Offen, frei, flexibel und flott, gleichzeitig aber auch sicher in der Tradition von Linux und Open-Source-Software und dabei dennoch modern und innovativ, mit Wischgesten bedienbar und ansprechend auch für normale Anwender – all das will das Jolla-Smartphone mit Sailfish OS bringen.
Nachdem Nokia Anfang 2011 mit einem Schlag praktisch seine gesamte Open-Source-Strategie über den Haufen geworfen hatte, machte sich in den um Maemo und Meego entstandenen Communities große Frustration breit – und Zukunftsangst. Die sehr offene Plattform, die noch am meisten von einem “normalen” Linux hatte [1], war ihrer Grundlage beraubt, auch weil weder Intel noch die Linux Foundation helfen konnten. Den Frust teilten auch Nokia-Angestellte, die sich über viele Jahre sehr dafür engagiert hatten und einen guten Ruf in der Open-Source-Welt genossen.
Viele verließen fast schon fluchtartig den ehemals größten Handyproduzenten der Welt und suchten nach neuen Wegen, ihre Ziele zu erreichen. Einige rauften sich zusammen, fanden Kapitalgeber und bauten auf den Ruinen von Nokias Meego-Ableger Harmattan etwas Neues: Jolla [2] und Sailfish OS [3].
Jolla, die Firma
Als direkte Reaktion auf das Einstellen der Linux-basierten Smartphone-Aktivitäten bei Nokia gründete sich Jolla Oy (kurz Jolla), die Firma hinter Sailfish OS und dem Jolla-Smartphone Ende März 2011. Die ersten Mitarbeiter und die Führungsriege des neuen Unternehmens waren überwiegend ehemalige Nokia-Manager, Projektleiter und Entwicklungsingenieure. Nach eigenen Angaben hat die Firma, die heute von Tomi Pienimäki geführt wird, über 100 Angestellte. Firmensitz ist Helsinki, Finnland.
Das Jolla-Projekt besteht aus zwei Teilen, der Hardware und dem Sailfish OS (Abbildung 1). Es ist bis heute nicht ganz klar, welcher der beiden Teile oder ob vielleicht auch beide zusammen das eigentliche Ziel der Firmenaktivitäten sind. Angefangen hat alles mit einer Reihe von Demonstrationen, wie leicht Sailfish OS und das neue Benutzerinterface auf allerhand existierende (meist Android-)Geräte portierbar sei.
Von einem eigenen Hardwareprodukt sprach zwar 2011 noch niemand, aber vermutlich hat Jolla anfangs versucht Lizenznehmer aus dem Hardwarebereich zu finden – ohne Erfolg. Erst im Mai 2013, knapp zwei Jahre nach ihrer Gründung konnte die Firma eigene Hardware ankündigen.
Jolla, das Telefon
Die Hardware des Jolla-Smartphones (Tabelle 1: “Jolla-Spezifikationen”) erweist sich als eher durchschnittlich. Doch die Verarbeitung ist durchaus ordentlich. Das Telefon liegt gut in der Hand, was nicht zuletzt am Aluminiumrahmen liegt, der dem Gerät neben Stabilität auch eine gewisse Wertigkeit verleiht. Den guten haptischen Eindruck trübt nur leicht der wirklich dünne und wie Plastik anmutende Rückendeckel, “The Other Half” (TOH, “Die andere Hälfte”) genannt. Doch der Multifunktionsdeckel hat es in sich, aber dazu später mehr.
Tabelle 1
Jolla-Spezifikationen
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Maße und Gewicht |
131 x 68 x 9,9 Millimeter, 141 Gramm |
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Display |
11,43 Zentimeter (4,5 Zoll) IPS QHD, 960 x 540 Pixel |
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GUI |
Silica (Qt auf Wayland) |
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CPU |
Qualcomm MSM8930 Dual Core, 1,4 GHz |
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Speicher |
1 GByte RAM, 16 GByte intern, Micro-SD-Steckplatz |
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Mobilfunk |
GSM: 850/900/1800/1900 MHz WCDMA: 900/2100 MHz, 4G, LTE |
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SIM-Format |
Micro-SIM |
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Wifi |
802.11 b/g/n |
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Bluetooth |
BT 4.0 EDR HS |
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GPS |
AGPS und GLONASS |
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USB |
Micro-USB 2.0 HS mit Ladefunktion (Host-Mode) |
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Kameras |
Rückseite: Autofokus, 8 Megapixel mit LED Blitz Vorderseite: Fixed-Fokus, 2 Megapixel |
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Audio |
3,5-Millimeter-4-Pin-Klinke |
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Sensoren |
Näherung, Beschleunigung, Gyroskop, E-Kompass, Umgebungslicht |
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Akku |
2100 mAh, 3,8-Volt-Lithium-Polymer-Akku, Austauschbar, zirka 500 Stunden Stand-by, 9 bis 10 Stunden Gesprächszeit (Herstellerangabe) |
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Erweiterungen via “The Other Half” |
NFC, Power On/Out, I²C-SPIO |
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Preis |
400 Euro für Gerät mit weißer TOH, 30 Euro jede zusätzliche Other Half |
Das Telefon macht einen robusten Eindruck: Corning-Gorilla-Glas schützt ein Display mit einer wie bei den meisten Smartphones üblichen glänzenden Oberfläche. Das QHD-IPS-TFT-Display löst mit 960 mal 540 Bildpunkten auf und gehört zu den Besseren seiner Klasse. Es ist kontraststark und die LED-Hintergrundbeleuchtung für die meisten Umgebungslichtsituationen ausreichend hell.
