Viele Dienste, für die früher typischerweise der heimische Desktoprechner unerlässlich war, lassen sich heute in die Datenwolke auslagern: Vom Officepaket über die Unternehmenskommunikation bis zu Entwicklertools und synchronisiertem Datenspeicher versprechen Hoster und OSS-Projekte, alle Wünsche zu erfüllen.
Die Cloud-Computing-Welle schwemmt auch eine große Auswahl an Helfern zu den Anwendern, die sie am Desktop genauso nutzen können wie an jedem anderen Ort, wo es Internet gibt. Wer die richtigen Angebote kennt, spart sich das Aufsetzen eines eigenen Servers und arbeitet ab sofort online.
Problem Datenschutz
Das Konzept hat aber auch Haken: Da die eigenen Daten auf der Cloud in einem fremden Einflussbereich liegen, ist vorab ein Studium der AGBs unverzichtbar. Zum Beispiel behält es sich mancher kostenlose Dienst vor, die Daten nach längerer Inaktivität zu löschen. Anzuraten ist es auch, abzuwägen, wie viel Schaden ein Missbrauch schlimmstenfalls anrichten könnte. Geht es um Daten mit niedriger Geheimhaltungsstufe, spricht nichts dagegen, die teilweise kostenlosen Annehmlichkeiten der vielen wolkigen Angebote zu nutzen.
Texte, Tabellen, Wellen: Googles Wolken
Wenn Google Cloudsoftware vorstellt, dann handelt es sich oft um innovative Ajax-Webanwendungen, die bisher Desktop-Programmen vorbehaltene Funktionen übernehmen. Paradebeispiel dafür ist Google Text und Tabellen [1].
Als das Unternehmen aus Mountain View 2009 Wave vorstellte [2], schien der Internetgigant möglichst viele Web-2.0-Techniken in einer Anwendung kombinieren zu wollen. Es gab persönliche Profile und Kontakte wie bei Facebook oder Myspace. Die primären Objekte in Googles Dienst hießen schlicht “Waves” und ließen sich als eine Art ad hoc erzeugter Foren beschreiben, zu denen Nutzer aus der Kontaktliste neue Kommentare hinzufügen.
Das Revolutionäre daran war die Verschmelzung von Forum und Chatroom: Öffnen zwei oder mehr Benutzer einen Kommentar zum Editieren, erschien der eingetippte Text in Echtzeit auf dem Schirm aller anderen. Die Änderungen ließen sich hinterher wie in einem Video abspielen und kontrollieren. Texte formatierte Waves ähnlich wie Google Text und Tabellen. Widgets banden Karten, Datei-Attachments und vieles mehr ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Eine Web-2.0-Anwendung par excellence: Das inzwischen eingestellte Google Waves verknüpfte eine Textverarbeitung mit der Interaktivität eines Chatrooms.
Ob es daran lag, dass sich die wenigsten gerne beim Tippen zusehen lassen, oder ob Wave seine Nutzer mit zu vielen Features überforderte: Der Dienst geriet zum Flop, schon Ende 2010 war Schluss mit der aktiven Entwicklung. Google hat aber die Software mittlerweile als Open-Source-Projekt freigegeben [3].
Vibe Cloud
Novell springt jetzt in die Bresche und versucht dem Wave-Konzept neues Leben einzuhauchen. Im April endete die Betaphase der Vibe-Cloud-Plattform [4], auf der Novell eine Waves-ähnliche Kollaborationsplattform als Software as a Service (SaaS) anbietet.
Es existieren ein kostenloses Basisangebot und ein Abonnement für 84 Dollar pro Jahr, das Gruppen mit mehr als acht Mitgliedern erlaubt und das Speicherplatz-Limit von 250 MByte auf 5 GByte erhöht. Außerdem gibt es Support für die kostenpflichtige Version. Als Zielgruppe sieht Novell jedoch – anders als Google – nicht mehr private Internetnutzer, sondern Firmenkunden.
