Mit Ubuntu 12.04 alias “Precise Pangolin” will Canonical den Cloudmarkt anzapfen, indem es den Admins vieles einfacher macht. Dazu integriert der Distributor Open Stack und Landscape und verspricht fünf Jahre Support. Geht die Taktik auf oder bleibt es bei wolkigen Versprechen?
Seltsame Viecher sind sie schon: Sie sind mit keinem anderen Säugetier verwandt und rollen sich bei Bedrohung zu einer Kugel zusammen. Ihr ganzer Körper ist mit überlappenden Hornschuppen bedeckt und die lange Zunge hilft ihnen beim Vertilgen ihrer Leibspeise – Insekten. Den Wolken etwas näher kommen die Tierchen nur, wenn sie sich auf Bäume wagen. Und doch hat Canonical die nachtaktiven Manidae ([1], auch Tannenzapfentiere genannt) unter ihrer englischen Bezeichnung Pangolin als Namenspatron für die neueste Version der langlebigen LTS-Variante gewählt, obwohl der Hersteller in Ubuntu 12.04 seinen Schwerpunkt auf die Integration von Cloudprodukten legt.
Open-Stack-Basis
In der Hoffnung, demnächst eine wichtige Rolle in diesem Markt zu spielen, reichert Canonical das Angebot mit Zusatzdiensten auf kommerzieller Grundlage an, die Admins das Leben leichter machen sollen. Herz von Ubuntus Cloudambitionen ist die hybride Virtualisierungslösung Open Stack (Abbildung 1, [2]). Canonicals Announcement, sich von der VM-Managementsuite Eucalyptus zu verabschieden, sorgte 2011 für Unruhe in der Open-Source-Szene. Während Eucalyptus bereits eine durchaus ansehnliche Entwicklung hinter sich hatte, war Open Stack selbst ein eher junges, aber auch dynamisches Projekt: Seit dem Start Mitte 2010 sind bis heute fünf Releases erschienen [3].

Abbildung 1: Die Arbeiten an der Hochverfügbarkeit für Open Stack kommen langsam in Gang – Keystone und Glance lassen sich bereits mit Pacemaker verwalten.
Umfangreichen Veränderungen gab es auch organisatorisch: War Open Stack am Anfang eine Arbeitsgemeinschaft der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa und des amerikanischen Hostinganbieters Rackspace – den meisten wohl als der Hoster hinter Github bekannt –, so bekennen sich mittlerweile über 160 Unternehmen zu dem offenen Cloudstack. Darunter finden sich auch große wie Dell oder die Deutsche Telekom, die Open Stack in Form von Geld oder bezahlter Entwicklung unterstützen.
Freilich hat auch Mark Shuttleworth die Gelegenheit genutzt und sein Unternehmen fest in die Stiftung integriert. Canonical ist nicht nur einer der Hauptsponsoren, sondern hat es auch geschafft, Ubuntu als offizielle Referenzplattform für die Cloudumgebung zu etablieren. Als Bugtracker dient Launchpad, und die Ubuntu- und Open-Stack-Teams stimmen ihre Release-Termine aufeinander ab.
Essex und Keystone
Seit April 2012 steht die Open-Stack-Version 2012.1 mit dem Codenamen Essex zur Verfügung, benannt nach einer Stadt in der Nähe von Boston im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, wo 2011 der offizielle Design Summit für diese Version stattfand. Sie löst die Version Diablo ab und erhält ihren Ritterschlag dadurch, dass Canonical sie als “Enterprise-ready” bezeichnet und in Ubuntu 12.04 LTS zur Standard-Cloudlösung gekürt hat.
Die wichtigste Änderung betrifft zweifellos Keystone als zentrale Authentifizierungsmethode in Open Stack. Zwar lag der Dienst schon der Vorgängerversion bei, hatte da allerdings nicht den Status einer offiziellen Komponente und war seitens der Entwickler für den Produktiveinsatz noch nicht empfohlen. In Essex ist das anders: Hier sorgt Keystone für die zentrale Benutzerverwaltung aller Komponenten.
Der – wie alle Open-Stack-Komponenten – in Python verfasste Dienst läuft als Daemon im Hintergrund und bietet eine REST-Schnittstelle, über die die anderen Dienste Authentifizierungsanfragen abwickeln können. Auch die Antworten liefert Keystone brav in Json-Syntax. Damit aber nicht jeder Dienst seinen eigenen Parser für Keystone implementieren muss, haben die Entwickler Keystone auch eine Middleware spendiert.
