Die tägliche Dosis Nachrichten aus der Open-Source-Szene, Science-Fiction- und Geek-Podcasts, Webcomics, Blogs und vieles mehr bieten RSS- oder Atom-Feeds. So genannte Planeten fassen die Inhalte auf dem eigenen Server übersichtlich zusammen.
“RSS ist tot!”, meinen die Internetgiganten und lassen den Worten Taten folgen. So beerdigte Google kürzlich den Google Reader, einen der beliebtesten Web-basierten Feedreader. Auch Twitter hat die Unterstützung von RSS-Feeds für die Nutzerinhalte inzwischen endgültig eingestellt. “RSS lebt!”, kontert der Rest der Netzgemeinde und will auf die Aggregatoren nicht verzichten. Anbieter wie Flipboard [1], Inoreader [2] und Pulse [3] standen flugs bereit, um die verprellten Google-Kunden abzuholen. Doch die “Readerkalypse” erinnerte die meisten vor allem daran, dass bei Clouddiensten nur eines sicher ist: Unter gehen sie irgendwann alle.
Auf der sicheren Seite ist, wer einen Planeten sein Eigen nennt. Ein solcher Feedreader für Aggregator-Dienste läuft auf dem eigenen oder einem gemieteten (Root-)Server und fasst Blogs, Nachrichten, Webcomics und Videocasts zusammen. 2004 entstand das erste dieser Programme, das damals die Blogs der Debian- und Gnome-Entwickler unter einer Oberfläche organisierte.
Planet Planet [4] macht als “Ur-Planet” den Auftakt in diesem Test. Im Vergleich treten Moon Moon [5], Planet Venus [6] und Tiny Tiny RSS [7] an. Die Tester installierten die Reader auf einem Debian-Wheezy-Server, den sie mit Apache, MySQL und PHP zu einem klassischen LAMP-System ausbauten.
Alle vier Kandidaten sollten zeigen, wie sie mit unterschiedlichen Feedsorten umgehen, ob der Anwender Einfluss auf die Anzeige hat, ob es einen Zugriffsschutz für private Planets gibt, wie die Darstellung der Artikel und der eingebundenen Medien gelingt und ob Import- und Exportfunktionen enthalten sind.
Die Tester verfütterten im Einzelnen folgende Feeds: Linux-Magazin News (RSS 2.0), KDE News (RSS 2.0) und Gnome News (Atom 1.0) als reine Textfeeds, in der Kategorie Webcomic traten Xkcd (Atom 1.0) sowie Geek & Poke (RSS 2.0 via Feedburner) an. Als Videocasts ergänzten sie LE Talk (RSS 2.0), Ubuntu Video Cast (RSS 2.0) und Linux in the Shell (RSS 2.0), als Podcasts waren Hacker Public Radio (RSS 2.0), Geek’s Guide to the Galaxy (RSS 2.0) und Chaosradio Express (RSS 2.0) dabei. Der Youtube-Kanal Household Hacker (RSS 2.0) ergänzte den bunten Reigen. Die OPML-Testdatei erzeugte Sage für Firefox [8].
DELUG-DVD
Auf der DELUG-DVD dieses Magazins finden Sie die in diesem Artikel getesteten Programme Planet Planet (2.0), Moon Moon (8.12), Planet Venus (0~bzr116) und Tiny Tiny RSS (1.9). Zusätzlich ist die OPML-Datei mit den getesteten Feeds dabei.
Planet Planet
Die Entwickler Jeff Waugh and Scott James Remnant begannen 2004 die Arbeit an Planet Planet [4] mit dem Ziel, die Blogs ihrer Gnome- und Debian-Kollegen unter einen Hut zu bringen. Die Software baut auf Mark Pilgrims Universal Feedparser [9] und der Template-Engine Htmltmpl von Tomas Styblo [10] auf. Planet Planet hat seit 2006 keine Fortschritte gemacht; Version 2.0 war die letzte Release. Dennoch setzen viele Anwender immer noch auf diesen Ur-Planeten, der in Python implementiert ist und auch unter der Python-Lizenz steht. Eine Datenbank benötigt der erste Testkandidat nicht. Auf einem typischen LAMP-System gilt es aber, vor der Einrichtung Python in Version 2.1 (besser 2.3 oder neuer) zu installieren.
