
Abbildung 1: Hugeurl.com sorgt für das Gegenteil einer Short Story. Nach dem Eintippen dieser URL – das Bild zeigt nur die erste Hälfte – landet der Benutzer entschleunigt auf Linux-Magazin Online.
Ernst ist das Leben, heiter die Kunst: Sysadmin Charly liefert diesmal eine Doppelkolumne ab – mit einem durch und durch ernst zu nehmenden TCP-Sniffer, gefolgt von einer Portion April-April-URL.

Abbildung 1: Hugeurl.com sorgt für das Gegenteil einer Short Story. Nach dem Eintippen dieser URL – das Bild zeigt nur die erste Hälfte – landet der Benutzer entschleunigt auf Linux-Magazin Online.
Wer Netzwerkdienste entwanzen muss, packt Tcpdump und Wireshark aus. Aber mal ehrlich: Beide sind alles andere als intuitiv zu bedienen und das Interpretieren der Ergebnisse will gelernt sein. Weniger mächtig, aber ungleich verständlicher zeigt sich Tcpflow [1]. Es präsentiert die Ergebnisse nicht Paket für Paket, sondern fasst sie als Datenstrom zusammen. Das ist der Flow, dem das Tool seinen Namen verdankt. Es sortiert alle offenen Verbindungen zu Quelle-Ziel-Pärchen und zeigt deren Datenverkehr zusammenhängend. Ich muss mich nicht um Sequenznummern und Out-of-Order-Pakete kümmern.
Ein typischer Aufruf lautet: »tcpflow -i eth0 -c -e« . Der Parameter »-i« wählt das zu belauschende Interface aus, mit »-c« schickt Tcpflow die Daten auf die Konsole. Lasse ich den Parameter weg, schreibt das Tool den Inhalt jedes Flow in eine Datei, deren Name sich aus Quell-IP, Ziel-IP und den Portnummern ergibt.
Der Parameter »-e« , den Tcpflow offenbar aber nicht auf allen Linux-Distributionen kennt, färbt die Verbindungen von Server und Client auf der Konsole unterschiedlich ein.
Ganz im Tcpdump-Stil kann ich Filter aktivieren, um die Anzeige auf bestimmte Quellen, Ziele oder Ports einzugrenzen:
tcpflow -i eth0 -c -e port 143
Das Beispiel listet nur IMAP-Verbindungen. In Abbildung 2 verbindet sich mein Browser per HTTP zu Linux-Magazin Online. Dort ist schön zu sehen, wie Tcpflow auch den Inhalt des Cookies anzeigt, das die Webseite überträgt.

Abbildung 2: Tcpflow fasst die Dumps der Pakete von Client (Charlys Browser, oben) und Server (»www.linux-magazin.de«, unten) zu Flows zusammen.
Länger ist besser
Vor gut einem Jahr habe ich hier den URL-Verkürzer Yourls (Your Own URLs) ins Licht gerückt [2]. Yourls bastelt mir mit Hilfe von Apaches Mod_rewrite-Funktion aus langen URLs praktischerweise kurze. Nur: Verliert die Webwelt durch solche Fastfood-URLs nicht an Kultur?! Genervte Admins schlagen mit URLs epischer Dimensionen zurück. Die generieren sie etwa mit Hugeurl.com [3], einem Dienst, der die Webadresse [www.linux-magazin.de] in das Monstrum aus Abbildung 1 verwandelt. (jk)
Infos
- Tcpflow: http://www.circlemud.org/~jelson/software/tcpflow/
- Charly Kühnast, “Short Story”: Linux-Ma-gazin 02/10, S. 67, https://www.linux-magazin.de/Heft-Abo/Ausgaben/2010/02/Short-Story
- Hugeurl.com: http://hugeurl.com





