CAT-Programme erleichtern und beschleunigen die Arbeit von Übersetzern, übersetzen aber nicht selbst. Sie helfen beim Einhalten terminologischer und stilistischer Konsistenz sowie bei der Qualitätskontrolle. Vier Testkandidaten bringen Struktur in kleine und große Übersetzungsprojekte.
Software-Lokalisierer und Fachübersetzer profitieren gleichermaßen von CAT-Programmen (Computer-aided Translation). Beim Einlesen der Texte teilt die Software diese zunächst in Segmente auf. Das sind sinnvolle Teilstücke, etwa Abschnitte, Sätze oder Wortgruppen. Diese übertragen Anwender dann nach und nach von der Quell- in die Zielsprache. Dabei unterstützen sie das integrierte Translation-Memory-System (TM) und die Terminologiedatenbank. Ersteres speichert bereits übersetzte Einheiten. Taucht während des Übersetzens ein Segment entweder genau so oder ähnlich wieder auf, schlägt das TM vor, Teile erneut zu verwenden. Die Termbase pflegen Anwender selbst; sie nimmt ähnlich wie ein Wörterbuch einzelne Ausdrücke sowie Zusatzinformationen in mehreren Sprachen auf.
Um Daten zwischen CAT-Programmen auszutauschen, haben sich im Wesentlichen zwei Formate etabliert: XLIFF und TMX. Das XML Localization Interchange File Format kommt beim Transportieren zweisprachiger Dateien zum Einsatz. Es eignet sich dazu, Übersetzungsdaten und die zugehörigen Kontextinformationen unabhängig von deren ursprünglichem Format an andere Nutzer oder Programme weiterzugeben.
Translation Memory Exchange basiert ebenfalls auf XML und nimmt außer den Segmentpaaren auch andere Informationen auf, etwa Angaben zu Benutzer, Datum der Erstellung/Änderung, Häufigkeit und Kontext und so weiter. Obwohl TMX ein offener Standard ist, funktioniert die Zusammenarbeit mehrerer CAT-Programme nicht immer verlustfrei, da sie die Dateien unterschiedlich auszeichnen. Ein Griff zum externen TMX-Editor löst das Import-/Exportproblem.
Die Bitparade geht mit vier CAT-Systemen für den Linux-Desktop in Klausur. Es treten an: Omega T [1], Swordfish [2], Virtaal [3] und Wordfast Pro [4]. Virtaal ist in Python implementiert, die anderen drei Kandidaten sind Java-Programme. Alle vorgestellten Tools sind plattformübergreifend und laufen auch unter Windows und OS X.
Die Tester schauten sich auf einem Ubuntu-14.04-System mit der Laufzeitumgebung von Oracle [5] an, welche Dokumenttypen die Programme unterstützen und wie es mit dem Im-/Export von TMX und XLIFF aussieht. Sie untersuchten auch den Austausch mit dem Windows-Programm SDL Trados Studio [6], das auf SDLXLIFF setzt, ein abgewandeltes XFLIFF-Format.
Omega T
Der erste Testkandidat steht unter der GPLv2 und ist kostenlos. Die meisten Distributionen bieten Omega T [1] in den Repositories an. Unter Ubuntu präsentiert der Paketmanager die Version 2.3.0. Da die Entwicklung des CAT-Tools schnell voranschreitet, schauten sich die Tester die aktuelle Version 2.6.3_10 vom Juni 2014 an. Im Downloadbereich gibt es Ausgaben mit und ohne Java-Laufzeitumgebung. Wer Letzteres wählt, sollte vor der Installation dafür sorgen, dass die Oracle-JRE vorhanden ist.
Nach dem Auspacken des Quellarchivs starten Anwender das Tool über »./OmegaT« . Erhalten sie eine Fehlermeldung, passen sie die Pfade zur JRE an. Das Skript »./linux-install.sh« kopiert das Programm nach »/opt/omegat« und fordert dazu Rootrechte per Sudo ein.
Omega T präsentiert ein dreigeteiltes Hauptfenster: links den Übersetzungseditor, rechts oben die Anzeige für Treffer aus dem Translation-Memory-System und darunter die Terminologiedatenbank, die bei Omega T »Glossar« heißt. Am unteren Rand stehen die Bereiche »Wörterbuch« , »Maschinelle Übersetzung« , »Multiple Übersetzungen« , »Notizen« und »Kommentare« . Anwender ziehen sie ins Hauptfenster hinein und ordnen sie nach ihren Wünschen an.
