Für kleine Firmen erscheint ein BYOD-rundum-Management illusorisch. Mobile-Security-Software von der Stange überwacht Software-Installationen und begrenzt den Schaden bei Diebstahl oder Verlust.
In einem kleinen oder Kleinstunternehmen lohnt sich keine kostspielige Software fürs Devicemanagement. Zudem möchte nicht jeder Inhaber oder Admin die Smartphones seiner Mitarbeiter und Kollegen restriktiv vernageln. Wer dennoch verhindern möchte, dass die neueste Spaß-App die Unternehmensdaten an einen Schurkenserver schickt, greift zu Mobile-Security-Produkten.
Preisfrage
Dieser Artikel stellt vier kostenpflichtige und eine Gratis-App für den Schutz von Android-Mobilgeräten vor. Dabei führt der Weg zu mancher Bezahl-Software über eine zunächst kostenlose Light- oder Free-Variante im Google Play Store. Das kostenpflichtige Upgrade zur Voll- oder Premium-Version mit allen Funktionen und Updates erfolgt dann über die installierte App. G-Data und Kaspersky allerdings geben den Preis ihrer Produkte bereits im Play an.
Alle Security-Suites enthalten einen Malwareschutz und aktualisieren die Suchmuster regelmäßig. Deren Qualität vermögen allerdings nur Spezialisten zu beurteilen, denn nur sie besitzen eine gut sortierte Sammlung geeigneter Schädlinge (Abbildung 1). Das Magdeburger Labor AV-Test hat im März 2012 Untersuchungen mit 618 Malwaredateien durchgeführt. Die Fachleute bescheinigten Avast Free Mobile Security und Kaspersky Mobile Security eine Erkennungsrate von über 90 Prozent, Bitdefender und Norton eine über 65 Prozent, G-Data schaffte dagegen lediglich zwischen 40 und 65 Prozent.

Abbildung 1: Geschnappt! Den EICAR-Testvirus erwischen ist für Kaspersky und andere keine große Kunst.
Der Smartphone- und Tablet-Benutzer ist aber nicht nur von mobiler Malware bedroht: Er kann das Gerät einfach verlieren oder es wird ihm gestohlen. Firmendaten dürfen nicht in falsche Hände geraten, darum ist neben dem Malware-Scanner ein Diebstahlschutz fester Bestandteil der Security-Pakete (siehe Kasten “Virenschutz? Mobile Security!”).
Virenschutz? Mobile Security!
Vor Viren, die sich selbst verbreiten, braucht der Android-Benutzer in der Regel keine Angst zu haben. Bei der üblichen Nutzung ist die Gefahr, sich einen Schädling einzufangen, sehr gering. Zudem verbreiten sich rund 90 Prozent der aktuellen Malware-Apps nur in Asien.
Dennoch droht Gefahr von einzelnen Apps, die es auf den Geldbeutel der Anwender abgesehen haben und dazu kostenpflichtige Nummern anrufen oder SMS-Nachrichten versenden. Daneben droht Datenklau, der besonders im Unternehmenseinsatz eine ernsthafte wirtschaftliche Gefahr darstellt.
Antimalware-Tools bekannter Hersteller wie Kaspersky oder Bitdefender scannen jede App bei der Installation und schlagen sogleich Alarm, wenn sie eine verdächtige App entdecken. Zu einem umfassenden Smartphone-Schutz gehören aber auch weitere Funktionen, darunter das Blockieren von Rufnummern oder SMS-Absendern, eine Fern-Administration per SMS, falls das Handy verloren gehen sollte, sowie eine Gerätesperre, wenn jemand die SIM-Karte auswechselt.
Statt von Antiviren-Apps zu sprechen wählen die Hersteller für ihre Apps deshalb den Oberbegriff Mobile Security. Die Installation eines solchen Security-Produkts ist sinnvoll – nicht in erster Linie, um gefährliche Apps zu entdecken, sondern um den Schaden bei Verlust oder Diebstahl zu begrenzen.
Schadensbegrenzung
Vor Diebstahl und Verlust schützen solche Programme allerdings nicht direkt, sie begrenzen lediglich den Schaden, falls das Gerät abhanden kommt. So lässt sich eine installierte Komponente aus der Ferne per SMS oder Weboberfläche aktivieren, um eine Reihe von Aktionen durchzuführen. Dazu gehört, einen durchdringenden Sirenenton abzuspielen oder das Gerät zu sperren.
Von besonderer Bedeutung ist der so genannte Remote Wipe, das Löschen aller persönlichen Daten und Dateien auf einem Gerät. Die meisten Tools registrieren auch das Einsetzen einer anderen SIM-Karte (SIM-Watch) und sperren das Gerät, was es für den Dieb nutzlos machen soll. Wer selbst Detektiv spielen möchte, kann das Smartphone auf einer Webkarte orten oder mit einer – falls vorhanden – Frontkamera versuchen den vermutlichen Dieb zu fotografieren.
Loses Schloss
Das Ganze hat jedoch einen Haken. Ein solcher Softwareschutz bleibt wirkungslos, wenn ihn der Täter mit normalen Benutzerrechten deinstallieren darf. Das war im Test der Redaktion bei den Produkten von Bitdefender, Kaspersky und Norton der Fall.
G-Data Mobile Security 2 dagegen schützt Anwendungen mit einem Passwort vor dem Löschen, inklusive seiner selbst und der Diebstahlsicherung. Auch das Ausführen von Apps und das Lesen von Kontakten lässt sich unterbinden (Abbildung 2).
