Blogs sind längst keine rein privaten Tagebücher mehr, immer mehr Einzelpersonen und Firmen bloggen professionell. Wer auf WordPress setzt und mehr als eine Installation verwaltet, der freut sich über tatkräftige Unterstützung bei der Administration. Drei Werkzeuge helfen.
Das Blogsystem WordPress ([1], [2]) ist eine der beliebtesten Plattformen für Freizeitblogger und Medienprofis gleichermaßen. Zahlreiche Plugins, Themes und andere Add-ons erweitern die freie Software. Eine Kommentarfunktion, eine zentrale Linkverwaltung, Benutzer-Rollen und -Rechte sowie eine niedrige Lernkurve machen WordPress zudem zu einem preiswerten CMS-Ersatz.
Für WordPress gilt das Gleiche wie für andere Webanwendungen: Ohne sorgfältige und regelmäßige Wartung sind sie anfällig für Angriffe von außen und öffnen im schlimmsten Fall Tür und Tor zum ganzen Server. Es gilt, die Software selbst, eingehende Kommentare und Trackbacks im Auge zu behalten sowie Spammer auszuschließen.
Der Aufwand für eine einzelne Instanz hält sich in Grenzen. Bei mehreren Installationen erinnert die Verwaltung jedoch an den Kampf mit der Hydra – ist ein Kopf abgeschlagen, wachsen an dieser Stelle gleich zwei neue.
Ärger abwenden
Seit Version 3.0 versuchen die Entwickler die Pflege mehrerer Blogs zu erleichtern. Die Multisite-Funktion [3] ermöglicht es, ein Netzwerk mit vielen eigenständigen WordPress-Instanzen in nur einer Installation einzurichten. In der Praxis hat sich das Feature allerdings bislang nicht bewährt. Nach wie vor sind viele Plugins und Themes mit dem Multisite-Feature überfordert und zwingen den Admin stundenlang zu debuggen. Probleme gibt es vor allem dann, wenn er einige Erweiterungen nur für einzelne und nicht für alle Instanzen aktiviert hat. Im schlimmsten Fall macht das sogar das ganze Blognetzwerk unbenutzbar.
Noch mehr Frust wartet auf den Verwalter, wenn er ein Blog aus einem bestehenden Netzwerk herauslösen und in eine eigenständige WordPress-Instanz umwandeln möchte, etwa weil die Auslastung der Multisite-Installation zu hoch ist oder ein Wechsel zu einem anderen Dienstleister ansteht. In diesem Fall hilft nur ein Im- und Export-Plugin, das sich allerdings auf Artikel, Medien und Kommentare beschränkt. Den ganzen Rest – inklusive der Plugins und Themes – muss der Nutzer von Grund auf neu installieren und anpassen.
Eine weitaus stabilere und flexiblere Alternative für die Verwaltung von Blogfarmen wollen spezielle Administrationsoberflächen sein. Im Test treten Infinite WP [4], Manage WP [5] und WP Remote [6] an. Alle drei sind eigenständige Lösungen, die die Multisite-Funktion von WordPress außer Acht lassen. Es handelt sich auch nicht um Plugins, die nur einen Teilbereich der Administrationsaufgaben abdecken. Die Werkzeuge arbeiten auf dem eigenen Server (wie Infinite WP) oder in der Cloud (wie Manage WP und WP Remote).
Die Tester schauten, ob die Verwaltungstools mehrbenutzerfähig sind, wie das Dashboard aufgebaut ist und wie es um die Übersichtlichkeit und Benutzerfreundlichkeit steht. Sie prüften ebenfalls, wie die Kandidaten mit größeren Blogpools zurechtkommen und wie komfortabel der Zugriff von mobilen Browsern aus ist.
Infinite WP
Infinite WP [4] ist zwei Jahre alt und stammt aus der indisch-amerikanischen Softwareschmiede Revmakx [7]. Die Design- und Webentwicklungs-Firma entwarf das Tool ursprünglich, um die zahlreichen WordPress-Installationen ihrer eigenen Kunden von einer zentralen Oberfläche aus zu steuern. Als einziger Kandidat ist es für den Betrieb auf dem eigenen Server gedacht. Das Basissystem ist kostenfrei, steht allerdings unter einer proprietären Lizenz und bietet nur Funktionen, um WordPress-Instanzen zu aktualisieren und Plugins und Themes zu verwalten.
