazon.com/de/ec2/pricing
- AWS-Marketplace: https://aws.amazon.com/marketplace
- EC2-Dokumentation: http://aws.amazon.com/de/documentation/ec2
- Packer: http://www.packer.io
- GCE-Preise: https://cloud.google.com/products/compute-engine/#pricing
- Google-Preisrechner: https://cloud.google.com/products/calculator
- Google Developer Console: https://console.developers.google.com
- GCE-Dokumentation: https://developers.google.com/compute/docs
- Compute Image Packages: https://github.com/GoogleCloudPlatform/compute-image-packages
- Jiffybox-Preise: http://www.df.eu/de/cloud-hosting/cloud-server/preisliste/
- Eigene Images für Jiffybox: https://www.df.eu/forum/threads/70425-OpenSUSE-auf-JiffyBox?p=454888#post454888
- Microsofts Preise für Linux-VMs: http://azure.microsoft.com/de-de/pricing/details/virtual-machines/#linux
- VM-Depot für Azure: http://vmdepot.msopentech.com
- Azure Active Directory: http://azure.microsoft.com/de-de/services/active-directory














