Der Fortschritt in der Linux-Welt hat einem Cluster-Buch zu einer modernisierten dritten Auflage verholfen. Das weite Feld der Webprogrammierung mit PHP versucht das zweite Werk aufzurollen.
Hochverfügbarkeit mit Linux hat zwar eine wechselhafte Geschichte, seit Pacemaker & Co. befindet sich das HA-Schiff aber in ruhigeren Gewässern. In der dritten Auflage seines Clusterbau-Buches zeigt Michael Schwartzkopff, wie Hochverfügbarkeit mit dem freien Betriebssystem funktioniert.
Immer bereit
Die rasche und teilweise turbulente Entwicklung des ursprünglichen Heartbeat-Projekts macht die Aktualisierung eines solchen Buches unumgänglich. Auch die Technikbasis wandelt sich: Cluster-Interconnects über serielle Schnittstellen sind nicht mehr zeitgemäß und finden daher hier auch keine Beachtung.
Die Forderung “Das System muss immer verfügbar sein” ist einfach formuliert, doch die Umsetzung hat einige Hürden zu überwinden. Michael Schwartzkopff führt sehr schön ins Thema Hochverfügbarkeit ein. Zunächst erklärt er Begriffe wie “immer” oder “Dienst”. Das nächste Kapitel widmet sich der Installation und deckt die wichtigsten Linux-Distributionen wie Debian, Ubuntu, Red Hat und SLES ab. Dieser Abschnitt endet mit dem Aufbau eines Mini-Clusters – für ungeduldige Leser, so der O-Ton des Autors.
Anschließend beschreibt Schwartzkopff das Einrichten von Ressourcen und erklärt dabei die XML-Konfigurationsdateien. Den Abschluss bilden fortgeschrittene Konfigurationen wie Gruppen oder Klone von Ressourcen. Bei der Verwaltung von Clustern stellt der Autor neben der Kommandozeile auch ein Java-GUI und die High Availability Web Konsole (HAWK) vor.
Die Beispielszenarien umfassen einen hochverfügbaren NFS-Server und virtuelle Rechner als Cluster-Ressourcen. Neu ist das Kapitel über die Infrastruktur, welches das HA-Konzept über die Server-Grenzen hinaus erweitert.
Für rund 45 Euro erhält der Leser eine umfassende Dokumentation zum Thema Hochverfügbarkeit mit Linux. Wer noch die erste Auflage von 2008 besitzt, sollte diese nun beiseitelegen und die aktuelle Ausgabe kaufen.
Info
Michael Schwartzkopff:
Clusterbau: Hochverfügbarkeit mit Linux
O’Reilly, 3. Auflage, 2012
420 Seiten
45 Euro
ISBN: 978-3-86899-358-5
Webprogrammierung
Das weite Feld der Webprogrammierung beschreitet Arno Hollosi mit “Leistungsstarke PHP-Anwendungen”. Das Buch kombiniert Funktionalität wie den Umgang mit Geodaten, Zeitzonen und Internationalisierung mit Aspekten moderner Webanwendungen wie Ajax oder Websockets. Die einzelnen Kapitel sind auf den fortgeschrittenen Webprogrammierer zugeschnitten und mit Beispielcode garniert.
Dabei nehmen die PHP-spezifischen Teile des Buches aber grob geschätzt nur 30 Prozent des Umfangs ein. Es ist selbstverständlich, dass bei der Arbeit mit Technologien wie Ajax oder Websockets eine gute Menge Code in Javascript anfällt und die Datenbank-Kapitel SQL-Code präsentieren. Die PHP-Beispiele selbst kümmern sich um die rudimentäre Umsetzung auf der Server-Seite.
Die Vielfalt der Themen macht es schwer, zu bestimmen, wem dieses Buch zu empfehlen ist. Wer beispielsweise eine Webanwendung programmiert, die vor allem mit Geodaten hantiert, wäre mit ein oder zwei Büchern zum Thema besser beraten. Dieses Problem gilt für die meisten Kapitel: Sie bleiben gefangen zwischen dem Versuch, einen Einblick zu liefern, und der Hoffnung, als umfassende Lösungshilfe zu dienen.
Der zweite Teil des Werks kümmert sich um die Performance-Optimierung in Bereichen wie HTTP, HTML, PHP, Caching und Datenbanken. Das formlose Nebeneinander dieser Themen kann aber nicht überzeugen. Ein ganzheitlicher Blick auf die Optimierung einer Webanwendung und der Brückenschlag zwischen den Themen wäre um Längen hilfreicher als die bloße Auflistung von Optimierungstechniken.
Am ehesten bedient dieser Titel jene Leser, die einen Überblick über fortgeschrittene Aspekte der Webprogrammierung suchen. Leider sind die Kapitel aber an vielen Stellen zu technisch und detailliert, als dass sich das Buch mit diesem Fokus leicht lesen ließe. Mangelndes Fachwissen kann man Hollosi aber keinesfalls vorwerfen: Jeder Webprogrammierer, ob fortgeschritten oder nicht, dürfte in dem Buch Informationen finden, die für ihn neu sind.