Novells Software übernimmt viele Features aus Wave: Es handelt sich auch hier um ein Echtzeitforum mit kollaborativ editierbaren Einträgen. Wie bei Waves existieren Widgets, die zum Beispiel Videos oder Tabellen einbinden, jedoch längst nicht so viele.
Ins Identity-Management integriert
Eine wichtige Erweiterung gegenüber Waves sind die Benutzergruppen (Abbildung 2), denen Anwender auf Einladung beitreten. Ihrem Namen entsprechend bilden sie Arbeitsgruppen im Unternehmen ab, ein wohl typisches Novell-Feature. Da wenige Mausklicks zur Einrichtung genügen, taugen sie auch für kurzfristige Treffen wie virtuellen Meetings und Konferenzen. Vibe Cloud zeichnet außerdem Messages mit Tags aus und bringt eine leistungsfähige Suchfunktion. Eine »Big List« genannte Übersichtsseite fasst Einträge und Veränderungen aller abonnierten Gruppen zusammen.

Abbildung 2: Google Wave plus ordnende Rahmenfunktionen wie Gruppen und Tags: So lässt sich Novells Cloud-Dienst Vibes in wenigen Worten umschreiben.
Ohne Zweifel ist Novell Vibe ein mächtiges Werkzeug für die Kommunikation und Dokumentation in Unternehmen. Wer den Supportbereich [vibe.novell.com] durchkämmt, stößt aber noch auf etliche Ungereimtheiten. Doch diese Startschwierigkeiten werden kaum den Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg des Wave-Recast geben. Die Frage ist, wie viel konkreten Nutzen eine Software einfährt, die mit einer Fusion aus statischen Wikis (Schriftlichkeit) und Videokonferenzen (Echtzeit-Dynamik) eine Art Quadratur des Kreises anstrebt.
Projekt Brainstorm
Planungs- und Brainstorming-Sessions für Open-Source-Projekte sind ein Einsatzbereich für Vibe, an den das gewinnorientierte Novell wohl nicht gedacht hat, den es aber mit seinem kostenlosen Basisangebot ermöglicht. Anders als Führungskräften finanzstarker Unternehmen stehen diesen schließlich nur selten große Plasmaschirme für Videokonferenzen zur Verfügung.
Gerade im Vergleich mit dem guten alten IRC bietet Vibe aber einige Vorteile: Es ist ebenso interaktiv wie ein Chat, doch die Software fixiert den Meinungsaustausch ohne zusätzlichen Aufwand. Anders als Chat-Mitschnitte, die hinterher niemand gerne liest, transportiert es die Inhalte optisch ansprechend und gut strukturiert.
Wolkige Code-Schmieden
Vor der Jahrtausendwende gab es nur eine bedeutende Software-Hostingplattform: Sourceforge [5] stellte schon damals CVS-Repositories kostenlos zur Verfügung. Mit den Performanzproblemen und über Monate nicht behobenen Bugs in der Serversoftware mussten sich die Benutzer zähneknirschend abfinden, wegen fehlender Alternativen.
Heute herrscht auch in dieser Branche kein Mangel an attraktiven Cloudangeboten. Bei der Suche nach einer Hostingplattform sind ganz am Anfang drei Fragen zu klären: Welche Versionsverwaltung soll zum Einsatz kommen? Kommen kostenpflichtige Angebote in Frage? Besteht Bedarf für private, auf angemeldete Nutzer beschränkte Repositories?
Für die breite Öffentlichkeit
Unter den vielen Hostingplattformen für Git und Mercurial sind Github [6] und Google Code [7] die bekanntesten und mitgliederstärksten. Das ist ein handfester Vorteil für alle, die eine Open-Source-Software der Öffentlichkeit vorstellen möchten.
Kostenlos gibt es auf Github unbeschränkt viele öffentliche Repositories, jedoch keine Privatsphäre. Fünf nicht öffentliche Repositories, allerdings mit nur einem einzigen Benutzeraccount, kosten 7 Dollar pro Monat, 20 Repositories und zehn Accounts 22 Dollar. Bei den Business-Tarifen sind grundsätzlich beliebig viele Team-Mitglieder erlaubt. Die Preisspanne reicht dabei von 25 Dollar pro Monat für zehn private Repositories bis zu 200 Dollar für 125.
