Aus Linux-Magazin 10/2014

E-Mail-Marketing

© Wavebreak Media Ltd , 123RF

Ein Patentrezept für wirksames Marketing gibt es nicht und nicht jedes Konzept eignet sich für jedes Unternehmen. Ein guter Newsletter, der die Zielgruppe erreicht, ist allerdings Pflicht. Die Bitparade stellt vier Tools fürs E-Mail-Marketing vor, die genaue Analysen des Leserverhaltens ermöglichen.

Wie viele Leser haben welche Links im Newsletter angeklickt? Wie viele das letzte Mailing tatsächlich geöffnet? Wer hat sich wann aus dem Verteiler ausgetragen? Das alles sind Fragen, die sich Marketingexperten stellen sollten. Es reicht nicht aus, seine Kunden regelmäßig mit mehr oder weniger gut gestalteten Mails zu versorgen. Gute Werbung erfordert vor allem gründliche Analysen, um hausgemachte Probleme aufzudecken und die Zielgruppe richtig zu erreichen.

Im Netz tummeln sich etliche Programme, die personalisierte Newsletter versenden und Spam, Bounces, Abmeldungen und mehr verwalten. Mit den enthaltenen Statistikwerzeugen untersuchen Anwender die gesammelten Daten und erhalten so Ideen für die eigene Positionierung beziehungsweise Informationen über die Nachfrage ihrer Empfänger.

Wie es mit den Auswertungsmöglichkeiten der Newslettersoftware aussieht, untersucht diese Bitparade. Im Test traten die beiden Onlinedienste Cleverreach [1] und Mailchimp [2] gegen zwei Open-Source-Lösungen für den eigenen Webserver an: Open EMM [3] und Phplist [4]. Alle Tools registrieren das Öffnen der Mails und das Klickverhalten der Leser. Sie nutzen dazu individualisierte Links sowie Zählpixel in der HTML-Version der Nachrichten. Dabei handelt es sich um kleine unsichtbare 1-Pixel-Grafiken mit eigener Kennzeichnung, die auf dem Server des Anbieters liegen.

Einige E-Mail-Marketing-Lösungen arbeiten optional mit externen Anbietern zusammen. Die Tester schauten sich auch an, wie es mit der grafischen Darstellung und den Exportfunktionen aussieht.

Cleverreach

2007 gründete die Oldenburger Firma Ashampoo die Tochtergesellschaft Cleverreach [1]. Der Onlinedienst bietet einen kostenlosen Zugang an, über den Anwender bis zu 1000 Mails an bis zu 250 Abonnenten verschicken können. Für die Bezahlvarianten unterscheidet der Anbieter nach Anzahl der Empfänger oder nach Volumen. Darüber hinaus gibt es Prepaid-Tarife, die den tatsächlichen Versand abrechnen. Die Homepage gibt Auskunft über die Preise und mögliche Zusatzleistungen wie Bilderverwaltung, Design- und Spam-Tests.

Cleverreach verschickt einfache Newsletter und kopiert bereits versandte Mailings. Regelmäßige E-Mails, Autoresponder und A-B-Tests stehen nur für zahlende Kunden bereit. Beim Versenden einfacher Mails finden Benutzer auf dem ersten Tab Checkboxen, um das Tracking zu aktivieren. Die Option »Öffnungen messen« steht nur für Nachrichten im HTML-Format zur Verfügung, da Cleverreach Zählpixel verwendet.

Zusätzlich erfasst das System die Anzahl der eindeutigen und doppelten Klicks auf die Links des Newsletters. Der Dienst verwandelt dazu im Mailing enthaltene Verknüpfungen in Trackinglinks, um nachzuvollziehen, welcher Benutzer wie oft auf einen Link geklickt hat.

Unterhalb der eigenen Funktionen bindet das System externe Dienste ein, die dabei helfen, den Erfolg der Kampagnen zu ermitteln. Das »Google Analytics Tracking« stattet die Links mit Tag-Kennzeichnungen für den Dienst des Suchmaschinenanbieters [5] aus. Darunter schalten Anwender das Multichannel-Tracking von Intelliad [6] ein, um die Newsletterkampagnen mit anderen Marketingkanälen zu vergleichen.