Um Planet Planet in Betrieb zu nehmen, entpacken Anwender das Quellpaket in ein beliebiges Verzeichnis, allerdings nicht direkt ins Document-Root. Im nächsten Schritt wandert der Inhalt des Ordners »examples« in ein neues Verzeichnis (im Test »bitparade« ). Die beiden Dateien »config.ini« und »index.html.tmpl« (entweder aus »examples/basic« oder aus »examples/fancy« ) kopieren Nutzer ebenfalls direkt ins Verzeichnis hinein. Wer das Design »fancy« nutzen möchte, der kopiert ebenfalls das Stylesheet und optional die Bilder aus dem Ordner »output« ins Hauptverzeichnis des Planeten.
Der Name des Planeten, die URL und weitere Informationen gehören in die Datei »config.ini« . Außerdem ersetzt der Benutzer dort überall »examples« in der Option »template_files« durch den vorher gewählten Verzeichnisnamen und definiert das Verzeichnis auf dem Webserver, zum Beispiel über folgende Anweisung:
output_dir = /var/www/planetplanet
Am Ende der Datei befindet sich die Liste der Feeds. Ein Eintrag besteht in der »basic« -Konfiguration aus zwei Zeilen:
[https://www.linux-magazin.de/rss/feed/news] name = Linux-Magazin News
Die Feedadresse steht in eckigen Klammern; darunter folgt ein Name. Die »fancy« -Vorlage bietet für jeden Eintrag drei weitere Zeilen für die Hackergotchi-Konfiguration [11]. Planet Planet erwartet die Bilder im erwähnten Verzeichnis »output/images« .
Damit ist der Planet betriebsbereit. Zum Start geben Anwender »./planet.py bitparade/config.ini« ein. Damit Planet Planet regelmäßig neue Beiträge abholt, richtet der Admin einen Cronjob ein. Dabei sollte er beachten, den Befehl im richtigen Verzeichnis auszuführen, zum Beispiel:
55 */1 * * * root cd /home/planet/planetplanet/; /home/planet/planetplanet/planet.py bitparade/config.ini
Wer mehrere Feedreader auf einem System betreiben möchte, der kopiert das »examples« -Verzeichnis beliebig oft und gibt den Planeten in der zugehörigen »config.ini« jeweils einen eigenen Ordner »output_dir« .
Planetoid
Planet Planet unterstützt laut Aussagen der Entwickler RSS-, Atom- und OPML-Feeds. Im Test gelang der Import jedoch nicht immer. Probleme gab es immer wieder mit den beiden Atom-Feeds Gnome News (siehe Abbildung 1) und Xkcd, die mit Fehlercode 500 (Internal Server Error) abbrachen. Ab und zu streikten auch Geek’s Guide to the Galaxy und Linux in the Shell (beide RSS 2.0) und meldeten 403 (Forbidden).

Abbildung 1: Einige der Feeds konnte Planet Planet nicht einsammeln und meldete verschiedene HTTP-Fehlercodes. Da die anderen Testkandidaten diese erfassten, lag das Problem nicht bei den Feeds selbst.
Die größte Schwäche der Software ist allerdings die mangelhafte Importmöglichkeit. Planet Planet bietet nicht an, eine Sammlung aus einer externen Datei einzulesen. Wer nicht alle Adressen von Hand per Copy & Paste übertragen möchte, der bearbeitet vorhandene OPML-Dateien mit Shellwerkzeugen und extrahiert die URL und den Namen. Besser sieht es beim Export aus. Die Software generiert nach jedem »planet.py« -Aufruf je nach verwendetem Template die Dateien »atom.xml« , »foafroll.xml« , »rss10.xml« , »rss20.xml« und »opml.xml« im Planet-Verzeichnis.