Über kostenpflichtige Add-ons [8] erweitert der Nutzer die Fähigkeiten des Programms. Im Angebot sind Funktionen zum Installieren und Klonen (rund 100 US-Dollar), zum Planen regelmäßiger Backups (rund 70 US-Dollar) und zum Sichern bei externen Cloudanbietern (rund 50 US-Dollar). Andere Add-ons verwalten Benutzeraccounts an zentraler Stelle (zirka 50 US-Dollar), führen angepassten PHP-Code zentralisiert aus (rund 70 US-Dollar) und setzen den eigenen Firmennamen ins Infinite-WP-Plugin ein (etwa 100 US-Dollar).
Das Unternehmen kündigt zusätzliche Plugins für die nahe Zukunft an. Dazu gehören Erweiterungen, die Google Analytics einbinden, Blogartikel in mehreren Installationen posten und Kommentare zentral verwalten. Ebenfalls geplant sind Add-ons für automatische Berichte an Kunden und ein Health Monitor.
Im diesem Test trat Version 2.0.4 an. Die technischen Anforderungen sind überschaubar und auf den meisten LAMP-Systemen standardmäßig vorhanden. Infinite WP benötigt einen Webserver mit einer aktuellen PHP-Version (mindestens 5.2.4), MySQL (mindestens 5.0.2), Curl und optional Open SSL.
Nach dem Download der Zip-Datei von den Revmakx-Servern entpackt der Admin sie im Zielverzeichnis und benennt dieses auf Wunsch um. Mit dem MySQL-Kommandozeilentool oder einem Helfer wie PHP My Admin [9] legt er eine Datenbank an und öffnet das Infinite-WP-Verzeichnis anschließend im Browser. Ein Assistent führt dann in vier Schritten zum Ziel. Zum Schluss entfernt der Anwender den »install« -Ordner. Ein Eintrag in »/etc/crontab« sorgt dafür, dass die Benachrichtigung per Mail funktioniert, zum Beispiel:
*/20 * * * * apache php /var/www/html/infinitewp/cron.php >/dev/null 2>&1
Damit ist Infinite WP betriebsbereit. Mit dem während der Installation angelegten Benutzernamen und Passwort meldet sich der Admin an und betritt das Kontrollzentrum. Möchte er Add-ons einspielen, geht es über den gleichnamigen Menüpunkt am oberen rechten Rand weiter. Mit den beim Kauf über die Infinite-WP-Seite angelegten Zugangsdaten lädt er Erweiterungen und installiert diese direkt über das Kontrollzentrum. Ein Klick auf »Check Now« zeigt die installierten Add-ons an (siehe Abbildung 1). Kleine Schieberegler schalten die Plugins ein und aus.

Abbildung 1: Add-ons erweitern den Funktionsumfang von Infinite WP. Über das Kontrollzentrum spielen Admins die Plugins ein, aktivieren und deaktivieren sie.
Arbeitsauftrag
Die Zusammenarbeit mit den WordPress-Instanzen (die nicht auf demselben Server liegen müssen) läuft über das Plugin »Infinitewp Client« ab. Admins installieren es im WordPress-Dashboard. Nach der Aktivierung blendet es die WP-Admin-URL, den Benutzernamen und einen Aktivierungsschlüssel ein. Diese Zugangsdaten tragen Anwender nun im Infinite-WP-Kontrollzentrum ein, nachdem sie dort auf »Add Website« geklickt haben. Das neu hinzugefügte Blog erscheint in der linken Seitenleiste.
