Aus Linux-Magazin 02/2014

Drei Webshops im Test

© David Dieschburg, 123RF.com

Im Internet Geld verdienen, die eigenen Waren oder Dienstleistungen anbieten – und das am besten im eigenen Shop: Wer neu ins Geschäft einsteigt, will nicht Tausende für die Software ausgeben. Die Bitparade testet erschwingliche E-Commerce-Plattformen.

Um einen eigenen Shop im Internet zu betreiben, müssen Benutzer keine Unsummen in Soft- und Hardware investieren. Eine Onlinefiliale können sich auch kleine Unternehmen oder Privatpersonen leisten. Der technische Laie schlägt seine Waren über Auktionsplattformen oder Marktplätze los und zahlt dafür eine Nutzungsgebühr an den Dienstleister.

Alternativ bieten Webhoster fertige Shopsysteme für ihre Kunden an, mit denen sie sich ihr kleines Warenlager zusammenklicken. Dafür fällt in der Regel eine monatliche Mietgebühr oder ein mehrstelliger Fixpreis an. Viele Contentmanagement-Systeme enthalten ebenfalls entsprechende Module.

Wer den Shop auf seinem eigenen LAMP-Server betreiben möchte, spart nicht nur Kosten, sondern behält die Kontrolle. Die Bitparade testet fertige Shopsysteme. Es treten die beiden kostenlosen Open-Source-Tools Open Cart [1] und Satchmo [2] gegen das kommerzielle, proprietäre Lemonstand [3] an. Als Testumgebung diente das auf RHEL basierende Amazon Linux AMI (2013.03).

Die Kandidaten sollten unter anderem zeigen, wie aufwändig die Installation und Einrichtung auf dem eigenen Server ist, ob es Benutzerrollen (etwa für die Änderungen am Sortiment und den Beschreibungen) gibt, wie übersichtlich die Shops für den Einkäufer sind, ob eine Zusammenarbeit mit CRM-Systemen möglich ist und welche Bezahlschnittstellen die E-Commerce-Plattformen bieten. Um einen echten Shop zu simulieren, verwendeten die Tester die mitgelieferten Beispieldateien und -produkte.

Open Cart

Der erste Kandidat stammt von der Firma Open Cart Limited aus Hongkong. Open Cart [1] steht unter der GPLv3 und ist in der Grundausstattung kostenlos. Für einige Extensions und Themes [4] müssen Anwender bezahlen. Die Shopsoftware benötigt einen Webserver (bevorzugt Apache), PHP 5.2 oder neuer, MySQL und Curl. Die Tester schauten sich Version 1.5.6 an, die auf dem Testsystem zusätzlich nach den beiden PHP-Erweiterungen GD und Mycrypt verlangte.

Vorratshaltung

Nach dem Auspacken der Zip-Datei kopiert der Admin den Inhalt von »upload« in ein beliebiges Verzeichnis unterhalb vom Document-Root. Außerdem erzeugt er auf der Shell oder im GUI eine neue MySQL-Datenbank und einen -User. Weiter geht’s über das Webinterface. Zuerst nickt er die Lizenzvereinbarung ab, dann prüft das Installationsskript, ob alle Abhängigkeiten erfüllt sind und diverse PHP-Dateien und Verzeichnisse die richtigen Zugriffsrechte haben.

Der Admin benennt danach die Dateien »config-dist.conf« in »config.conf« und »admin/config-dist.conf« in »admin/config.conf« um. Im Browser gibt er in ein Formular die Informationen zur Datenbank ein und erstellt einen ersten Account für den Shopverwalter. Zum Schluss entfernt er noch das »install« -Verzeichnis auf dem Server.

Zum Open-Cart-Adminbereich gelangen Nutzer, wenn sie »admin« an die URL anhängen. Nach der Anmeldung präsentiert sich das Dashboard, das eine Übersicht und eine Statistik zu Besuchern und Einkäufen zeigt. Der erste Weg im frisch installierten Store führt ins Menü »System« und dort zu den »Settings« beziehungsweise »Localisation« . Hier richtet der Verwalter allgemeine Infos zum Shop, den Ladenbesitzer samt Adresse, die Sprache, Währung, Maß- und Gewichtseinheiten ein. Alles in allem ist das Ganze eine ziemliche Klickorgie, dafür ermöglicht Open Cart allerdings auch eine genaue Feinabstimmung.