In der Voreinstellung fasst Planet Planet 60 Einträge der aggregierten Feeds zusammen. Mit den Optionen »items_per_page« (Anzahl der Artikel auf der Seite) und »days_per_page« (maximales Alter der Einträge) passt der Admin die Anzeige in der Datei »config.ini« an. Dabei sollte er sich nicht von der Bezeichnung “per page” irritieren lassen und zu niedrige Werte wählen, denn der erste Testkandidat kennt nur seine Startseite und bietet nicht an, zu älteren Einträgen und weiteren Seiten zurückzublättern. Dabei hat »days_per_page« mehr Gewicht. Stellt der Verwalter hier beispielsweise nur fünf Tage ein und erscheinen in dieser Zeit nur zehn Beiträge, dann enthält der Planet recht wenige Artikel.
Planet Planet kann die Feeds nicht nach Kategorien sortieren und bietet keinerlei Zugriffsschutz; daher haben viele Blogbetreiber Planeten ungefähr so gerne wie Zahnschmerzen. Die Aggregatoren übernehmen je nach Konfiguration die Inhalte vollständig und verursachen damit den von Google angeprangerten duplizierten Content, der den Pagerank in den Keller sausen lässt.
Verantwortungsbewusste Admins sichern eine Planet-Planet-Installation via ».htaccess« ab und verbieten den Zugriff für Suchmaschinen über einen Eintrag in der Datei »robots.txt« :
User-agent: * Disallow: /planetplanet
Die Länge der gesammelten Artikel können Anwender, wenn auch nur rudimentär, über das verwendete Template steuern. Sowohl »basic« als auch »fancy« zeigen in der Voreinstellung immer die volle Länge an. Wer von jedem Beitrag immer nur einen kurzen Abschnitt sehen möchte, der ersetzt in der Datei »index.html.tmpl« die Anweisung »content« durch »summary« . Eine Möglichkeit, Beiträge als gelesen zu markieren, bietet die Software nicht. Eingebettete Bilder zeigt sie an; Video- und Audiodateien entfernt sie jedoch (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Während Planet Planet die Bilder des Webcomics Xkcd einbindet, entfernt er aus dem Hacker Public Radio die Audiodateien. Auch andere verlinkte Elemente erscheinen nicht als Links, sondern als Text.
Moon Moon
Der zweite Testkandidat ist laut Aussage seines Entwicklers Maurice Svay “lächerlich einfach, versammelt einfach nur Feeds und gibt sie auf einer Seite aus”. Viel mehr ist über Moon Moon [5] nicht in Erfahrung zu bringen. Das unter der BSD-Lizenz stehende Programm ist in PHP geschrieben und benötigt mindestens Version 5.3. Eine Datenbank ist nicht nötig; aktuell ist Version 8.12.
Die Installation ist mit wenigen Handgriffen erledigt: Der Anwender lädt die Zip-Datei von der Projektseite herunter, entpackt sie im Verzeichnis des Webservers und öffnet die Datei »install.php« im Browser. Moon Moon testet, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind, und startet die Einrichtung. Danach löschen Benutzer »install.php« und rufen im Browser das Unterverzeichnis »admin« auf.
In einer Eingabemaske fügen sie die gewünschten Feeds hinzu (siehe Abbildung 3). Ist die genaue Adresse einer Quelle nicht bekannt, reicht es jedoch schon, eine normale URL einzugeben, und Moon Moon versucht eingebettete Feeds selbstständig zu finden.

Abbildung 3: Moon Moon bietet über die Admin-Seite der Weboberfläche eine einfache Eingabemaske zum Hinzufügen von Feeds. Den Namen und den Link zur Webseite generiert der Planet automatisch.
Das Interface zum Hinzufügen wirkt dennoch unvollständig, denn es fehlt eine Möglichkeit, OPML-Dateien zu importieren oder mehrere Feeds auf einmal zu laden. Die Datei »custom/people.opml« enthält alle von Moon Moon abonnierten Feeds, sodass der Export gut gelingt. Moon Moon kann laut Webseite mit RSS- und Atom-Feeds umgehen, zeigte von Letzteren allerdings den Namen in der Seitenleiste nicht immer an. Benutzer tragen diese Informationen gegebenenfalls über den Admin-Bereich der Weboberfläche von Hand ein.