Derzeit ist es nicht möglich, mehr als einen Benutzer anzulegen, der auf die verwalteten Blogs zugreifen darf. Das führt gerade im professionellen Umfeld zu Problemen, wenn es nur einen Account gibt, zu dem alle das Passwort kennen. Verlässt ein Mitarbeiter das Unternehmen, ist eine Kennwortänderung obligatorisch, selbst wenn das Tool den Zugriff auf einzelne IPs beschränken kann. Nach Herstellerangaben ist ein (vermutlich kostenpflichtiges) Berechtigungsverwaltungs-Add-on bereits in Planung.
Das Infinite-WP-Dashboard überzeugt mit seiner übersichtlichen und klaren Struktur. Die linke Seitenleiste zeigt die verknüpften Blogs, das Menü am oberen Rand bietet Zugriff auf die Konfiguration, über »Process Queue« rechts unten blenden Nutzer die aktuellen Aufgaben und deren Status ein. Ein rotes Ausrufezeichen weist auf ein Problem hin; ein Klick darauf blendet weitere Informationen ein (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Erscheint ein rotes Icon hinter einer Aufgabe, zeigt ein Klick an, was schiefgegangen ist.
Unter der Menüzeile befinden sich die eigentlichen Werkzeuge, dargestellt als einfache Textlinks. Sie zeigen eine Liste der Blogs und ihrer anstehenden Aufgaben wie etwa WordPress-, Themes- oder Plugin-Updates an. Über einen Klick klappen Anwender die Einträge auf und stoßen Updates auf einmal an oder wählen einzelne von Hand aus. Über »Hide« schließen sie Komponenten von der Aktualisierung aus.
Entwicklungspotenzial
Infinite WP steckt noch in der Entwicklungsphase, daher ist die Liste der zum Testzeitpunkt verfügbaren Werkzeuge noch nicht besonders umfangreich. Es fehlen vor allem Funktionen, um mit wenigen Handgriffen die WordPress-Version der Blogs zu aktualisieren. Außerdem wäre es schön, wenn Admins künftig die Plugins und Themes vom Kontrollzentrum aus installieren, aktivieren und deaktivieren sowie Benutzeraccounts einrichten könnten.
Erleichterung bei alltäglichen und arbeitsintensiven Aufgaben für Redakteure und Social Media Manager bietet Infinite WP noch nicht. Add-ons zur Kommentarverwaltung und zum zentralen Bearbeiten von Blogeinträgen und Seiten haben die Entwickler bereits angekündigt; möglicherweise sind einige beim Erscheinen dieses Hefts bereits verfügbar. Eine Statistikanzeige ist nach Angaben des Herstellers ebenfalls geplant.
Praktisch ist das Backup-Feature. Das Verwaltungstool erstellt per Mausklick oder regelmäßig und automatisiert Sicherungskopien der angeschlossenen Blogs (siehe Abbildung 3). Diese überträgt es auf Wunsch zu einem FTP-Server oder zu einem Dropbox- oder Amazon-S3-Account. Mit einer frischen Installation klappte das Sichern der Blogs im Test einwandfrei. Die Zusammenarbeit mit einer älteren WordPress-Instanz auf einem Free-BSD-Server schlug hingegen fehl.
Ausbaufähig
Infinite WP ist äußerst benutzerfreundlich und nimmt neue Anwender mit Tooltips an die Hand und leitet sie zu den richtigen Stellen im Kontrollzentrum. Die Lernkurve ist flach und eine ausführliche Dokumentation hilft über die ersten Hürden hinweg. Nicht so gut gelungen ist hingegen die Werkzeugleiste, die Add-ons und die Kernfunktionen als reine Textlinks darstellt. Wenn in Zukunft neue Erweiterungen und Fähigkeiten hinzukommen, dürfte das Ganze schnell unübersichtlich werden. Grafische Schaltflächen mit oder ohne Beschriftung wären ein Gewinn.
Das gilt auch für die Auswahltabellen, in denen Anwender definieren, auf welchen WordPress-Instanzen sie etwa ein neues Theme installieren wollen. Sie sind umständlich und wirken nicht gut durchdacht. Besser wäre, wenn diese Ansicht die Blogs anhand ihrer Gruppen sortierte. In der linken Seitenleiste fehlt zudem die Möglichkeit, die Blogs farblich voneinander abzugrenzen, wie es der zweite Kandidat Manage WP anbietet – eine kleine Funktion, die für großen Durchblick sorgt. Auch der rechte Bereich des Kontrollzentrums könnte insgesamt stärkere Kontraste vertragen.