Was die Open-Stack-Entwickler darunter verstehen, weicht allerdings ein wenig von den gängigen Erwartungen an eine Middleware ab: Sie meinen eher eine Art Plugin, das jeder Open-Stack-Dienst laden kann. Der Benutzer muss die Admin-Credentials für Keystone selbst in die Konfiguration der beteiligten Dienste eintragen. Der Lohn der Mühe: Jeder Dienst stellt über eine einheitliche Schnittstelle Anfragen an Keystone und erhält im Gegenzug die Credentials in vorinterpretierter Form. Keystone ist auch deshalb ein echter Fortschritt, weil es den Wildwuchs der verschiedenen Authentifizierungssysteme beendet, die Open Stack bis zu Diablo noch durchzogen haben.
Mandanten und Benutzer
Im Admin-Alltag sind andere Eigenschaften noch wichtiger: Der Service kennt zwei Ebenen, Mandanten (Tenants) und Benutzer (User). Im Grunde funktioniert das so ähnlich wie die Gruppen und Benutzer auf normalen Linux-Systemen: Ein Tenant kann viele Benutzer haben, pro Mandant und Benutzer lassen sich einzelne Rollen definieren. In der Realität bildet dies komplexe Berechtigungsstrukturen in Unternehmen ab. So ist es Admins erlaubt, fast alle technischen Arbeiten durchzuführen, während zum Beispiel Praktikanten sich in der Cloudumgebung lediglich umschauen dürfen.
Neuigkeiten in Nova
Dreh- und Angelpunkt jeder Open-Stack-Installation ist Compute, das den Codenamen Nova trägt. Die Entwickler haben sich im Hinblick auf diesen Dienst mächtig ins Zeug gelegt: Das Launchpad-Changelog [4] gibt mehr als 50 Blueprints an, die die Entwickler im Essex-Releasezyklus erfolgreich in Code umgesetzt haben.
Ein Beispiel hierfür ist die Arbeit an »nova-compute« , jenem Dienst, der auf den Virtualisierungsknoten läuft und dort virtuelle Maschinen auf Zuruf von »nova-api« startet: Mussten Benutzer von virtuellen Maschinen in der Vorgängerversion noch diverse Feinheiten je nach verwendetem Hypervisor beachten, sehen sie nunmehr keinen Unterschied bei den VMs, egal ob es sich um eine Xen- oder KVM-VM handelt.
So kommt Open Stack seinem Ziel näher, völlig Hypervisor-agnostisch zu sein und notfalls mehrere verschiedene Hypervisoren in der gleichen Cloudinstallation zu unterstützen. Im Rahmen dieser Arbeiten fanden auch diverse Verbesserungen für die Xen-API-Unterstützung Eingang, die den Betrieb mit Citrix Xen Server wesentlich erleichtern.
Auch für paranoide Sysadmins haben sich die Entwickler etwas überlegt: Mussten die Open-Stack-Dienste vorher noch mit den Rechten von Root laufen, gibt es in der neuen Fassung einen passenden »sudo« -Wrapper, der im Bedarfsfall Befehle als Root ausführt, ansonsten aber die Rechte eines normalen Systemusers verwendet.
Auch die Volume-Komponente »nova-volume« hat einige Neuerungen im Gepäck. So verfügt sie nun über ein API, um Snapshots von Volumes direkt im laufenden Betrieb zu erstellen; das soll besonders Backups zugutekommen. Außerdem besitzt »nova-volume« jetzt einen eigenen Endpoint. So nennt Open Stack die URL, über die die REST-Schnittstelle eines Dienstes zu erreichen ist.
Nova-volume war zuvor nur über den Umweg mit »nova-api« zu kontaktieren, jetzt können Applikationen auch direkt mit dem Volume-Dienst sprechen. Die Änderung wirkt wenig spektakulär, sie schafft aber die Grundlage für den Rewrite von »nova-volume« , der bis zur nächsten Release erfolgen und aus »nova-volume« einen vollständig autonomen Dienst namens Cinder machen soll (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nova-volume legt eigentlich nur logische Volumes in »nova-volumes« an. In der Post-Essex-Version wird es durch Cinder ersetzt, das über einen deutlich größeren Funktionsumfang verfügt.