Dafür bietet Github seinen Kunden leistungsfähige Entwicklerwerkzeuge: ein mit Git versioniertes Wiki, das mehrere Markup-Sprachen beherrscht, sowie einen Bugtracker, der ebenfalls Wiki-Formatierungen zulässt. Die Wiki-Syntax erlaubt eine Verlinkung von Wiki, Bugtracker und Coderepository und beherrscht Syntax Highlighting für viele Programmiersprachen.
Anhängern der agilen Programmierung wird die Codereview-Funktion gefallen, die ebenfalls Wiki-Formatierungen und -Links kennt (Abbildung 3). Die Versionsverwaltung ist dem Namen des Dienstes entsprechend auf Git beschränkt. Als kleinen Bonus legt Github eine Textschnipsel-Verwaltung obendrauf, die anders als das bekannte Pastebin [8] werbefrei und mit Versionshistorie und Kommentarfunktion ausgestattet ist.

Abbildung 3: Mit seiner Codereview-Funktion, die ausführliche, Wiki-formatierte Kommentare direkt in der Quellcode-Ansicht ermöglicht, gibt sich Github sehr agil.
Open Source ist Pflicht
Wer lieber Mercurial einsetzt, findet in Google Code eine Plattform mit ähnlichem Leistungsumfang: Es gibt ein Wiki, einen Bugtracker und ebenfalls eine Codereview-Funktion. Besonders gut umgesetzt bei Google Code ist das Editieren direkt in der Quellcode-Ansicht (Abbildung 4). Den Komfort einer IDE darf der Anwender von der Webanwendung allerdings nicht erwarten, doch es gibt immerhin ein gut funktionierendes Syntax Highlighting.

Abbildung 4: Keine vollwertige IDE, aber praktisch für unterwegs: Google-Code-Nutzer editieren Quellcode direkt im Webfrontend.
Nimmt ein Benutzer ohne Schreibrechte im Repository Änderungen vor, so landen diese als Patch im Ticketsystem. Die Edit-Funktion dient also in erster Linie als Ersatz für die Pull-Requests, die auf verteilten Versionskontrollsystemen wie Git oder Mercurial spezialisierte Plattformen anbieten. Projekte auf Google Code sind stets für alle Internetbesucher sichtbar und lesbar. Google verlangt außerdem explizit eine Open-Source-Lizenzierung für alle gehosteten Projekte.
Manchen mögen’s privat
Die beiden Softwarehoster Gitorius (Abbildung 5, [9]) und Bitbucket (Abbildung 6, [10]) können beim Leistungsumfang der Plattform mit den beiden Großen nicht ganz mithalten: Gitorius bietet Entwicklern lediglich ein Wiki und öffentliche Git-Repositories samt Sourcecode-Browser. Dafür steht die Gitorius-Software selbst unter der AGPL 3.

Abbildung 5: Gitorius und Bitbucket können beim Leistungsumfang nicht mit Github und Google mithalten. Dafür ist die Gitorius-Software quelloffen.
Anleitungen für die Installation unter Red Hat, Gentoo, Debian und Ubuntu stehen bereit [11]. Bitbucket bietet kostenlose, nicht öffentliche Mercurial-Repositories für bis zu fünf Anwender an. Bei Open-Source-Projekten fällt die Beschränkung der Anwenderzahl weg.
Ein Upgrade auf zehn User kostet 10 Dollar pro Monat, für 80 Dollar gibt es private Repositories für beliebig viele Anwender. Besonders positiv: Bereits für die kostenlosen Angebote gelten auf Bitbucket.org keine Speicherplatzbeschränkungen mehr.
Es gibt einen leistungsfähigen Bugtracker, ein Wiki und einen Quellcode-Browser, der auch die Revsionshistorie grafisch aufbereitet. Erwähnenswert ist noch, dass Bitbucket die von vielen Usern geschätzte Mercurial Patch Queue unterstützt.