Auch danach holperte die Aktualisierung einiger Adressen aber von Zeit zu Zeit. Ein Problem der Feeds selbst konnten die Tester ausschließen, denn Planet Venus und Tiny Tiny RSS stellten die Inhalte richtig dar. Auch der Youtube-Kanal bereitete zunächst Ärger, denn die Planet-Software verschluckte sich an der Datumsangabe und erkannte somit alle Inhalte als brandneu. Abhilfe schaffte, die URL in der von Firefox Sage generierten OPML-Datei zu kürzen und alles hinter »uploads« abzuschneiden.
Probleme mit den Zeitangaben hatte Moon Moon des Öfteren. Manchmal waren diese gar nicht vorhanden, manchmal erschien »undefined« . Die Autorennamen der einzelnen Beiträge tauchten ebenfalls nicht immer auf.
Kleiner Trabant
Moon Moon aktualisiert die Feeds, wenn Anwender die Startseite besuchen oder wenn der Verwalter im Adminbereich die Schaltfläche »Purge cache« betätigt. Ein Cronjob ist nicht erforderlich. Wer diese Automatik dennoch einrichten möchte, der nutzt Programme wie Wget oder Curl, um einen GET-Request an die Datei »cron.php« zu schicken.
Moon Moon sortiert nicht nach Kategorien und bietet ebenfalls keinen Zugriffsschutz. Genau wie beim ersten Testkandidaten regeln Administratoren Letzteres über die Dateien ».htaccess« und »robots.txt« . Die Anzahl der eingeblendeten Einträge, deren Länge oder Anzeigedauer beeinflussen Anwender über die Datei »custom/config.yml« .
Im Test gelang dies nicht für alle Feeds, und Moon Moon ignorierte beispielsweise stets die maximale Länge für Posts, zeigte mal eine Zeile, mal den gesamten Artikel an. Fünf verschiedene CSS-Styles im Verzeichnis »custom/style« tauchen den Mond jeweils in ein anderes Licht. Anwender bestimmen das Template über einen Eintrag in der Datei »views/default/head.tpl.php« .
Über den Link »See all headlines« in der Sidebar erreichen Benutzer das Moon-Moon-Archiv (Abbildung 4). Hier finden sich Verknüpfungen zu Artikeln des aktuellen Tages, der Woche oder des Monats. Alles, was weiter zurückliegt, sortiert der Feed-Aggregator unter »Older items« ein.

Abbildung 4: Moon Moon erstellt ein Archiv der gesammelten Nachrichten. So sehen Anwender auf einen Blick alle Beiträge des aktuellen Tages, der Woche oder des Monats.
Planet Venus
Der Software-Entwickler Sam Ruby brachte den Planet-Planet-Ableger 2006 in die Umlaufbahn, die beiden Projekte teilen sich auch eine Entwickler-Mailingliste. Planet Venus [6] steht ebenfalls unter der Python-Lizenz, ist in Python geschrieben und benötigt mindestens Version 2.2; die Macher empfehlen 2.4 oder neuer. Das Programm nutzt den Feedparser von Mark Pilgrim [9] und den Python-Parser für Webseiten Beautiful Soup [12]. Im Einsatz sind zudem die Htmltmpl-Engine [10] und die XSLT-Bibliothek des Gnome-Projekts [13]. Eine Datenbank ist nicht erforderlich. Im Test trat Version 0~bzr116 an.
Im Downloadbereich der Projektseite finden Anwender Links zu den Quellen. Alternativ checken sie das Tool direkt aus dem Git-Repository aus:
git clone https://github.com/rubys/venus.git
Danach folgen sie den Anweisungen der Dokumentation von der Projektwebseite. Die Schritte zur Einrichtung unterscheiden sich nicht wesentlich von denen des Vorgängers Planet Planet.