Ein Besuch unter »Settings | Users« ist Pflicht. Open Cart kennt Benutzer und Gruppen. Letztere richtet der Admin ganz nach seinen Wünschen ein und legt sehr genau fest, welcher Mitarbeiter Zugriff auf welche Bereiche hat und auch, ob er sie verändern darf (siehe Abbildung 1). So kann ein Lagermitarbeiter die Versandinformationen beispielsweise einsehen und der Vertrieb den Produktkatalog pflegen, aber nicht die Kundendaten. Die Buchhaltung greift auf Kunden-, Verkaufs- und Steuerinformationen zu, darf aber die angebotenen Produkte nicht modifizieren – ein ausgeklügeltes Rollensystem, das allerdings ein wenig Einarbeitungszeit verlangt.

Abbildung 1: Der Open-Cart-Admin fügt seine Mitarbeiter zu einer einzigen Gruppe hinzu. Welche Zugriffs- und Modifikationsrechte diese hat, regeln die Gruppeneinstellungen.

Abbildung 1: Der Open-Cart-Admin fügt seine Mitarbeiter zu einer einzigen Gruppe hinzu. Welche Zugriffs- und Modifikationsrechte diese hat, regeln die Gruppeneinstellungen.

Seine Kunden verwaltet das Shopsystem über »Sales | Customers« . In der Abteilung »Customer Groups« verstecken sich allgemeine Einstellungen für die Käuferaccounts. Hier regelt der Verwalter zum Beispiel, dass er neu registrierte Zugänge von Hand freischaltet oder dass Kunden zwingend eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer eintragen müssen.

Schaufensterdekoration

Schmerzlich vermissten die Tester allerdings eine Option, die Kundenlisten importiert. Ebenso fehlen Open Cart in der Grundausstattung Import und Export für Produktkataloge. Eine Suche auf der Extensions-Seite [4] fördert etliche Plugins zutage, die den Shop entweder zum Nulltarif oder für kleines oder großes Geld um Ein- und Ausfuhr-Features erweitern. Ohne zusätzliche Addons erzeugt Open Cart über »System | Backup/Restore« immerhin einen SQL-Dump mit allen Einstellungen und Textinhalten. Bilder und andere Medien sichern Anwender von Hand. Ein Klick auf »Restore Backup« öffnet einen Auswahldialog, über den Benutzer Datensicherungen im SQL-Format hochladen.

Zur Dekoration des Shops stehen über 2300 Themes auf der Extensions-Seite bereit. Viele Looks sind kostenfrei, für andere muss der Anwender zwischen 15 und 90 US-Dollar berappen. Darüber hinaus sind in unabhängigen Marktplätzen im Internet weitere Angebote für Open Cart zu finden. Um ein neues Template für den Shop einzurichten, laden Anwender das Archiv herunter, entpacken es und speichern den Inhalt auf dem Webserver im Verzeichnis »catalog/view/theme« . Das Aktivieren erfolgt dann im Admin-Panel über »System | Settings« . Nutzer klicken neben dem Shop auf »Edit« und wählen dann im Bereich »Store« das neue Template aus.

Bei den Extensions finden Anwender außer Themes auch etliche Plugins für Bezahl- und Versandschnittstellen, RSS-Feeds, mehrsprachige Shops oder sogar Blogs. Erweiterungen, die bei der Verkaufsauswertung helfen und praktische Berichte für die Chefetage generieren, sind ebenfalls vorhanden.

Die Waren organisieren der Administrator und seine Mitarbeiter über das Menü »Catalog« . Über Kategorien und Unterkategorien bauen sie die interne Navigation auf. Dabei erscheinen übergeordnete Abteilungen, bei denen ein Häkchen neben die Option »Top« gesetzt ist, in der Hauptmenüleiste auf der Startseite des Shops. Zusätzlich kennt Open Cart Eigenschaften, die Kunden später dazu verwenden, Produkte zu sortieren und zu filtern. In welchen Ausführungen eine Ware erhältlich ist (etwa Kleidergrößen, Farben und so weiter), bestimmt der Admin unter »Catalog | Options« (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Näheres zu Produktausführungen bestimmt der Shopmanager bei den Katalogoptionen. Auch wie das Webinterface die Waren präsentiert (Formulare, Schaltflächen, Bilder), legt er hier fest.