Wie bei allen diesen Displays ist ein Ablesen in direktem Sonnenlicht jedoch praktisch nicht möglich. Durch die IPS-Technologie verfügt das Display über einen großen Betrachtungswinkel. Die Wiedergabe-Farbtemperatur erscheint tendenziell etwas kalt, aber nicht störend oder auffällig.
Keine Tasten
Jolla hebt bei Präsentationen gerne hervor, dass die Benutzeroberfläche und damit die Geräte fast komplett ohne Hardwaretasten auskommen. So verfügt auch das Jolla-Telefon über nur drei Tasten: den Einschaltknopf und eine Wippe zur Lautstärkeregelung.
Als CPU ist ein Snapdragon S4 Plus von Qualcom (MSM8930, angekündigt 2011) mit zwei mit 1,4 Gigahertz getakteten CPU-Kernen basierend auf der Krait-Technologie verbaut. Die Geschwindigkeit der CPU soll damit in der Größenordnung eines Quadcore-Cortex-A9 liegen. Der MSM8930 SoC beherbergt im gleichen Gehäuse noch eine Adreno-305-GPU, die für die Grafikbeschleunigung sorgt.
Netz
Das Mobilfunkmodem unterstützt Quad-Band-GSM, Dual-Band-UMTS sowie 4G-LTE. Als SIM-Karte bedarf es einer Micro-SIM, was eigentlich bei dieser Gehäusegröße nicht notwendig erscheint, aber auch bei Konkurrenten zunehmen üblich wird. Das eingesetzte Wifi-Modul arbeitet hingegen nur im 2,4-GHz-Frequenzband. Die Bluetooth-Komponente unterstützt auch Version 4.0 und damit die neuen Bluetooth-Low-Energy-Modi (BLE). Ob das auch die Software bereits mitmacht, ist nicht bekannt.
Auch die Speicherausstattung erscheint angemessen. Mit 1 GByte RAM sollten die meisten Apps auskommen und auch im präemptiven Multitasking genug Anwendungen parallel lauffähig bleiben. Der interne Speicherplatz ist mit 16 GByte ordentlich, zumal er sogar noch über eine Micro-SD-Karte mit bis zu 32 GByte erweiterbar ist.
Bunt: Die andere Seite
Einer der interessanteren Punkte der Hardware ist allerdings “The Other Half” (TOH, Abbildungen 2 und 3). Als solche “andere Hälfte” bezeichnet Jolla den Rückendeckel des Gehäuses, der nicht nur ein einfacher Deckel sein will.
Die Other Half gibt es in verschiedenen Farben. Je nach Stimmungslage soll der Benutzer eine andere Rückseite einfach aufstecken können – was allerdings angesichts des Preises von etwa 30 Euro pro Other Half nicht sehr verlockend erscheint. Zudem ist der Wechsel der TOH keine sehr leichte Aufgabe, denn der doch vergleichsweise dünne Deckel ist stramm auf das Gerät geklipst und beim Abnehmen bleibt die Angst, etwas zu zerbrechen.
Flexibel und mit GPIO-Pin
Doch TOH ist nicht nur ein einfacher Plastikdeckel. Auf seiner Innenseite befindet sich ein kleines NFC-Tag zur eindeutigen Identifizierung. Die Other Halfs unterscheiden sich zwar bisher nur in ihrer Farbe, das OS zeigt aber bereits die Möglichkeiten: Klipst der Benutzer eine andere Other Half an, bietet ihm das System automatisch an, die Farbgebung der Benutzeroberfläche an die Farbe der neuen Hülle anzupassen. Zukünftig soll die TOH noch weitere Funktionen erhalten, sie könnte dann auch direkt die zusätzliche Software für ihren Betrieb mitbringen.
Dazu stehen auf der Rückseite des Geräts einige Kontakte zu Verfügung, die sogar offiziell dokumentiert und mit Softwareschnittstellen versehen sind. Seit Ende Februar gibt es auch das The Other Half Developer Kit [4] zum Download. Laut der darin enthaltenen Dokumentation finden sich dort Kontakte zum Laden des Telefonakkus, zur Spannungsversorgung von Zusatzhardware der Other Half (mit 3,3 Volt), ein I²C-Bus und ein Interrupt-fähiger GPIO-Pin (Abbildung 2).
Sailfish: Jollas Software
Nicht zuletzt durch den Nokia-Hintergrund der Firmengründer, beruht der größte Teil von Sailfish OS [3] auf denselben Open-Source-Projekten wie Nokias letzte Linux-basierte Mobiltelefonplattform. Als Basis dient eine auf dem RPM-Paketsystem basierende Linux-Distribution, die bereits die Grundlage von Meego bildete [5].