Die »Connect Linkerweiterung« bindet E-Commerce-Systeme wie Veyton, Magento, Oxid oder Shopware an, um Umsatzanalysen der Newsletter zu erstellen. Benutzer, die eigene Plugins entwickeln möchten, um etwa Bestelldaten über die API-Schnittstelle von Cleverreach zu übertragen [7], wählen ebenfalls »Connect Linkerweiterung« .

Ein Klick auf »Account für erweitertes Tracking verknüpfen« öffnet die Abteilung »Extras | Integrationen / Plugins« aus den Cleverreach-Einstellungen, die alle Schnittstellen und Erweiterungen zu diversen CMS, CRM, Shopsystemen und Social-Media-Kanälen anzeigt. Anwender klappen den gewünschten Eintrag über den Pfeil aus, um ihre Login-Daten zu hinterlegen oder zusätzliche Informationen zum Dienst einzusehen.

A oder B?

Außer einfachen Newslettern verschickt Cleverreach so genannte A-B-Tests und produziert damit zweigeteilte Newsletter, um die Reaktionen der Leser auf unterschiedliche Inhalte zu testen. Hat der Benutzer den Punkt »A/B Splittest« beim Mailversand ausgewählt, entscheidet er als Nächstes, was er genau unter die Lupe nehmen möchte: die Betreffzeile, den Inhalt oder beides. Im Bereich »Tracking« stehen für diese Variante Google Analytics und die »Connect Linkerweiterung« bereit; Intelliad sowie Checkboxen für »Öffnungen/Klicks messen« fehlen.

Über das Cleverreach-Dashboard erreichen Anwender die »Reports« , in denen sie Auswertungen der Newsletter sowie ihrer Kampagnen finden. Eine Übersicht zeigt an, welche Mails wann an welche Empfänger rausgegangen sind, wie viele Mails tatsächlich angekommen oder als Bounce zurückgegangen sind sowie die Öffnungen und Klicks.

Als Öffnungen interpretiert Cleverreach die Empfänger, die mindestens einmal in der Nachricht enthaltene Bilder geladen haben. Unter Klicks führt das Programm die Anzahl der Leser, die mindestens einem Link gefolgt sind; klickt jemand einen Link dreimal an, wertet das Tool dieses als einfachen Klick. Erst der ausführliche Bericht nennt die Zahl der Gesamtklicks. Die Spalte »Qualität« zeigt eine Wertung des Betreffs und des Inhalts an: Mit einem bis fünf Sternchen beurteilt Cleverreach anhand des Leserverhaltens den Rang eines Beitrags.

Der Onlinedienst verschickt wöchentliche Berichte an seine Nutzer, die einen ersten Überblick über An- und Abmeldungen sowie versandte Mails gibt. Um die ausführliche Statistik einzusehen, klicken Anwender in der Reportübersicht auf einen Titel. Auf insgesamt fünf Reitern präsentiert Cleverreach eine Übersicht mit Balken- und Kreisdiagrammen, die Aktivitäten der Empfänger, Informationen zu den angeklickten Links, die Mailclients, eine Weltkarte und Social-Media-Daten (Facebook-Likes und -Kommentare, Tweets und so weiter). Die Übersicht schlüsselt die Qualität eines Newsletters weiter auf und bewertet sowohl den Betreff als auch den Inhalt (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Cleverreach bewertet den Betreff und den Inhalt der verschickten Newsletter anhand des Öffnungs- und Klickverhaltens der Nutzer.

Abbildung 1: Cleverreach bewertet den Betreff und den Inhalt der verschickten Newsletter anhand des Öffnungs- und Klickverhaltens der Nutzer.

Auf der Übersichtsseite generieren Nutzer über die kleinen Links am oberen Rand PDF-, XML und CSV-Dateien, die sie an andere Anwender oder Programme weiterleiten können. Im Links-Bereich listet die Software alle im Dokument enthaltenen Verknüpfungen auf, die Schaltfläche »Wer hat geklickt?« zeigt die Mailadresse des Empfängers sowie eine kleine Landesflagge an. Auch hier steht eine Exportmöglichkeit als CSV-Datei bereit.