Abbildung 2: Näheres zu Produktausführungen bestimmt der Shopmanager bei den Katalogoptionen. Auch wie das Webinterface die Waren präsentiert (Formulare, Schaltflächen, Bilder), legt er hier fest.

»Products« stellt Mitarbeiter mit seinem Dutzend Untermenüs und den ganzen Konfigurationsoptionen vor eine Herausforderung. Das Eintragen von Namen, Beschreibungen, Metatags, Artikelnummern, Steuerklassen, SEO-Schlüsselwörtern bedeutet eine ganze Menge Arbeit. Ein wenig Zeit sollten Shopbetreiber auch für das Bearbeiten von Bildern einplanen. Deren Maße dürfen eine maximale Breite oder Höhe von 1000 Pixeln nicht überschreiten und die Datei darf nicht größer als 300 KByte sein.

Einkaufsbummel

Sind die Regale gefüllt und der Laden eröffnet, kann sich das Ergebnis sehen lassen. Käufer finden einen übersichtlichen Onlineshop mit einer klaren Navigation vor. Die integrierte Suchfunktion ist zufriedenstellend. Die Fahndung nach einfachen Begriffen findet Produkte, deren Titel den gesuchten String enthält. Optional durchsuchen Kunden auch Unterkategorien und Produktbeschreibungen. Will der Betreiber seinen potenziellen Käufern mehr Flexibilität bei der Suche bieten, greift er beherzt zu einer entsprechenden Erweiterung.

Open-Cart-Läden bieten in der Voreinstellung an, Produkte zu bewerten. Um die eigene Meinung kundzutun, klickt der Nutzer in der Artikelbeschreibung auf »Write a review« , gibt den Namen und Text ein, wählt zwischen einem bis fünf Sternen aus, trägt ein Captcha ein und schickt alles ab. Der Shopverwalter schaltet die Reviews über »Catalog« frei. Möchte er das Feature abschalten, findet er die Funktion dazu auf dem Reiter »Option« des jeweiligen Shops.

Wer Open Cart mit einem CRM-System vereinen möchte, greift ins Regal der Erweiterungen. Hier stehen zwei kostenpflichtige Schnittstellen zu Sugar CRM und Vtiger bereit. Alle relevanten Zahlungsarten wie Paypal, Kreditkarten, Amazon Payment und Banküberweisung implementiert Open Cart ebenfalls über Module und Erweiterungen. Die beiden Zahlungsarten »Free Checkout« – etwa für kostenlose Downloads – und »Cash on Delivery« sind im Grundsystem implementiert.

Satchmo

Der zweite Testkandidat ist in Python geschrieben, steht unter der BSD-Lizenz und nutzt das Webframework Django [5]. Satchmo [2] benötigt Python 2.5 oder neuer und eine Datenbank, die mit Django zusammenarbeitet. Von Haus aus nutzt der Onlinesshop SQlite 3, als Alternative bieten sich MySQL oder PostgreSQL an. Die für den Test installierte Satchmo-Version 0.9.2 verlangt nach Django 1.4. Ist bereits eine neuere Django-Variante vorhanden, muss der Admin downgraden. Während die Entwicklungsinstanz einen eigenen Server mitbringt, empfehlen die Satchmo-Macher für den produktiven Betrieb einen Webserver mit Python-Adapter, etwa Apache und »mod_wsgi« [6].

Vor der Satchmo-Installation bereitet der Admin das System vor und installiert Pip, einen Paketverwalter für Python-Module, sowie Mercurial, die GNU Compiler Collection und das Paket »python-devel« . Die Projektseite enthält eine ausführliche Dokumentation, die sowohl einen Quick Install als auch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung anbietet. Mit Hilfe von Pip und des Skripts »clonesatchmo.py« ist alles nach kurzer Zeit erledigt.

Auf Aufforderung gibt der Benutzer die gewünschten Logindaten des Admin ein, wechselt dann ins Unterverzeichnis des frisch erstellten Shops und startet die Testinstanz mit »python manage.py runserver« . In der Voreinstellung lauscht dieser auf 127.0.0.1:8000. Um Verbindungen von anderen Rechnern zu akzeptieren, definieren Admins die IP-Adresse vor dem Port, also »python manage.py runserver 0.0.0.0:8000« .