Im Zuge des Niedergangs von Nokia und damit auch Meego hat die Open-Source-Gemeinschaft versucht, die Ergebnisse am Leben zu erhalten und dazu das Mer-Projekt [6] und das darauf aufbauende Nemo [7] gegründet. Einer der Gründer von Mer ist Carsten Munk, der heute als leitender Software-Entwickler bei Jolla arbeitet. Mer stellt die Betriebssystembasis und grundlegende Infrastruktur für alle darauf aufsetzende Software bereit, Nemo eigentlich das GUI.
Jollas grafische Benutzerschnittstelle (Abbildungen 1, 4, 5 und 6), das Sailfish-UI, basiert auf Qt 5 von Digia und ist mit nativem Qt, Qt Quick und QML entwickelt. Die Anwendungen sind damit in der Regel kompilierte Programme, die einen deutlichen Performancegewinn gegenüber interpretierten Plattformen wie Java unter Android (via Dalvik) oder HTML 5 und Javascript unter Firefox OS bieten können.
Ganz nebenbei lässt sich so auch das präemptive Multitasking des zugrunde liegenden Linux-Kernels besser ausnutzen. Für die speziellen Anforderungen an eine grafische Oberfläche auf Mobilgeräten hat Jolla selbst eine auf Qt basierende Bibliothek entwickelt: das Silica-UI.
Innovatives GUI
Die Benutzeroberfläche von Sailfish ist sicherlich als innovativ zu bezeichnen. An einigen Stellen verfolgten die Designer ganz neue Ansätze, um die Interaktion zwischen Gerät und Benutzer zu gestalten: Das Grundkonzept ist vergleichbar mit einem Kartenstapel. Eine Applikation gliedert sich in mehrere Ansichten, die jeweils einer Karte entsprechen und zwischen denen der Benutzer mit Touchscreen-Gesten wechselt.
Zurück, Home, Taskmanager und individuelle Menüs
Das Wischen aus der Bildschirmmitte zum linken Rand entspricht etwa dem Zurück-Knopf bei Android, Wischen vom rechten oder linken Rand schiebt die aktuelle Karte zur Seite und offenbart den Hauptbildschirm, ähnlich der Android-Home-Taste. Nette grafische Spielerei hierbei ist, dass Sailfish die Ansicht der Applikation langsam aus- und den Hauptbildschirm einblendet, was sich dann auch mit Links- oder Rechts-Bewegungen beliebig steuern lässt.
Wer auf diese Weise zum Hauptbildschirm wechselt, bei dem läuft die Applikation im Hintergrund weiter. Das GUI zeigt ihm ein so genanntes Active Cover an, wo Applikationen Informationen präsentieren, die der Benutzer in der Taskliste zu sehen bekommen soll (Abbildung 1, ganz rechts) – zum Beispiel läuft hier die Videowiedergabe in einer stark verkleinerten Ansicht weiter, ähnlich wie bei KDE. Um Applikationen wirklich zu beenden, wischt der Anwender in der Vollansicht von ganz oben nach unten oder drückt länger auf die Cover-Ansicht.
Alle Applikationen können ein eigenes Menü mitbringen. Dass ein Menü vorhanden ist, signalisiert dem Benutzer ein leichtes Leuchten am oberen Bildschirmrand. Ein Wischen aus der Mitte nach unten zieht das Menü vom oberen Rand herunter. Je nachdem, wie weit man zieht, wird damit auch der Menü-Eintrag aktiv, der am nächsten zum Rand liegt. Pfiffig und unkompliziert: Lässt der Anwender los, dann wählt das GUI den gerade aktiven Eintrag aus.
Die Bedienung mit den unterschiedlichen Wischgesten ist gut durchdacht, konsistent und zugleich erfrischend anders. Spaß macht das GUI auch, weil sich die gesamte Oberfläche sowie alle Applikationen sehr fließend verhalten. Alle Animationen und Transitionen laufen sauber, ohne Ruckeln und Flackern. Hier macht es sich wohl bezahlt, dass die Applikationen größtenteils direkt auf der CPU in Maschinencode ablaufen und nicht erst interpretiert sein wollen.
Bedienung: Schnell und schön, aber nicht intuitiv
Die stark an Gesten orientierte Bedienung hat aber auch Nachteile, denn sie erschließt sich dem Benutzer – bis auf wenige Ausnahmen – nicht von allein. Man muss wissen, wie bestimmte Funktionen zu erreichen oder auszulösen sind. Zwar ist ihre Anzahl begrenzt, sodass sich der Anwender schnell daran gewöhnt, aber ein unbedarfter Benutzer kann mit einem Gerät kaum etwas anfangen. Spätestens beim Verlassen einer Applikation werden die meisten straucheln.
An anderen Stellen bricht das Konzept ein wenig: Besteht eine Applikation aus mehreren hierarchisch angeordneten Karten, kann man zwar mit einem Wischen nach links zurück zur vorherigen Karte gelangen, doch ein Wischen nach rechts gibt es dann nicht.