Glance und Swift
Auch die anderen Open-Stack-Komponenten haben neue Features bekommen: Glance – der Open Stack Image Service – beherrscht nun im Duett mit Keystone ein ausgefeiltes Rollenkonzept (Role Based Access Control, RBAC), das wie in Nova den Benutzern unterschiedliche Rechte einräumt. Besondere Images lassen sich mit dem »Protected« -Flag versehen und sind dann nicht mehr löschbar, bis der Admin das Flag wieder entfernt.
Nicht zuletzt kann Glance jetzt andere, öffentliche Image-Stores (wie Amazon AWS) anzapfen und sich von dort Images herunterladen, um sie lokal abzulegen. Das Feature ist gerade für Hybrid Clouds, also Clouds, die sich sowohl auf privater Infrastruktur als auch auf öffentlich angebotener breitmachen, sehr interessant, weil es den problemlosen Abgleich von Images zwischen beiden Welten erlaubt. Swift, die Object-Store-Implementation für Open Stack, beherrscht erstmals das automatisierte Löschen einzelner Objekte (Object Expiry) und kommt ebenfalls mit Keystone zurecht.
Komplett neues Dashboard
Einen Riesenumbau erlebte das Open Stack Dashboard, Codename Horizon (Abbildung 3): Hier blieb im Vergleich zur Vorversion kaum ein Stein auf dem anderen. Zwar ist das Dashboard noch in Django verfasst, aber die Entwickler haben einen großen Teil des Codes neu erstellt. Für Cloudanwender ergeben sich hieraus viele coole Funktionen: Dank des Einsatzes einzelner Dashboards und Panels ist das Webinterface jetzt wesentlich übersichtlicher als zuvor.

Abbildung 3: Über die Instance-Funktionen des Dashboards lassen sich neue VMs starten, mit IP-Adressen versorgen und mit Volumes verbinden.
Das Anzeigen aktueller Status-Informationen (“Welche VMs von welchen Kunden sind derzeit aktiv und wie viel Performance brauchen sie?”) war in Diablo anstrengend. In Essex liefern die Open-Stack-Entwickler dafür eine überzeugende Lösung. Besonders erfreulich ist dabei, dass für viele Funktionen nun simple Knöpfe im Webfrontend existieren, die in Diablo noch fehlten. Dazu gehört das Anlegen und Löschen von Volume-Snapshots genauso wie die Möglichkeit, virtuelle Maschinen von Volumes zu starten, und dass es jetzt auch Benutzern erlaubt ist, VMs im Dashboard zu starten und zu stoppen.
Für Distributoren interessant ist ein anderes Feature. Über Bilder und Stylesheets lässt sich das Dashboard mit eigenen Themes individualisieren. Die Referenzplattform Ubuntu hat bereits vorgemacht, wie das aussehen kann – zwischen dem originalen Open Stack Dashboard und der Ubuntu-Version sind sehr gut die distributionsspezifischen Unterschiede zu erkennen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Open Stack Dashboard, hier im Ubuntu-Kleid, zeigt Statistiken über die Wolke an und erlaubt es auch, sie zu verwalten.
Keine Hochverfügbarkeit
Also alles super im Ubuntu-Cloudland? Leider nicht. Bei Open Stack ist ein großes Problemfeld schnell ausgemacht: Hochverfügbarkeit. Bereits beim Plattform-Vergleich im Linux-Magazin vor vier Monaten [5] schnitt Open Stack hier nicht besonders gut ab, seitherhat sich die Situation kaum gebessert.
Das Problem hat seine Ursache in den unterschiedlichen Erwartungen, die diesseits und jenseits des großen Teichs an Cloudplattformen bestehen. Amerikanische Infrastruktur-Anbieter sehen in Cloudsoftware vor allem ein gutes Werkzeug, um Skalierbarkeit zu erreichen. Jede virtuelle Maschine findet die Daten, die sie zum Betrieb braucht, entweder in ihrer Abbilddatei im Image Store oder holt sich die Daten beim Systemstart per Puppet, Chef oder Juju. Gibt es keine VMs mit dediziertem Inhalt, ist es völlig egal, wenn ein Server ausfällt, auf dem mehrere VMs laufen. Denn schließlich lassen sich völlig baugleiche VMs jederzeit auf anderen Nodes starten.
Das klassische Setup dieser Art sind Webserverfarmen, die in Zeiten hoher Last mögliche Performance-Engpässe umgehen. Und weil Open Stack vornehmlich aus dieser Branche kommt, fehlen klassische HA-Funktionen, und das eigentlich zuständige Nova denkt nicht daran, etwas zu unternehmen, wenn ein Virtualisierungsknoten ausfällt.