Wer vom Smartphone oder Tablet aus mit Infinite WP arbeiten möchte, der muss derzeit den Browser bemühen. Eine iPhone-App ist immerhin angekündigt, Android scheint allerdings keine Rolle zu spielen. Die Weboberfläche ist in mobilen Browsern zwar gut zu benutzen, verzichtet aber auf responsives Webdesign, das heißt, dass sich Aufbau und Darstellung der Menüs nicht automatisch dem verwendeten Display anpassen. Um Elemente der Oberfläche gut lesen zu können, ziehen Anwender sie auf Mobilgeräten größer und schieben den Inhalt an die richtige Stelle. Im Test erschienen dabei mitunter Artefakte, die den mobilen Einsatz zwar nicht unmöglich, aber unhandlich machten.
Manage WP
Auch der zweite Kandidat ist noch recht jung. Die Idee zu Manage WP [5] entstand im Frühjahr 2010, zwei Jahre später präsentierte die gleichnamige serbisch-amerikanische Firma ihren Clouddienst der Öffentlichkeit. Der Preis richtet sich nach dem Funktionsumfang und nach der Anzahl verwalteter WordPress-Installationen. Ein kostenloser Zugang kümmert sich um bis zu fünf Blogs. Diese Free-Variante bietet außerdem 30 Tage lang Zugang zu allen Premiumfeatures; danach beschränkt sich Manage WP wieder auf zentrale Updates, eine Plugin- und Theme-Verwaltung, Zugriffsstatistiken, die Kommentarverwaltung und den zentralen Zugriff auf die Administrationsoberflächen der angeschlossenen WordPress-Installationen.
Die Variante Standard unterstützt zusätzlich den Massenversand von Blogartikeln und Backups. Die Professional-Variante verwaltet Benutzeraccounts der Blogs, bietet Manage-WP-Zugänge für mehrere Nutzer, klont WordPress-Installationen, beobachtet den Traffic und erweitert das Backup-Feature um Zeitpläne. Die Business-Version schließlich lockt mit umfangreichen Analysen für die Suchmaschinenoptimierung, stellt erweitertes Monitoring und Zwei-Wege-Authentifizierung via SMS bereit.
Die Preisunterschiede zwischen den Paketen sind beträchtlich. Zehn Blogs im Tarif Standard kosten 75 US-Dollar pro Jahr, Professional schlägt mit rund 230 US-Dollar jährlich zu Buche, Business beläuft sich auf rund 970 US-Dollar pro Jahr. Die kostenpflichtigen Pakete staffeln den Preis zusätzlich nach Mengen und bieten bis zu 10, 15, 25, 50, 100, 250 und 500 WordPress-Instanzen an. Möchte eine Firma etwa 500 Blogs in der Kategorie Business verwalten, muss sie mit Kosten von rund 5000 US-Dollar jährlich rechnen.
Teamwork
Auch Manage WP verlangt in jedem angeschlossenen WordPress-Blog ein Plugin, es heißt »Manage WP Worker« . Im Kontrollzentrum des Verwaltungstools führt ein Klick auf »Add Website« zu einem Einrichtungsdialog, in den Benutzer die Blog-URL und den Admin-Account eintragen, »Advanced« klappt weitere Optionen aus. Hier sortiert er seine Blogs nach Gruppen und weist der Site eine Farbe zu. Ein Klick auf »Add Site« schließt die Konfiguration ab. Danach gilt es, einige Sekunden zu warten, denn Manage WP führt einen Sicherheits- und Geschwindigkeitstest durch, selbst wenn die Häkchen dafür entfernt sind.
Als einziger Testkandidat hat Manage WP eine Benutzerverwaltung und richtet auf Wunsch mehrere Accounts ein, die Zugriff auf das Dashboard haben. Das Feature steht erst in den beiden Varianten Professional und Business zur Verfügung, was den realen Bedarf abbilden dürfte. Ein freier Onlinejournalist, der ein knappes Dutzend Contentblogs betreibt, arbeitet sicherlich meist alleine und ist daher auch mit dem Standardpaket ohne Benutzerverwaltung zufrieden.