Irgendwie ist das auch logisch, denn wohin sollte man auf diese Weise gelangen? Trotzdem passierte es zumindest den Testern des Linux-Magazins immer wieder, dass sie bei der Navigation durch solche Kartenstapel wieder zu der Karte zurückkehren wollten, von der sie kamen.
Apps, Apps, Apps: Teils gelungen, teils spartanisch
Die mitgelieferten Applikationen sind allesamt funktional, aber teilweise – wenig überraschend – noch spartanisch. Es gibt den mittlerweile üblichen Satz aus Kamera-Applikation, Medienabspieler, Galerie und natürlich der Telefonie-Applikation. Der E-Mail-Client funktioniert gut und unterstützt POP3 und IMAP4 über SSL-TLS-Verbindungen.
Auch der Webbrowser ist den Entwicklern sehr gut gelungen. Das Rendering ist flott, Inhalte werden automatisch und sinnvoll an die Displaybreite angepasst – das ist etwas, woran andere mobile Browser leider immer noch oft scheitern. Auch HTML-5-Multimedia-Applikationen wie Youtube laufen sauber und fließend. Und die Entwicklung scheint weiter Fahrt aufzunehmen: Seit Anfang Februar unterstützt der Browser auch eine Horizontalansicht.
Kontakte- und Kalender-Applikationen sind ausreichend für die Zwecke eines Telefons. Allerdings fehlt noch praktisch jede Möglichkeit, diese Daten mit einem anderen Dienst zu synchronisieren. Einzig die Daten eines Google-Kontos lassen sich herunterladen und einbinden, eine Zweiwege-Synchronisation findet dabei aber noch nicht statt.
Als weiterer Kontotyp kann ein XMPP-Konto dienen. Eine spezielle Jabber-Chat-Applikation (XMPP) fehlt allerdings, und wie Jabber-Nachrichten über die normale Nachrichten-Applikation (SMS/MMS) verschickt werden können, erschließt sich nicht unmittelbar.
Silica
Im Silica-UI des Sailfish OS müssen Applikationen das Umschalten der Display-Orientierung explizit unterstützen und freigeben. Apps, die dies nicht können, bleiben immer hochkant. Diese bei anderen System übliche Funktion bei Sailfish OS nicht mehr zur Verfügung zu haben, ist gewöhnungsbedürftig.
Gerade wenn der Benutzer Texte auf der virtuellen Tastatur tippen muss, etwa beim Erstellen einer Kurznachricht, wäre eine Ansicht im Querformat deutlich praktischer, damit die Bildschirmtastatur etwas mehr Platz für die Tasten und der Benutzer für seine vielleicht auch etwas größeren Finger bekommt.
Privatsphäre gesucht
Abzüge bekommt der Browser in puncto Schutz der Privatsphäre. Hierzu bietet er, außer einer Funktion zum Löschen aller persönlichen Daten, keinerlei Optionen an – es gibt keine Kontrolle von Cookies, Javascript oder Do-not-track. Auch das restliche System schützt den Benutzer leider nicht sonderlich vor dem Abgriff von Daten durch Konzerne oder Dienste. Als einzige Suchmaschinen sind Google, Yahoo und Bing verfügbar, eigene lassen sich offenbar nicht hinzufügen.
Bedenklich ist auch, dass schon alleine für das Herunterladen kostenloser Applikationen aus Jollas App-Shop [8] ein Account mit E-Mail-Adresse angelegt werden muss. Ohne diesen erhält das Telefon auch keine Systemupdates. Eine Option, wie bei einigen Android-Geräten verfügbar, zum Verschlüsseln der Daten auf dem Telefon fehlt gänzlich.
Auch die GPS-Funktion des Telefons leidet unter einem Problem, das die Privatsphäre empfindlich stören kann. So lässt sich das eingebaute GPS erst nach Zustimmung zur Nutzung der Positions- und Netzdaten durch Nokia Here einschalten. Wer den GPS-Empfänger, den er als eigenständige Hardware im Gerät gekauft hat, benutzen will, muss dem Nokia-Here-Dienst uneingeschränkt seine Positionsdaten sowie die Daten der gerade in Reichweite befindlichen Funknetze zur Verfügung zu stellen.
Alien Dalvik
Jede neue Smartphone-Plattform der vergangenen Jahre wurde auch anhand der Anzahl der verfügbaren Applikationen gemessen. Völlig verständlicherweise kann keine Pattform vom Start weg mit dem Angebot eines I-OS oder Android konkurrieren, auch Jolla nicht. Da jedoch die Laufzeitumgebung für Android-Applikationen als Open-Source-Software zur Verfügung steht, hat Jolla mit Hilfe von Myriads Alien Dalvik [9] eine Abkürzung genommen.