Europäische Ansprüche
Diesseits des Atlantiks herrscht eine andere Erwartungshaltung vor: Europäische Anbieter sehen beim Sprung in die Cloud vor allem den Faktor Konsolidierung des Rechenzentrums im Vordergrund, also die Migration von physischen Servern und bestehenden Kundensystemen in VMs in der Cloud. Dabei ist jede VM ein Unikat – fällt der Hypervisor aus, der eine VM betreibt, ist das ein deutlich größeres Problem. Auch in Essex hat Open Stack keine Infrastruktur, um auf etwaige Ausfälle entsprechend zu reagieren.
Immerhin: Das Open-Stack-Projekt hat das Problem erkannt und wird sich im Entwicklungszyklus für die nächste Version “Folsom” des Problems auf mehreren Ebenen annehmen. Für Glance und Keystone existieren mittlerweile OCF-Resource-Agenten, die die Dienste mit Pacemaker verwaltbar machen. Für Folsom soll wenigstens die Hochverfügbarkeit der Cloudinfrastruktur selbst erstmals möglich sein.
Auch das Thema Volumes spielt hier eine Rolle: »nova-volume« , das in Essex lediglich Logical Volumes in einer lokalem Volume-Gruppe namens »nova-volumes« anlegen kann, wird durch Cinder ersetzt, das wesentlich mehr kann (Abbildung 2). Aber das automatische Handling von ausgefallenen VMs wird vermutlich erst in einer Version nach Folsom zur Verfügung stehen. Bis dahin müssen Admins sich sehr genau überlegen, wie sie mit dem Thema Hochverfügbarkeit in Open Stack umgehen wollen – und nicht wenige werden deshalb wohl eher zu anderen Produkten greifen.
Open Stack im Alltag
Wer Open Stack ausprobieren möchte, findet in Ubuntu 12.04 alle für diesen Zweck notwendigen Pakete. Die “Cloud Edition”-CD, die noch zu Eucalyptus-Zeiten auf der Ubuntu-Seite zu finden war, führt mittlerweile zur normalen Server-DVD – aus einem installierten Serversystem lassen sich im Anschluss die Open-Stack-Pakete holen.
Dessen Installation gestaltet sich jedoch alles andere als intuitiv und unkompliziert – einen Setup-Wizard suchen Admins vergebens, stattdessen ist Handarbeit angesagt. Ein vom Autor dieses Artikels verfasster Guide [6] erklärt, wie sich – von einer Standardinstallation ausgehend – eine Ein-Knoten-Wolke realisieren lässt und welche Konfigurationsdateien dabei wie zu bearbeiten sind. Hier heißt es für Ubuntu zweifellos nachbessern, denn einige der nötigen Schritte ließen sich durch den Distributor noch deutlich komfortabler gestalten und automatisieren.
Wer sich den Konfigurationsstress nicht antun möchte, greift alternativ auf das kommerzielle Installationsangebot des Herstellers zurück: Für satte 10000 US-Dollar verspricht Canonical innerhalb von fünf Tagen eine Cloud mit allem Drum und Dran.
Ubuntu-spezifische Zusatzdienste
Aber Open Stack ist noch nicht alles, was das Pangolin zu bieten hat: Um einerseits den eigenen Stand im Cloudsegment zu festigen und andererseits die eigenen Produkte im Hinblick auf Systemsupport an die Kundschaft zu bringen, wertet Canonical seine Cloud-Produktpalette mit Zusatzdiensten auf.
Das Unternehmen tut das in der guten Gewissheit, derzeit praktisch allein auf diesem Markt unterwegs zu sein: Von Suse ist zwar ein Cloudprodukt angekündigt, einen fixen Veröffentlichungstermin gibt es dafür aber noch nicht. Red Hat hat RHEV, arbeitet aber auch an Open Stack in Fedora. Canonical will diesen Vorsprung nutzen und geht dabei auf die Bedürfnisse der Administratoren zu.
Das Rad neu erfunden
Einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiche Cloudumgebungen ist die Orchestrierung der Server, also virtuelle Maschinen automatisch in eine Datenbank, einen Webserver oder einen Mailserver zu verwandeln. Zwar ließen sich solche Dienste auch direkt in die Images im Image-Store einer Cloud integrieren, doch bräuchte der Admin dann für jeden Servertyp ein eigenes Image.