Das CAT-Tool arbeitet projektbezogen. Über das Menü »Projekt« legen die Nutzer ein neues Projekt an und bestimmen das Arbeitsverzeichnis. Im folgenden Dialogfenster wählen sie die Sprache der Quell- und Zieldatei, legen Orte für die Originaldokumente, das TM, das Glossar, Wörterbücher und übersetzte Files fest. Die Optionen für die Segmentierung sind sinnvoll voreingestellt. Wer hier etwas verändern will, sollte sich tiefer in die Materie einarbeiten.
Als Nächstes fügen Übersetzer dem Projekt Dateien hinzu – entweder Files von der Platte oder Texte aus dem Internet. Auch wenn der Dialog eine Mediawiki-URL verlangt, können Anwender hier auch beliebige Links zu Dokumenten im Netz eingeben.
Omega T öffnet neben reinen Textdateien die Formate (X)HTML, XLIFF, Microsoft Office 2007 bis 2010, Open Document, Docbook, Latex, Android-Ressourcen, Java-Properties, Gettext PO und einige mehr. Einen Blick auf alle unterstützten Dateiformate bietet der Dialog »Optionen | Dateifilter« . Das CAT-Tool unterstützt Unicode, nicht-lateinische Alphabete und linksläufige Schriften. Es behält die Formatierung und den Dateityp der Ausgangstexte bei.
Schritt für Schritt
Die Projektdateien zerlegt das Programm selbstständig in Segmente. Im Editorfenster ist der jeweils aktive Abschnitt hervorgehoben. [Strg]+[N] springt zum nächsten Textsegment und [Strg]+[U] zum nächsten noch nicht übersetzten. Der ausgewählte Teil erscheint zweimal untereinander. Anwender löschen nun die ursprüngliche Fassung und tragen ihre eigene Übersetzung ein.
Trennlinien zwischen den Segmenten oder eine Aufteilung in Spalten gibt es nicht, was es etwas schwierig macht, die Übergänge zu erkennen. Das Menü »Ansicht« offeriert immerhin einige Möglichkeiten, den Editor mit Farben übersichtlicher zu gestalten (Abbildung 1).
Über »Optionen | Rechtschreibprüfung« aktivieren Anwender den Spellchecker. Im oberen Feld wählen sie ein lokales Verzeichnis für die Wörterbücher, über »Installiere neues Wörterbuch« spielen sie neue Lexika ein. Omega T kontaktiert dazu die im Feld »URL« eingetragene Adresse. Voreingestellt ist der Server des Open-Office-Projekts. Das Tool arbeitet auch mit lokalen Wörterbüchern zusammen. Hinweise dazu und zum Konvertieren von Lexika gibt das Handbuch.
Erkennt Omega T einen Textteil, der einem bereits übersetzten ähnelt, kommt das Translation-Memory-System zum Einsatz, das Feld »Unscharfe Treffer« zeigt Übersetzungsvorschläge an. Der Shortcut [Strg]+[R] ersetzt den Inhalt des aktiven Segments durch den des Übersetzungsspeichers, [Strg]+[I] fügt ihn an der aktuellen Cursorposition im Editor ein. Zeigt das rechte Feld mehrere Treffer, nummeriert Omega T sie durch. Anwender übernehmen dann mit [Strg]+[1],[Strg]+[2] und so weiter gezielt einen Eintrag.
Hilfsmittel
Ähnlich funktioniert die Arbeit mit der Terminologiedatenbank. Im Gegensatz zum TM, das die Software selbstständig füttert, ist der Benutzer für die Begriffe in der Termbase selbst verantwortlich. Per Rechtsklick ins Feld »Glossar« öffnet er einen Dialog zum Definieren neuer Wortpaare. Im Editor auf der linken Seite erscheinen Wörter aus dem Glossar blau unterstrichen (siehe Abbildung 2). Um im Zieltext einen Begriff an der Cursorposition einzusetzen, markiert er ihn im Glossarfeld und klickt dann mit der rechten Maustaste darauf.