Pluspunkte gibt es für die Overlay-Funktion des Reiters »Links« (siehe Abbildung 2). Ein Klick auf »Alle Links anzeigen« blendet den Newsletter mitsamt seinen Verknüpfungen und der Anzahl der Leserklicks ein. So sehen Cleverreach-Nutzer auf einen Blick, welche Links in ihren Artikeln besonders beliebt sind.

Abbildung 2: Die Overlay-Funktion blendet den Newsletter mitsamt seinen Verknüpfungen ein und erlaubt Rückschlüsse auf die Beliebtheit der Links.

Abbildung 2: Die Overlay-Funktion blendet den Newsletter mitsamt seinen Verknüpfungen ein und erlaubt Rückschlüsse auf die Beliebtheit der Links.

Mailchimp

Der zweite Testkandidat ist seit 2001 am Markt. Mailchimp [2] ist ein Produkt der Firma The Rocket Science Group aus Atlanta. Der Onlinedienst stellt einen kostenlosen Zugang zur Verfügung. In ihm versenden Nutzer bis zu 12 000 Mails pro Monat an bis zu 2000 Abonnenten. Die beiden Bezahlvarianten »Growing business« (bis zu 50 000 Subscriber) und »High volume sender« (mehr als 50 000 Leser) staffelt der Anbieter weiter auf. Der Preiskalkulator auf der Webseite rechnet die monatlichen Kosten in verschiedenen Währungen aus.

Beim Versenden einfacher Mails (»Regular ol’ Campaign« ) aktiviert der Admin im Bereich »Tracking« Checkboxen für die Statistik. »Track opens« bindet ein Zählpixel in den Newsletter ein, »Track clicks« zeichnet auf, welche Links der Leser wie oft anklickt, und »Track plain-text clicks« protokolliert die URLs aus Klartextmails. Mailchimp arbeitet auf Wunsch mit Google Analytics [5], der Analyseplattform Clicktale [8], diversen CRM-Systemen und der eigenen Erweiterung Ecommerce 360 [9] zusammen, die sich an Shopbetreiber richtet. Die Entwickler von Mailchimp bieten Plugins für Magento, Opencart, Pinnacle Cart, Shopify und andere Dienste an. In den Accounteinstellungen selbst richten Admins über »Extras | Integration« die externen Dienstleister ein.

In der »Plain-Text Campaign« fehlen die Optionen »Track opens« und »Track HTML clicks« sowie die Zusammenarbeit mit den CRMs. Google Analytics, Ecommerce 360 und das einfache »Track plain-text clicks« sind aber auch hier möglich. Mailchimp bietet genau wie Cleverreach die Newsletterform »A/B Split Campaign« an; diese Spielart gibt es genau wie beim Konkurrenten nur für die Bezahlaccounts. Sie testet die Popularität von Betreffzeilen, von Absendern und Tageszeiten.

Äußerst praktisch ist der Versand von RSS-Feeds. Admins entscheiden, wann die Mail an die Empfänger geht: jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat. Mailchimp verschickt den Feed nur, wenn es neue Inhalte gibt. Die Tracking-Möglichkeiten unterscheiden sich nicht von denen der einfachen Newsletter.

Berichterstattung

Die Software bietet bereits beim Einrichten von Verteilern an, Benachrichtigungen über neue Abonnenten und Abmeldungen an den Admin zu versenden. Per Checkbox wählt er aus, ob er tägliche Zusammenfassungen oder eine Mail pro Vorgang möchte. Weitere Statistiken über die Leser, deren Mailclients und Geolocation listet das Dashboard unter »Reports« auf. Ganz oben über der Liste ihrer Newsletter speichern Anwender die Übersicht als CSV-Datei ab. Weitere Formate stehen nicht zur Verfügung; allerdings ist es möglich, in einigen Ansichten über den »Print« -Button in eine PDF-Datei zu drucken.