Das erweist sich jedoch oft als unpraktisch: Einerseits dauert es bei großen Images länger, bis sie gestartet sind, andererseits ist es wenig zielführend, sechs Images zu pflegen (allein wegen der Sicherheitsupdates), wenn sie sich lediglich im Hinblick auf den Dienst unterscheiden, den sie anbieten. Der Trend geht deshalb zu nackten Basis-Images, die das Management beim Booten automatisch so einrichtet, dass sie der zu übernehmenden Rolle tatsächlich entsprechen. Mindestens zwei solche Tools sind bereits etabliert: Puppet und Chef.
Den Ubuntu-Entwicklern waren diese beiden Räder aber offensichtlich nicht gut genug, und so erfanden sie ein drittes: Juju soll es Admins per Mausklick ermöglichen, aus einer Ubuntu-VM einen Mail-, Web- oder Datenbank-Server zu machen. Vorgefertigte Konfigurations-Snippets, die im Juju-Sprech Charm heißen, werden dazu beim Systemstart aktiviert.
Das Ubuntu-Linux installiert im weiteren Verlauf Pakete und verändert die Konfiguration am System so, dass es dem gewünschten Zweck entspricht. Juju erlaubt es zum Beispiel, nach der Installation von MySQL automatisch bestimmte Datenbanknutzer und Datenbanken anzulegen. Es ist freie Software und derzeit über die Ubuntu-PPA-Juju-Seite zu bekommen [7]. Unter [8] findet sich darüber hinaus eine große Sammlung fertiger Charms, die aus Ubuntu-Systemen jeweils spezifische Server machen.
Ubuntus UEC-Images
Auch wenn die Ubuntu Enterprise Cloud schon länger der Ubuntu Cloud Infrastructure als Aufsatz zum Ubuntu Server gewichen ist, erfreuen sich die UEC-Images hartnäckiger Beliebtheit. Seit Ubuntu im Cloudmarkt aktiv ist, sind im Netz diverse Images für VMs in Cloudumgebungen (wie Amazon AWS) verfügbar. Diese Tradition behält Ubuntu auch weiterhin bei; die auf [9] bereitstehenden Images lassen sich nahtlos in einen Glance-Image-Store integrieren und erlauben so das Starten einer Ubuntu-VM per Mausklick.
Wie immer gilt: Ein Login als »root« geht nicht und der einzige existierende Benutzer »ubuntu« hat kein Passwort. Wer mit diesen Images also experimentiert, tut gut daran, schon beim Start der VM einen SSH-Schlüssel auszuwählen. Die vorgefertigten Ubuntu-Open-Stack-Images erweisen sich vor allem für jene Admins als hilfreich, die eine homogene Ubuntu-Wolke schaffen möchten.
Awsome
Ubuntu bietet aber auch einen Leckerbissen für jene, die bereits in Amazons Public Cloud sind und mit dem Gedanken spielen, in eine private Wolke zu wechseln: Any Web Service Over Me (Awsome), ist ein Kompatibilitäts-Interface für Open Stack, das mit Befehlen für die Wolke von Amazon zurechtkommt. Der Proxyserver fängt Anfragen im Amazon-Format ab, übersetzt sie für das Open-Stack-API und die Antwort danach wiederum für das Amazon-API, bevor er sie zum Client schickt. Auf diese Weise bleiben Amazon-spezifische Programme zum Verwalten der Cloud verwendbar und Benutzer sind nicht gezwungen, vorhandene Setups zu ersetzen.
Eine Sache für die Ewigkeit ist das Ganze jedoch nicht: Laut Ubuntu soll Awsome lediglich die Migration hin zu Open-Stack-Clouds erleichtern und sich auf diese Weise früher oder später selbst überflüssig machen.
Advantage und Landscape
Wer herstellerspezifischen Support braucht, wird bei Ubuntu im schon seit einiger Zeit aktiv beworbenen Advantage-Programm fündig: Über diese Schiene können Admins nach einem klassischen Supportschema die Unterstützung durch den Distributionshersteller in Anspruch nehmen. Zu Advantage gesellt sich in aktuellen Ubuntu-Versionen außerdem Landscape (Abbildungen 5 und 6): Das Werkzeug will eine zentrale Managementinstanz sein, mit der sich viele verschiedene Clients automatisch und zentral verwalten lassen.