Weitere Hilfe erhalten Benutzer durch die Anbindung an maschinelle Übersetzungsdienste im Netz. Omega T befragt auf Wunsch Google, Apertium, Belazar und Bing. Hinweise zum Einbinden, Aktivieren und Konfigurieren bieten die Howtos der englischen Projekthomepage [7]. Es empfiehlt sich auch sonst, die Anleitungen in der englischen Fassung zu lesen – sie sind ausführlicher und behandeln mehr Themen. Wer einen Text mit Formatierungs-Tags (HTML, XML oder Ähnliches) übersetzt hat, der erhält vom CAT-Programm über das Menü »Extras« Unterstützung beim Kontrollieren der Tags, um eventuelle Beschädigungen der Dokumente zu verhindern.
Omega T enthält Teamwork-Funktionen und integriert die Versionskontrollsysteme Subversion und Git. Auf dem Rechner muss dazu ein entsprechender Client installiert sein. Anwender hinterlegen über »Optionen | Team« ihre eigene ID und öffnen dann über »Projekt | Download Team Projekt« den Konfigurationsdialog. Hier tragen sie die URL für das Repository und den lokalen Ordner ein. Omega T speichert alle drei Minuten den Zwischenstand der Übersetzung und überträgt die Daten ans Versionskontrollsystem. Auf diese Weise nutzen mehrere Anwender einen gemeinsamen Übersetzungsspeicher und eine gemeinsame Terminologiedatenbank.
Der Menüpunkt »Projekt | Übersetzte Dokumente erzeugen« legt den übertragenen Text im Unterverzeichnis »target« im Originalformat ab. Zusätzlich generiert das Programm dabei im Hauptordner des Projekts drei TMX-Dateien: »Projektname-level1.tmx« , »Projektname-level2.tmx« und »Projektname-omegat.tmx« . In diesen Files speichert es die Quell- und Zielsegmente, wobei in »level1« nur Textinformation und in »omegat« Omega-T-spezifische Tags für den Austausch mit anderen Omega-T-Projekten stehen. »level2« hingegen speichert korrektes TMX, sodass die Weitergabe an Benutzer mit einem anderen CAT-Tool gelingt.
Im Test funktionierte der Austausch mit allen anderen Kandidaten sowie mit SDL Trados Studio [6] unter Windows einwandfrei. XLIFF-Dateien kann Omega T nur importieren, aber nicht selbst erzeugen. Wer dieses Format an andere weitergeben muss oder möchte, der konvertiert Omega-T-Projekte daher am besten mit einem Skript wie »write_xliff.groovy« [8].
Swordfish
Als zweiter Kandidat kam der Swordfish Translation Editor [2] in der aktuellen Version 3.2-0 an die Reihe. Das Java-Programm stammt von der Firma Maxprograms und steht unter einer geschlossenen Lizenz, ein Einzelplatz kostet 315 Euro (125 Euro für Studenten). Firmenlizenzen schlagen mit 1888 Euro (zehn Arbeitsplätze) oder 3461 Euro (20 Plätze) zu Buche. Campuslizenzen sind auf Anfrage zum Nulltarif erhältlich.
Swordfish ist plattformunabhängig und läuft unter Linux, Windows und OS X. Anwender dürfen das Tool 30 Tage lang kostenfrei testen und laden dazu von der Homepage das passende Archiv herunter. Die Linux-Variante ist für 32- und 64-Bit-Architekturen erhältlich.
Benutzer stellen zunächst sicher, dass Oracle Java 7 [5] auf dem Linux-System vorhanden ist. Danach machen sie die heruntergeladene Datei ausführbar und rufen den Installationsassistenten über »./Swordfish-3.2-0.bin« auf. In der Voreinstellung landet das Programm in »~/Swordfish_III« . Nach dem Start präsentiert sich ein übersichtliches Hauptfenster. Links zeigt das CAT-Programm die Quelltext-Segmente an, daneben ist Platz für die Übersetzung. Rechts platziert Swordfish das Tanslation-Memory-System und die Terminologiedatenbank.
Bevor die Textarbeit beginnt, erzeugen Anwender über das Menü »Databases« eine oder mehrere Datenbanken, in der Swordfish die Übersetzungen und die Terminologien ablegt. Zur Wahl stehen neben einer programminternen Datenbank und Remote TM je nach Betriebssystem MySQL, Oracle und Microsoft SQL Server.