Das Manage-WP-Dashboard ist übersichtlich und durchdacht (siehe Abbildung 4). Die linke Seitenleiste zeigt alle verbundenen Blogs. Das Menü am oberen Rand bietet die sorgfältig sortierten Verwaltungswerkzeuge an, mit denen der Benutzer einzelne oder alle WordPress-Instanzen sowie gezielt seine Gruppen bearbeitet. Fährt er mit der Maus über einen Eintrag der linken Leiste, öffnet sich ein Menü mit Administrationstools für das jeweilige Blog.

Abbildung 4: Manage WP überzeugt mit einem übersichtlichen Dashboard, das die Verwaltungswerkzeuge, Kommentare, Artikel und eine Statistik präsentiert.
Den größten Teil der Oberfläche nehmen die Aktivitätsanzeigen ein. Hier sieht der Admin auf einen Blick, wie viele Kommentare auf seine ordnende Hand warten oder welche Updates verfügbar sind. Die Schaltflächen »WordPress« und »Plugins« verraten im Detail, welche Aktualisierungen auf welchen Blogs anstehen. Ein beherzter Klick auf »Update Everything« bringt alles auf den neuesten Stand.
Rechts erreicht der Benutzer den Backup-Status, die jüngsten Artikel und eine Statistik. Diese kann allerdings eigenständige Zugriffsstatistiken, wie sie Piwik oder Google Analytics bieten, nicht ersetzen, da die Manage-WP-Funktion auch alle Abrufe von Suchmaschinen-Crawlern und Spambots erfasst.
Schaltzentrale
Systemupdates, Aktualisierungen von Plugins und Themes erledigen Anwender vollautomatisch über das Dashboard. Nur bei einigen kommerziellen WordPress-Erweiterungen müssen Admins manchmal von Hand nachhelfen. Diese können sie ebenfalls aus dem Clouddienst heraus auf allen angeschlossenen Blogs gleichzeitig installieren und aktivieren. Für individuelle Anpassungen ist aber ein Besuch beim Blog erforderlich. Den Weg dorthin kürzt ein Klick auf einen Eintrag in der linken Seitenleisten und »Open admin here« ab (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ein Klick auf einen Eintrag in der linken Leiste bietet Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Externe Links sind deutlich gekennzeichnet.
Kommentare und Spam löscht der Benutzer direkt vom Dashboard aus. Alternativ gibt er sie über Manage WP frei, blockiert und bearbeitet sie. Praktisch sind auch die beiden Menüpunkte »Manage | Posts« beziehungsweise »Manage | Pages« . Hier legt der Anwender Artikel oder Seiten an, die in allen Blogs erscheinen sollen. Das Feature ermöglicht es beispielsweise, ein Impressum einmal zu schreiben und es zugleich in zehn Blogs zu veröffentlichen.
Auch die Accountverwaltung für die WordPress-Instanzen regelt Manage WP. Über »Manage | Users« erstellt der Admin Accounts für externe Autoren auf einem oder mehreren Blogs (siehe Abbildung 6). Diese entsprechen den WordPress-Rollen Administrator, Redakteur, Autor, Mitarbeiter und Abonnent.

Abbildung 6: Manage WP enthält eine Benutzerverwaltung und verteilt die von WordPress her bekannten Rollen für Admins, Redakteure, Autoren und Abonnenten.
Die Backup-Funktion bietet genau wie die von Infinite WP an, einmalig oder automatisch zu wiederkehrenden Zeitpunkten zu sichern. Als Speicherort dient entweder ein FTP-Server, Amazon S3, Dropbox oder der eigene Mailaccount. Im Test gelang es nicht, aus der Manage-WP-Zentrale heraus Backups aller WordPress-Instanzen zu aktivieren – weder für produktive Blogs noch für die frischen Testinstallationen. Eine Fehlermeldung veranlasste den Manage-WP-Support zwar zu einer Rückfrage, weitere Diskussionen verliefen allerdings im Sande. Das ist enttäuschend, schaut man sich die Preise an – der Anwender erwartet mehr.