Das Admin-Panel punktet nicht gerade mit Übersichtlichkeit. Die im Verkaufsalltag am häufigsten aufgerufenen Menüpunkte verstecken sich am Ende der Seite, was der Tatsache geschuldet ist, dass die Einträge nicht logisch, sondern alphabetisch sortiert sind. Für die Ersteinrichtung eines Onlineshops und das Auf- und Zuklappen der zahlreichen Menüs sollten Administratoren in jedem Fall genug Zeit einplanen. Wer bereits mit Django Erfahrung hat, der dürfte schneller zurechtkommen.

Anders als die Konkurrenz trennt Satchmo nicht zwischen Mitarbeitern und Kunden und verwaltet alle Accounts und Gruppen über den Menüpunkt »Auth« . Bei den Zugriffsrechten setzt die Software optional Flags wie »Staff« und »Superuser« . Darunter befindet sich ein Feld, in dem der Verwalter gezielt den Zugriff auf Bereiche des Admin-Panels erlaubt. Dies taucht ebenfalls in der Gruppenverwaltung auf, sodass es möglich ist, ganz präzise Rechte zu verteilen (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Satchmo unterscheidet als einziger Testkandidat nicht zwischen Mitarbeitern und Kunden und regelt die Zugriffsrechte und Gruppenzugehörigkeit an einer Stelle.

Abbildung 3: Satchmo unterscheidet als einziger Testkandidat nicht zwischen Mitarbeitern und Kunden und regelt die Zugriffsrechte und Gruppenzugehörigkeit an einer Stelle.

Eine Im- und Exportfunktion für Kunden- und Mitarbeiterdaten fehlt. Dafür exportiert Satchmo über den Menüpunkt »Export Product Defs« auf der rechten Seite im Dashboard unter »Admin Tools« alle Produktdaten inklusive Bilder und Kategorien und speichert sie in den Formaten XML, Json und Yaml. Eine solche Sicherung enthält auch Informationen zur verfügbaren und verkauften Anzahl der einzelnen Güter. Das Shopsystem importiert an gleicher Stelle vorhandene Sicherungsdateien. Beide Funktionen sind in der aktuellen Version noch als experimentell gekennzeichnet.

I got the Blues

Vorgefertigte Themes, um die Optik zu variieren, fehlen. Wer einen Satchmo-Shop dekorieren möchte, greift direkt in den HTML- und CSS-Code ein. Der Ruf nach neuen Looks in den Benutzerforen verhallte bisher ungehört, und auch die meisten auf der Satchmo-Startseite als Referenzen verlinkten Beispielshops sind inzwischen offline und bieten daher keine Inspiration mehr.

Das Python-Programm sortiert die Produkte genau wie Open Cart in Kategorien und Unterkategorien ein. Kunden sehen diese auf der Shop-Hauptseite in einem Menü am linken Rand. In der Abteilung »Products« weisen Verwalter den Waren ebenfalls Beschreibungen, Optionen und Attribute zu. Über die Abteilung »Configurable« erzeugen sie Varianten und definieren für bestimmte Waren unterschiedliche Ausführungen (siehe Abbildung 4). Genau wie beim Rest des Interface ist hier allerdings viel Klickarbeit nötig, bis alles steht.

Abbildung 4: Der Variation Manager von Satchmo unterstützt den Admin dabei, unterschiedliche Ausführungen der Produkte zum Onlineshop hinzuzufügen.

Abbildung 4: Der Variation Manager von Satchmo unterstützt den Admin dabei, unterschiedliche Ausführungen der Produkte zum Onlineshop hinzuzufügen.

Die Suchfunktion des Testkandidaten ist sehr simpel gehalten. Tippt der Anwender einfache Begriffe ins Feld »Search« ein, liefert das Programm passende Produkte und Kategorien zurück und wertet dabei auch die Titel und die Beschreibungen aus. Zwei Eingaben interpretiert Satchmo automatisch als AND-Verknüpfung und zeigt nur Treffer an, die beiden Kriterien entsprechen. Das Verwenden von Anführungszeichen führt zu keinem veränderten Ergebnis. Eine Kundenbewertung fehlt gänzlich.

Satchmo enthält mehrere vorinstallierte Module für Bezahlschnittstellen. Die meisten davon bedienen den internationalen Markt. Zu den in Europa gebräuchlichen Abrechnungsmethoden gehören Paypal und Google Checkout. Die Entwickler haben zudem Module für Anbieter wie Sermepa, Cybersource.net, Trust Commerce und andere implementiert. Alternativ unterstützt Satchmo auch Cash on Delivery und Gutscheine. Funktionen und Addons zur Zusammenarbeit mit CRM-Systemen fehlen.