Bei Remote TM handelt es sich um ein weiteres Maxprograms-Produkt, das verteiltes Arbeiten ermöglicht. Die Datenbank ist in den Varianten LAN (610 Euro) und Webserver (980 Euro) verfügbar. Die LAN-Variante läuft unter Linux, Windows und OS X und verlangt einen IP-Bereich für private Netze (10.0.0.x oder 192.168.x.x). Die Webserver-Ausgabe verteilt Swordfish-Datenbanken übers Internet und setzt Apache Tomcat voraus. Zusätzlich bietet der Hersteller gehostete Remote-TM-Installationen ab 30 Euro monatlich an [9].
Anschließend ordnen Anwender über das Menü »Databases« die Datenbanken »Select TM Databases« und »Select Terminology Databases« zu. Dabei entscheiden sie jeweils, ob Swordfish auf die Dateien nur lesend oder auch schreibend zugreift. Das Menü bietet außerdem Optionen, um TMX-, CSV-, Gloss-ML- und TBX-Dateien zu importieren. Wer Wert auf eine automatische Rechtschreibprüfung legt, der sollte über »Options | Internal Dictionaries« Wörterbücher aussuchen.
Das CAT-Programm hat über 80 Sprachen im Angebot (siehe Abbildung 3). Benutzer, welche die Hilfe eines maschinellen Übersetzungsdienstes anfordern möchten, finden im selben Menü einen Eintrag, um die Zusammenarbeit mit Google, Bing und Yandex zu konfigurieren.
Fangfrisch
Anders als Omega T arbeitet Swordfish nicht in den Original-Dokumenten und -Formaten. Stattdessen konvertiert das Programm alle Texte zunächst nach XLIFF und wandelt diese später wieder um. Um eine Quelldatei zu importieren, reicht es, diese über »File | Open File« auszuwählen. Das CAT-Programm bietet im folgenden Dialog an, diese zu konvertieren und fragt dazu ein paar Rahmendaten wie Quell- und Zielsprache, Beschreibung und Trennregeln für das Segmentieren ab (Abbildung 4). Swordfish teilt Dokumente auf Wunsch hinter Abschnitten oder CR-LF auf.
Von allen Testkandidaten unterstützt dieser die meisten Formate: neben den üblichen – (X)HTML, Plain Text, Open Document, Microsoft Office (2007/2010/2013) und Microsoft Visio (2007/2010) – auch Adobe Indesign (Markup Language und Interchange, CS4/CS5), Trados TTX und TXML (Wordfast Pro).
Eine Besonderheit gibt es bei formatierten Dokumenten wie etwa Office-Dateien zu beachten. Vorhandene Strukturinformationen und Formatierungen stellt Swordfish als so genannte Tags dar. Diese erscheinen entweder ausgeschrieben oder grün hervorgehoben als Ziffer in der Quelldatei, was sich über »View | Show/Hide Tags« umschalten lässt. Der Übersetzer sollte diese Tags mit [Strg]+[Zahl] in das Zieldokument übertragen – andernfalls lässt sich dieses später eventuell nicht mehr öffnen.
Beim Segmentieren klammert das CAT-Tool automatisch Teile aus, von denen es meint, sie müssten nicht übersetzt werden, beispielsweise allein stehende Zahlen. Der Benutzer überträgt nun Segment für Segment und wechselt mit der Maus oder den Bildlauftasten durch die Felder. Für jeden fertigen Abschnitt betätigt er den Knopf »Approve Segment« in der Werkzeugleiste am unteren Rand. Hier findet er auch Symbole, um zum nächsten unbestätigten respektive unübersetzten Teil zu springen.
Jedes übersetzte Segment übernimmt das CAT-Programm automatisch ins TM. Taucht im weiteren Verlauf ein ähnlicher Satz oder Teilsatz auf, legt die Software die Übersetzung zur Wiederverwendung vor. Bekannte Begriffe, die in der Terminologiedatenbank stehen, zeigt sie rechts unten im Feld an. Swordfish punktet mit vielen praktischen Zusatzfeatures, beispielsweise einer Lesezeichenverwaltung, einem Filter für Segmente sowie Funktionen, um XLIFF-Dateien zu splitten und wieder zusammenzufügen.
Gut gefielen auch die Auswertungsmöglichkeiten im Menü »QA« . Über diese analysieren Nutzer die Übereinstimmung mit der Terminologiedatenbank, erzeugen eine Vorschau ihrer Übersetzung und diverse Statistiken.
