Aus Linux-Magazin 09/2012

Zentyal macht Ubuntu zum Small Business Server

© Vitaliy Shabalin, 123RF.com

Ein vorkonfektioniertes Rundum-sorglos-Paket für Admins kleiner Unternehmen: Wem ein Server reicht, der erhält praktisch alles, was Linux an Diensten bietet, inklusive eines handlichen und umfassenden Web-GUI. Das Linux-Magazin hat die Software, die mit Unterstützung von Canonical antritt, getestet.

Admins in großen IT-Unternehmen sind es gewohnt, für alltägliche Aufgaben ein ganzes Arsenal an Hilfswerkzeugen vorzuhalten. FAI [1], Kickstart [2] oder Autoyast [3] statten neue Hosts automatisch mit einem Betriebssystem aus, Puppet [4], Chef [5] oder ein anderes Orchestrierungswerkzeug weist ihnen ihre Rolle im Netz zu.

Die Integration ins firmenweite Monitoring passiert entweder automatisch oder der Admin erledigt es mit ein paar Mausklicks im Webinterface, weil er vorher entsprechende Templates definiert hat. Viele Server und Clients laufen in der Cloud, ums eigentliche Netzwerk kümmert sich ein eigenes Team, das auf Bitte die entsprechenden Daten wie IP-Adresse und Gateway übermittelt.

Deutlich weniger rosig gestaltet sich der Alltag für Admins in kleinen Firmen und im unteren Mittelstand. Ist die IT nur ein Mittel zum Zweck, sozusagen ein Werkzeug unter vielen, dann leistet sich die Firma in aller Regel weder eine Sysop-Armada noch ein umfangreiches Konfigurationsframework.

Meist kümmert sich ein Angestellter eher nebenbei um die IT, in seltenen Fällen steht ein einzelner Mitarbeiter mit Poweruser-Fähigkeiten für die Unternehmens-IT bereit und betreut den einzigen Server, den das Unternehmen betreibt. Oft ist dann Ubuntu Server das Linux der Wahl, weil es fünf Jahre Support genießt und nichts kostet.

Der Poweruser-Admin

Doch im Ernstfall muss sich der Mitarbeiter meist in die Untiefen der Systemintegration stürzen, schlimmstenfalls erst in die Syntax der Konfigurationsdateien einarbeiten und Dienste wie Firewall, Mailserver, Webserver oder Groupware-Lösungen aufsetzen. Ubuntu bietet zwar fertige Pakete an, aber allein schon die Konfigurationsarbeit, die beispielsweise ein gut funktionierender Mailserver hervorruft, ist beachtlich, vor allem wenn er auch angenehme Features wie Antispam-Mechanismen oder Virenscanner mitbringen soll.

Mit seinem Produkt Small Business Server (SBS, [6]) hat Microsoft unter Beweis gestellt, wie man sich als Softwarelieferant für solche Unternehmen interessant macht: Der SBS bietet die wichtigsten Dienste für kleine und mittelständische Unternehmen, lässt sich verhältnismäßig leicht installieren und konfigurieren und ruft danach meist nur wenig Wartungsaufwand hervor.

Genau diese Zielgruppe bedient seit einigen Jahren die spanische Firma E-Box Solutions. Ihr Ziel ist, kleinen und mittelgroßen Firmen eine echte Alternative zum SBS auf der Grundlage von freier Software und Ubuntu Server anzubieten. Seit 2011 firmiert das Produkt unter dem Namen Zentyal [7].

E-Box zu Zentyal

Ganz neu ist das Konzept von Zentyal nicht: Vor Jahren schon gab es E-Box-Pakete als Download für Ubuntu [8]. Sie integrierten sich in eine Basisinstallation des Canonical-Linux und erweiterten das System insbesondere um ein umfassendes GUI und diverse Skripte, die dem Admin im Hintergrund die Arbeit abnehmen. Seit damals hat sich allerdings einiges an der Lösung geändert, denn jetzt stellt der Hersteller nicht nur Pakete für Ubuntu zur Verfügung, sondern ein fertiges Installations-Image, das sich auf x86- oder AMD64-Rechnern installieren lässt (als ISO- und VMware-Image auf der DELUG-DVD dieses Magazins). Ein E-Box 2.0 gab es nie, dafür startete Zentyal letzten November gleich als Version 2, die dritte Ausgabe ist für kommenden Herbst geplant.