Online-Speicherplatz für jeden Desktop
Wer viel unterwegs ist, vergisst es schnell mal, eine auf der Reise benötigte Datei aufs Notebook zu kopieren. Praktischer ist es daher, die Dateien gleich auf einem Cloudstorage zu speichern.
Weltweiten Zugriff auf Dateien bieten die Clouddienste Strato Hidrive [12], der unter Linux, Mac OS X und Windows ohne proprietäre Software nutzbar ist, Dropbox [13], das bis zu 2 GByte Plattenplatz kostenlos bereitstellt, sowie Ubuntu One [14], dessen maximal 2 GByte Ubuntu frei Haus mitliefert. Besser als Vertrauen ist bei Online-Speicherplatz stets eine Verschlüsselung mit Truecrypt [15] oder Encfs [16].
Da beide mit Dateien auf nahezu beliebigen Dateisystemen zurechtkommen [17], funktionieren sie auch mit allen Onlinestorage-Diensten. Doch bergen Auswahl und Konfiguration der Cryptosoftware einige Tücken: Die Rechner ohne Truecrypt-Software und vor allem das von den Diensten angebotene Webfrontend bleiben draußen – aus dem Internetcafé wird’s schwierig.
Strato Hidrive
Anders als Dropbox und Ubuntu One gibt es bei Strato Hidrive [12] keinen kostenlosen Basistarif. Bereits 20 GByte schlagen mit monatlich 2 Euro zu Buche. 100 GByte kosten knapp 5 Euro, 500 GByte um die 10 Euro. Das Maximum liegt derzeit bei 5 TByte für rund 150 Euro pro Monat. Einsteiger können das Angebot 30 Tage lang kostenlos ausprobieren. Wer sich gegen die weitere Nutzung entscheidet, sollte die rechtzeitige Kündigung nicht verpassen.
Dafür bietet Strato als einziger Anbieter Netzlaufwerke, die ohne proprietäre Software über Samba/CIFS, SSH, Webdav oder Rsync erreichbar sind (Abbildung 7). Samba-Verbindungen für den Zugriff vom Windows-Rechner darf der Nutzer über Open VPN absichern. SSH-Verbindungen, etwa für per Cron angestoßene Synchronisierungen, kann er mit einer Schlüsseldatei sichern.

Abbildung 7: So sollte Onlinestorage für Linux aussehen: Per SSH gelingt der Zugriff auf Strato Hidrive mit den gängigen Dateimanagern oder der Konsole ganz ohne Installation oder Einrichtung.
Zugriffe über FTP oder ungetunnelte Samba-Verbindungen sind möglich, lassen sich aber für bessere Sicherheit im Web-basierten Kontrollzentrum deaktivieren. Einen Browser-basierten Dateimanager für den Notfall gibt es ebenfalls. Hier kann der Nutzer auch öffentliche Download-Links erzeugen, die für einige Tage öffentlichen Zugang auf einzelne Dateien gewähren. Einmal gültige Upload-Links für Dateien bis 2 TByte große Dateien sind ebenfalls möglich.
Für Datensicherheit sorgen in konfigurierbaren Zeitabständen oder manuell angestoßene Backups. Im Webfrontend kann der Anwender einzelne Dateien zurückspielen. Bereits die 20-GByte-Basisversion bietet damit sechs Wochen lang Sicherheit vor unabsichtlichem Überschreiben. Bei der 30 Euro teuren 2-TByte-Variante hält der Anbieter Backups 18 Monate vor.
Strato behält sich ausdrücklich die Kündigung bei glaubhaft geltend gemachten Rechtsverletzungen oder Zahlungsverzug vor. Die Haftung schränkt der Dienstleister auf die Gebühren zweier Jahre ein. Strato wirbt mit eigenen Rechenzentren in Deutschland und ist damit nicht wie das Gros der Onlinestorage-Dienste von Amazon abhängig.