Nach getaner Arbeit wandeln Anwender über das Menü »File« ihre XLIFF-Dateien ins Originalformat. Hier finden sie auch einen Eintrag, der TMX-Dateien exportiert. Der Austausch mit anderen CAT-Tools gelang im Test problemlos, sie öffneten die mit Swordfish erstellten TMX- und XLIFF-Dateien, ohne zu murren. Swordfish zeigte sich ebenfalls kooperativ beim Einlesen fremder XLIFF-Dateien und beim Austausch der SDLXLIFF-Dokumente mit SDL Trados Studio.
Virtaal
Virtaal [1] ist in Python implementiert und steht nicht nur für Linux, sondern auch für Windows und OS X zur Verfügung. Es ist kostenlos und unter der GPLv2 veröffentlicht. Außer Python 2.7 benötigt es GTK+, »translate-toolkit« , »python-gtk2« , »python-gobject« , »python-glade2« , »python-pycurl« und »python-lxml« .
Virtaal ist besonders zum Lokalisieren von Software gedacht und setzt daher auf das Gettext-Format (».po« – und ».mo« -Dateien). Das Python-Programm öffnet darüber hinaus XLIFF-, TMX-, TBX-, Wordfast-TM-, Qt-Linguist-, Qt-Phrase-Book- und Omega-T-Glossary-Dateien. Die Tester schauten sich die Version 0.7.1 an, die in den Repositories aktueller Distributionen liegt.
Nach dem Start bietet ein Dialogfenster Zugriff auf die zuletzt geöffneten Dokumente, ein Tutorial, das Cheatsheet sowie das ausführliche Handbuch. Als einziger Testkandidat öffnet das CAT-Programm weder (X)HTML- noch Text- oder Office-Dateien. Wer solche Dateien übersetzen möchte, installiert am besten das Translate Toolkit [10] und konvertiert sie auf der Shell. Die Werkzeugsammlung enthält rund 20 Python-Skripte, die vom und ins Gettext-Format umwandeln.
Virtaal präsentiert alles in einem Hauptfenster. Das CAT-Tool unterteilt Dateien selbstständig in Segmente und richtet sich dabei nach der Zeichensetzung und Abschnitten. Einfluss auf das Zerlegen können Anwender allerdings nicht nehmen. Die Arbeitsoberfläche ist gut strukturiert. Jedes zweite Textsegment ist hellgrau hinterlegt, bereits übersetzte dunkelgrau. So ist auf einen Blick klar, wo noch Arbeit wartet. Das Dropdownmenü »Navigation« oben links filtert die Anzeige zusätzlich.
Die Eingabemarke befindet sich automatisch im Feld unter dem ersten Abschnitt, die Benutzer tippen hier ihre Übersetzung ein. Mit [Eingabe] schließen sie den Vorgang ab und springen zum nächsten Segment. Um einen Zeilenumbruch im aktuellen Abschnitt einzufügen, tippen sie hingegen auf [Umschalt]+[Eingabe]. [Strg]+[Z] macht einen Arbeitsschritt rückgängig, eine Funktion zum Wiederherstellen fehlt.
Auch die restlichen Funktionen des CAT-Programms sind gut über Tastatur-Shortcuts erreichbar, was die Arbeit maßgeblich beschleunigt. So übernimmt beispielsweise [Alt]+[Pfeil ab] einen kompletten Abschnitt ins Feld der Zielsprache. Virtaal vervollständigt Begriffe automatisch, die Anwender bestätigen einen Vorschlag mit [Tab].
Noch schneller gelingt die Textarbeit dank so genannter Placeables. Virtaal identifiziert Kommandozeilen-Optionen, E-Mail-Adressen, Zahlen und Pfadnamen und hebt diese in der Quelle hervor. [Alt]+[Pfeil rechts] kombiniert mit [Alt]+[Pfeil ab] markiert und übernimmt den Ausruck. Hat die Software mehr als einen Vorschlag in petto, öffnet sich ein Dropdownmenü mit allen Alternativen. Wer das Feature nicht nutzen möchte, wendet sich den Programmeinstellungen zu und deaktiviert die entsprechenden Checkboxen (Abbildung 5).