Ganz frisch ist das System insofern nicht mehr: Als Grundlage dient der aktuellen Zentyal-Version 2.2.2 ein Ubuntu in Version 10.04 LTS. Leider hat sich der Hersteller obendrein dazu entschieden, keinen Backport-Kernel in das System zu integrieren, obwohl der durchaus zur Verfügung stünde.

So ergeben sich auf neuerer Hardware möglicherweise Schwierigkeiten, weil die alten Treiber des genutzten 2.6.32-Kernels mit allzu frischen Gerätschaften eventuell nicht zurechtkommen. Vor allem SAS-Controller sind beliebte Fallstricke in solchen Szenarien, dann ist nicht selten bereits vor der Installation Schluss.

Neue Version im Herbst

Nahezu vorbildlich ist das mitgelieferte Web-GUI, das viele klassische Konfigurationswerkzeuge in Sachen Funktionalität glatt in den Schatten stellt. Wer über ein solides Grundwissen im IT-Bereich verfügt und der englischen Sprache einigermaßen mächtig ist, wird keine größeren Schwierigkeiten haben, Zentyal für die eine oder andere Funktion hinreichend zu konfigurieren. Auch die Tatsache, dass einige der Komponenten von Zentyal 2.2 etwas angestaubt sind, wird ab September kein Problem mehr sein: Für dann hat E-Box Solutions die Veröffentlichung von Zentyal 3.0 angekündigt [8], das auf Ubuntu 12.04 basieren und aktuellere Software an Bord haben wird.

Wenn mit der Hardware alles glatt läuft, dürfen sich Admins auf ein hochgradig integriertes und ausgezeichnet vorkonfiguriertes System freuen. Der Anspruch, den Zentyal an sich selbst richtet, ist eindeutig: Dieses System sollen auch jene Admins bedienen können, die nicht von Perl träumen oder nicht nur auf der Kommandozeile unterwegs sind. Die werden im Zweifelsfalle aber ohnehin kein System wollen, an dem sie nicht jede Schraube selbst anziehen können.

Einfache Installation, einfaches Setup

Das Zentyal-System richtet sich an Admins mit soliden IT-Grundkenntnissen, die im Alltag wollen, dass die Dienste des Servers – Mail- und Webserver, eventuell Samba oder LDAP und viele mehr – einfach funktionieren.

Schon die Installationsroutine von Zentyal macht sehr deutlich, dass sich das System nicht an eingefleischte Profi-Admins richtet. Wer Zentyal auf einem neuen Server mit leerer Platte nutzt, muss sich also im Idealfall nicht einmal um deren Partitionierung kümmern: Im Bootmenü hat der Mensch vor dem Bildschirm die Möglichkeit, sich zwischen der automatischen Installation und der Variante mit einer manuellen Partitionierung zu entscheiden (Abbildung 1). Zentyal setzt auf den Standard-Installer von Ubuntu 10.04, der allerdings so vorkonfiguriert ist, dass er nicht viele Fragen stellt (Abbildung 2).

Abbildung 1: Wer die Festplatte nicht selbst partitionieren möchte, greift zur Option »delete all disk« und muss sich um fast nichts mehr kümmern.

Abbildung 1: Wer die Festplatte nicht selbst partitionieren möchte, greift zur Option »delete all disk« und muss sich um fast nichts mehr kümmern.

Abbildung 2: Zentyal nutzt die Preseeding-Funktion des Debian-Installers, um zusätzliche Pakete zu installieren und viel Konfigurationsarbeit zu umgehen.

Abbildung 2: Zentyal nutzt die Preseeding-Funktion des Debian-Installers, um zusätzliche Pakete zu installieren und viel Konfigurationsarbeit zu umgehen.

Quick, aber nicht dirty?

E-Box macht sich in dieser Hinsicht die im Debian-Installer vorhandene Preseed-Funktion zunutze und übergibt dem System auf diesem Wege die meisten Konfigurationswerte bereits ab Werk. Nur ein Account für einen Systembenutzer, der Hostname, das Tastaturlayout, der Standort des Servers sowie die zu nutzende Sprache ist vom Admin händisch festzulegen.

Da stört es nicht, dass E-Box während der Installation auf eine grafische Oberfläche gänzlich verzichtet. Ist die Routine fertig, dann landet der Admin vor dem Bildschirm in einem LXDE-Desktop, in dem sofort ein Browserfenster (Firefox) aufpoppt. Der Name und das Passwort des während der Installation angelegten Systembenutzers öffnen die Türen zum Herzstück von Zentyal: dem zentralen Konfigurationsinterface.