Wie auch Infinite WP bietet Manage WP eine Übersicht über vergangenen Aktionen an. Anwender finden hier auch Informationen zu missglückten Updates oder anderen Fehlern. In puncto Übersicht überzeugt der Dienst. Erst Mitte Januar gönnte ihm das Entwicklerteam eine ganz neue Oberfläche, die die Funktionen neu in den oberen Menüs anordnet. Kleine Mängel sind jedoch geblieben. So zeigt das Dashboard neue Kommentare und Updates immer erst nach dem zweiten Klick auf »Refresh« an. Manage WP erlaubt die Einteilung in Gruppen, was spätestens ab zehn sehr aktiven Blogs interessant und ab zirka 20 Installationen unverzichtbar wird.
Für den mobilen Einsatz gibt’s eine iPhone-App, eine für Android erschien kurz vor Redaktionsschluss. Beide beschränken sich auf die Kernfunktionen. Greift der Anwender mit einem Browser vom Smartphone aus auf Manage WP zu, so ist die Seite besser zu bedienen als die von Infinite WP, da keine Artefakte das Bild stören. Allerdings fehlt auch hier das responsive Webdesign, die Anwender müssen wieder mühselig zoomen und schieben.
WP Remote
Auch WP Remote [6] stammt aus dem Jahr 2010, erschien aber im Januar 2012 in komplett überarbeiteter Fassung [10]. Die Macher spendierten dem Clouddienst in diesem Zusammenhang ein vollständig neues Frontend, eine rudimentäre Backup-Funktion und die Möglichkeit, Themes remote zu verwalten. Der WP-Remote-Zugang ist kostenfrei und soll es nach Angaben des Herstellers Human Made Limited [11] auch bleiben.
Nachdem Anwender einen Account auf der WP-Remote-Seite erstellt haben, bereiten sie ihre WordPress-Installationen auf die Zusammenarbeit vor. Auch hier regelt ein Plugin die Kommunikation, die Erweiterung heißt »The WP Remote WordPress Plugin« . Da es ein weiteres Plugin mit recht ähnlichem Namen gibt, sollten Anwender sicherstellen, dass der Anbieter wirklich Human Made Limited ist. Nach der Installation erscheint auf der WordPress-Pluginseite ein Eingabefeld für einen API-Schlüssel, den Nutzer in WP Remote erhalten, wenn sie über »Add Site« ein Blog hinzufügen.
WP Remote besitzt genau wie Infinite WP keine Benutzerverwaltung. Ob ein solches Feature für die Zukunft geplant ist, ist nicht bekannt. Der Funktionsumfang des dritten Kandidaten ist insgesamt recht klein, dafür punktet er mit einer übersichtlichen Oberfläche. Was der Admin wissen muss, erfährt er auf einen Blick von der kleinen Info-Anzeige links oben (siehe Abbildung 7). Sie zeigt anstehende Updates für WordPress selbst, für Plugins und Themes an.

Abbildung 7: Die Anzeige links verrät, wie viele Blogs das Tool verwaltet und wo Updates für WordPress selbst, für Plugins und Themes warten.
Schlanker Fuß
Unter dem Info-Feld listet WP Remote die verwalteten Blogs auf. Sofern Anwender die Gruppenfunktion nutzen, finden sie hier die erstellten Kategorien auf. Beim Klick auf eine WordPress-Instanz öffnet sich rechts ein kleiner Administrationsbereich. Der Reiter »Status« verrät, ob Updates anstehen (siehe Abbildung 8), der zweite Tab führt zur Backup-Funktion und der dritte zeigt vergangene Arbeitsschritte. Zwei kleine Schaltflächen in der rechten oberen Ecke des Bereichs führen zur Startseite und in den Adminbereich des jeweiligen Blogs.