Dropbox
Voraussetzung für die Nutzung von Dropbox [13] ist – anders als bei Hidrive – die Installation der für Linux, Mac OS X und Windows sowie Android, I-OS und Blackberry verfügbaren Software. Ubuntu ab 7.10 und Fedora ab 9 versorgt Dropbox mit Paketen, Anwender anderer Distributionen müssen die Software aus den Quellen kompilieren. Auch für Android-, iPhone- oder Blackberry-Anwender ist gesorgt. Die Nautilus-Integration ist quelloffen, nicht jedoch der eigentliche Sync-Daemon.
Der Gnome-Dateimanager Nautilus zeigt nach der Installation den Synchronisationsstatus für Dateien und Folder an (Abbildung 8). Zumindest Gnome-Anwender werden an der Dropbox-Software wenig auszusetzen haben. Der Dienst lief im Test zuverlässig und fordert vom Nutzer keine Aufmerksamkeit. Mehr Details zu Bedienung und Features von Dropbox enthält [18]. Für Rechner ohne installierte Dropbox-Software gibt es einen komfortablen Ajax-Client, der auch die Freigabe der Dateien regelt.

Abbildung 8: Für Gnome-Anwender optimal: Die Dropbox-Software gleicht den »Dropbox«-Folder im Homeverzeichnis automatisch mit dem Server ab und zeigt in Nautilus den Synchronisationsstatus für Dateien und Ordner an.
Dropbox bietet einen kostenlosen Basisaccount mit 2 GByte Speicherplatz an. Upgrades auf 50 GByte kosten knapp 10 Euro pro Monat, 100 GByte 20 Euro. Wie jeder Synchronisationsdienst spart Dropbox in keinem Fall Festplattenplatz ein, da die Daten immer auch auf der lokalen Festplatte liegen.
Problemfall Sicherheit
Der Sicherheitsexperte Derek Newton kritisiert, dass Dropbox nur beim ersten Login nach dem Passwort fragt [19]. Nach seiner Analyse basiert die Authentifizierung allein auf einem Hash in einer unverschlüsselten SQLite-Datei, der wie ein SSH-Schlüssel ohne Passphrase unbeschränkten Zugang zum Dropbox-Account gewährt (Abbildung 9).

Abbildung 9: Unnötig unsicher: Der Dropbox-Client authentifiziert sich nach dem Aufbau einer Geräteverknüpfung nur noch mit einem Hash aus einer von Gerät zu Gerät übertragbaren SQLite-Datenbank und fragt nie mehr nach dem Passwort.
Unter Linux bestätigte ein Test: Das Kopieren von ».dropbox/config.db« genügt, um den Zugriff von einem weiteren Rechner aus freizuschalten. Dass ein für die Nutzung auf mobilen Geräten prädestinierter Dienst dem Anwender keine Möglichkeit bietet, den Zugriff durch regelmäßige Passwortabfrage einzuschränken, ist für sicherheitsbewusste Anwender nicht akzeptabel.
Bleibt noch ein Blick in die AGBs: Nutzer der kostenlosen, auf 2 GByte beschränkten Variante müssen demnach berücksichtigen, dass sich Dropbox die Löschung der Daten nach 90 Tagen Inaktivität ohne Ankündigung vorbehält. Die Haftung bei freien Accounts ist auf 20 Dollar beschränkt. Die Firma Dropbox hat ihren Sitz in San Francisco, unterliegt also der amerikanischen Rechtspraxis.
Ubuntu One
Wie Dropbox bietet auch Ubuntu One 2 GByte freien Plattenplatz, den es ebenfalls mit Hilfe eines Hintergrund-Daemon mit lokalen Geräten synchronisiert (Abbildung 10). Leider erweist sich Ubuntus Dienst in der Praxis als sehr unzuverlässig: So schläft der Sync-Daemon oft ein, bevor die Arbeit getan ist (vergleiche [18]). Gelegentlich legen Serverupgrades Teile des Dienstes lahm.

Abbildung 10: Ubuntu One schnürt mit der Datei-, Kontakt- und Tomboy-Notes-Synchronisation ein vom Umfang her attraktives Paket. Leider hakt es in der Praxis noch immer an mehreren Stellen, obwohl der Dienst seit Ubuntu 9.10 offiziell als stabil gilt.