Ein Klick auf »View Report« neben einem Newsletter-Eintrag öffnet die Detailansicht. Hier versammelt Mailchimp Informationen zu den Empfängern, zur Klickrate und vieles mehr. Wer weiter nach unten blättert, sieht Diagramme zur 24-Stunden-Performance (siehe Abbildung 3). Direkt darunter befinden sich Angaben zu den enthaltenen Verknüpfungen. In der Voreinstellung zeigt Mailchimp die fünf Links, die Leser am häufigsten angeklickt haben, und daneben die Adressen der fünf aktivsten Abonnenten. Ganz unten blendet auch dieser Anbieter eine Karte ein, die einen Überblick über den weltweiten Bezug des Newsletters gibt.

Abbildung 3: Wer täglich einen Newsletter versendet, dürfte sich dafür interessieren, wann die meisten Empfänger diesen lesen und wie es mit den Links aussieht.

Abbildung 3: Wer täglich einen Newsletter versendet, dürfte sich dafür interessieren, wann die meisten Empfänger diesen lesen und wie es mit den Links aussieht.

Über das Dropdownmenü »Activity« filtern Anwender die Liste der Leser nach deren Aktionen. Hier erfahren sie, wer den Newsletter geöffnet oder ignoriert hat, wessen Mail als Bounce zurückkam und wer sich aus dem Verteiler ausgetragen oder beschwert hat. In dieser Ansicht zeigen bis zu fünf Sternchen in der Spalte »Member Rating« die Qualität des Mailings an. Mailchimp errechnet diesen Wert selbst und berücksichtigt dazu unter anderem die Öffnungs- und Klickraten, Bounces und Abmeldungen.

Im Bereich »Links« nehmen Benutzer die enthaltenen Verknüpfungen genauer unter die Lupe. Ebenso wie Cleverreach zeigt auch dieser Testkandidat eine Vorschau des Newsletters mit den enthaltenen Links und deren Beliebtheit an. Dazu schaltet der Anwender von »Click Performance« zu »Click Map« um (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Welche Links des aktuellen Newsletters haben die Leser besonders oft angeklickt? Mailchimp stellt das in der Ansicht »Click Map« anschaulich dar.

Abbildung 4: Welche Links des aktuellen Newsletters haben die Leser besonders oft angeklickt? Mailchimp stellt das in der Ansicht »Click Map« anschaulich dar.

Mailchimp wertet außerdem Social-Media-Kanäle, angebundene Shopsysteme und E-Mail-Diskussionen aus. Das letztgenannte Feature heißt beim Anbieter »Conversation tracking« . Er erzeugt dazu für die Newsletter spezielle Reply-to-Adressen und speichert den Mailverkehr mit den Empfängern. Auf Wunsch benachrichtigt der Webdienst einen oder mehrere Benutzer über eingetroffene Post, sodass keine Leserreaktion verloren geht. Das Feature steht nur in der Bezahlvariante zur Verfügung. Der letzte Tab schließlich zeigt eingebundene externe Dienste wie Google Analytics & Co. sowie die Domainperformance der Abonnenten-Mailadressen.

Open EMM

Der dritte Testkandidat stammt von der Münchner Softwareschmiede Agnitas AG. Open EMM ([3], [10]) steht unter der Common Public Attribution License (CPAL) und kostet nichts. Das Programm ist die Open-Source-Variante des Agnitas E-Marketing Managers (EMM), der beim Hersteller als SaaS-, Flatrate- und Inhouse-Variante erhältlich ist. Die Bezahlvarianten bieten je nach Produkt zusätzliche Features, und so fehlen Open EMM beispielsweise Social-Media-Funktionen, ein Spamcheck sowie Schnittstellen zu externen Services wie Google Analytics & Co. [11].

Die Tester schauten sich Version 2013 an und installierten sie auf einem typischen LAMP-Server unter Debian Testing (Jessie). Die E-Mail-Marketing-Software verschickt einfache Newsletter, Datums-basierte Daueraufträge und aktionsgesteuerte Mails. Letztere versendet die Nachricht erst dann, wenn ein Abonnent auf einen bestimmten Link in einem online gestellten Mailing klickt.