Für Debian und Ubuntu stehen zudem fertige Pakete bereit. Auf dem Testrechner zog die Installation von »planet-venus« zahlreiche weitere Python-Komponenten nach sich. Die Konfigurationsroutine des Pakets legte die Planet-Venus-Daten in »/usr/share/planet-venus« und das Binary unter »/usr/bin/planet« ab. Diese ausführbare Datei nutzen Admins, um einen neuen Planeten einzurichten. Sie wechseln dazu ins Webserver-Verzeichnis und rufen das Kommando »planet –create bitparade« auf.
Das Programm erstellt nun ein neues Verzeichnis namens »bitparade« und kopiert die Konfigurationsdatei »planet.ini« sowie das Standard-Theme-Verzeichnis dorthin. Die Einrichtungsdatei gleicht der von Planet Planet. Abweichungen heben die Entwickler in der Anleitung auf der Projektseite in Pink hervor, sodass ein Umstieg schnell gelingt. Benutzer tragen in der Konfiguration den Namen der Feedsammlung, einen Link zur Startseite, den eigenen Namen und eine Mailadresse, Verzeichnisse für den Cache und das Theme und viele weitere Definitionen ein, die das Handbuch erklärt.
Danach startet »python planet.py config.ini« beziehungsweise »planet –verbose planet.ini« (im Fall des Debian-Pakets) den neuen Planeten. Um diesen stets aktuell zu halten, fügen Anwender einen Cronjob hinzu. Die Installationsroutine des Debian-Pakets erstellt bereits einen entsprechenden Eintrag in »/etc/crontab« :
05 */1 * * * root planet /var/www/bitparade/planet.ini
Benutzer sollten diesen kontrollieren und falls nötig den Pfad zur Konfigurationsdatei anpassen.
Göttin der Liebe
Dieser Kandidat überzeugte bei der Darstellung der Feeds und zeigte alle getesteten Quellen einwandfrei an. Diese trägt der Benutzer genau wie bei Planet Planet am Ende der Konfigurationsdatei ein. Zusätzlich liest Planet Venus externe Dateien im OPML-, FOAF- und CSV-Format ein. Die Adresse des Abonnements steht wie gewohnt in eckigen Klammern; darunter definiert der Parameter »content_type« das Format:
[http://www.example.com/file.opml] content_type = opml
Je nach verwendetem Template erzeugt Planet Venus OPML-, FOAF- und Atom-Feeds als Output und zeigt die Links in der Seitenleiste an (siehe Abbildung 5). Wer den Aggregator als Debian-Paket installiert hat, der arbeitet in der Voreinstellung mit dem Theme »/usr/share/planet-venus/theme/diveintomark« und muss sich mit »index.html« und »atom.xml« begnügen. Wer mit einem anderen Template experimentieren möchte, der passt die Konfigurationsdatei an.

Abbildung 5: Einige der Planet-Venus-Themes fügen in der Seitenleiste Links für den bequemen Export ein.
Bei einigen der Vorlagen ist darüber hinaus ein Griff zum Texteditor erforderlich, um das Encoding anzupassen. Dazu reicht es meist aus, in den entsprechenden ».xslt« -Dateien das »meta« -Tag um »charset=”utf-8″« zu erweitern (siehe Abbildung 6).
Die maximale Anzahl der Einträge kann der Admin in der Einrichtungsdatei über »items_per_page« festlegen. Zudem regeln Optionen, ab wie vielen Tagen ohne Aktualisierung Planet Venus eine Quelle als inaktiv markiert. Der Feed-Aggregator arbeitet zudem mit Filtern, um unerwünschten Content auszuklammern: Der Entwickler hat zahlreiche Filter als Python-Skripte und »sed« -Dateien beigefügt, die als Vorlage für eigene Anpassungen dienen. Planet Venus bietet keine Möglichkeit, die Anzeige nach Kategorien zu sortieren oder bereits gelesene Artikel zu markieren.