Grundlegend
Die Fähigkeiten des dritten Kandidaten sind in wenigen Sätzen beschrieben: Neben Updates für WordPress selbst, die Plugins und Themes erlaubt es WP Remote, Notizen zu den angeschlossenen Blogs anzulegen. Backups erstellt das Verwaltungstool, allerdings nicht automatisch, sondern per Knopfdruck – Admins müssen also selbst an die Sicherungen denken. Ein Speichern auf externen Servern oder bei WP Remote ist nicht implementiert; Anwender können das Backup lediglich herunterladen.
Die Tester fanden die farbliche Gestaltung der Oberfläche gelungen und besser als bei den ersten beiden Kandidaten. Das Dashboard ist aufgeräumt und wäre selbst bei zusätzlichen Funktionen nicht sofort unübersichtlich, vor allem dank der Reiter im Administrationsbereich. Nicht ganz so gut gelöst ist die Liste der Blogs und der Gruppen, die bei einem größeren Umfang schnell das Browserfenster sprengt. Ab etwa zehn bis zwanzig Blogs plus Gruppen macht das Scrollen keinen Spaß mehr.
Eine iPhone- oder Android-App suchen Anwender vergeblich. Dafür punkten die Webdesigner mit der Oberfläche, die sich auch dem Smartphone-Browser automatisch anpasst. WP Remote macht auch auf kleinen Displays eine gute Figur (siehe Abbildung 9).
Manöverkritik
Keines der Verwaltungswerkzeuge enttäuschte im Test, aber nicht jedes eignet sich für jeden Anwendungszweck. Infinite WP läuft als einziger Kandidat nicht in der Cloud, sondern auf dem eigenen Server. Das Tool richtet sich vor allem an kleine bis mittlere Agenturen und Dienstleister. Die Grundfunktionen sind kostenlos, aber für die wirklich interessanten und arbeitserleichternden Erweiterungen müssen Anwender teilweise tief in die Tasche greifen. Preise, die für ein Plugin noch bezahlbar wirken, summieren sich bei mehreren Add-ons schnell zu einem Betrag, der in die Nähe der Professional-Variante von Manage WP rückt.
Dieser Clouddienst wiederum eignet sich nicht nur in der hochpreisigen Version zur Pflege großer Blogfarmen. Mittlere und größere Agenturen mit SEO-Schwerpunkt finden in Manage WP einen zuverlässigen Helfer mit umfangreichen Funktionen. Der Preis für die Profiausgabe ist allerdings so hoch, dass es im Vorfeld gilt, sorgfältig abzuwägen, ob die Einnahmen der verwalteten Blogs die Unkosten decken. Insgesamt ist die Webanwendung sehr gelungen und minimiert den Arbeitsaufwand für Admins beziehungsweise andere Mitarbeiter – als einziger Testkandidat integriert Manage WP die WordPress-Benutzerverwaltung.
WP Remote bietet deutlich weniger Funktionen als die anderen beiden Tools, ist dafür kostenfrei und macht auch in mobilen Browsern eine gute Figur. Anwender, die lediglich Plugins und Themes an zentraler Stelle aktualisieren möchten, haben mit WP Remote einen kostenfreien Assistenten an ihrer Seite. Ohne Kommentar- und Benutzerverwaltung eignet sich der Clouddienst allerdings eher für Freizeitblogger mit einigen wenigen WordPress-Installationen. Admins, die für viele Blogs zuständig sind, wenden sich besser von vornherein Infinite WP oder Manage WP zu.
Infos
- WordPress: http://wpde.org
- Carola Heine, “Früh erfolgreich”: Linux-Magazin 09/12, S. 46
- Multisite: http://codex.wordpress.org/Glossary#Multisite
- Infinite WP: http://infinitewp.com
- Manage WP: http://managewp.com
- WP Remote: https://wpremote.com
- Revmakx: http://www.revmakx.com
- Add-ons für Infinite WP: http://infinitewp.com/addons
- PHP My Admin: http://www.phpmyadmin.net
- WP Remote Reboot: https://wpremote.com/2012/01/16/wp-remote-reboot
- Human Made Limited: http://hmn.md