Punkte sammelt Ubuntu One mit der Synchronisation von Evolution-Kontakten und Firefox-Bookmarks sowie der Tomboy-Notizen. Ein attraktives Gesamtpaket, das allerdings auf Gnome-Software beschränkt bleibt. Beliebig summierbare 20-GByte-Upgrades kosten je 3 Dollar im Monat. Für Android-Geräte und iPhones gibt es für knapp 4 Dollar eine Streamingfunktion für Musikdateien, gekoppelt mit dem Ubuntu Music Store.
Unzuverlässige Synchronisation
Auch die enthaltene Synchronisation der mobilen Kontakte funktionierte im Test unter Ubuntu 10.10 nicht zufriedenstellend: Das Löschen von Kontakten in Evolution schlug fehl, und es dauerte rund 30 Minuten, bis ein angelegter Kontakt im Webfrontend auftauchte. Das ist für nur zeitweise mit dem Internet verbundene Mobilgeräte viel zu langsam, zumal es keinerlei Feedback über den Synchronisationsstatus gibt. Schade, denn Ubuntu-Nutzer würden offizielle Pakete einer quelloffenen Software sicherlich der proprietären Dropbox-Lösung vorziehen.
Wie Dropbox behält sich Canonical bei freien Accounts die Datenlöschung nach 90 Tagen Inaktivität vor, verspricht jedoch wenigstens vorher per E-Mail darüber zu informieren. Die Firma gewährt keinerlei Haftung für die in der Cloud gespeicherten Daten.
Wolkenteppich
Strato Hidrive [12] unterstützt eine breite Palette nativer Linux-Technologien für den Datentausch, zum Beispiel SSH und Rsync, und ist außerdem bei großem Platzbedarf bis 5 TByte günstig. Ein zuverlässiges, kostenloses Basisangebot bietet Dropbox [13]. Manko für den Einsatz auf Mobilgeräten ist aber, dass sich der Loginschlüssel nicht durch eine Passphrase schützen lässt.
Die Angebote von Github [6] und Google Code [7] glänzen dagegen mit leistungsfähigen agilen Online-Entwicklungsplattformen für Git- oder Mercurial-Anwender. Gitorius [9] gibt seine Plattformsoftware unter der GPL frei, Bitbucket [10] bietet bereits im kostenlosen Basisaccount private Repositories.
Ob sich die Kommunikationsplattform Novell Vibe [4] im Firmenumfeld durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Gerade weil sie viele innovative Features kombiniert, schreckt sie möglicherweise wie ihr Vorgänger Google Waves viele potenzielle Anwender ab. Die Anwendung mit dem kostenlosen Basisaccount einfach einmal auszuprobieren dürfte aber allen an Ajax-Technologien Interessierten Spaß machen.
Infos
- Google Text und Tabellen: http://www.google.com/google-d-s/intl/de/tour1.html
- Google Wave: http://wave.google.com
- Apache Wave: http://incubator.apache.org/wave/
- Novell Vibe Cloud: http://www.novell.com/products/vibe-cloud/
- Sourceforge: http://sourceforge.net
- Github: https://github.com
- Google Code: http://code.google.com
- Pastebin: http://pastebin.com
- Gitorius: https://gitorious.org
- Bitbucket: https://bitbucket.org
- Installation der Gitorius-Software: https://gitorious.org/gitorious/pages/Installation
- Strato Hidrive: http://www.strato.de/online-speicher/
- Dropbox: https://www.dropbox.com
- Ubuntu One: https://one.ubuntu.com
- Truecrypt: http://www.truecrypt.org
- Encfs: http://www.admin-magazin.de/content/verschluesselte-dateien-mit-encfs
- Markus Feilner, Norbert Graf, “Sicher weggeschlossen”: Linux-Magazin 06/11, S. 50
- Mela Eckenfels, Heike Jurzik, “Magic Discs”: Linux-Magazin 03/2011, S. 56
- Kritik an der Dropbox-Sicherheit: http://dereknewton.com/2011/04/dropbox-authentication-static-host-ids/