Abbildung 6: Bei einigen Themes (hier die Variante Mobile) definieren Anwender das Encoding, damit Planet Venus die Umlaute richtig darstellt. Dazu bearbeiten sie die Xslt-Dateien im Texteditor.
Tiny Tiny RSS
Tiny Tiny RSS [7] von Andrew Dolgov fällt etwas aus der Reihe. Während die meisten Planeten Feeds für die Öffentlichkeit zentral versammeln möchten, kommt dieser Kandidat mit Zugangsbeschränkung und Benutzerverwaltung daher. Das in PHP geschriebene Programm steht unter der GPLv3 und benötigt im Hintergrund eine MySQL- oder PostgreSQL-Datenbank. Die Entwickler empfehlen in ihrem Wiki PostgreSQL, da dies performanter sein soll. Version 1.9, die sich die Tester auf dem LAMP-System anschauten, benötigt PHP 5.3 oder neuer sowie »php5-cli« , »php5-xmlrpc« und »php5-curl« .
Vor der Installation erzeugen Admins zunächst eine neue Datenbank. Danach entpacken sie das Quelltextarchiv im Verzeichnis des Webservers, öffnen das Unterverzeichnis »install« im Browser und geben den Namen der Datenbank und die Planeten-URL an. Danach ist Tiny Tiny RSS bereit und erlaubt die Anmeldung an der Weboberfläche mit »admin« und »password« . Das Kennwort ändert der Admin in den Einstellungen auf dem Reiter »Benutzer« , wo er auch weitere Zugänge erstellen kann. Tiny Tiny RSS unterscheidet dabei Benutzer, erfahrene Benutzer und Administratoren.
Die Feeds fügt der Verwalter ebenfalls über die Konfigurationsoberfläche hinzu. Die komfortablen Dialoge ermöglichen auch den Import einer ganzen Liste; sogar passwortgeschützte Quellen und OPML-Dateien wandern per Mausklick in den Planeten. Der Import und die Funktion zum Export einer eigenen OPML-Datei sind gut versteckt. Benutzer finden sie im Adminbereich der Webseite unter »Feeds« , wenn sie den Bereich »OPML« ausklappen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Pluspunkte gibt’s für den komfortablen Admin-Bereich der Tiny-Tiny-RSS-Weboberfläche, die auch den Import und Export von OPML-Dateien per Mausklick erlaubt.
Tiny Tiny RSS bringt einen Update-Daemon mit, der sich um die Aktualisierung der Inhalte kümmert. Admins rufen ihn unter der Benutzerkennung des Webservers (zum Beispiel »apache« oder »www-data« ) und nicht als Root auf. Das Skript »update.php« startet nur einen Prozess, »update_daemon2.php« mehrere:
su www-data -c "php update.php --daemon"
Der Dienst wandert nicht in den Hintergrund. Wer den Prozess nicht händisch starten möchte, der fügt einen Crontab-Eintrag hinzu:
*/30 * * * * /usr/bin/php /var/www/tinytinyrss/update.php --feeds --quiet
Wer diese Automatismen nicht wünscht, kann den Planeten so konfigurieren, dass ein Reload immer nur stattfindet, wenn ein Benutzer die Webseite besucht. Dazu setzt er in der Datei »config.php« die Option »SIMPLE_UPDATE_MODE« auf »true« . Diese Methode funktioniert nur, wenn Tiny Tiny RSS im Browser geöffnet ist, nicht aber, wenn externe Clients über das API darauf zugreifen.
Klein, aber oho!
Tiny Tiny RSS arbeitete im Test mit allen Feedsorten klaglos zusammen. Für jede Quelle dürfen Admins gezielt festlegen, wie oft sie aktualisiert wird und ob der Planet Bilder anzeigt. Plugins [14] betten Videos verschiedener Anbieter ein. In den allgemeinen Einstellungen auf dem ersten Reiter definiert der Benutzer das Standardintervall für die Updates und wann die Software alte Beiträge löscht. Wie viel Text Tiny Tiny RSS für die einzelnen Artikel anzeigt, hängt vom Feed selbst ab. Steht der Volltext zur Verfügung, so zeigt der Planet diesen auch an; die Länge der Teaser ist nicht einstellbar.