Kommunikativ
Die Autovervollständigung, eine Autokorrektur, die Terminologiedatenbank und das Translation-Memory-System sind alle über Plugins realisiert. In der Voreinstellung sind alle Erweiterungen aktiviert. Über die Programmeinstellungen schalten Benutzer unerwünschte Hilfe ab oder nehmen Feinjustierungen vor. Dazu klicken sie ein Plugin in der Liste an, damit die Schaltfläche »Configure« zum Vorschein kommt.
Zur Rechtschreibprüfung nutzt das CAT-Programm Enchant, das zum Abiword-Projekt gehört und als Frontend für andere Spellchecker dient. Auf einem der Testsysteme klappte die Rechtschreibkontrolle nicht auf Anhieb, da die Dateien unterhalb von »~/.config/enchant« Root gehörten. Nachdem die Besitzverhältnisse korrigiert waren, schaltete [F8] die Qualitätskontrolle ein, die auch auf vergessene Leerzeichen, Umbrüche und andere Zeichensetzungsfehler aufmerksam macht (Abbildung 6).
In der Plugin-Liste gibt es auch den Eintrag »External Look-up« , der bei Rechtsklick auf einen Begriff im Hauptfenster diesen bei einer Suchmaschine der Wahl nachschlägt. Benutzer sollten diese Erweiterung unbedingt konfigurieren, denn in der Voreinstellung ist neben Google der längst abgeschaltete Dienst Open Tran aktiv. Wer Webservices für die Onlinesuche hinzufügen möchte, der findet im Virtaal-Handbuch Hinweise zur korrekten Syntax.
Auch die maschinellen Übersetzungsdienste sind einen Blick wert. Nach deren Einrichtung erscheinen Vorschläge der externen Anbieter genau wie solche der Termbase und des TM im Dropdownmenü unter dem Zielfeld. Die Virtaal-Konfigurationsdateien befinden sich im Verzeichnis »~/.virtaal« . Das Translation-Memory-System ist als SQlite-Datenbank implementiert (»tm.db« ), bei der Terminologiedatenbank handelt es sich um ein Gettext-File (»terminology.po« ).
Um neue Begriffe in die Terminologiedatenbank aufzunehmen, muss der Benutzer nicht zum Texteditor greifen und die Datei von Hand bearbeiten. Der Menü-Eintrag »Edit | Add Term« ([Strg]+[T]) öffnet ein Dialogfenster, in dem er die Begriffe in der Quell- und Zielsprache einträgt. Im Dropdownmenü »Terminology file« ist die Virtaal-Datei »terminology.po« vorausgewählt. Soll es ein anderes File sein, fügen Anwender mögliche Alternativen über »Edit | Terminology Files« hinzu.
Als Termbase importiert und öffnet das CAT-Tool dieselben Formate wie bei den Übersetzungen. Es liest daher auch TMX-Dateien anderer Programme ein. Lediglich der Export ins TMX-Format gelingt nicht, denn Virtaal speichert nur Gettext-Dateien.
Einen Ausweg bietet das erwähnte Translate Toolkit, das auch Werkzeuge bietet, die ».po« -Files konvertieren. Gleiches gilt für XLIFF-Dateien, die Anwender nur mit externen Helfern erzeugen. Das von SDL Trados Studio produzierte SDLXLIFF-Dokument öffnete Virtaal zwar, zeigte aber für die Quelle Trados-Auszeichnungen und -Tags an. Die verhindern eine erfolgreiche Übersetzung zwar nicht, irritieren jedoch bei der Arbeit.
Wordfast Pro
Auch der letzte Kandidat im Test arbeitet als Java-Programm unter Linux, Windows und OS X: Wordfast Pro [4] ist eine kommerzielle Entwicklung der Firma Wordfast LLC und steht unter einer proprietären Lizenz, die 476 Euro kostet. Firmen, die mehrere Lizenzen erwerben, erhalten ab der dritten 15 Prozent und ab der zehnten 30 Prozent Rabatt. Freiberuflich arbeitende Übersetzer und Privatleute, die in Ländern mit sich entwickelnder Wirtschaft leben und arbeiten, erhalten auf Nachfrage 50 Prozent Preisnachlass, karitative Einrichtungen und Nichtregierungsorganisation können sich um einen kostenfreien Zugang bewerben.
Alle Lizenzen sind drei Jahre lang gültig; kostenlose Updates sind inbegriffen. Firmen dürfen Wordfast-Pro-Lizenzen nur auf einem Gerät nutzen, Freiberufler und Privatleute auf zwei.