Beim Generieren von Newslettern bietet die Software an, messbare Links in den Artikel zu integrieren. Im Hintergrund passiert dabei Folgendes: Klickt ein Leser den Link an, landet er bei einer URL des Anbieters, der Server registriert den Vorgang und ordnet ihn dem richtigen Empfänger zu. Das Feature steht sowohl für Textmails als auch für HTML-Nachrichten bereit. Die messbaren Links können Admins mit Aktionen verknüpfen. Dazu richten sie im Dashboard unter »Sites & Actions« zunächst die gewünschte Maßnahme ein, erstellen dann einen aktionsgesteuerten Newsletter, wechseln in der Newsletter-Ansicht auf den Reiter »Trackable Links« und weisen einer Verknüpfung dann eine Aktion zu.

Um Informationen zum Leserverhalten einzusehen, besuchen Anwender an der linken Seite im Dashboard die Rubrik »Statistics« . Die Abteilung »Mailing Statistics« listet alle bisher verschickten Newsletter auf. Per Klick auf einen Eintrag erhalten Benutzer zu diesem Mailing detaillierte Informationen. Im oberen Bereich zeigt ein Diagramm Zahlen und Fakten zu den angeklickten Links, darunter befindet sich die Auslieferungsstatistik (siehe Abbildung 5). Open EMM blendet sowohl die mehrfach aufgerufenen Verknüpfungen als auch die Nettoklicks, also die Anzahl der aktiven Empfänger ein. Letztere stehen in Klammern.

Abbildung 5: Die Auswertung zeigt an, wie vielen Links die Leser gefolgt sind. Open EMM erfasst die Brutto- und Nettoklicks der Empfänger.

Abbildung 5: Die Auswertung zeigt an, wie vielen Links die Leser gefolgt sind. Open EMM erfasst die Brutto- und Nettoklicks der Empfänger.

Über den Button »Heatmap« zeigt das Programm eine Vorschau des Newsletters samt seinen Verknüpfungen an, und so steht das Open-Source-Tool den getesteten Onlinediensten in nichts nach. Es setzt sogar noch einen drauf und bietet mehrere Ansichtsmodi für Brutto- und Nettoklicks sowie das reine Mailing. Open EMM färbt die Links je nach Klickhäufigkeit anders ein (siehe Abbildung 6), sodass Benutzer auf einen Blick erkennen, welche Dinge ihre Leser besonders spannend finden. Dabei steht Rot für beliebte Links, Weiß für nicht besuchte.

Abbildung 6: Die Farbcodierung in der Heatmap hilft bei der Auswertung der Klickhäufigkeit.

Abbildung 6: Die Farbcodierung in der Heatmap hilft bei der Auswertung der Klickhäufigkeit.

Offenes Buch

Die Informationen zur Zustellung umfassen auch die Abmeldungen und Bounces. Das Tracking für geöffnete Nachrichten funktioniert genau wie bei den anderen Kandidaten nur in HTML-Mails, da Open EMM ebenfalls auf Zählpixel setzt. Ein Klick auf »Opened mails« zeigt die 20 aktivsten Domains der Empfängeradressen an. Dort versteckt sich ein weiterer Unterpunkt namens »Open rate over time« , der den Zeitverlauf der Öffnungsrate nach Tagen sortiert anzeigt. Damit nicht genug – um die Informationen nach Stunden zu sortieren, klickt der Admin auf einen Tag.

Wer dem Link »Bounces« folgt, der erhält genaue Auskunft über zurückgekommene Mails. Open EMM teilt die Liste in Softbounces (Probleme mit der Mailbox, dem Mailserver und Ähnliches) und Hardbounces (unbekannte Adresse, ungültiger Domainname) auf.

Die Software unterstützt Anwender beim Vergleichen mehrerer Newsletter. Dazu besuchen sie die Unterabteilung »Comparison« und sehen eine Liste aller verschickten Mails. Über die Checkboxen auf der rechten Seite wählen sie zwei oder mehr Einträge aus und betätigen dann die Schaltfläche »Compare« . Open EMM zeichnet nun eine Tabelle und sortiert nach Empfängern, Klicks, Öffnungen, Bounces und Abmeldungen. Wer im Programm mehrere Zielgruppen eingerichtet hat, sortiert die Anzeige über das Dropdownmenü »Target group« .