Alien Dalvik ist eine Laufzeitumgebung für Android, die getrennt vom eigentlichen System läuft und nur über definierte Schnittstellen Zugriffe auf das Hostsystem erlaubt – also eine so genannte Sandbox. Innerhalb dieser Sandbox ist der Funktionsumfang für darin laufende Applikationen vollständig. Es gibt keine Abstriche bei Funktionen oder APIs, sodass eine weitgehende Kompatibilität im Vergleich zu einem normalen Android-Gerät gegeben ist.
Die Zugriffe der Android-VM auf das Hostsystem beschränken sich bei Sailfish OS auf das Benutzerinterface (Display und Touchscreen), Audio, Netzwerk, Standortdienste sowie den lesenden Zugriff auf die Daten der Kalender- und Kontakte-Applikationen sowie einen lokalen Speicherbereich zum persistenten Ablegen von Applikationsdaten.
Googles Android-Applikationen wie Play-Store oder Maps sind natürlich nicht enthalten und lassen sich auch nicht auf offiziellen Wegen installieren, da diese nur zertifizierten Geräten vorbehalten sind. Doch es gibt eine Reihe freier Alternativen, zum Beispiel den Katalog für freie Android-Apps F-Droid [10]. Jedes heruntergeladene APK-Paket erkennt Sailfish automatisch als Android-Applikation und bietet die Installation innerhalb von Alien Dalvik an.
Android-Apps stellt es im Applikationsmenü genau wie jede andere Applikation dar, nur ein subtil anderes Aussehen des Icons signalisiert, dass es sich dabei um eine für Androiden geschriebene Anwendung handelt. Der Start der Android-Apps erfolgt erstaunlich schnell. Sie stehen damit den nativen Sailfish-OS-Applikationen nicht viel nach, bis auf ihren nur eingeschränkten, aber eben auch sichereren Systemzugriff.
Voller Zugriff für Linux-Fans
Für Linux-Enthusiasten wird schon die Tatsache, dass Sailfish Applikationen als native Programme direkt in einem normalen Linux-System als Maschinencode ausführt, einen gewissen Reiz ausüben. Auf dem Telefon kann der Anwender in den Systemeinstellungen einen Entwicklermodus aktivieren, der vollen Rootzugriff auf das Gerät erlaubt. Im Jolla-Applikations-Shop gibt es dazu noch eine Terminal-Applikation, mit der sich direkt auf dem Gerät oder per SSH als User »root« in einer Shell arbeiten lässt.
Da Applikationen direkt laufen, benutzen sie auch die APIs, die das Sailfish-Linux-System anbietet. Und genau wie bei einem normalen Desktop-Linux-System birgt dies Gefahren für Applikationsentwickler, die zum Beispiel unter Android deutlich weniger stark auftreten. Android bietet den Entwicklern eine Abwärtskompatibilität über die unterschiedlichen API-Level im Rahmen des SDK an.
Der App-Entwickler entscheidet, welche API-Level er unterstützen will. Dies wird unter Sailfish OS nicht in dieser Form möglich sein. Verändert sich das API eines Dienstes, so muss die Applikation angepasst werden. Doch das Problem kennen alle Distributionen und Applikationen seit den Anfängen von Linux – immerhin entstand daraus bisher kein unlösbares Problem.
Native Applikationen wollen mit Hilfe eine Compilers für die Zielplattform kompiliert und gegen die verwendeten Bibliotheken gelinkt sein. Compiler, Assembler, Linker und Bibliotheken sind Bestandteile der Toolchain für das System. Jolla bietet über die Webseite von Sailfish OS [11] ein zirka 750 MByte großes SDK-Paket mit allen notwendigen Komponenten für Linux x86 in 32 und 64 Bit sowie für Windows und OS-X an. (Die 64-Bit-Version für Linux findet sich auf der DELUG-DVD dieser Ausgabe.)
Die Applikationsentwicklung für Sailfish OS und vor allem das Silica-UI basiert auf Qt von Digia [12], vormals Trolltech. Das Silica-UI ist eine separate Bibliothek, die zurzeit nicht im Sourcecode verfügbar ist und das spezielle Look&Feel von Sailfish OS implementiert. Die Installation des SDK ist einfach, in wenigen Minuten erledigt und belegt anschließend knapp 4 GByte auf der Festplatte.
Als grafische Entwicklungsumgebung dient eine leicht angepasste Version des Qt Creator. Über Wizards lässt sich mit wenigen Klicks eine einfache C++-, Qt-, Qt-Quick-Applikation erstellen. Das Aussehen der Apps programmiert man zurzeit noch rein im Code. Ein User-Interface-Builder existiert nicht. Die so erstellte Applikation wird dann innerhalb der grafischen Oberfläche des Qt Creator entweder für das Entwicklungssystem (x86, 32 oder 64 Bit) oder für die Zielarchitektur ARMv7 übersetzt.
Die für das Entwicklungssystem übersetzten Applikationen laufen auf diesem System selbst in einem Emulator. Der wiederum ist in dem SDK als eine vorkonfigurierte Virtualbox-virtuelle Maschine bereits enthalten.