Lemonstand

Lemonstand [3] ist der zweite PHP-basierte Testkandidat. Das Tool aus kanadischer Produktion steht unter einer kommerziellen Lizenz und kostet nach einer 30-tägigen Testphase, während der keine echten Bezahlvorgänge möglich sind, knapp 500 US-Dollar. Das ist nicht die einzige Zitrone, in die Benutzer beißen müssen. Einige Module und Themes aus dem hauseigenen Marketplace zum Erweitern des Funktionsumfangs gibt’s zum Nulltarif, andere kosten bis zu mehrere Hundert US-Dollar.

Die Tester schauten sich die aktuelle Version 1 an. Wer sich für zukünftige Entwicklungen und Fortschritte bei Lemonstand 2 interessiert, der sollte das Blog [7] verfolgen. Neue Features sind schon bekannt, ein Veröffentlichungstermin steht noch aus.

Die Shopsoftware benötigt ein LAMP-System: Apache 2, PHP 5.2.5 oder neuer und mindestens MySQL 4.1, empfohlen ist Version 5. Zusätzlich sind die Bibliotheken Curl, Open SSL und Mcrypt PHP erforderlich, Soap PHP ist optional. Image Magick sollte ebenfalls vorhanden sein, der Browser benötigt ein Flash-Plugin, um Diagramme im Admin-Panel zu zeichnen und Dateien hochzuladen. Die Dokumentation unterschlägt das Paket »php-xml« . Fehlt es, schlägt die ganze Installation wegen nicht erfüllter Abhängigkeiten der Template-Engine fehl, wenn der Admin den Import der PHP-Version des freien Theme Zest auswählt.

Vor der Installation legt der Admin eine MySQL-Datenbank an. Dann entpackt er »lemonstand_installer.zip« im Webserver-Verzeichnis seiner Wahl. Für den Ordner setzt er in der Apache-Konfiguration die Option »AllowOveride All« und aktiviert »mod_rewrite« . Im Browser ruft er danach das Skript »install.php« auf, bestätigt die Lizenzvereinbarung, gibt seinen Namen, den zugehörigen Lizenzschlüssel und die Datenbank-Informationen ein. Für den Adminbereich des Shops darf er einen eigenen Bezeichner wählen, was ein klein wenig mehr Ruhe vor automatisierten Angriffen durch Botnetze bietet. Bei der Installation festgelegte Verzeichnisnamen ändert er jederzeit in der Datei »config/config.php« .

Lemonstands Installationsroutine generiert ein zusätzliches Passwort für sensible Datenbankinhalte. Diesen Encryption Key sollte der Admin an sicherer Stelle aufbewahren. Er benötigt ihn unter anderem bei eventuellen Neuinstalltionen oder Serverumzügen für den Zugriff auf die Bestandsdaten. Über die Art der Verschlüsselung schweigt sich die Dokumentation aus. Zusätzlich zum Administrator-Account legt der Benutzer ein weiteres privilegiertes Konto an, das Zugriff auf den eigentlichen Shop hat, sowie einen Account, der Datenbank und Verschlüsselung konfigurieren darf. Die alltäglichen Verwaltungsaufgaben erledigt er mit dem Admin-Account.

Im letzten Schritt importiert er optional ein Theme und Beispieldaten für den Shop. Danach gilt es, die Datei »install.php« und das Verzeichnis »installer_files« auf dem Server zu löschen. Der Hersteller empfiehlt, die Datei »config.dat« in ein Verzeichnis außerhalb vom Webserver-Root zu verschieben und die Konfigurationsdatei »config/config.php« entsprechend anzupassen.

Genau wie Open Cart begrüßt Lemonstand den Admin im Dashboard mit einer Shopübersicht und statistischen Diagrammen. Der erste Einrichtungsschritt führt über den Menübutton am linken Rand in die Abteilung »System | Settings« . Auf den ersten Blick wirkt die Oberfläche aufgeräumter als bei der Konkurrenz, aber der Eindruck relativiert sich rasch. Die einzelnen Konfigurationsschritte sind nicht immer intuitiv. Wer beispielsweise ein Land aus der Lieferzone ausschließen möchte, findet nicht etwa einen Schalter »disable« . Stattdessen wählt er einfach keine Option im Popup-Menü aus, das aber erst erscheint, wenn er den Button »Enable or disable« geklickt hat. Benutzerfreundlich geht anders.

