Aus Linux-Magazin 06/2013

Werkzeuge im Kurztest

Flowgrind 0.5.9

TCP-Performance messen

Quelle: https://launchpad.net/flowgrind

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Iperf, Netperf

Um zu testen, ob zwischen zwei Rechnern eine Netzwerkverbindung besteht, reicht Ping völlig aus. Wer jedoch wissen will, wie es genau um die Bandbreite steht, der braucht ein Spezialwerkzeug wie Flowgrind. Es initiiert einen Datenfluss zwischen zwei oder mehr Rechnern und erfasst die Durchsatzwerte.

Flowgrind besteht aus den zwei Komponenten »flowgrindd« (Daemon) und »flowgrind« (Controller). Ersterer muss auf jedem Testrechner aktiv sein, läuft im Usermode und benötigt keine Konfiguration. Nach dem Start wartet er auf Port 5999 auf allen Netzwerkschnittstellen auf eingehende Daten. Der Client setzt den Transfer in Gang. Mit »flowgrind -H« startet der Datenfluss. Weitere Parameter beeinflussen die Blockgröße oder die Übertragungsdauer.

Seine Ergebnisse schreibt Flowgrind auf die Standardausgabe, optional in eine Logdatei. Sie zeigen an, wie lange die Übermittlung gedauert hat und wie groß die Datenmenge und die Paketumlaufzeit waren. Alle Informationen sehen Anwender in einer übersichtlichen Zusammenfassung am Ende der Ausgabe.

Flowgrind informiert über die Bandbreite und gibt so Hinweise auf mögliche Engpässe. Einfache Tests und auch komplexe Szenarien erstellen Nutzer im Handumdrehen.

Plgen 1.2

MP3-Playlisten erstellen

Quelle: http://sourceforge.net/projects/plgen

Lizenz: BSD 3-Clause

Alternativen: Plmaker, Randomm3u

Mobile MP3-Player für weniger als 20 Euro bieten meist nur die Grundfunktionen und nicht viel Komfort. Features wie beispielsweise Playlisten-Verwaltung sind im Preis nicht enthalten. Abhilfe schafft Plgen. Das Python-Programm ordnet die Musik auf gemounteten MP3-Playern mit FAT-Dateisystem. Dazu setzt es im Hintergrund auf »fatsort« , das Dateien und Verzeichnisse auf FAT16- und FAT32-Dateisystemen organisiert. Plgen fügt Nummern zu den Dateinamen hinzu, anhand derer ein MP3-Player die Songs in passender Reihenfolge spielt.

Beim Start geben Anwender das Verzeichnis mit den MP3-Dateien an. Der Rest läuft interaktiv ab. Plgen blendet die verfügbaren Funktionen ein. Anwender geben nun den Anfangsbuchstaben des Kommandos ein, gefolgt von einer oder mehreren Tracknummern. »display« zeigt beispielsweise die aktuelle Anordnung der Stücke an, »order« sortiert Audiodateien am Anfang ein, »rearrange« fügt einen Titel vor einem anderen ein. Mit »switch« tauschen zwei Songs den Platz, »clear« stellt den Anfangszustand wieder her. Der erste Buchstabe einer Funktion blendet eine Onlinehilfe ein.

Plgen bringt rasch Ordnung in MP3-Dateien und sortiert diese nach den Wünschen der Nutzer neu an.

Luksus 0.95

Daten verschlüsseln

Quelle: https://github.com/thomasfrivold/luksus

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Cryptsetup, Truecrypt

Luksus erstellt verschlüsselte Partitionen und Container. Das Tool kommt mit Cryptsetup und Truecrypt zurecht, benötigt nur wenige Aufrufparameter beim Start und fragt den Rest interaktiv ab. Das Shellskript benötigt neben »cryptsetup« und »tcplay« die »coreutils« und »dialog« für den Betrieb.

Luksus enthält neben dem Hauptskript drei Hilfsskripte, die Variablen, Checkroutinen und die eigentlichen Funktionen bereitstellen. Alle Skripte müssen sich im selben Verzeichnis befinden. Um etwas zu verschlüsseln, übergeben Nutzer beim Start die Gerätedatei und den Namen des Containers. In der Voreinstellung erzeugt Luksus mit Cryptsetup verschlüsselte Datenträger. Wer Truecrypt bevorzugt, der definiert dies beim Start

Ein Fehler hat sich in den Check der Verschlüsselungsvariante eingeschlichen, weswegen die Tester einen Stern abziehen: Luksus will stets zu Truecrypt greifen und bricht mit einem Fehler ab, wenn »tcplay« nicht auf dem System vorhanden ist. Versierte Anwender beheben den Bug, indem sie im If-Statement in Zeile 61 der Datei »LUKSUS.checks« die Gleichheitszeichen mit Leerzeichen umschließen.

Luksus erzeugt im Handumdrehen verschlüsselte Datenträger und Container.

Auto Archive 1.0.1

Inkrementelle Backups auf der Shell

Quelle: http://autoarchive.sourceforge.net

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Sysbackup

Auto Archive fertigt Backups (»tar« , »tar.gz« , »tar.bz2« , »tar.xz« ) ganz nach den Wünschen der Nutzer an. Für jede Sicherungskopie definieren sie in einer Spezifikation, welche Dateien im Backup landen sollen und welche ausgeschlossen sind sowie ein Komprimierungsprogramm. Beim Aufruf geben Nutzer danach nur noch den Namen des Profils an.