Das Programm, das auf den Namen »Zentyal Administration« hört, ist das Kleinod des gesamten Systems. Es hilft dabei, Web-basiert praktisch alle Dienste zu konfigurieren, die Zentyal steuern kann – und das sind wirklich sehr viele. Keine Sorge, weder handelt es sich hier um einen Webmin-Klon, noch hat die Software Fehler von ihren Vorfahren aus früheren Tagen geerbt: Das Zentyal-GUI in der getesteten Version funktionierte überraschend gut.

Uferlos: Das Web-GUI

Nach dem ersten Login präsentiert sich dem Admin eine Übersicht über die verschiedenen Paketsammlungen, die sich aus dem GUI heraus installieren lassen (Abbildung 3). Beispiele sind »Webserver« , »Mail Service« oder auch »VoIP Server« , »Groupware (Zarafa)« , Single-Sign-on für Windows-Clients über LDAP oder Virtualisierung mit KVM (inklusive einer Web-VNC-Konsole für den komfortablen Remote-Zugriff).

Abbildung 3: Nach der Installation fragt das Zentyal-GUI, welche Funktionen der frisch installierte Server bieten soll. Die Module schließen sich dabei nicht gegenseitig aus.

Abbildung 3: Nach der Installation fragt das Zentyal-GUI, welche Funktionen der frisch installierte Server bieten soll. Die Module schließen sich dabei nicht gegenseitig aus.

Die Module lassen sich beliebig kombinieren, auf Wunsch auch gleichzeitig installieren. Das nimmt dann zwar ein wenig Zeit in Anspruch, doch kann das System im Anschluss tatsächlich jede Rolle spielen, die in Zentyal vorgesehen ist. Das Konfigurationsinterface ist denkbar einfach gestaltet: Links befindet sich ein Menü mit Links zu jeder verfügbaren Funktion eines Zentyal-Setups, im rechten Teil des Fensters sind die zugehörigen Konfigurationsoptionen angeordnet.

Dashboard mit Rollen

Das Dashboard gibt Systembetreuern einen schnellen und umfassenden Überblick über den aktuellen Systemstatus. Hier finden sich Infos über die Auslastung der Netzwerkschnittstellen und über die gerade vom Zentyal-Server angebotenen Dienste. Diese lassen sich direkt aus dem Dashboard heraus stoppen und bei Bedarf wieder starten. Im Test hinterließ das Zentyal-GUI tatsächlich einen sehr guten Eindruck mit leichten Abzügen in der B-Note: Die Benennung der Menüpunkte links ist durch die hohe Anzahl an Einträgen noch unübersichtlich, bisweilen sogar irreführend.

Small-Business-Server-Anbieter treten in der Regel mit dem Versprechen an, eine eierlegende Wollmilchsau zu bauen. Im Falle von Zentyal heißt das: Die Entwickler zielen darauf ab, dass Unternehmen sich einen Zentyal-Server in ihr Büro stellen und diesen alle Aufgaben der täglichen Arbeit erledigen lassen. Dabei darf die Maschine verschiedene Rollen annehmen.

Zunächst ist das freilich der einfache Einsatz als Webserver, wobei der Dienst schon im eigenen Interesse von Zentyal liegt, schließlich läuft das Konfigurationsinterface ebenfalls über Apache. Im Test war die Überraschung nicht zu verheimlichen, als die Versionsnummer des genutzten Apache ins Auge fiel: Die Version1.3.9 war selbst im April 2010 – zum Release-Termin von Ubuntu 10.04 – schon flächendeckend dem Nachfolger Apache 2 gewichen.

Es hilft auch nicht, dass der Admin per Webinterface virtuelle Hosts hinzufügen kann, um neue Sites auf dem Server online zu bringen. Viele Funktionen aktueller Webanwendungen sind so nur unzureichend oder gar nicht nutzbar.

Wer seinen Mailverkehr aus grundsätzlichen Überlegungen nicht einem externen Dienst wie Google Mail anvertrauen möchte, setzt in Zentyal per Klick im Webinterface sowohl einen IMAP-Daemon (Dovecot) als auch einen SMTP-Server (Postfix) oder gleich einen ganzen Groupwareserver (Zarafa) auf.