Umtausch ausgeschlossen?

Lemonstand trennt penibel zwischen Kunden und Mitarbeitern. Käufer verwaltet das System unter »Shop | Customers« , Bedienstete unter »System | Users« . Erstere besitzen keine Sonderrechte, aber das System teilt sie in Gruppen ein, etwa Großhandel oder Wiederverkäufer (siehe Abbildung 5). Für unterschiedliche Kundenklassen können Shopbetreiber jeweils andere Preise oder Steuern definieren. Im- und Export als CSV-Datei ist ebenfalls dabei. Seinen Kollegen kann der Verwalter sehr leicht Rechte zuweisen oder entziehen. Die Onlineshop-Software kennt zudem Rollen für den Shop selbst, ein angeschlossenes Blog und das eigene Contentmanagement-System.

Abbildung 5: Als einziges System im Test teilt Lemonstand seine Kunden in Gruppen ein und kann daher Sonderkonditionen für Großhändler und Wiederverkäufer einräumen.

Abbildung 5: Als einziges System im Test teilt Lemonstand seine Kunden in Gruppen ein und kann daher Sonderkonditionen für Großhändler und Wiederverkäufer einräumen.

Die Produktauswahl und die Benutzerführung des Shops finden Verwalter im Dashboard unter »Categories« und »Products« . Das Lemonstand-Interface gefiel den Testern am besten von allen Kandidaten, da es logischer aufgebaut ist. Produkte haben Attribute, Optionen und Extras, die im Konfigurationsdialog direkt über Reiter und nicht über extra Menüpunkte zu erreichen sind.

Der Admin darf selbst erzeugte Attribute per Mausklick anderen Produkten zuweisen, was lästiges Umschalten und Flüchtigkeitsfehler vermindert. Bei der Produktadministration sind ebenfalls Funktionen untergebracht, die die Palette und Bestellungen im CSV-Format exportieren und importieren. Darüber hinaus enthält Lemonstand ein Backup- und Restore-Modul, das mit SQL-Dumps umgeht und sogar zugehörige Produktbilder und andere Medien erfasst.

Das Themes-Angebot [8] ist überschaubar. Etwa die Hälfte der knapp 20 Oberflächen steht kostenfrei zur Verfügung. Der teuerste Look mit responsivem Webdesign schlägt mit knapp 90 US-Dollar zu Buche. Im Dashboard-Bereich »CMS« verwaltet der Admin die Themes. Hier gibt es auch Funktionen, um einen Look für bestimmte Clients auszusuchen. Auf diese Weise präsentiert der Händler seinen Shop passend auf kleinen und großen Displays.

Der Kandidat trumpfte im Test bei der Suchfunktion auf, denn der Admin nimmt Einfluss darauf, was durchsuchbar ist, etwa auch Produktbeschreibungen und sogar Metadaten. Das Suchfeld akzeptiert Strings in Anführungszeichen und Platzhalter. Gut umgesetzt sind auch die Filtermöglichkeiten der Produktübersicht. So bleibt der Laden auch bei einem großen Warenlager übersichtlich. Ein System für Kundenbewertungen haben die Macher ebenfalls beigelegt.

Mehrere Zahlungsmöglichkeiten, unter anderem für Paypal (siehe Abbildung 6), Kreditkarten und Google Checkout, sind direkt integriert. Andere Schnittstellen, darunter auch die inzwischen weit verbreitete Sofortüberweisung, finden Händler im Marketplace bei den Modulen. Ein Blick in die Sammlung der Erweiterungen lohnt sich auf jeden Fall. Hier sind auch Addons erhältlich, die Lemonstand mit den CRM-Systemen Infusionsoft und One Saas verbinden.

Abbildung 6: Einige Schnittstellen zu Bezahlmöglichkeiten integriert Lemonstand von Haus aus. Für jeden Abrechnungsmodus legt der Admin fest, welche Kundengruppen ihn nutzen dürfen.

Abbildung 6: Einige Schnittstellen zu Bezahlmöglichkeiten integriert Lemonstand von Haus aus. Für jeden Abrechnungsmodus legt der Admin fest, welche Kundengruppen ihn nutzen dürfen.

