Aus Linux-Magazin 02/2014

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Trickle

Abbildung 1: Speedometer zeigt, wie hier ein Download mit rund 2 MBit pro Sekunden die Kurve kriegt.

Wenn der Datenfluss mal verstopft ist – ja was ist denn schon dabei?! Dann gibt man Bleifuß-Programme zum Abschuss frei, das macht Zu- und Abfluss frei.

Ich bin über 40 und werde langsam altersmilde. Das ist ein Scherz, denn gewisse Phänomene treiben mich weiterhin die Wand hoch. Editiere ich zum Beispiel per SSH auf einem Server eine Konfigurationsdatei und die Bandbreite ist so erbärmlich, dass beim Positionieren des Cursors die Landezone zur Glückssache wird – das macht mich wahnsinnig!

Ich weiß, ich weiß, heute reicht selbst die Leitung in einem Schwarzwald-Dorf für jede SSH-Connection – so man sie exklusiv hat. Denn die Hölle, so wusste schon Sartre, sind die anderen: In meinem Fall die HTTP-Verbindungen, die mein armes kleines SSH an den Rand drängen. Jetzt könnte ich zu Mosh [1] greifen. Das hilft aber eher bei wackligen als bei überfüllten Verbindungen. Mein Mittel gegen Verstopfung heißt Trickle ([2], [3]).

Das Traffic-Shaping-Tool verbiegt per »LD_PRELOAD« einige Standard-Bibliotheksaufrufe wie »socket()« und funktioniert deshalb nur mit dynamisch gelinkten Binaries. Darunter fallen in der Praxis aber fast alle Programme, mit denen der gemeine User Bandbreite vernichtet. Im einfachsten Fall bin ich selbst dieser User, dann kann ich mich gleich beim Aufruf Traffic produzierender Programme in Selbstbeschränkung üben. Dazu starte ich zum Beispiel Firefox per:

trickle -u 32 -d 256 firefox

Dies limitiert die Upload-Geschwindigkeit (»-u« ) auf 100 KByte/s, die Downloadrate (»-d« ) auf 300 KByte/s. Achtung: Das sind tatsächlich Kilobytes, nicht -bits. Ich kann auch nur eine Richtung reduzieren, wenn mir die andere egal ist. Abbildung 1 zeigt die erfolgreiche Begrenzung eines Downloads auf knapp 2 MBit/s.

Abbildung 1: Speedometer zeigt, wie hier ein Download mit rund 2 MBit pro Sekunden die Kurve kriegt.

Abbildung 1: Speedometer zeigt, wie hier ein Download mit rund 2 MBit pro Sekunden die Kurve kriegt.

Späte Drossel

Die Trickle’schen Wohltaten fallen mir natürlich immer erst ein, wenn der Download schon läuft und die SSH-Session hängt. Zum Glück kennt Trickle einen Daemon-Modus. Daher lasse ich Trickle bereits beim Booten der Maschine mit

trickled -u 32 -d 256

starten. Die Werte muss natürlich jeder der verfügbaren Bandbreite anpassen. Der Trickle-Daemon sucht beim Start nach der »/etc/trickled.conf« , die wie in Listing 1 aussehen kann. Sie weist bestimmten Protokollen eine Priorität zu und betreibt ein wenig Feintuning.

Die Werte hinter »Time-Smoothing« und »Length-Smooting« bestimmen, wie groß die Schwankungen über ein bestimmtes Intervall sein dürfen. Je kleiner der Wert, desto eher profitieren interaktive Protokolle wie SSH, bei größeren Werten bleibt auch mal ein größerer Ausreißer – nach oben wie nach unter – erlaubt. Trickle hat gegenüber echtem Traffic Shaping natürlich Nachteile, reicht für den Hausgebrauch aber völlig. Vielleicht werde ich ja doch noch altersmilde.

Listing 1

trickled.conf

01 [ssh]
02 Priority = 1
03 Time-Smoothing = 0.1
04 Length-Smoothing = 1
05
06 [ftp]
07 Priority = 5
08 Time-Smoothing=3
09 Length-Smoothing=5
10
11 [www]
12 Priority = 10
13 Time-Smoothing = 8
14 Length-Smoothing = 10

Infos

  1. Charly Kühnast, “Shell für den Strand”: Linux-Magazin 10/13, S. 75
  2. Trickle: http://monkey.org/~marius/pages/?page=trickle
  3. Oliver Frommel, “Tropfen für Tropfen”: Linux-Magazin 02/05, S. 42

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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