Wer das CAT-Programm testen möchte, lädt es von der Herstellerwebseite herunter. Die Demoversion ist nicht zeitlich begrenzt. Der Anbieter beschränkt stattdessen das Translation-Memory-System auf 1000 Segmente, die bei Wordfast Pro Übersetzungseinheiten (Translation Units) heißen. Außerdem ist die Zusammenarbeit mit maschinellen Übersetzungsdiensten begrenzt.
Auch wenn auf der Webseite nach wie vor steht, dass für Linux-Anwender nur eine 32-Bit-Variante existiert, ist diese Information überholt. Version 3.4.1 vom Juni 2014 steht auch in der 64-Bit-Variante zum Download zur Verfügung. Nach dem Auspacken starten Anwender das Programm über »./Wordfast« .
Über das Menü »File« erzeugen sie ein neues Projekt oder öffnen ein vorhandenes. Der erste Schritt ist genau wie bei Swordfish das Anlegen beziehungsweise Importieren eines Translation Memory und einer Terminologiedatenbank. Anwender wenden sich dazu dem Menü »Translation Memory« oder den Programmeinstellungen zu.
Intern speichert Wordfast Pro die Datenbanken als Textdateien. Im Einrichtungsdialog befinden sich zudem Schaltflächen, um diese ins TMX- respektive TBX-Format (Term Base Exchange) zu exportieren. Es ist ebenso möglich, externe Dateien – beispielsweise solche von anderen Anwendern oder CAT-Programmen – für Wordfast Pro zur Verfügung zu stellen, das Tool bindet zudem Online-Glossare und -TMs über Term Manager und Wordfast Server/Anywhere ein.
Rückhalt
Ein Projekt enthält eines oder mehrere Dokumente. Wordfast Pro öffnet Microsoft-Visio- und Microsoft-Office-Files (Word, Excel, Powerpoint) sowie die Formate HTML, XML, ASP/JSP/Java, INX/IDML (Indesign), MIF (Framemaker), TTX, PDF, XLF und SDLXLIFF. Dateien im Open Document Format erkennt das CAT-Tool nicht, daher müssen Anwender diese Files in Libre Office zunächst konvertieren.
In der Voreinstellung präsentiert das CAT-Tool die Segmente in einer Tabelle. Links steht das Original, rechts ist Platz für die Übersetzung. Die Unterteilung nimmt die Software anhand von Satzzeichen und Zeilenenden vor. Anwender dürfen eigene Regeln im Konfigurationsdialog definieren. Im rechten Bereich listet Wordfast Pro alle Segmente und ihren Status auf, am unteren Rand schalten Benutzer über Tabs zwischen TM, TXML-Kontext, Notizen und der Änderungsverfolgung für Segmente um. Einen übersetzten Abschnitt erklären sie über [Alt]+[Pfeil ab] oder das Symbol in der Werkzeugleiste für gültig. In der Voreinstellung warnt die Software, wenn jemand diesen Schritt übersprungen hat.
Wordfast Pro erleichtert die Orientierung durch farbliche Hervorhebungen und markiert Übereinstimmungen mit dem TM sowie Begriffe, die in der Terminologiedatenbank vorkommen. Eine praktische Funktion schlägt vor, diese Ausdrücke beim Übersetzen direkt ins Zieldokument zu übernehmen (Abbildung 7). Während die anderen drei Testkandidaten das Übersetzungsgedächtnis weitgehend automatisch füllen, können Wordfast-Pro-Anwender zusätzlich über das Menü »Translation Memory« einzelne (»Commit Current Segment to TM« ) beziehungsweise alle Abschnitte (»Commit all segments to TM« ) zur TM-Datenbank hinzufügen.
Wer in den Programmeinstellungen maschinelle Übersetzungsdienste (Google, Microsoft und World Lingo) aktiviert, kann per Rechtsklick auf ein Segment um Hilfe aus dem Web bitten. Wordfast Pro markiert diese Abschnitte orange und setzt als Statusflag »MT« , was den Übersetzer daran erinnert, dass er diese Teile überarbeiten sollte (Abbildung 8).
Für die Rechtschreibprüfung setzt das CAT-Programm unter Linux auf Hunspell. Wer eine Kontrolle während der Eingabe wünscht, schaltet das Feature im Einrichtungsdialog ein. Hier ist es ebenfalls möglich, ein alternatives Verzeichnis für die Wörterbuchdateien einzustellen. Statistische Auswertungen sowie eine Vorschau als Word-Dokument runden den Funktionsumfang ab. Wählt der Benutzer Letzteres, öffnet sich auf Linux-Rechnern Libre Office.