Am raffiniertesten geht Avast Free Mobile Security vor: Es verbirgt die Anti-Theft-App, die der Benutzer fortan nur noch zur Konfiguration aufrufen kann, indem er die PIN in die Telefontastatur eingibt, als wäre sie eine Rufnummer (Abbildung 3). Zudem kann er einen beliebigen Tarnnamen für die Anwendung angeben für den Fall, dass diese doch einmal in einer Liste von Apps auftauchen sollte. Die kostenlose Security-Suite lässt sich zwar entfernen, der Diebstahlschutz aber bleibt, er nimmt Befehle nur per SMS entgegen.
Wem es allein auf die Schadensbegrenzung im Verlustfall ankommt, der ist mit einem kostenlosen Tool namens Android Lost gut beraten [2]. Sein Funktionsumfang kann ohne Weiteres mit den besseren Komponenten der Suites mithalten.
Blockierte Seiten
Ein vom Desktoprechner bekanntes Einfallstor für Angriffe ist der Webbrowser. Er lässt sich verwenden, um dem Surfer Dateien unterzuschieben (Drive-by Download) oder um ihm mit gefälschten Seiten Passwörter für allerhand Dienste zu entlocken (Phishing). Mit Ausnahme von Kaspersky verpassen daher alle Pakete dem eingebauten Android-Browser eine Liste bekannt böswilliger Sites, die er nicht anzeigen darf – es sei denn, der Anwender klickt die Warnung bewusst weg. Details oder Einstellungsmöglichkeiten zeigt diese Komponente bei keinem der besprochenen Produkte. Wer einen alternativen Browser verwendet, ist ohnehin auf sich allein gestellt.
Unerwünschte Werbe-Anrufe und SMS-Spam können manchem die Freude am Smartphone verleiden. Zumal wenn er sich eigentlich auf seine Arbeit konzentrieren sollte. Daher können die meisten Security-Anwendungen eingehende Telefonate und Kurzmitteilungen von bestimmten Nummern blockieren. Kasperskys Lösung benutzt zum Sperren auf Wunsch Whitelist, Blacklist oder eine Kombination der beiden.
Telefonzeiten
Besonders komfortabel ist die Funktion bei Avast Free Mobile Security gestaltet, das dafür sogar einen Zeitplan mit Wochentagen und Stunden vorsieht. So bleiben Meetings und produktive Stunden ungestört, in der Freizeit ist der Anwender aber erreichbar. Lediglich Bitdefender Mobile Security verzichtet auf solcherlei Funktionalität, was das Produkt trotz bescheidenen Preises recht mager aussehen lässt (Abbildung 4).
Neben den Kernfunktionen bringen die meisten Suites noch ein bisschen informatives Zubehör mit: Avast zeigt den Speicherverbrauch laufender Apps, die anderen haben meist eine Ansicht auf Lager, die den Anwender über die Berechtigungen installierter Software aufklärt (Abbildung 5). Avast bringt als einziger Anbieter ein Feature für die Inhaber gerooteter Geräte mit: Sie können sich eine lokale Firewall einrichten.
Resümee
G-Data Mobile Security 2 erfreut den Benutzer durch eine übersichtliche Oberfläche, die dennoch vielfältige Einstellungen erlaubt. Der Diebstahlschutz lässt sich nicht so einfach deaktivieren. Bei der Malware-Erkennung dagegen schneidet das Produkt eher schlecht ab. Hier glänzt neben Kaspersky das kostenlose Produkt von Avast. Außerdem lässt es die kostenpflichtige Konkurrenz mit seinem resistenten Diebstahlschutz und den flexiblen Blockier-Einstellungen alt aussehen. Tabelle 1 fasst die Befunde dieses Artikel übersichtlich zusammen.
Tabelle 1
Mobile-Security-Produkte
|
Avast Free Mobile Security [3] |
Kaspersky Mobile Security 9 [4] |
Bitdefender Mobile Security [5] |
G-Data Mobile Security 2 [6] |
Norton Mobile Security [7] |
|
|---|---|---|---|---|---|
|
Preis (Jahreslizenz) |
kostenlos |
7 Euro |
8 Euro |
20 Euro |
30 Euro |
|
Malwareschutz |
ja |
ja |
ja |
ja |
ja |
|
Diebstahlschutz |
Sperren und Wipe per SMS, SIM-Watch, getarnte App |
Sperren, Wipe und Ortung per SMS, SIM-Watch |
Sperren, Wipe, Ortung, Alarm, Foto |
Sperre, Wipe und Ortung per SMS, SIM-Watch. |
Sperren, Ortung, Wipe per Web und SMS, Kamera aktivieren nur per Web, SIM-Watch |
|
SMS blockieren |
ja |
ja |
nein |
ja |
ja |
|
Anrufe blockieren |
ja |
ja |
nein |
ja |
ja |
|
Android-Browser-Sicherheit |
ja |
nein |
ja |
ja |
ja |
Online PLUS
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Infos
- AV-Test GmbH, “Test Report: Anti-Malware solutions for Android”: http://www.av-test.org/en/tests/android/
- Android Lost: http://androidlost.com
- Avast Mobile Security: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.avast.android.mobilesecurity
- Kaspersky Mobile Security 9:https://play.google.com/store/apps/details?id=com.kms
- Bitdefender Mobile Security: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.bitdefender.security
- G-Data Mobile Security 2: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.gdata.mobilesecurity2g
- Norton Mobile Security: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.symantec.mobilesecurity