Die Konfigurationsmöglichkeiten des Webinterface sind auch hier sehr umfangreich, wer eine Small Business Subscription erwirbt (dazu später mehr), bekommt sogar Antivirus- und Antimalware-Tools oder Contentfilter mitgeliefert. Im einfachsten Szenario beschränkt sich die Konfiguration auf das Festlegen des Hostnamens des Mailservers, den Rest erledigt Zentyal wie vieles andere ganz automatisch.

Web, Mail, Firewall, DHCP

Auch wer eine flexible Linux-Firewall mit Routingfunktionen einsetzen will, kommt mit Zentyal zum Ziel. Die Distribution kombiniert die Flexibilität der klassischen Firewall- und Forwarding-Werkzeuge auf Linux mit den Vorteilen, die ein GUI ähnlich dem klassischer Homerouter anbietet. Per Mausklick legen Admins fest, welche Netzwerke innerhalb der vorhandenen Schnittstellen geforwardet oder per NAT maskiert sein sollen oder wie die DMZ auszusehen hat. Auch die Firewall-Konfiguration wird so zum Kinderspiel für den etwas talentierten Poweruser.

Wer im Firmennetzwerk einen DHCP-Server braucht, richtet sich auch diesen per Mausklick schnell ein. Und falls die Internetanbindung im Büro nicht gar so berauschend ist, freuen sich Admins ebenfalls über Squid, der als transparenter Proxy zum Einsatz kommt. In diesem Modus gleicht Zentyal klassischen Routerdistributionen wie FLI4L [9].

LDAP, Jabber, VoIP, PKI, VPN, Groupware

Jede Funktion von Zentyal einzeln aufzulisten, erscheint unmöglich. Denn die Optionen, die das System bietet, wirken fast unendlich: Ein eigener Jabber-Server für Büro-internes Instant Messaging oder ein NTP-Server als Zeitquelle für alle Windows-Desktops sind ebenfalls kein Problem. Ein eigener BIND-Server, der bei Bedarf die Domain eines Unternehmens verwaltet und für den sich die gesamte Konfiguration inklusive Domain-Zonen per GUI steuern lässt. Bei Bedarf dient Zentyal überdies als kleine PKI, als Verwaltungsstelle für eine lokale Certificate Authority.

Auch als billiger Active-Directory-Ersatz will Zentyal dienen: Zumindest für Windows-Clients verwaltet der Server die zentrale Authentifizierung mit Single-Sign-on, auch Linux-Maschinen lassen sich ins LDAP-Directory oder die Samba-Domäne integrieren.

Sollen Kollegen im Außendienst Zugriff auf Dokumente innerhalb des Firmennetzwerks erhalten, bietet sich das integrierte Open-VPN-Modul an, Zentyal beherrscht aber auch IPsec und PPTP. Sogar die freie Telefonanlage Asterisk lässt sich auf Wunsch installieren und zumindest grundlegend konfigurieren.

Das liebe Geld

Kurzum: Es gibt offenbar kaum eine Serverfunktion, die Zentyal nicht beherrscht und die nicht über das GUI von Zentyal zu konfigurieren wäre. Die E-Box-Entwickler leisten gute Arbeit im Bestreben, einerseits ein möglichst vollständiges Paket zu schnüren und auf der anderen Seite alle Funktionen dieses Pakets auch für Nicht-Geeks optisch aufzubereiten. Das ganze Image von Zentyal besteht aus freier Software, die gänzlich kostenlos ihre Benutzer erreicht.

Misstrauischen Menschen stellt sich an dieser Stelle die Frage nach dem Geschäftsmodell des Anbieters, das in der Tat durch ein paar Eigenheiten gekennzeichnet ist. Freilich entwickelt Zentyal das System nicht aus purer Nächstenliebe, sondern will Geld mit der Lösung verdienen. Eine verbreitete Variante, mit freier Software an Geld zu kommen, sind Supportverträge. Und genau das bietet Zentyal unter dem Namen Subscriptions an [10]. Dafür registriert sich der Benutzer in der Zentyal Cloud (Abbildung 4).

Abbildung 4: Per GUI ist ein Server mit einer Zentyal-Subscription direkt zu verbinden – erst dann stehen die zusätzlichen Dienstleistungen zur Verfügung.

Abbildung 4: Per GUI ist ein Server mit einer Zentyal-Subscription direkt zu verbinden – erst dann stehen die zusätzlichen Dienstleistungen zur Verfügung.