Die Spezifikationsdateien für das Python-Programm tragen die Erweiterung ».aa« und liegen im Verzeichnis »~/.config/aa/archive_specs« . Jede Datei enthält die Pfade der zu sichernden Daten, Include- und Exclude-Regeln für bestimmte Verzeichnisse oder Dateien und den eindeutigen Namen der Spezifikation. Optional nehmen Anwender in einem Abschnitt Einstellungen zu den Archivformaten vor und definieren etwa das Kompressionsprogramm und das Zielverzeichnis.

Einige dieser Angaben dürfen Nutzer auch in den Dateien »~/.config/aa/aa.conf« beziehungsweise »/etc/aa/aa.conf« machen. Außerdem legen sie hier »force« -Varianten für einzelne Parameter fest, die dann die Einstellungen der Spezifikationsdatei überschreiben. Die meisten Parameter nimmt Auto Archive zudem beim Aufruf entgegen.

Das Tool beherrscht inkrementelle Backups und stellt Daten aus unterschiedlichen Generationen wieder her. Bei zum Schreiben geöffneten Dateien verhält sich »aa« Tar-konform und bricht den Sicherungsvorgang mit der Meldung »Datei hat sich beim Lesen geändert« ab.

Auto Archive nutzt bewährte Archiv- und Kompressionstools für seine Backups. Gut gefallen die Profildateien, in denen Anwender vorher genau bestimmen, wie die Sicherung aussieht.

Fido 1.0.7

Logdateien überwachen

Quelle: http://www.joedog.org/fido-home

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Logcheck

Mit Argusaugen wacht Fido über Logdateien des Systems und reagiert gegebenenfalls auf Ereignisse automatisch. Anwender legen vorher Muster und Suchstrings fest. Für jedes Protokoll schreiben sie genau auf, wann das Tool in Aktion tritt, etwa bei veränderten Inhalten oder Timestamps. Das Quellarchiv enthält zwei anschauliche Beispiele für Apache- und Jboss-Logdateien, die als Vorlage dienen können.

Fido beschränkt sich nicht nur auf das Observieren, sondern führt selbstständig Aktionen aus, wenn ein Zwischenfall eingetreten ist. Konkret bedeutet das, dass das Werkzeug ein weiteres Programm oder Skript aufruft, das der Anwender vorher festlegt. Für jedes Protokoll darf er eine individuelle Maßnahme bestimmen. Auf Wunsch protokolliert Fido die Ausgaben dieser externen Helfer in seinem eigenen Log oder im Syslog.

Seine Konfiguration erwartet der Dienst in »/etc/fido.conf« . Alternativ bestimmt der Parameter »-C« eine andere Einrichtungsdatei. In dieser beschreibt der Nutzer Fidos Verhalten. So legt er beispielsweise fest, ob das Werkzeug als Daemon läuft, mit welchen Benutzerrechten es ausgestattet ist und wo sich das Verzeichnis mit den Regelwerken befindet. Für die einzelnen Logs gibt es Blöcke mit Regeln und Aktionen. Hier sind unter anderem die Pfade zu den Protokollen und die Suchmuster gelistet. Anwender tragen hier ebenfalls ein, was bei einem Treffer passiert.

Fido überwacht die Logdateien nicht nur, sondern reagiert im Ernstfall sogar automatisch. Die Konfiguration geht dank der mitgelieferten Beispiele gut von der Hand.

Se 3.0.1

Vollbildvariante für Ed

Quelle: http://se-editor.org

Lizenz: Public Domain

Alternativen: Ed, Nano

Der Texteditor Ed ist fast so alt wie Unix selbst. Die zeilenorientierte Arbeitsweise des Klassikers empfindet, wen wundert’s, nicht jeder als angenehm. Eine visuelle Schnittstelle bietet Se. Der Editor orientiert sich in puncto Befehlssyntax am Vorbild, macht aber stets den ganzen zu bearbeitenden Text sichtbar. Nachdem lange Zeit Stillstand im Projekt herrschte, haben die Entwickler die Arbeit vor Kurzem wieder aufgenommen, den Code modernisiert und Posix-konform gestaltet.

Das Tool unterliegt im Gegensatz zu anderen Editoren fast keinen Abhängigkeiten. Anwender müssen jedoch die Umgebungsvariable »TERM« setzen. Nach dem Start zeichnet Se eine Art Rahmen um die geöffnete Datei im Terminal. Die Statuszeile am unteren Rand zeigt die aktuelle Uhrzeit und den Dateinamen. Direkt darüber geben Nutzer hinter dem Prompt »cmd>« ihre Kommandos ein. So bewegen sie den Cursor beispielsweise zu einer bestimmten Zeile, die Se dann mit einem Pfeil am linken Rand markiert. Druck auf [D] löscht die aktuelle Zeile, über [I] fügen Anwender eine Zeile vor der aktuellen ein. Ein Punkt am Zeilenanfang beendet die Eingabe.

Weitere Befehle sowie Ideen für den Einsatz regulärer Ausdrücke verrät die umfangreiche Manpage. Hier finden Anwender auch ein Beispiel für die persönliche Konfigurationsdatei »~/.serc« , deren Kommandos das Tool vor dem Start abarbeitet. Für den Einsatz von Se in Shellskripten ist im Archiv das Werkzeug »scriptse« enthalten, das im Gegensatz zum Editor keine Oberfläche besitzt.

Alte Unix-Hasen, die mit Ed vertraut sind, dürften sich schnell in Se zurechtfinden.

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