Der Menü-Eintrag »File | Save Translated File« speichert Dateien in ihrem Originalformat. Die Exportmöglichkeiten unter »Save as« beschränken sich auf das hauseigene TXML und verschiedene Word-Dokumente. Um das Translation Memory als TMX-Datei zu exportieren, gehen Anwender zur entsprechenden Abteilung in den Programmeinstellungen. Vorher sollten sie sicherstellen, dass sie alle übersetzten Abschnitte bestätigt haben.
Die so entstandenen Files konnten die Tester problemlos in den anderen CAT-Tools öffnen. Auch das Einlesen und Speichern von XLIFF- und SDLXLIFF-Dateien gelang ohne Schwierigkeiten.
Sprachförderung
Die Arbeit mit Omega T ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, da im Übersetzungseditor alles untereinander steht und Trennlinien oder Spalten fehlen. Für mehr Übersicht sorgt die Farbgestaltung. Gut gefiel den Testern die Tag-Kontrolle, was vor allem beim Übersetzen von (X)HTML-Dateien praktisch ist. Dass Omega T mit den gängigen Versionskontrollen Git und Subversion kooperiert, gibt weitere Pluspunkte. Das Programm eignet sich damit gut für Anwender, die sich als Software-Lokalisierer bei Open-Source-Projekten engagieren.
Swordfish bietet einen umfangreichen Werkzeugkasten und richtet sich damit vor allem an professionelle Übersetzer. Wer alle Funktionen verstehen und effizient nutzen will, muss eine längere Einarbeitungszeit einplanen und das Handbuch gründlich studieren. Das CAT-Tool zeigt sich flexibel bei der Zusammenarbeit mit vielen Datenbanken. Besonders bei längeren Dokumenten ist die Lesezeichenfunktion praktisch.
Virtaal ist das CAT-Tool der Wahl für Gelegenheitsübersetzer oder Mitarbeiter kleinerer Open-Source-Projekte. Das Programm ist schnell, benutzerfreundlich und überzeugt mit der aufgeräumten Oberfläche. Von Haus aus unterstützt die Python-Anwendung nicht so viele Formate wie die anderen Kandidaten und spricht nativ lediglich Gettext. Doch helfen die Shellskripte aus dem Translate Toolkit aus der Bredouille.
Wordfast Pro spielt genau wie Swordfish in der Profiliga, lässt keine Wünsche offen und richtet sich eher an hauptberufliche Übersetzer. Auch für dieses CAT-Tool sollten Anwender eine gewisse Lehrzeit einplanen. Dass die Linux-Version ausgerechnet das Open Document Format nicht unterstützt, ist ärgerlich und sorgt für Umwege über Libre Office.
Während es beim Importieren von XLIFF- und TMX-Dateien im Test keine Schwierigkeiten gab, sah es beim Export anders aus. Die beiden Profitools Swordfish und Wordfast Pro unterstützen vorbildlich alle Formate. Omega T hingegen benötigt ein externes Skript, um XLIFF-Dateien zu erzeugen. Virtaal lagert den Export gleich ganz an das Translate Toolkit aus und erzeugt auch TMX nur mit einem externen Helfer.
Infos
- Omega T: http://www.omegat.org/de/omegat.html
- Swordfish: http://www.maxprograms.com/products/swordfish.html
- Virtaal: http://virtaal.translatehouse.org
- Wordfast Pro: http://www.wordfast.com
- Oracle Java 7: http://www.oracle.com/technetwork/java/javase/downloads/jre7-downloads-1880261.html
- SDL Trados Studio: http://www.sdl.com/de/products/sdl-trados-studio
- Englische Omega-T-Howtos: http://www.omegat.org/en/documentation.php
- »write_xliff.groovy« -Skript: http://libretraduko.wordpress.com/2014/01/16/convert-omegat-project-to-xliff-for-other-cat-tools
- Remote TM (Software as a Service): http://www.maxprograms.com/store/buy.html
- Translate Toolkit: http://docs.translatehouse.org/projects/translate-toolkit/en/stable-1.11.0