Basic, Small Business und Enterprise Subscription

Das Supportmodell bietet drei Schienen: Die Basic Subscription ist gratis und bietet im Wesentlichen die Möglichkeit, die Zentyal-Konfiguration im Supportsystem des Herstellers zu sichern, um bei Bedarf einen Zentyal-Server so schnell wie möglich wiederherstellen zu können. Die Small Business Subscription richtet sich an Unternehmen mit bis zu 25 Benutzern und schlägt mit 60 Euro pro Monat zu Buche. Das größte Paket, die Enterprise-Version, kostet bereits happige 150 Euro pro Monat, hat dafür aber keine Begrenzung bei der Benutzerzahl.

Die Subscriptions umfassen nicht nur die Möglichkeit, sich mit Problemen an den Hersteller des Systems zu wenden – dafür wären die Preise zu hoch. Zusätzlich bieten sie nützliche Funktionen, die Zentyal-Benutzern ohne Subscription verwehrt bleiben, etwa Malware- und Virenschutz. Weitere Dienstleistungen in der Small-Business- sowie der Enterprise-Variante bietet die detaillierte Übersicht auf [10].

Backup statt HA?

Zu den kostenpflichtigen Diensten gehört es auch, einen kompletten Zentyal-Host als Backup auf den Servern des Anbieters zu speichern (Enterprise-Edition). Wer sich dagegen mit der Small-Business-Server-Variante begnügt, kann zumindest lokal per GUI ein vollständiges Backup seines Zentyal-Servers anlegen, das er im Notfall auf einen anderen Rechner aufspielt. HA ist das allerdings nicht, sondern lediglich eine aufgehübschte Backup-Option.

Auch die Remote-Management-Fähigkeiten von Zentyal richten sich an Unternehmen, die keine eigene Infrastruktur fürs Monitoring und fürs Alerting aufbauen wollen. Auf Wunsch leistet Zentyal diese Dienste für Server mit Subscription selbst. Über das Zentyal-Webinterface kann der Admin dann angemeldete Server sowohl warten als auch überwachen (Abbildungen 5 und 6). Fällt dann ein Host aus, schickt Zentyal an den Admin automatisch eine E-Mail.

Abbildung 5: Auf der URL <custom name="key" srcset=

cloud.zentyal.com« steht das Kontroll-Interface für die eigenen Zentyal-Server bereit. Auch Alarme beim Monitoring poppen dort auf.” width=”300″ height=”244″ /> Abbildung 5: Auf der URL cloud.zentyal.com« steht das Kontroll-Interface für die eigenen Zentyal-Server bereit. Auch Alarme beim Monitoring poppen dort auf.

Abbildung 6: In Zentyals Cloud lassen sich Rechner auch direkt verwalten und aktuell halten.

Abbildung 6: In Zentyals Cloud lassen sich Rechner auch direkt verwalten und aktuell halten.

Updates nur gegen Geld

Stirnrunzeln verursachen jedoch die Subscription-Services des Anbieters. Einerseits sind die angebotenen Zusatzleistungen zur völlig freien Grunddistribution durchaus attraktiv. Andererseits fallen unter die kommerziellen Zusatzfeatures auch solche, die die meisten Admins definitiv haben wollen – beispielsweise die Unterstützung eines Herstellers bei Sicherheitsupdates. Unangenehm fällt auf, dass Zentyal den Benutzern ohne Bezahl-Abo diese notwendigen Sicherheitsupdates vorenthält.

Zwar gibt es im Webinterface durchaus eine Seite für Updates, doch ohne eine Zentyal-Subscription greift diese lediglich auf die aktualisierten Pakete aus dem Ubuntu-Sicherheitsrepository zurück. Am unteren Rand findet sich zudem eine beunruhigende Warnung, dass Zentyal keine Garantie dafür übernehmen kann, dass nach dem Einspielen der Ubuntu-Updates direkt vom Ubuntu-Server das System noch so funktioniert wie erwartet. Angesichts der jüngst veröffentlichten, ganz offiziellen und weltweiten Kooperation mit Canonical [11] verwundert dieser Hinweis doch sehr.

Insgesamt wirkt die Herangehensweise etwas anachronistisch, versorgt doch selbst Microsoft Benutzer von illegal kopierten Windows-Versionen zumindest mit sicherheitskritischen Updates. Wer Zentyal im Unternehmenseinsatz betreiben möchte, wird daher kaum um die Subscription für Sicherheitsupdates herumkommen.