Virtuelle Maschine mitgeliefert
Die entwickelte Applikation lässt sich nach erfolgreicher Übersetzung direkt in der virtuellen Maschine starten. Ein Debugger-Interface ermöglicht auch direktes Debugging zur Laufzeit. Ist die Applikation hinreichend getestet, kann der Entwickler sie einfach per Netzwerk oder USB auf ein angeschlossenes Jolla-Telefon mit aktiviertem Entwicklermodus übertragen, starten und dort zusätzlich testen.
Das SDK selbst, die Silica-APIs sowie alles, was der Applikationsentwickler noch zur Entwicklung wissen muss, findet er auf der Sailfish-OS-Webseite [3] dokumentiert. Zudem unterstützt der Qt Creator über seine integrierten Hilfefunktionen den Entwickler durch kontextsensitive API-Hilfen und Autocompletion.
Harbour: Der Appstore
Fertige Applikationen gelangen über den Jolla-Hafen (Harbour) in den Applikationskatalog. Die Anmeldung sowie die Aufnahme in den Katalog sind kostenlos. Jolla prüft eingereichte Applikationen auf Kompatibilität und weitere Kriterien, die in einer umfangreichen FAQ dokumentiert sind. Die Bedingungen für den Verkauf von Apps sind nicht bekannt und damit auch nicht, ob und inwieweit Jolla einen Anteil am Umsatz oder Gewinn beansprucht oder solcherlei plant.
Über Jollas Pläne, aber auch warum zum Beispiel die Applikationen noch etwas rudimentär erscheinen, sowie Details zu dem GPS-Problem und weitere Hintergründe gibt der Kasten “Interview mit zwei Jolla-Managern” Auskunft.
Interview mit zwei Jolla-Managern
Die Jolla-Manager Stefano Mosconi und Juhani Lassila beantworteten die Fragen des Linux-Magazins.
Linux-Magazin: Jolla startete 2011, kurz nachdem Nokia seine weiteren Linux-Mobiltelefon-Pläne offiziell für beendet erklärte. Damals trat Jolla nur mit einer Softwareplattform auf, heute gibt es auch eigene Hardware. Was ist das genaue Geschäftsziel der Firma, Software oder Hardware?
Stefano Mosconi: Jolla entstand aus den Resten von Maemo und Nokia-Meego. Die Idee war, auf Basis der bestehenden Software weitere und vor allem weiterhin Produkte zu entwickeln. Der Fokus lag also zunächst auf der Software. Doch Software ohne passende Hardware zu etablieren ist sehr schwer, also mussten wir auch in das Hardwaregeschäft einsteigen.
Das Hauptziel ist und bleibt aber die Software und deren weitere Entwicklung und Ausdehnung auf weitere Geräteklassen – mit Hilfe von Hardwarepartnern wie OEMs und ODMs.
Linux-Magazin: Wie sieht die Open-Source-Strategie aus? Ein großer Teil von Sailfish OS kommt aus OSS-Projekten wie Mer und den darin verwendeten Dutzenden von Projekten. Doch einige Komponenten liegen nicht im Quelltext vor. Werden diese irgendwann auch freigegeben? Werden Benutzer in naher Zukunft in der Lage sein, ein Sailfish OS komplett aus Sourcecode selbst zu erzeugen?
Juhani Lassila: Sailfish OS basiert überwiegend auf Open Source. Lediglich Teile der Applikationen, die Sailfish OS mitliefert, sowie der Silica-UI-Layer sind nicht frei. Aus unterschiedlichen Gründen wurden diese noch nicht freigegeben, teils aus Zeitmangel und teils aus strategischen Erwägungen, um gerade am Anfang noch einen Vorteil für Jolla als Firma zu erhalten.
Viele Komponenten und Applikationen werden in naher Zukunft Open Source werden, beispielsweise haben wir den Webbrowser jüngst [Mitte Februar 2014] freigegeben. Langfristig könnte auch Silica-UI Open Source werden, doch konkrete Pläne dazu gibt es bisher nicht.
Linux-Magazin: Sailfish OS und insbesondere das Silica-UI basiert auf Qt von Digia. Gibt es zwischen Digia und Jolla eine besondere Beziehung oder sogar eine Beteiligung?
Stefano Mosconi: Nein, Jolla ist nur einer von vielen Digia-Kunden. Aber natürlich stehen wir in engem Kontakt, gerade in technischen Dingen. Aber eine darüber hinausgehende direkte Beteiligung von Digia an Jolla oder umgekehrt gibt es nicht.
Kein Community Contract
Linux-Magazin: Als Nokia die Linux-Mobilprodukte einstellte, riss dies ein enormes Loch in die mobile Linux-Community. Einige Open-Source-Projekte, die sich darum herum gebildet hatten, wurden mit einem Schlag ihrer Existenzgrundlage beraubt.
Wie kann Jolla der Community zusichern, dass dies mit Jolla nicht irgendwann wieder genauso passiert? Gibt es eine Art “Community Contract”, der vielleicht eine Freigabe aller Quellen zusichern würde, wenn Jolla als Firma verschwände?