Ein Klick auf das Diskettensymbol speichert die Daten im CSV-Format. Wer diese Datei in einer Tabellenkalkulation öffnet, muss allerdings die Spaltenbeschriftungen von Hand nachtragen, denn Open EMM vergisst diese beim Export.

Funktionen zum Aufschlüsseln nach Domains und IP-Adressen sowie eine Empfängerstatistik, die alle Datenbewegungen seit dem ersten Newsletterversand als Gesamtübersicht darstellt, runden die Featureliste des Open-Source-Tools ab.

Phplist

Der vierte und letzte Testkandidat gehört ebenfalls zum Open-Source-Lager. Phplist [4] stammt aus der Feder der Londoner Firma Phplist Ltd., steht unter der GPL und ist kostenlos. Wer die Software nicht selbst installieren möchte, der findet auf den Seiten des Herstellers Preise für verschiedene Hostingangebote. Die Tester installierten die aktuelle Version 3.0.6 auf einem LAMP-Server mit Debian Testing (Jessie).

Das Programm verschickt einfache Newsletter als HTML- oder Textmails und bietet einen zeitgesteuerten Versand an. Mit Einführung der Version 3 setzt Phplist auf Zählpixel, um Leseraktionen aufzuzeichnen. Das Feature funktioniert genau wie bei den anderen Kandidaten nur mit Nachrichten im HTML-Format. Wer das Öffnen nicht protokollieren möchte, bearbeitet die Konfigurationsdatei »config/config_extended.php« im Texteditor und kommentiert die folgende Zeile aus:

# define(,ALWAYS_ADD_USERTRACK',0);

In dieser Einstellungsdatei aktiviert der Systemverwalter auch das Tracking für Klicks. Um alle Links aus Phplist-Newslettern über das E-Mail-Marketing-Tool zu leiten und damit aufzuzeichnen, trägt er »define(‘CLICKTRACK’,1);« ein. Wer sich zusätzlich dafür interessiert, wie viele der Klicks aus Text- beziehungsweise HTML-Mails resultieren, fügt die Zeile »define(‘CLICKTRACK_SHOWDETAIL’,1);« hinzu. Obwohl die Entwickler das Feature in der Dokumentation als experimentell kennzeichnen, funktionierte es auf dem Testsystem zuverlässig.

Datensammlung

In der Voreinstellung fügt Phplist in den Footer unter jeder Mail nicht nur einen Link zum Abmelden, sondern auch zum Korrigieren der eigenen Daten und zum Weiterleiten der News an andere Nutzer ein. Wenn Leser diesen Link statt der Forward-Funktion ihres Mailclients nutzen, zeichnet Phplist nicht nur die Klicks und Öffnungen, sondern auch die Weitergabe an andere auf.

Optional arbeitet Phplist mit Google Analytics [5] zusammen. Anwender aktivieren dazu im Webinterface beim Erstellen der Newsletter auf dem Reiter »Abschließen« die entsprechende Checkbox. Dort finden sie ebenfalls eine Option, um die aktuellen Klick- und Öffnungsraten zurückzusetzen. Das ist etwa dann sinnvoll, wenn sie mehrere Testmails versandt haben und die Datenbank bereinigen wollen, bevor die echten Newsletter auf die Reise gehen.

Unter »Statistiken« versammelt Phplist Auswertungsmöglichkeiten. In der Übersicht sehen Benutzer die verschickten Nachrichten des letzten Jahres als Liste, erfahren, wie viele Mails sie gesendet haben, wie viele Bounces zurückkamen, wie oft ein Leser den Newsletter an einen anderen Empfänger (per Klick auf den entsprechenden Link und nicht per Mailprogramm) weitergeleitet hat und wie oft er das Mailing geöffnet hat. Die Daten exportiert Phplist als CSV-Datei.

Per Klick auf den Titel der Nachricht erreichen Nutzer eine Detailansicht zur Mail und über die Ziffern unter »Views« sehen sie genaue Informationen zu den Lesern. Wer hier eine Mailadresse weiterverfolgt, sieht neben Klicks und Öffnungen auch die genauen Zeitstempel. So werten Admins mit Phplist aus, wie lange ihre Leser im Durchschnitt brauchen, bis sie eine erhaltene Nachricht öffnen (siehe Abbildung 7).