Trainings

Über einen weiteren Zusatzdienst baut der Hersteller eine Brücke für Admins, die Zentyal verwenden wollen, aber die Software noch nicht kennen und auch im Umgang mit Linux noch nicht besonders firm sind. E-Box bietet für solche Fälle ausführliche Erläuterungen in seinem Trainingsprogramm [12] an. Im Hintergrund arbeitet Moodle, das einerseits viele Lektionen bereithält, andererseits aber auch Tests anbietet, um das schon erworbene Zentyal-Wissen richtig einzuschätzen. Englisch ist dabei allerdings Voraussetzung, auf Deutsch gibt es die Kurse nicht.

Angesichts der Vielzahl an genutzter freier Software gelingt E-Box mit Zentyal wirklich eine gelungene Mischung aus praktisch allen wichtigen Funktionen, die ein Server heute bieten kann. Ganz gleich, ob eine Firewall mit Routingfunktion gewünscht ist oder eine Asterisk-Telefonanlage, die gleichzeitig dank Bind als lokaler DNS-Server fungiert – mit Zentyal lassen sich praktisch all diese Funktionen und die meisten anderen denkbaren Kombinationen auf der Systemebene abbilden.

Zwar sind auch die aktualisierten Pakete aus dem Sicherheitsrepository von Ubuntu installierbar, doch weist Zentyal ausdrücklich darauf hin, dass diese nicht zwangsläufig völlig kompatibel mit den Zentyal-Modifikationen am Ubuntu-System sind. Zentyal-Admins kommen also de facto um die Small Business Subscription gar nicht herum. Wer weitere Features wie automatische Updates für den eingebauten Spamfilter will oder mehr als 25 Clients über Zentyal anbinden möchte, braucht gar das Enterprise-Abo. So entsteht der Eindruck, dass die vermeintlich freie Distribution letztlich nur der Lockvogel ist, der ohne Subskription nur den halben Nutzen bringt. FOSS-Größen wie Richard Stallman sprechen in solchen Fällen gern von “Fake OSS”.

Fazit

Ob ein KMU auf Zentyal setzt, wird letztlich davon abhängen, wie groß die erwarteten Einsparungen tatsächlich sind. Wer die Enterprise Subscription bei E-Box Solutions kauft, zahlt im Jahr fast 1700 Euro laut Liste, bekommt dafür aber eine eierlegende Wollmilchsau mit Online-Monitoring und -Backups und Support mit 4 Stunden Vorlaufzeit während der regulären Geschäftszeiten – und ein mit Ubuntu LTS integriertes Produkt.

Das dürfte in den meisten Fällen günstiger sein als die Arbeitszeit, die ein Admin braucht, um die einzelnen Dienste selbst einzurichten. Wer eine Businesslösung für eigene Serverdienste sucht, sollte sich Zentyal also zumindest genauer anschauen.

Infos

  1. Christoph Karg, Steffen Bornemann, “Blitzstart”: Linux-Magazin 01/09, S. 58
  2. Oliver Schade, “Treiber-Injektion”: Linux-Magazin 05/03, S. 56
  3. Autoyast mit Suse 12.1: http://doc.opensuse.org/projects/autoyast/
  4. Gunnar Wrobel, “Puppenspiel”: Linux-Magazin 10/08, S. 70
  5. Tim Schürmann, “Chefkoch”: ADMIN-Magazin 04/10, S. 82
  6. Microsoft Small Business Server: https://www.microsoft.com/sbs/
  7. Zentyal: http://www.zentyal.org
  8. Kristian Kißling, “Out of the box”: Linux User 07/09, S. 24
  9. FLYFL: http://www.fli4l.de
  10. Subscriptions im Vergleich: http://www.zentyal.com/wp-content/uploads/2012/05/2012_full_zentyal_edition_comparition_chart_en.pdf
  11. Zentyal und Canonical: http://www.zentyal.com/news/zentyal-to-offer-a-linux-alternative-to-smb-it-infrastructure-with-support-from-canonical/
  12. Training zu Zentyal: https://training.zentyal.com/
  13. Ankündigung von Zentyal 3.0: http://www.zentyal.org/archives/2012/03/08/905-first-zentyal-2-3-installer-available-featuring-samba4/

Der Autor

Martin Gerhard Loschwitz arbeitet als Principal Consultant bei Hastexo. Er beschäftigt sich dort intensiv besonders mit High-Availability-Lösungen und pflegt in seiner Freizeit den freien Linux-Cluster-Stack für Debian GNU/Linux.

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