Das Projekt-Wiki listet unter [15] verschiedene Themes samt Vorschaubild auf. Um einen neuen Look einzurichten, laden Anwender die CSS-Datei und das Bilderverzeichnis herunter und speichern alles im Unterverzeichnis »themes« . Anschließend wählen sie in den Einstellungen der Weboberfläche die CSS-Datei aus dem Dropdown-Menü »Theme« aus. Im Bereich »Benutzerdefiniertes Stylesheet« dürfen Benutzer sich auch selbst kreativ austoben – allerdings in einem einfachen Dialogfenster ohne Syntax Highlighting oder ähnlichen Komfort.
Von allen Kandidaten ist Tiny Tiny RSS das einzige Tool, das es erlaubt, Feeds in Kategorien zu organisieren (siehe Abbildung 8). Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Option, bereits gelesene Nachrichten zu markieren und auszublenden. Anwender dürfen zudem Einträge favorisieren, archivieren und mit Tags versehen. Verknüpfungen zu sozialen Netzen sind über Plugins möglich. Als Sahnehäubchen bietet die Projektseite außerdem eine Android-App [16] an, die auf Tiny-Tiny-RSS-Planeten zugreift.

Abbildung 8: Tiny Tiny RSS sortiert nach Kategorien, filtert gelesene oder ungelesene Feeds und erlaubt das Archivieren von Beiträgen. Der Reader zeigt zudem an, wie viele Beiträge in den Abteilungen warten.
Ausgelesen
Planet Venus und Tiny Tiny RSS sind eindeutig die Gewinner des Tests. Beide Feed-Aggregatoren zeigten alle Feeds ohne Probleme an – anders als Planet Planet und Moon Moon. Der Ur-Planet holpert auch sonst eher durchs Universum, denn die Konfiguration ist zwar einfach, aber auch nicht besonders flexibel. Moon Moon bietet mehr Komfort und eine recht aufgeräumte Umgebung, über die Admins die Grundfunktionen einstellen. Wer aber am Design oder an der Konfiguration drehen möchte, der sollte sich auf Ausflüge in schlecht kommentierten PHP-Code vorbereiten.
Es bleibt die Frage, ob Tiny Tiny RSS tatsächlich ein Planet ist. Die Zugangskontrolle stellt ihn ins Abseits, eine öffentlich zugängliche Feedsammlung ist bei diesem Programm nicht vorgesehen. Der Verwalter kann seinen Benutzern keine Vorauswahl von Quellen zusammenstellen, denn jeder Account hat immer nur Zugriff auf jene Feeds, die er selbst eingetragen hat. Damit ist Tiny Tiny RSS eher ein Google-Reader-Ersatz. Geht es also darum, einen klassischen Planeten bereitzustellen, ist Planet Venus das Tool der Wahl.
Infos
- Flipboard: https://flipboard.com
- Inoreader: https://inoreader.com
- Pulse: https://www.pulse.me
- Planet Planet: http://www.planetplanet.org
- Moon Moon: http://moonmoon.org
- Planet Venus: http://intertwingly.net/code/venus
- Tiny Tiny RSS: http://tt-rss.org
- Sage für Firefox: http://sagerss.com
- Python-Bibliothek Feedparser: http://code.google.com/p/feedparser
- Htmltmpl: http://htmltmpl.sourceforge.net
- Hackergotchi: https://planet.gnome.org/heads
- Beautiful Soup: http://www.crummy.com/software/BeautifulSoup
- XSLT für Gnome: http://xmlsoft.org/XSLT
- Tiny-Tiny-RSS-Plugins: http://tt-rss.org/redmine/projects/tt-rss/wiki/Plugins
- Themes für Tiny Tiny RSS: http://tt-rss.org/redmine/projects/tt-rss/wiki/Themes
- Android-App für Tiny Tiny RSS: https://play.google.com/store/apps/details?id=org.fox.ttrss






