Das Linux-Magazin stellt zwei englischsprachige Bücher vor. Das erste widmet sich dem funktionalen Programmieren in Scala und Clojure. Das zweite überträgt Open Source auf die Kommunalpolitik
Die IT-Industrie lässt regelmäßig ältere Technologien neu aufleben. Dazu gehört derzeit die funktionale Programmierung, die nun für komplexe und verteilte Systeme zum Einsatz kommt. Dieser alten und zugleich neuen Schule widmet sich das englischsprachige Buch “Functional Programming Patterns” von Michael Bevilacqua-Linn.
Funktionaler Einstieg
Als Motivation erzählt der Autor zunächst die Geschichte eines Programmierers, der sich mit dem widerspenstigen API eines Partners plagt. Dank der funktionalen Sprache Clojure und ihren Tools gewinnt er binnen weniger Stunden die Oberhand. Anschließend stellt Bevilacqua-Linn die drei Programmiersprachen vor, die er im Verlauf des Buches verwendet. Neben Clojure sind das Java und Scala.
Danach zeigt er ein sehr einfaches Java-Webframework und erläutert, wie man es in Scala oder Clojure schreiben würde. Im Weiteren dekliniert der Autor die gängigen Design Patterns der objektorientierten Programmierung durch und erklärt, welche funktionalen Idiome sich in den behandelten Sprachen für die gleichen Aufgabenstellungen eignen.
Im letzten Kapitel konzentriert er sich ganz auf Scala und Clojure, um funktionale Muster zu zeigen, die Arbeiter der objektorientierten Welt kaum zu sehen bekommen.
Dieses Buch demonstriert, wie der funktionale Programmierstil bestimmte Probleme in knapperem und leichter verständlichem Code löst als der objektorientierte Ansatz. Das macht es zu einer nützlichen Hilfe für Entwickler, die von der Objektorientierung kommen, ihren Horizont erweitern möchten und neue Sichtweisen suchen. Sie müssen allerdings bereits Grundkenntnisse in Clojure und Scala mitbringen – wer das Buch ohne Vorkenntnisse aufschlägt, dürfte sich mit der Syntax der Listings schwertun.
Programmierer, die es gewöhnt sind, die Welt durch die objektorientierte Brille zu sehen, finden in diesem Band eine Hilfe bei den ersten Schritten in der funktionalen Welt. Wer aber bereits mit ihr vertraut ist und regelmäßig mit First-class Functions jongliert, wird hier kaum etwas Neues lernen.
Info
Michael Bevilacqua-Linn:
Functional Programming Patterns in Scala and Clojure
Pragmatic Programmers 2013
250 Seiten
29 Euro (E-Book 20 Euro)
ISBN 978-1-93778-547-5
Open-Source-Städte
Das E-Book “The foundation for an open source city” des Red-Hat-Mitarbeiters Jason Hibbets möchte dem “weltweit wachsenden Wunsch vieler Bürger” nach mehr Offenheit und Transparenz in Behörden und Städten Rechnung tragen. Untermalt von eigenen Erfahrungen schildert der Autor, wie man als Bürger oder Verantwortlicher mehr “Open” in die Kommune bringt.
Zunächst definiert Hibbets die fünf wichtigsten Charakteristika einer Open-Source-Stadt: Teilhabe, offenes Regieren, Open Data, offene Veranstaltungen und Vernetzung. Er erzählt beispielsweise von City Camps, die er in Raleigh, North Carolina, ausrichten half. Solche “Unkonferenzen”, die die Teilnehmer selbst gestalten, fanden 2011 erstmals in der US-amerikanischen Stadt und Heimat von Red Hat statt.
Weiter geht es mit Tools, die helfen das Regieren transparent zu machen: Im Frage-Antwort-Stil, oft den Leser direkt ansprechend, schildert Hibbets die nächsten Schritte, beschreibt die “Open Source Government Resolution” der City of Raleigh, zeigt, wie sich User, Konferenzen und Open-Source-Tage organisieren lassen und welche Rolle Informationsknoten spielen. Den Abschluss des gelungenen E-Books bilden ein Kapitel zu den Prinzipien einer Open-Source-Stadt sowie ein Blick in die Zukunft, die der Autor für sehr vielversprechend hält.
Das mit Links und Referenzen gespickte E-Book ist der Bericht eines Open-Source-Evangelisten, der an seine Mission glaubt. Ein möglicher Kritikpunkt an seiner Argumentation ist allerdings die Zeit: Erst seit wenigen Jahren laufen die Bemühungen und Beobachtungen des Autors. Daneben stellt sich die Frage, inwiefern sich vieles, das Hibbets berichtet, auf die Gegebenheiten anderer Länder, Kontinente oder Mentalitäten übertragen lässt. In Raleigh anzufangen, der Heimat des Milliardenkonzerns Red Hat, scheint jedenfalls keine schlechte Idee.
Das Manuskript gibt es übrigens auf http://theopensourcecity.com unter Creative-Commons-Lizenz.