Abbildung 5: Zum Cloudmanagement gehört auch die Verwaltung von Servern und Maschinen. Ubuntus Landscape setzt auf Juju und reiht sich ein in die Verwaltungssysteme der Konkurrenz.

Abbildung 6: Tasks wie das Einspielen von Sicherheitsupdates lassen sich aus Landscape heraus bequem abwickeln, ganz ähnlich wie bei Red Hats Network-Satellite-Server oder Suses Manager.
Red Hats Network Satellite oder Suses Manager standen offensichtlich Pate für dieses Produkt: Server, die Landscape mittels »landscape-client« Bericht erstatten, lassen sich über das zugehörige Webinterface tatsächlich aus der Ferne verwalten. Das Landscape-Webinterface beherrscht dabei nicht nur einzelne Server, sondern kann auch – und das ist besonders für Cloudbenutzer von Interesse – ganze Infrastrukturen verwalten, egal ob die auf einem Open-Stack- oder einem Amazon-Setup aufbauen.
Fazit
Ubuntu erarbeitet sich mit seiner Cloud Infrastructure einen beachtlichen Vorsprung vor den anderen Distributoren. Die Tatsache ist kaum deutlich genug auszusprechen: Ubuntu ist die erste Distribution auf dem Markt, die eine umfassende und funktionierende Paketversion mit vernünftiger Integration in das System anbietet.
Technisch erbt die Umgebung die Vor- und Nachteile von Open Stack: Wer auf der Suche nach einer Software ist, die massiv skalierbare IT-Setups ermöglicht, der ist bei Open Stack bereits jetzt auf dem richtigen Dampfer und freut sich über die ausgezeichnete Integration ins Schuppentier. Wer klassische HA will, um die Konsolidierung seines Rechenzentrums voranzutreiben, der sollte sich allerdings noch etwas gedulden oder zurückwechseln zu Eucalyptus, das in Sachen Hochverfügbarkeit mittlerweile deutlich weiter ist.
Auch Ubuntu ist in Sachen Wolke aber noch nicht fertig für Wunschlos-glücklich-Admins: Wichtig wäre etwa die Möglichkeit, Open-Stack-Komponenten auf einem Host zu installieren, ohne dafür etliche Konfigurationsdateien anfassen zu müssen. Auch die Automatisierung des Vorgangs ist ein Ziel, das Canonical ins Auge fassen muss. Immerhin: Mit “Maas” steht schon die nächste Software in den Startlöchern, die Juju auf Host-Ebene implementiert und es Admins gestattet, physikalische Server einer dedizierten Aufgabe zu widmen – also beispielsweise einen Open-Stack-Compute-Node daraus zu machen.
Das kommerzielle Supportangebot Advantage, das neuerdings auch die neue Rechnerverwaltung Landscape enthält, soll Ubuntu über den bekannten Weg des Systemsupports rentabler machen, als es bisher ist. Zwar gab es auch vor 12.04 LTS bereits Advantage, doch der Hersteller hat den Launch der neuen Version genutzt, um das Angebot deutlich zu erweitern.
Ab rund 250 Euro pro Knoten gibt es den “Essential”-Support. Wer Clusterfunktionen und Virtualisierung braucht, muss allerdings auf die “Advanced”-Pakete für rund 950 Euro pro Knoten ausweichen, in denen der Support für Cloudsetups noch zusätzlich verrechnet wird. Immerhin: Wer auf Managementlösungen wie Landscape steht, kommt bei Ubuntu deutlich günstiger weg als bei Red Hat und Suse, bei denen allein die Lizenz für den Managementserver eine ganze Stange Geld kostet.
Infos
- Schuppentiere: http://de.wikipedia.org/wiki/Schuppentiere
- Open Stack: http://www.openstack.org
- S. Seyfried, C. Berendt, “Cactus im Anmarsch”: Linux-Magazin 05/11, S. 72
- Nova-Changelog für Essex: https://launchpad.net/nova/essex/2012.1
- Martin Gerhard Loschwitz, “Dunkle Wolken”: Linux-Magazin 12/11, S. 22
- Installing Open Stack Essex on Ubuntu 12.04: http://www.hastexo.com/resources/docs/installing-openstack-essex-20121-ubuntu-1204-precise-pangolin
- Juju: https://juju.ubuntu.com
- Juju-Charms: http://jujucharms.com
- UEC-Images: http://uec-images.ubuntu.com