Abbildung 7: Phplist zeigt nicht nur an, wann eine Mail gesendet und empfangen wurde, sondern nutzt die Zeitstempel auch dazu, die Antwortzeiten zu ermitteln.

Abbildung 7: Phplist zeigt nicht nur an, wann eine Mail gesendet und empfangen wurde, sondern nutzt die Zeitstempel auch dazu, die Antwortzeiten zu ermitteln.

Phplist zeigt darüber hinaus die Klicks pro URL und Nachricht an. Für beide Varianten steht eine Detailansicht zur Verfügung, die genaue Rückschlüsse auf die Abonnenten und deren Klickrate erlaubt. Für die geöffneten Nachrichten erzeugt das Programm eine Leserliste, über die Admins die Chronik der Abonnenten erreichen. Diese präsentiert neben der IP und dem Datum auch die ausgeführte Aktion und den verwendeten Browser und das Betriebssystem – Phplist wertet dazu die Datei »access.log« aus den Apache-Protokollen aus. In der Spalte »Zusammenfassung« ist die Aktion protokolliert, etwa Eintragen oder Bestätigen für einen Newsletter, die Abmeldung, das Hinzufügen oder Entfernen von der internen Blacklist und so weiter (siehe Abbildung 8).

Abbildung 8: Alle Aktionen eines Empfängers fasst Phplist in der Abonnenten-Chronik zusammen.

Abbildung 8: Alle Aktionen eines Empfängers fasst Phplist in der Abonnenten-Chronik zusammen.

Diagramme zeichnet der Kandidat nicht, sodass sich Benutzer selbst um eine grafische Auswertung kümmern müssen. Die heruntergeladenen CSV-Dateien bearbeiten sie dazu beispielsweise mit Gnuplot oder Libre Office Calc. Als einziges Tool im Test bietet Phplist auch keine Overlay-Funktion, die den Newsletter samt Links und Beliebtheit als Vorschau anzeigt. Das Wiki versammelt einige Plugins [12], die die Software um eine Bounce-Statistik, eine alternative Kampagnen-Auswertung und etliche andere Features erweitern.

Vermessen

Die Onlinedienste Cleverreach und Mailchimp spielen in einer Liga und unterscheiden sich nur minimal bei den Statistikfunktionen. Beide liefern alles, was sich Marketingexperten wünschen, inklusive Geolocation- und Mailclient-Analyse. Die Hersteller bieten Schnittstellen zu externen Dienstleistern und binden auch Shopsysteme und CRMs ein.

Zur besseren Übersicht zeichnen sie Graphen und Diagramme und erleichtern dem Nutzer die Analyse mit einem internen Bewertungssystem. So wird auf einen Blick klar, welche Betreffzeilen und welcher Inhalt bei den Lesern am meisten gepunktet hat. Cleverreach hat die Nase leicht vorn, wenn es ums Exportieren der Berichte geht, und bietet außer CSV auch die Formate XML und PDF an. An Mailchimp gefällt dagegen das »Conversation« -Feature, das Interaktion mit der Leserschaft erlaubt.

Wer keinen externen Dienstleister bemühen, sondern die Software auf dem eigenen Webserver installieren möchte oder muss, der ist sowohl mit Open EMM als auch mit Phplist gut bedient. Ersteres ist bei der Auswertung gründlicher, dafür sind viele Funktionen nur über etliche Mausklicks erreichbar. Hier könnten die Entwickler nachlegen und die Informationen benutzerfreundlicher anordnen. Open EMM bietet als einziger Testkandidat eine Funktion, um den Erfolg von Mailkampagnen zu vergleichen. Die Software setzt ausgewählte Newsletter zueinander in Bezug, sodass Benutzer auf einen Blick die Entwicklung ihrer Arbeit verfolgen können.

Phplist fällt in puncto Auswertung gegenüber der Konkurrenz leicht ab. Visuell ausgerichtete Anwender dürften vor allem die Diagramme und Graphen vermissen, die die anderen Programme zeichnen. Hier hilft nur, die Daten zu exportieren und mit anderen Programmen weiterzubearbeiten.

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