Juhani Lassila: Nein, dazu gibt es keinen konkreten Plan. Wir planen lieber für eine Zukunft, in der wir existieren, und machen keine Pläne für unsere Auflösung. Aber die Gefahren sind zudem gering. Außer wenigen Applikationen und dem Silica-UI ist fast alles bereits heute Open Source. Mit Hilfe von Mer und Nemo könnte man auch heute bereits ein Gerät fast vollständig versorgen.
Jolla arbeitet sehr eng mit den vielen Communities zusammen und gibt die Entwicklungen, die bei Jolla entstehen, zeitnah an die Communities zurück. Von diesen bekommt Jolla teilweise wiederum Vorabversionen einzelner Projekte, die dann direkt in Sailfish einfließen.
Linux-Magazin: Zur Technik: Warum setzt Jolla für die grafische Oberfläche auf das noch junge Wayland statt Qt auf X11 oder Qt Embedded?
Stefano Mosconi: Alle anderen Möglichkeiten hatten technische Nachteile oder Probleme. Qt Embedded zum Beispiel ist nicht so gut für ein System verwendbar, das so stark auf Multitasking setzt wie Sailfish OS. X11 hat Nachteile im Ressourcenbedarf, sowohl beim Speicher als auch der CPU. Die ersten Demos von Jolla basierten auf dem X11-Ansatz, der noch von Meego existierte, aber nicht zu überzeugen wusste. Für Wayland wurde bereits an der Android-GPU-Treiber-Kompatibilität gearbeitet und für Qt 5 gab es ein ausgereiftes Wayland-Backend. Wayland war damit schlicht naheliegend.
Linux-Magazin: Google bietet einen interessanten Ansatz zur Vermeidung von API-Fragmentierung und sichert Abwärtskompatibilität zu. Gibt es dazu auch Ansätze in Sailfish OS?
Juhani Lassila: Sailfish OS basiert auf den APIs, welche die drei verwendeten Projekte anbieten werden. Eventuelle Brüche der Abwärtskompatibilität sind dadurch kaum vermeidbar. Jolla wird sich aber bemühen, diese so gering wie möglich zu halten. Ob noch extra Vorkehrungen zum Erhalt einer Abwärtskompatibilität geschaffen werden, ist jetzt noch kein akutes Problem.
Linux-Magazin: Wird es eine Art Entwicklerkit für Selbstbau-Other-Halfs geben? Die Schnittstellen sind geradezu ein Aufruf an Hacker!
Stefano Mosconi: Dazu können wir am heutigen Tag nichts Konkretes sagen – schauen Sie vielleicht in nächster Zeit mal auf unsere Homepage.
NFC & Co.
Linux-Magazin: Ist NFC, mit dem sich die Other Half authentifiziert, auch für normale weitere NFC-Anwendungen nutzbar?
Juhani Lassila: Theoretisch sollte der verwendete NFC-Chip das können, ja. Dies ist allerdings ausschließlich im Zusammenhang mit den Other Halfs vorgesehen und es gibt keine Pläne, dies zu ändern. Aber was findige Hacker damit anstellen, liegt nicht in unserer Hand.
Linux-Magazin: Es gibt Bedenken wegen der Privatsphäre der Benutzer, wenn man heute eine aktuelle Version von Sailfish OS benutzt. Der Webbrowser zum Beispiel bietet fast keine Möglichkeiten, private Daten zu schützen, die Standard-Suchmaschinen sind fest auf US-Konzerne eingestellt. Für Updates und Zugang zum Applikationskatalog braucht jeder User einen Jolla-Account und zum Einschalten des GPS muss man der Nutzung von Nokia Here zustimmen.
Stefano Mosconi: Der Webbrowser wurde im Februar freigegeben. Wenn diese Probleme akut sind, kann nun die Community mithelfen, sie zu lösen. Jolla selbst hat zurzeit zu wenig Ressourcen verfügbar, um sich um alle Probleme gleichzeitig selbst zu kümmern.
Der Jolla-Account ist aus strategischen und rechtlichen Gründen nötig. Es geht dabei um die Kontrolle darüber, wer Applikationen und Updates erhält, und dass dies damit nachverfolgbar und kontrollierbar bleibt.
Die Sache mit dem GPS und Nokia Here war keine Absicht! Wir haben von diesem Problem erst durch eure Anfrage erfahren und haben es direkt in unseren Bugtracker aufgenommen. Es wird also in einer der nächsten Versionen behoben sein.
Linux-Magazin: Es scheint auch so, als wenn es keine Möglichkeit gäbe, die Berechtigungen der Android-Applikationen in der Alien-Dalvik-VM abzufragen oder einzuschränken. Gibt es überhaupt ein Rechte-Management?
Juhani Lassila: Die Applikationen unter Alien Dalvik laufen in einer stark eingeschränkten Sandbox und können nur sehr begrenzt auf das System zugreifen – PIM-Daten (Datenbank), Geokoordinaten und das Netzwerk. Eine weitere Kontrolle der API-Zugriffe über Berechtigungen ist kompliziert – auf welcher Ebene möchte man da einen Schnitt machen? Auf Ebene der einzelnen Einträge von Diensten oder APIs? Das ist eine schwere Designentscheidung und zurzeit nachrangig. Jolla ist sich aber des Problems bewusst und wird sich beizeiten darum bemühen.
