Die Bücherseite stellt diesmal ein Buch über die Virtualisierung mit KVM vor. Der zweite Titel ist die überarbeitete Neuauflage des dicken Wälzers von Nicolai Josuttis zur C++-Standardbibliothek.
Die Autoren Michael Kofler und Ralf Spenneberg haben sich mit ihren Fachbüchern einen Namen gemacht. Mit “KVM für die Server-Virtualisierung” liegt nun ihre erste gemeinsame Arbeit vor.
Kernel Virtual Machine
Sie haben das Thema KVM ausgezeichnet und umfassend recherchiert. Der Leser muss keine Vorkenntnisse zum Thema Virtualisierung besitzen, sollte aber ein erfahrener Linux-Kenner sein. Am Anfang stehen eine kurze Einführung ins Thema Virtualisierung und eine Einordnung von KVM in das Software-Angebot.
Kofler und Spenneberg schaffen es, einige Sachverhalte aus der Vogelperspektive darzustellen und bei anderen tief ins technische Detail zu gehen. Im Kapitel “Virtuelle Datenträger” lernt der Leser etwa, wie er mit Dritt-Tools Festplatten, Dateisysteme und Dateien der Gäste von außen ausliest oder gar bearbeitet. Die einzelnen Kapitel sind weitgehend in sich geschlossen und erlauben dem Leser eine eigene Reihenfolge der Themenabhandlung. Ist Wissen aus anderen Kapiteln nötig, findet er klare Verweise auf die entsprechenden Seiten.
Das Buch ist garniert mit vielen nützlichen Tipps und Verweisen auf zusätzliche Dokumentationen. Die kleine Schriftgröße der angegebenen URLs ist gewöhnungsbedürftig, hat aber den Charme, dass es fast keine hässlichen Zeilenumbrüche gibt. Sehr gut gelungen ist die Unterscheidung von Root und normalen Benutzern bei den dargestellten Kommandobeispielen.
Wer Kofler- oder Spenneberg-Bücher kennt, findet auch im KVM-Buch den angenehmen Schreibstil wieder. Obwohl nur rund 350 Seiten dick, lässt das Buch nichts vermissen. Wer KVM halbwegs professionell betreiben möchte, kann den Kaufpreis kaum besser investieren.
Info
Michael Kofler, Ralf Spenneberg:
KVM für die Server-Virtualisierung
Addison-Wesley, 2012
350 Seiten
40 Euro
ISBN: 978-3-8273-3149-6
C++-Bibliotheksführer
Gut zwölf Jahre nach der ersten Auflage von Nicolai Josuttis’ englischsprachigem Standardwerk “The C++ Standard Library: A Tutorial and Reference” ist die überarbeitete Neuauflage erschienen. Das ist kein Zufall, wurde doch vor gut einem halben Jahr der neue C++11-Standard verabschiedet. Entsprechend deutlich hat das Werk an Umfang zugelegt: von 800 auf mehr als 1100 Seiten.
Josuttis erklärt souverän und detailliert die Standardbibliothek der Programmiersprache C++. Dabei beschreibt er die klassische Bibliothek, erweitert um die neue C++11-Funktionalität. Bevor der Autor in die Tiefe geht, führt er zunächst die neuen Features in kompakter Form ein. Damit legt er die Basis, um sich dann der näheren Vorstellung zu widmen. Dabei bleibt der Autor seiner bewährten Strategie aus der ersten Auflage treu: Zuerst erklärt er die Konzepte, zeigt dann mit vielen Quelltext-Beispielen deren Anwendung und bietet zum Abschluss eine Referenz.
Das Werk beschreibt unter anderem die nützlichen Werkzeuge des neuen Sprachstandards. Dies sind die bekannten Paare, aber insbesondere auch die neuen Tupel, Smart Pointer und Type Traits. Neben den bekannten sequenziellen und assoziativen Containern widmet sich der Autor auch den neuen Containern – dem Array und den lang vermissten ungeordneten Containern, besser bekannt unter dem Namen assoziative Arrays oder auch Hashtabellen.
Es folgen Kapitel zu den Algorithmen der Standard Template Library (STL), Iteratoren, Strings, zur Ein- und Ausgabe mit Streams und zur Internationalisierung. Obwohl diese Abschnitte im Grunde auf der ersten Auflage basieren, vergisst der Autor auch hier die neuen Features nicht. Exemplarisch seien die Lambda-Funktionen und ihr Einsatz in den Algorithmen der STL genannt. Die verbleibenden drei Kapitel hingegen sind ausschließlich C++11 gewidmet.
Nicolai Josuttis Buch liest sich gewohnt flüssig und ist genau das, was es verspricht: Tutorial und Referenz zugleich. Trotz seines beeindruckenden Umfanges ist es sehr kurzweilig zu lesen. Lediglich die sich zu häufig wiederholenden Textbausteine stören die Lesefreude ein wenig. Kombiniert mit den vielen Beispielprogrammen ist es ein idealer Startpunkt, um sich mit der C++-Standardbibliothek besser vertraut zu machen. Diese Neuauflage ist ein Muss für den professionellen C++-Entwickler.







