
Abbildung 1: Lange Spitzen auf den beiden Speedometer-Graphen deuten auf für den Landstrich Neues hin – viel Datendurchsatz.
Dank LTE durchfegt das moderne Internet jetzt selbst Charlys ruhiges Heim. Surfgeschwindigkeits-Kummer gewöhnt, misst der Magazin-Kolumnist aber lieber gründlich nach.
Ich wohne am dünn besiedelten linken unteren Niederrhein oder, wie ein guter Freund es einst ausdrückte, “am Rand der Scheibe”. Die Beschaulichkeit bietet viele Vorteile: Es gibt Ruhe, Natur und Eltern brauchen die Schule ihrer Kinder nicht nach der Reinheit der dort gehandelten Drogen auszuwählen.
Ich will jedoch die Nachteile nicht unterschlagen: Öffentlichen Personennahverkehr und die Wahl zwischen mehreren Internetprovidern kennen wir nur vom Hörensagen. Wird gerade mal ein Port im Bereichsverteiler frei, teil einem die Telekom gnädigst einen DSL-light-Anschluss zu, der im Downstream 384 KBit/s leistet – “bis zu”, selbstredend. Das ist die Geschwindigkeit, auf die die Telekom Inhaber eines richtigen DSL-Anschlusses irgendwann drosseln will, wenn sie ihren Feierabendspaß nicht aus der magentafarbenen Videobörse beziehen.
Als Alternative kommt das Internet per Satellit vom Himmel, die damit verbundenen Latenzen aber direkt aus der Hölle. Seit etwa einem halben Jahr – großes Glück – bietet in unserer Umgebung ein Mobilfunkunternehmen ein 800-MHz-LTE mit einem Downstream von 21 MBit/s an. Die Latenzen sind immer noch nichts für Ballerspieler, uns vergessenes Urvolk aber katapultiert der Überlandfunk auf Warp 8. Meine Finger waren schweißnass, als ich den Vertrag unterschrieb.
Seit sich der LTE-Router auf der Fensterbank niedergelassen hat, will ich natürlich wissen, wie viel der vollmundig angepriesenen Bandbreite in meinem Heim tatsächlich ankommt. Gefühlte tausend Webseiten bieten Geschwindigkeitstests an, aber sie haben alle eins gemeinsam: Ich vertraue ihnen nicht. Außerdem benutzen sie Flash. Mir steht der Sinn nach einem schlanken, schicken Speedtest für die Kommandozeile meiner Linux-Firewall, denn dort endet das Kabel aus dem LTE-Router. Das Tool der Wahl heißt Speedometer. Wer es nicht im Repository seiner Distribution findet, muss sich auf [1] schlau machen.
Viel Verkehr
Für einen ersten Eindruck starte ich per Browser den Download eines ISO-Image von einem bekanntermaßen schnellen Server und lasse den Tachometer mitlaufen:
speedometer -s -rx eth0
Das Kommando misst lediglich die Geschwindigkeit des Downstreams (»-rx« ), der Parameter »-s« schaltet die angezeigte Einheit von den serienmäßigen Bytes/s auf Bit/s um. Die Geschwindigkeit des Upstreams erfahre ich analog dazu mit:
speedometer -s -tx eth0
Beides gleichzeitig genießen geht erwartungsgemäß auch:
speedometer -s -tx eth0 -rx eth0
Speedometer zeigt dann zwei Graphen übereinander an. Sind mir nebeneinanderstehenden Graphen lieber, stelle ich der zweiten Datenquelle ein »-c« voran:
speedometer -s -tx eth0 -c -rx eth0
Leider sind die Graphen per Default logarithmisch skaliert, was nicht in allen Fällen sinnvoll ist. Für eine lineare Skala sorge ich mit dem Parameter »-l« (Abbildung 1). Die Messungen ergaben übrigens 17 MBit/s im Downstream und 6,5 MBit/s auf dem Upstream. Allerdings fiel das LTE in den ersten Tagen zwei- oder dreimal für ein paar Minuten aus. Sollte ich mein 384-KBit/s-Bauern-DSL als Reserve behalten?

Abbildung 1: Lange Spitzen auf den beiden Speedometer-Graphen deuten auf für den Landstrich Neues hin – viel Datendurchsatz.
Infos
- Speedometer: http://excess.org/speedometer/