Linux-Magazin: Viele Android-Geräte bieten eine Funktion, die Daten auf dem Telefon zu verschlüsseln. Gibt es hierzu bereits Pläne für Sailfish OS?
Stefano Mosconi: Dank des Linux-Systems unten drunter wäre es grundsätzlich möglich, ja. Aber es war bisher schlicht noch keine Zeit, so etwas zu implementieren. Die Community könnte das aber vergleichsweise leicht realisieren, wenn wirklich ein Bedarf dafür besteht.
Linux-Magazin: Derzeit lassen sich Kontakt- und Kalenderdaten nur von den jeweiligen Quellen auf das Telefon übertragen. Eine Zweiwege-Synchronisation ist nicht möglich. Gibt es dafür Pläne? Und wie sieht es mit weiteren nicht kommerziellen Quellen aus, beispielsweise Caldav und Carddav?
Juhani Lassila: Zweiwege-Synchronisation befindet sich gerade in der Entwicklung, aber zunächst nur für die Quellen, die wir unterstützen. Weitere Quellen wie Carddav oder Caldav sind relativ einfach zu implementieren, doch gibt es keine konkreten Pläne dazu. Es ist aber gewünscht und wenn Ressourcen verfügbar sind, wird Jolla sich darum kümmern.
Wir wissen, dass wir noch am Anfang stehen und noch viele Lücken zu schließen sind. Aber wir arbeiten mit unserem vergleichsweise kleinen Team hart daran und stellen neue Funktionen und Fehlerbereinigungen in monatlichen Releases zur Verfügung. Das ist schnell, verglichen mit fast allen anderen Anbietern.
Fazit: Freier geht kaum
Jolla, Sailfish OS und das Silica-Touch-UI sind sehr interessante Entwicklungen, die man im Auge behalten sollte. Die grafische Oberfläche ist in Design und Bedienung eindeutig innovativ. Ob diese Innovation auch längerfristig Vorteile bringt, gilt es nun zu beweisen. Jolla als Firma folgt dem Firmenmotto “We are unlike” (Wir sind anders). Es gibt noch keinen klaren Weg, wie Jolla Geld verdienen will – vielleicht doch mit Hardware? Oder mit der Software?
Diese leichte Ungewissheit sorgte zumindest unter den Testern für Fragezeichen. Es ist eben nicht so klar absehbar, wie sich die Firma in naher Zukunft entwickeln wird, auch wenn sich die Manager im Interview selbstverständlich eine positive Entwicklung wünschen. Eines ist aber sicher: Sailfish OS auf dem Jolla-Gerät ist wohl die zur Zeit offenste mobile Linux-Plattform, die am Markt kommerziell verfügbar ist.
Die Enthusiasten, die bei Jolla für diese Entwicklung verantwortlich zeichnen, sind zum großen Teil genau jene Vordenker, die auch schon die Linux-basierten mobilen Projekte bei Nokia geschaffen und vorangetrieben haben. Insofern kann man davon ausgehen, dass Jolla als Firma und Team sehr gut weiß, was es bedeutet, ein auf Open Source beruhendes Softwaresystem herzustellen, und wie ein solches kommerzielles Projekt mit freien Projekten umgehen muss.
Der Preis von 400 Euro für das Gerät ist, gemessen an seiner technischen Ausstattung, noch vernünftig und für interessierte Hacker sicherlich eine lohnenswerte Investition. Ein normaler Anwender sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass das System – trotz der bereits auf Hochglanz polierten grafischen Oberfläche – noch eine Menge Nachholbedarf hat, bis es zu einem vollwertigen Ersatz für ein Android- oder I-OS-Gerät werden könnte.
Wünschenswert wäre das, nicht nur weil Jolla mit einem kleinen Team hart daran arbeitet. Kurz vor Redaktionsschluss traf noch die Meldung ein, dass Jolla die Version 1.0 von Sailfish OS zum Mobile World Congress in Barcelona Ende Februar vorstellen möchte. Das Linux-Magazin wird Jolla und Sailfish bestimmt weiter beobachten. (mfe)
Infos
- M.Feilner, “Das einzig wahre Linux-Handy”: https://www.linux-magazin.de/Blogs/Redaktionsblog/Das-einzig-wahre-Linux-Handy
- Jolla: https://jolla.com
- Sailfish OS: https://sailfishos.org
- The Other Half Developer Kit: http://jolla.com/the-other-half-developer-kit
- Meego: https://meego.com
- Mer: http://www.merproject.org
- Nemo: https://wiki.merproject.org/wiki/Nemo
- Jolla-Shop: http://shop.jolla.com
- Myriad, Alien Dalvik: http://www.myriadgroup.com/Software/Android/Myriad%20Alien%20Dalvik.aspx
- F-Droid: https://f-droid.org
- Sailfish OS, SDK: https://sailfishos.org/develop.html
- Qt, Digia: http://qt.digia.com