Schlussverkauf

Einen klaren Sieger kann diese Bitparade nicht in der Auslage platzieren. Sowohl Open Cart als auch Lemonstand sind brauchbare Systeme, denen jeweils nur Kleinigkeiten zum vollkommenen Händlerglück fehlen. Bei Open Cart fehlt beispielsweise eine Funktion, um Themes und Extensions direkt über das Dashboard zu verwalten. Das ist bei Lemonstand besser gelöst. Dafür bietet der Lemonstand-Marketplace deutlich weniger Erweiterungen an. Die Open-Cart-Community scheint auf diesem Gebiet aktiver.

Satchmo ist kein schlechtes System, erweist sich im Vergleich aber als zu arbeitsintensiv und unübersichtlich. Ohne Django-Kenntnisse dauert die Einarbeitung länger als bei den anderen Kandidaten, und die Präsentation der Produkte im Auslieferungszustand lässt zu wünschen übrig. Da keine fertigen Themes verfügbar sind, sollten Anwender Kosten für einen Grafiker oder Webdesigner fest ins Budget einplanen.

Wer bereits eine Webseite oder ein Blog mit WordPress [9] betreibt, der kann sich das Aufsetzen einer eigenen Shop-Umgebung eventuell sparen und ist mit einer Erweiterung gut bedient (siehe Kasten “Wordpress-Plugins für Onlineshops”). Die Installation und Einrichtung gelingt im Handumdrehen und letztendlich ist nur ein System zu pflegen. Aber so bequem diese Herangehensweise für Administratoren auch sein mag, sie sollten immer daran denken, das solche Software-Monokulturen anfällig für Angriffe von außen sind.

WordPress-Plugins für Onlineshops

Es ist leicht zu bedienen, bietet variable Gestaltungsmöglichkeiten und liegt in vielen verschiedenen Sprachen vor – WordPress [9] ist eines der beliebtesten Contentmanagement-Systeme. Täglich veröffentlichen Designer und Entwickler neue Themes und Plugins, und so gibt es inzwischen etliche Erweiterungen, die WordPress-Seiten in kleinere bis mittelgroße Verkaufsplattformen umwandeln.

In Deutschland recht weit verbreitet ist WP Shop Germany [10]. Es unterstützt Anwender dabei, Webshops nach deutschen Gesetzen zu betreiben, integriert sich gut in bestehende Themes, ist mehrsprachig und bietet zudem Gateways zu den in Deutschland üblichen Zahlungsarten – von Vorkasse über Sofortüberweisung, Rechnung und Nachnahme bis zu Click and Buy sowie Paypal. WP Shop Germany unterstützt Verkäufer auch beim Schreiben von Rechnungen und Erstellen von Gutscheinen. Nutzer dürfen das Plugin 14 Tage lang kostenfrei testen; danach zahlen sie je nach Lizenz von 25 Euro bis rund 150 Euro.

Ebenfalls sehr beliebt ist Woo Commerce [11] der amerikanischen Firma Woo Themes. Das Plugin selbst ist kostenlos und genügt für einen einfachen Shop vollkommen. Es steht aber eine Vielzahl von Premium-Erweiterungen bereit, die Spezialfunktionen wie Lieferscheine, Rechnungen und weitere Bezahlschnittstellen nachrüsten. Eine deutsche Sprachdatei fehlt Woo Commerce genauso wie Anpassungen, die den rechtlichen Anforderungen für deutsche Onlineshops genügen, etwa Widerrufsrecht, Versandkostenanzeige, AGBs und so weiter. Das Plugin Woo Commerce German Market [12] ist ab rund 100 Euro erhältlich und erweitert die Woo-Commerce-Installation um Features für deutsche Shops.

Kleine Lösungen wie Tinypass [13] und Sell Media [14] zielen vor allem darauf ab, digitalen Content wie Artikel, Bilder oder Ähnliches über die eigene WordPress-Seite zu verkaufen. Tinypass ist kostenfrei, aber nicht unter einer freien Lizenz veröffentlicht, eine Registrierung auf der Seite des Anbieters ist erforderlich. Sell Media steht unter der GPLv2. Das Plugin selbst gibt es ebenfalls zum Nulltarif. Mit kostenpflichtigen Extensions rüsten Nutzer Features wie Preisnachlässe, Wasserzeichenfunktion und Ähnliches nach.

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